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Schilddrüsenszintigraphie

Bei der Schilddrüsenszintigraphie handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Nuklearmedizin, das sowohl zur funktionellen als auch zur morphologischen Untersuchung der Schilddrüse eingesetzt werden kann. Von besonderer Bedeutung ist das Untersuchungsverfahren bei der Aktivitätsbeurteilung von Knoten der Schilddrüse. 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Tastbare oder sonographisch nachweisbare knotige Veränderungen der Schilddrüse bzw. Verdacht auf Schilddrüsenmalignom bei einem abgrenzbaren Herdbefund – hier wird typischerweise die Schilddrüsenszintigraphie zur weiteren diagnostischen Abklärung eingesetzt. Diese liefert Informationen über den globalen und regionalen Funktionszustand der Schilddrüse und ermöglicht die Identifikation hyperfunktioneller (heißer) und hypofunktioneller (kalter) Knoten. Szintigraphisch suspekte (verdächtige) Knoten (z. B. kalte Knoten) werden anschließend der Feinnadelbiopsie unterzogen und histologisch (feingeweblich) untersucht.
  • Verdacht auf Schilddrüsenautonomie bei vorliegender Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – bei einer Hyperthyreose kann eine funktionelle diffuse (verteilt) oder fokale (von einem Herd ausgehend) Autonomie der Schilddrüse vorliegen, die sich szintigraphisch abklären lässt.
    Unter einer Schilddrüsenautonomie versteht man eine Verselbstständigung von Teilen des Schilddrüsengewebes vom thyreotropen Regelkreis (Hypothalamus-Hypophyse-Schilddrüse). Dieses führt zu einer 
    nicht bedarfsgerechten Produktion von Schilddrüsenhormonen.
  • Diagnosesicherung bei unklarer chronischer lymphozytärer Thyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung); diese ist gekennzeichnet durch eine diffuse oder fokale lymphozytäre Infiltration der Schilddrüse – bei diagnostisch unklaren Fällen bei der Abgrenzung eines Morbus Basedow gegen eine chronisch lymphozytäre Thyreoiditis stellt die Schilddrüsenszintigraphie ein diagnostisch relevantes Verfahren dar.
  • Postoperative Diagnostik – die Schilddrüsenszintigraphie stellt bei der Beurteilung des Therapieerfolges nach einer Thyreoidektomie (Entfernung der Schilddrüse) oder einer Radiojodtherapie ein Verfahren der Wahl dar.
  • Verlaufsdiagnostik – auch bei einer unbehandelten fokalen Autonomie der Schilddrüse ist die Schilddrüsenszintigraphie von Bedeutung.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Relative Kontraindikationen

  • Laktationsphase (Stillphase) – das Stillen muss für 48 Stunden unterbrochen werden, um eine Gefährdung des Kindes zu verhindern.
  • Wiederholungsuntersuchung – innerhalb von drei Monaten sollte auf Grund der Strahlenbelastung keine Wiederholung einer Szintigraphie durchgeführt werden.

Absolute Kontraindikationen

  • Gravidität (Schwangerschaft)

Vor der Untersuchung

  • Voruntersuchungen – vor der Durchführung der Schilddrüsenszintigraphie wird in der Regel eine palpatorische Untersuchung (Tastuntersuchung) der Schilddrüse und eine Schilddrüsensonographie durchgeführt.
  • Absetzen von Schilddrüsenmedikamenten –  für eine aussagekräftige Untersuchung der Schilddrüse ist das Absetzen der Schilddrüsenhormonmedikation oder einer thyreostatischen Medikation notwendig, da durch die Einnahme dieser Medikamente die Aufnahme des Radiopharmakons beeinflusst werden kann.
    Ausnahme ist natürlich die Suppressionsszintigraphie, bei der die Einnahme einer Schilddrüsenhormonmedikation eine Voraussetzung darstellt. Vor der Durchführung der Schilddrüsenszintigraphie sind Trijodthyronin(T3)-Präparate zehn Tage vor der Untersuchungsdurchführung abzusetzen. Bei Levothyroxin(T4)-Präparaten ist sogar vier Wochen vor der Untersuchung ein Absetzen unumgänglich.
    Des Weiteren ist zu beachten, dass nach Jodexposition (z. B. Kontrastmittel) oder Blockade der Jodaufnahme durch Perchlorat keine Schilddrüsenszinigraphie möglich ist (wg. Jodblockade der Schilddrüse; das Radiopharmakon kann so nicht mehr aufgenommen werden!).
  • Applikation des Radiopharmakons – das am häufigsten genutzte Radiopharmakon für die Durchführung der Schilddrüsenszintigraphie ist das 99mTechnetium-Pertechnetat, welches vor der Szintigraphie intravenös appliziert wird. 

Das Verfahren

Das Grundprinzip der Schilddrüsenszintigraphie beruht auf der Detektion der vom Radiopharmakon freigesetzten γ-Strahlung mit Hilfe einer γ-Kamera. Das zuvor intravenös applizierte Radiopharmakon 99mTechnetium-Pertechnetat wird nach einer wenigen Minuten andauernden Verteilungsphase in der Schilddrüse über einen Natrium-Jodid-Symporter (spezieller Transportmechanismus) aufgenommen. Nach dem Transport lässt sich somit die Zerfallsrate berechnen. Hierfür ist die Erstellung eines Szintigramms unter Verwendung der γ-Kamera notwendig.

Zur Beurteilung von funktionellen Veränderungen der Schilddrüse wird eine sogenannte "Region of Interest" festgelegt und der radioaktive Zerfall in diesem Areal gegen die Zeit dargestellt. Die so ermittelte Zerfallsrate wird anschließend mit der Zerfallsrate des Radiopharmakons vor der intravenösen Injektion verglichen. Mit Hilfe dieses Verfahrens lassen sich sensitiv funktionelle Veränderungen nachweisen. Diese liefern Informationen über den globalen und regionalen Funktionszustand der Schilddrüse und ermöglicht die Identifikation hyperfunktioneller (heißer) und hypofunktioneller (kalter) Knoten bzw. Bezirke.
Die Erstellung des Szintigramms muss innerhalb von 20 Minuten nach Injektion erfolgen, um die Aussagekraft des Verfahrens nicht zu reduzieren. Die Messung selbst dauert ca. fünf Minuten.

Nach der Untersuchung

Die Maßnahmen nach Durchführung der Szintigraphie richten sich nach den Ergebnissen der Untersuchung. Bei einem negativen Befund sind in der Regel keine Maßnahmen nach der Untersuchung erforderlich. Auf Grund der schnellen Elimination des 99mTechnetium-Pertechnetat sind im Anschluss keine besonderen Maßnahmen notwendig. Bei der Schilddrüsenszintigraphie stellt die Strahlenbelastung durch das applizierte Radiopharmakon keine Komplikationsgefahr dar.

Mögliche Komplikationen

  • Bei der intravenösen Applikation des Radiopharmakons kann es zu lokalen Gefäß- und Nervenläsionen (Verletzungen) kommen.
  • Die Strahlenbelastung durch das verwendete Radionuklid ist eher als gering einzustufen. Trotzdem ist das theoretische Risiko eines strahleninduzierten Spätmalignoms (Leukämie oder Karzinom) erhöht, sodass eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte.
  • Suppressionsszintigraphie – die Szintigraphie der Schilddrüse verläuft im Allgemeinen komplikationsfrei. Im Rahmen einer Suppressionsszintigraphie kann es jedoch durch die Verabreichung der Schilddrüsenhormonmedikation zu kreislaufassoziierten Komplikationen kommen, die jedoch sehr selten auftreten.

Literatur

  1. Delorme S, Hoffner S: Diagnostik der Schilddrüse. Der Radiologe. 2003. 43:179-195
  2. Pink R, Pink V, Bockisch A: Szintigraphie beim Schilddrüsenkarzinom. Der Nuklearmediziner. 2004. 27:123-132
  3. Joseph K: Präoperative Schilddrüsenszintigraphie: pro Routineeinsatz. European Surgery. 1992. 24:65-66
  4. Wiesli P, Schmid C: Hyper- und Hypothyreose: Welche Tests sind in der Praxis sinnvoll? Praxis. 2001. 90:877-881
  5. Leinsinger G: Indikationen zur bildgebenden Diagnostik. Springer Verlag 2001

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Schilddrüsenszintigraphie. (AWMF-Registernummer: 031 - 011), Oktober 2014 Langfassung

     
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