Lungenperfusionsszintigraphie

Bei der Lungenperfusionsszintigraphie handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Nuklearmedizin, welches im Wesentlichen zur Beurteilung einer Lungenembolie eingesetzt wird. Mit Hilfe der Lungenszintigraphie lässt sich eine Lungenembolie sehr sensitiv (Wahrscheinlichkeit, dass bei einer vorliegenden Lungenembolie diese erkannt wird) nachweisen, indem eine Perfusionsstörung in den Lungengefäßen sichtbar gemacht werden kann. Von Vorteil ist bei der Lungenperfusionsszintigraphie, dass es sich um eine nicht-invasive diagnostische Methode handelt, die eine Perfusionsstörung ab einem Gefäßdurchmesser von zwei Zentimetern sicher nachweisen kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Lungenarterienembolie – durch einen Thrombus (Blutgerinnsel) können Lungengefäße komplett oder inkomplett verschlossen werden, wodurch das Gewebe hinter dem Gefäßverschluss nicht mehr ausreichend versorgt werden kann und somit nektrotisch (abstirbt) wird. Der Thrombus wandert zumeist aus den tiefen Beinvenen oder den Beckenvenen in das bronchiale Gefäßsystem über die Pulmonalarterie ein. In Abhängigkeit vom Schweregrad der Lungenarterienembolie können Symptome wie ein deutlich erniedrigter Blutdruck, eine akute Dyspnoe (Atemnot) und eine Tachypnoe (beschleunigte Atmung) auftreten. Durch die Lungenperfusionsszintigraphie kann die Lokalisation der Perfusionsstörung diagnostisch sichtbar gemacht werden.
  • Lungenresektion – vor der operativen Entfernung eines Lungenflügels oder von Teilen der Lunge ermöglicht die Lungenperfusionsszintigraphie die Quantifizierung der Lungenperfusion.
  • Zustand nach Norwood-Operation – bei diesem Operationsverfahren handelt es sich um eine chirurgische Therapiemaßnahme bei einem vorliegenden hypoplastischen Linksherzsyndrom. Nach erfolgter Operation dieses Syndroms, welches eine Fehlentwicklung des Herzens und der Aorta (Hauptschlagader) beschreibt, ist die Lungenperfusion mittels Szintigraphie zu bestimmen.
  • Verlaufskontrollen nach Lungentransplantation (LUTX)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Relative Kontraindikationen

  • Laktationsphase (Stillphase) – das Stillen muss für 48 Stunden unterbrochen werden, um eine Gefährdung des Kindes zu verhindern.
  • Wiederholungsuntersuchung – innerhalb von drei Monaten sollte auf Grund der Strahlenbelastung keine Wiederholung einer Szintigraphie durchgeführt werden.

Absolute Kontraindikationen

  • Gravidität (Schwangerschaft)
  • schwerste pulmonale Hypertonie – das Vorhandensein eines schweren pulmonalen Bluthochdrucks stellt eine absolute Gegenanzeige für die Durchführung der Szintigraphie dar.

Vor der Untersuchung

  • Röntgenaufnahme des Thorax – vor der Durchführung der Lungenperfusionsszintigraphie muss eine aktuelle Röntgenaufnahme des Thorax vorliegen.
  • Applikation des Radiopharmakons (radioaktive Substanz oder ein Carrier, an den eine radioaktive Substanz gekoppelt ist) – zur Überprüfung der Lungenperfusion ist die intravenöse Applikation eines Radiopharmakons notwendig. Der Patient muss hierzu mehrmals tief ein- und ausatmen, bevor die Injektion am liegenden Patienten vorgenommen werden kann. Die notwendige Dosis variiert in Abhängigkeit vom Alter des Patienten.

Das Verfahren

Die Überprüfung der Lungenperfusion ist von besonderer Bedeutung bei einem vorliegenden Verdacht auf eine Lungenarterienembolie. Auf Grund der Lebensgefahr bei einer akuten Lungenarterienembolie stellt die Lungenperfusionsszintigraphie ein ausgezeichnetes diagnostisches Verfahren dar, weil die Erkennung einer Lungenarterienembolie zuverlässig erfolgt.

Das Grundprinzip der Lungenperfusionsszintigraphie beruht auf der Darstellung der Tc-99m-markierten Albumin-Partikel, bei denen es sich um ein Radiopharmakon handelt. Der Albumin-Partikel stellt eine denaturierte Substanz dar (Denaturierung – Verlust der biologischen Funktion durch eine Strukturveränderung des Albumins), wobei jeder einzelne Partikel zwischen 15 und 40 µm groß ist. Auf Grund dieser Größe bleiben die Tc-99m-markierten Albumin-Partikel im ersten Kapillarbett der Lunge hängen, wodurch eine Darstellung der Perfusion möglich wird. Die so erzeugten Mikroembolien führen als Folge der geringen Stoffmenge jedoch zu keinen Beeinträchtigungen des Blutflusses.

Die Lungenperfusionsszintigraphie kann mit einer Lungenventilationsszintigraphie kombiniert werden, sodass eine Kombination die Erkennung einer akuten Lungenembolie verbessern kann. Eine akute Lungenembolie stellt sich in der Lungenperfusionsszintigraphie als scharf begrenzter und zusätzlich lungensegmentbezogener Durchblutungsausfall dar. Außerdem liegt in diesem Areal ein sogenannter "Mismatch" zwischen Lungenperfusion und Lungenventilation vor.

Lungenabschnitte, die zwar gut belüftet, jedoch schlecht durchblutet werden, sprechen für eine akute Lungenembolie. Im Gegensatz hierzu spricht ein Areal mit einem Perfusions- und Ventilationsausfall, also einem sogenannten "Match", indes gegen eine akute Lungenembolie.

Um eine aussagekräftige Szintigraphie gewährleisten zu können ist es notwendig, dass Perfusionsbilder aus verschiedenen Ansichten dargestellt werden. Die Lungenperfusionsszintigraphie stellt jedoch bei einem positiven Befund keinen eindeutigen Nachweis einer Lungenembolie dar, weil eine sogenannte "Match-Symptomatik" auch durch weitere Erkrankungen der Lunge, wie zum Beispiel einer Sarkoidose, hervorgerufen werden können.

Nach der Untersuchung

  • Nach der Untersuchung sind im Allgemeinen keine speziellen Maßnahmen notwendig. Lediglich stillende Patientinnen sollten für 48 Stunden auf das Stillen verzichten und die Muttermilch in dieser Zeit verwerfen.

Mögliche Komplikationen

  • Bei der intravenösen Applikation des Radiopharmakons kann es zu lokalen Gefäß- und Nervenläsionen (Verletzungen) kommen.
  • Die Strahlenbelastung durch das verwendete Radionuklid ist eher als gering einzustufen. Trotzdem ist das theoretische Risiko eines strahleninduzierten Spätmalignoms (Leukämie oder Karzinom) erhöht, sodass eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.

Lteratur

  1. Redling F: HerzAkutMedizin. Springer Verlag 2006
  2. Leinsinger G: Indikationen zur bildgebenden Diagnostik. Springer Verlag 2001
  3. Härtel D: Notfall + Rettungsmedizin – Lungenarterienembolie. Springer Verlag 2000
  4. Frantz E: Standards der Inneren Medizin in der Grund- und Regelversorgung. Steinkopff Darmstadt Verlag 2005

     
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