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Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP)

Die Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) ist eine diagnostische Methode in der Gastroenterologie, die die Endoskopie und die Radiologie vereint. Es handelt sich dabei um eine Röntgendarstellung von Gallengangsystem und Ductus pancreaticus (Bauchspeicheldrüsengang) im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Gallenwegsdarstellung
  • Darstellung des Ductus pancreaticus zum Ausschluss von Entzündungen, Tumoren oder Pseudozysten
  • Cholelithiasis (Gallensteine) – Gallensteinnachweis
  • Cholestase (Gallenstau) durch Tumoren, Entzündungen oder unklare Zustände

Das Verfahren

Die ERCP wird mit Hilfe eines Endoskops durchgeführt, das über den Mund in den Magen und weiter in den Dünndarm (Duodenum) eingeführt wird. Dort wird die Vatersche Papille, der gemeinsame Ausführungsgang von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse gesucht und darüber ein Katheter in diesen eingeführt, über den Röntgenkontrastmittel injiziert wird. Das Kontrastmittel wird so retrograd, also entgegen der normalen Flussrichtung der Gallenflüssigkeit, in die Gallenwege eingeführt. Unter der Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen werden Stenosen (Verengungen) der Gänge, etwa durch Gallensteine, Gallengries oder Tumoren, beurteilbar. Gleichermaßen wird dabei der Pankreasgang (Bauchspeicheldrüsengang) dargestellt.

Die Untersuchung wird meist ambulant in Analgosedierung (schmerzfreier Dämmerschlaf) liegend durchgeführt.

Wie bei den meisten anderen endoskopischen Methoden kann auch hier gleichzeitig diagnostisch und therapeutisch vorgegangen werden.

Bei einer Stenose (Verengung) der Papille (gemeinsame Mündungsstelle des Gallenhauptgangs und des Ductus pancreaticus) bzw. zur Steinentfernung kann eine Papillotomie (Papillenspaltung) erforderlich werden. Zusätzlich kann die ERCP bei inoperablen Tumoren im Gallengangsbereich zur Wiederherstellung der Passage der Gallenflüssigkeit durch Einlage eines Stents (Implantat, das in Hohlorgane eingebracht wird, um sie offen zu halten) eingesetzt werden.

Nach der Untersuchung

  • Nach der ERCP erfolgt gemäß Leitlinien seit 2014 [2] eine Therapie mit Indometacin (100 mg rektal), um eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung; post-ERCP Pankreatitis (PEP)) vorzubeugen. Dieses soll bei Hochrisiko-Patienten das PEP-Risiko von 16,9 % auf 9,2 % durch reduzieren [3].
  • Von einer generellen Indomethacin-Prophylaxe bei allen ERCP-Patienten ist möglicherweise abzuraten: eine Studie mit Placebo-Gruppe zeigte, dass die einmalige Gabe von 100 mg Indomethacin rektal das Risiko nicht reduzierte; es zeigte sich sogar ein ermehrten Auftretend einer PEP bei Patienten mit Pankreasgang-Stenting plus Indomethacin-Gabe (18,8 %) versus Pankreasgang-Stenting plus Placebo (10,7 %, p =0.48). Die Autoren raten von einer generellen Indometacin-Prophylaxe bei allen ERCP Patienten ab; eine Indikation sehen sie weiterhin bei Hochrisikogruppen [4].
  • Eine Metaanalyse zeigte, dass das Risiko für eine Post-ERCP-Pankreatitis (PEP) durch Diclofenac oder Indomethacin signifikant auf 0,6 zu reduzieren ist (95 % Konfidenzintervall, 0,46-0,78; p = 0,0001) [ 5, 6].

Mögliche Komplikationen

  • Verletzungen bzw. Perforationen (Durchstoßung) der Wand von Ösophagus (Speiseröhre), Magen oder Duodenum (Zwölffingerdarm) sind sehr selten
  • Eine leichte Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), die in der Regel harmlos verläuft.
  • Bei Überempfindlichkeit bzw. Allergien (z. B. Betäubung-/Narkosemittel, Medikamente etc.) kann es vorübergehend zu folgenden Beschwerden kommen: Schwellung, Hautausschlag, Juckreiz, Niesen, tränende Augen, Schwindel oder Erbrechen.
  • Nach der Untersuchung können Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, leichte Heiserkeit auftreten. Diese Beschwerden verschwinden im Regelfall nach einigen Stunden von selbst.
  • Zahnschädigungen durch das Endoskop oder den Beißring sind selten.
  • Infektionen, nach denen schwere lebensbedrohliche Komplikationen betreffend Herz, Kreislauf, Atmung etc. auftreten, sind sehr selten. Ebenso sind bleibende Schäden (z. B. Lähmungen) und lebensbedrohende Komplikationen (z. B. Sepsis/Blutvergiftung) nach Infektionen sehr selten.
  • Im Falle einer Papillenspaltung kommt es zu einer leichten Risikoerhöhung für eine Verletzung und eine stärkere Nachblutung. Ebenfalls kann es zu einer Cholangitis (Gallenwegsentzündung) oder einer Pankreatitis kommen.
  • Übertragung von Krankheitskeimen wg. konstruktionsbedingter Schwierigkeit der Reinigung [1]

Literatur

  1. ECRI Institue: Endoscopic Retrograde Cholangiopancreatography (ERCP) Duodenoscopes: Design May Impede Effective Cleaning. Medical Device Hazard Report Feb-20-2015
  2. Dumonceau JM et al.: Prophylaxis of post-ERCP pancreatitis: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline – updates June 2014. Endoskopy, 2014; 46: 799-815.
  3. Elmunzer BJ et al.: A randomized trial of rectal indomethacin to prevent post-ERCP pancreatitis. N Engl J Med 2012; 366:1414-1422 April 12, 2012. doi: 10.1056/NEJMoa1111103
  4. Levenick JM et al.: Rectal Indomethacin does not prevent post-ERCP pancreatitis in consecutive patients. Gastroenterology, 2016; 150: 911-917
  5. Rustagi T, Njei B: Affecting the efficacy of nonsteroidal anti-inflammatory drugs in preventing post-endoscopic retrograde cholangiopancreatography pancreatitis: a systematic review and meta-analysis. Pancreas 2015 Aug;44(6):859-67. doi: 10.1097/MPA.0000000000000326.
  6. Inamdar S et al.: Rectal indomethacin is protective against post-ERCP pancreatitis in high-risk patients but not average risk patients: a systematic review and meta-analysis. Gastrointest Endosc 2017;85:67-75.

     
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