Prostataentzündung (Prostatitis) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Akute und chronische bakterielle Prostatitis (akute und lang anhaltende bakterielle Entzündung der Prostata): Eradikation des Erregers und Ausheilung der Infektion
- Vermeidung von Komplikationen (Folgeproblemen): insbesondere Urosepsis (Blutvergiftung infolge einer Harnwegsinfektion), Prostataabszess (Eiteransammlung in der Prostata), Harnverhalt (Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren), Rezidive (Wiederauftreten der Erkrankung) und Chronifizierung (Übergang in einen dauerhaften Verlauf)
- Chronisches Prostatitis-/Beckenschmerzsyndrom (lang anhaltende Prostata- und Beckenschmerzen ohne nachgewiesene bakterielle Ursache): Linderung von Schmerzen und Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen) sowie Verbesserung von Funktion und Lebensqualität
Therapieempfehlungen
- Akute bakterielle Prostatitis (ABP; NIH-Typ I):
- Vor Beginn der Antibiotikatherapie Mittelstrahlurin für Urinkultur und Resistenzprüfung gewinnen, sofern dadurch der Behandlungsbeginn nicht verzögert wird. Bei systemischer Erkrankung (den gesamten Körper betreffender Erkrankung) sind zusätzlich Blutkulturen erforderlich [LL1].
- Eine Prostatamassage ist bei Verdacht auf eine akute bakterielle Prostatitis kontraindiziert, da sie eine Bakteriämie (Vorkommen von Bakterien im Blut) beziehungsweise Sepsis (lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine Infektion) auslösen kann [LL1].
- Unverzüglicher Beginn einer empirischen Antibiotikatherapie. Die Auswahl richtet sich nicht nach dem Alter, sondern nach Schweregrad, Erregerspektrum, STI-Risiko, vorausgegangenen Antibiotikatherapien, bekannten Resistenzbefunden, lokalen Resistenzdaten, Allergien sowie Nieren- und Leberfunktion [6, LL1].
- Bei schwerem Krankheitsbild, Sepsis, Harnverhalt, Erbrechen oder relevanter Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) ist eine stationäre Behandlung mit intravenöser Therapie angezeigt. Geeignet sind insbesondere ein Cephalosporin der dritten Generation oder Piperacillin/Tazobactam [LL1].
- Bei kritischem Verlauf, Harnabflussstörung (Behinderung des Urinabflusses) oder hohem Risiko für ESBL-bildende Erreger kann initial ein Carbapenem erforderlich sein. Nach Vorliegen des Antibiogramms muss eine rasche Deeskalation erfolgen [LL1].
- Ein Aminoglykosid kann bei schwerer Infektion initial ergänzt werden. Dabei sind Nierenfunktion, Serumkonzentrationen und Ototoxizitätsrisiko (Risiko einer Schädigung des Gehörs oder Gleichgewichtsorgans) zu beachten [LL1].
- Nach klinischer Stabilisierung und Vorliegen des Antibiogramms erfolgt die Deeskalation beziehungsweise Umstellung auf eine geeignete orale Therapie. Die Gesamtbehandlungsdauer beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen [6, LL1].
- Fluorchinolone dürfen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Zu berücksichtigen sind Resistenzlage, vorausgegangene Fluorchinolontherapie, individuelle Risikofaktoren und die behördlichen Sicherheitshinweise [11, LL1].
- Begleitend kommen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine bedarfsgerechte analgetische und antipyretische Behandlung infrage.
- Bei Harnverhalt ist eine Harnableitung (Ableitung des Urins aus der Harnblase) erforderlich. Eine suprapubische Ableitung (Harnableitung durch die Bauchdecke) kann gegenüber einer längerfristigen transurethralen Katheterisierung (Einführen eines Blasenkatheters durch die Harnröhre) vorteilhaft sein [LL1].
- Bei ausbleibender klinischer Besserung innerhalb von 48 bis 72 Stunden müssen ein Prostataabszess, eine Harnabflussstörung, ein resistenter Erreger oder eine andere Diagnose ausgeschlossen werden. Größere Abszesse erfordern in der Regel eine Drainage (Ableitung von Eiter oder Flüssigkeit) [LL1].
- Chronische bakterielle Prostatitis (CBP; NIH-Typ II):
- Die Diagnose sollte durch mikrobiologische Untersuchungen einschließlich Resistenzprüfung gesichert werden. Bei Bedarf kommen Zwei- beziehungsweise Viergläserprobe und eine gezielte STI-Diagnostik infrage [LL1].
- Bei empfindlichem Erreger sind Ciprofloxacin oder Levofloxacin aufgrund ihrer Prostatagängigkeit mögliche Erstlinienantibiotika. Die Behandlungsdauer beträgt gewöhnlich vier bis sechs Wochen [6, LL1].
- Fluorchinolone dürfen nur nach individueller Nutzen-Risiko-Bewertung und unter Berücksichtigung der aktuellen Sicherheitsbeschränkungen eingesetzt werden [11, LL1].
- Bei Chlamydia trachomatis oder Mykoplasmen kommen Doxycyclin beziehungsweise Azithromycin infrage. Eine Infektion mit Trichomonas vaginalis wird mit Metronidazol behandelt [LL1].
- Bei sexuell übertragbaren Erregern müssen Partnerdiagnostik und gegebenenfalls Partnerbehandlung veranlasst werden.
- Trimethoprim/Sulfamethoxazol ist eine Alternative bei nachgewiesener Empfindlichkeit.
- Orales Fosfomycin kann bei einer durch multiresistente Erreger verursachten chronischen bakteriellen Prostatitis eine fachärztlich überwachte Off-Label-Option darstellen [9].
- Persistierende Beschwerden nach mikrobiologischer Eradikation rechtfertigen keine wiederholten ungezielten Antibiotikatherapien [LL1, LL3].
- Chronisches Prostatitis-/Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS; NIH-Typ III):
- Nur bei einer Minderheit der Patienten mit prostatitisähnlichen chronischen Beschwerden lässt sich eine bakterielle Ursache nachweisen [1, 2].
- Bei fehlendem Infektionsnachweis sollen keine wiederholten oder langfristigen Antibiotikatherapien durchgeführt werden. Fluorchinolone dürfen nicht zur Behandlung einer nichtbakteriellen chronischen Prostatitis eingesetzt werden [11, LL3].
- Die Behandlung erfolgt multimodal und orientiert sich am individuellen Symptomprofil. Neben der Pharmakotherapie können Beckenbodenphysiotherapie, Schmerztherapie, psychosomatische beziehungsweise psychologische Interventionen und sexualmedizinische Maßnahmen erforderlich sein [7, 10, LL2, LL3].
- Alphablocker können insbesondere bei einer Erkrankungsdauer unter einem Jahr und gleichzeitig bestehenden Miktionsbeschwerden versucht werden. Der Behandlungserfolg sollte nach sechs bis zwölf Wochen überprüft werden [7, LL2, LL3].
- Nichtsteroidale Antirheumatika können zeitlich begrenzt zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden. Gastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken sind zu berücksichtigen [7, LL2].
- Tadalafil kann insbesondere bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung) oder benignem Prostatasyndrom (gutartigen prostatabedingten Beschwerden beim Wasserlassen) erwogen werden. Die Anwendung allein wegen eines CP/CPPS erfolgt außerhalb der Zulassung [10, LL3].
- Finasterid ist keine allgemeine Therapie des CP/CPPS. Es kommt nur bei gleichzeitig bestehender benigner Prostatahyperplasie (gutartiger Vergrößerung der Prostata) beziehungsweise nachgewiesener Prostatavergrößerung infrage [10, LL3].
- Für standardisierte Pollenextrakte, Quercetin und Sägepalmenextrakte liegen Hinweise auf eine mögliche Symptomlinderung vor. Die Evidenz ist jedoch begrenzt und präparatespezifisch [7, LL2, LL3].
- Intraprostatische Injektionen (Einspritzungen in die Prostata) von Botulinumneurotoxin A sind experimentell. Trotz positiver Ergebnisse einzelner Studien reicht die Evidenz nicht für eine routinemäßige Anwendung aus [5, 8, LL2].
- Asymptomatische entzündliche Prostatitis (Prostataentzündung ohne Beschwerden; NIH-Typ IV):
- Ohne Beschwerden ist grundsätzlich keine medikamentöse Behandlung erforderlich.
- Eine Therapie kann bei einer spezifischen Begleitindikation, beispielsweise im Rahmen einer fertilitätsmedizinischen oder urologischen Abklärung, erwogen werden.
Beachte: Antibiotikadosierungen gelten für Erwachsene mit normaler Nieren- und Leberfunktion. Sie müssen an Organfunktion, Körpergewicht, Erregerempfindlichkeit, Infektionsschwere und die aktuelle Fachinformation angepasst werden [LL1, FI1].
Wirkstoffe in der Therapie der akuten bakteriellen Prostatitis
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Ceftriaxon | Geeignete empirische Initialtherapie bei systemischer Infektion; anschließend Deeskalation nach Antibiogramm |
| Cefotaxim | Alternative zu Ceftriaxon; Dosisanpassung bei schwerer Niereninsuffizienz (stark eingeschränkter Nierenfunktion) |
| Piperacillin/Tazobactam | Bei schwerer Infektion oder Risiko für Pseudomonas aeruginosa; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz |
| Ciprofloxacin | Nur bei vertretbarer Resistenzlage beziehungsweise nachgewiesener Empfindlichkeit und sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz |
| Levofloxacin | Nur bei vertretbarer Resistenzlage beziehungsweise nachgewiesener Empfindlichkeit und sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz |
| Trimethoprim/Sulfamethoxazol | Vor allem als orale gezielte Therapie bei nachgewiesener Empfindlichkeit; Nierenfunktion, Kalium und Wechselwirkungen beachten |
| Meropenem | Reserveantibiotikum bei kritischer Erkrankung, Obstruktion (Verengung oder Verschluss der ableitenden Harnwege) oder hohem ESBL-Risiko; rasche Deeskalation nach Antibiogramm |
- Wirkweise: Betalaktam-Antibiotika hemmen die bakterielle Zellwandsynthese; Fluorchinolone hemmen bakterielle Topoisomerasen; Trimethoprim/Sulfamethoxazol hemmt sequenziell die bakterielle Folsäuresynthese.
- Indikationen: Akute bakterielle Prostatitis; Auswahl nach Erkrankungsschwere, Resistenzrisiko und Antibiogramm.
- Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Überempfindlichkeit (allergische Reaktionsbereitschaft); weitere Gegenanzeigen und Dosisbeschränkungen gemäß Fachinformation. Fluorchinolone sind bei früheren schwerwiegenden fluorchinolonbedingten Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, gastrointestinale Beschwerden, Clostridioides-difficile-Infektion (Darminfektion durch das Bakterium Clostridioides difficile) und Selektion resistenter Erreger; zusätzlich substanzspezifische Risiken. Fluorchinolone können selten lang anhaltende oder irreversible neurologische und muskuloskelettale Nebenwirkungen verursachen [11, FI1].
Wirkstoffe in der Therapie der chronischen bakteriellen Prostatitis
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Ciprofloxacin | Bei nachgewiesener Empfindlichkeit; Sicherheitsbeschränkungen und Nierenfunktion beachten |
| Levofloxacin | Bei nachgewiesener Empfindlichkeit; Sicherheitsbeschränkungen und Nierenfunktion beachten |
| Trimethoprim/Sulfamethoxazol | Alternative bei empfindlichem Erreger; Nierenfunktion, Kalium, Blutbild und Wechselwirkungen beachten |
| Doxycyclin | Nur bei intrazellulären beziehungsweise atypischen Erregern, insbesondere Chlamydia trachomatis oder Mykoplasmen; abhängig vom Erreger kann eine längere Behandlung erforderlich sein |
| Azithromycin | Erregerspezifische Therapie, insbesondere bei Chlamydia trachomatis; QT-Zeit und Wechselwirkungen beachten |
| Metronidazol | Bei Trichomonas vaginalis; während der Behandlung Alkohol vermeiden |
| Fosfomycin-Trometamol | Off-Label-Reservetherapie bei empfindlichen multiresistenten Erregern unter fachärztlicher und mikrobiologischer Überwachung [9] |
- Wirkweise: Fluorchinolone hemmen bakterielle Topoisomerasen; Trimethoprim/Sulfamethoxazol hemmt die Folsäuresynthese; Doxycyclin und Azithromycin hemmen die Proteinbiosynthese; Metronidazol schädigt die DNA anaerober Erreger und Protozoen; Fosfomycin hemmt die frühe bakterielle Zellwandsynthese.
- Indikationen: Mikrobiologisch gesicherte chronische bakterielle Prostatitis beziehungsweise nachgewiesene erregerspezifische Infektion.
- Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Überempfindlichkeit sowie weitere Gegenanzeigen gemäß Fachinformation; Organfunktion und relevante Arzneimittelinteraktionen berücksichtigen.
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, allergische Reaktionen, antibiotikaassoziierte Kolitis (durch Antibiotika begünstigte Entzündung des Dickdarms) und substanzspezifische unerwünschte Wirkungen; bei Fluorchinolonen insbesondere Tendinopathien (Sehnenerkrankungen), periphere Neuropathien (Nervenschädigungen an Armen oder Beinen) und zentralnervöse Reaktionen [11, FI1].
Wirkstoffe in der Therapie des chronischen Prostatitis-/Beckenschmerzsyndroms
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Tamsulosin | Therapieversuch vor allem bei Miktionsbeschwerden und einer Erkrankungsdauer unter einem Jahr; Erfolg nach 6-12 Wochen überprüfen |
| Ibuprofen | Niedrigste wirksame Dosis für die kürzest mögliche Dauer; gastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken beachten |
| Tadalafil | Vor allem bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion oder benignem Prostatasyndrom; Anwendung ausschließlich wegen CP/CPPS außerhalb der Zulassung |
| Finasterid | Nur bei gleichzeitig bestehender benigner Prostatahyperplasie beziehungsweise Prostatavergrößerung; keine allgemeine CP/CPPS-Therapie |
- Wirkweise: Tamsulosin blockiert postsynaptische Alpha-1-Adrenozeptoren und vermindert den Tonus glatter Muskulatur im Bereich von Prostata und Blasenhals. Ibuprofen hemmt Cyclooxygenasen. Tadalafil hemmt die Phosphodiesterase 5. Finasterid hemmt vorwiegend die 5α-Reduktase Typ 2 und reduziert die Bildung von Dihydrotestosteron.
- Indikationen: Symptomorientierte Behandlung von Miktionsbeschwerden, Schmerzen oder gleichzeitig bestehenden zugelassenen Indikationen wie benignes Prostatasyndrom und erektile Dysfunktion.
- Kontraindikationen: Tamsulosin bei orthostatischer Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) und schwerer Leberinsuffizienz (stark eingeschränkter Leberfunktion); Ibuprofen unter anderem bei aktiven gastrointestinalen Ulzera (Geschwüren im Magen-Darm-Trakt), schwerer Niereninsuffizienz oder bestimmten kardiovaskulären Erkrankungen; Tadalafil bei gleichzeitiger Nitrattherapie; Finasterid bei Überempfindlichkeit. Weitere Gegenanzeigen gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Tamsulosin kann Schwindel, orthostatische Beschwerden und Ejakulationsstörungen (Störungen des Samenergusses) verursachen. Ibuprofen kann gastrointestinale Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt), Nierenschäden und kardiovaskuläre Ereignisse begünstigen. Tadalafil kann Kopfschmerzen, Flush, Dyspepsie (Oberbauchbeschwerden) und Blutdruckabfall auslösen. Unter Finasterid sind sexuelle Funktionsstörungen und depressive Verstimmungen (anhaltend gedrückte Stimmung) möglich; die EMA bestätigte Suizidgedanken als unerwünschte Wirkung mit unbekannter Häufigkeit [3, 4, 12, FI2].
Nicht empfohlene beziehungsweise nicht routinemäßige Pharmakotherapie
- Allopurinol: Ein klinischer Nutzen beim CP/CPPS ist nicht ausreichend belegt; keine routinemäßige Anwendung [7, LL2, LL3].
- Mepartricin: Keine ausreichende Evidenz und in Deutschland nicht zugelassen.
- Pentosanpolysulfat: Die Evidenz beim CP/CPPS ist begrenzt. Eine hoch dosierte Langzeitbehandlung ist nicht routinemäßig zu empfehlen; zusätzlich ist das Risiko einer pigmentären Makulopathie (Netzhauterkrankung mit Pigmentveränderungen) zu berücksichtigen [7, LL2].
- Pregabalin: Für das CP/CPPS konnte kein überzeugender klinischer Nutzen nachgewiesen werden [7, LL2].
- Botulinumneurotoxin A: Intraprostatische oder beckenbodenbezogene Injektionen sind experimentell und spezialisierten Studien- beziehungsweise Behandlungszentren vorbehalten [5, 8, LL2].
- Wiederholte Antibiotikatherapie: Bei fehlendem Erregernachweis und fehlendem Ansprechen auf einen vorausgegangenen adäquaten Behandlungsversuch nicht fortsetzen [LL3].
Red Flags (Warnzeichen) bei Prostatitis
- Sepsisverdacht: Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Bewusstseinsstörung (Beeinträchtigung von Wachheit oder Wahrnehmung) oder rasche klinische Verschlechterung
- Akuter Harnverhalt: schmerzhafte Unfähigkeit zur Miktion oder zunehmende Restharnbildung
- Prostataabszess: persistierendes Fieber oder fehlende Besserung innerhalb von 48 bis 72 Stunden trotz adäquater Antibiotikatherapie
- Komplizierter Verlauf: Immunsuppression, schlecht eingestellter Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), kürzliche urologische Instrumentierung (urologischer Eingriff mit Instrumenten), Dauerkatheter oder bekannte resistente Erreger
- Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin) oder starke Schmerzen: insbesondere bei Kreislaufbeeinträchtigung, Anämie (Blutarmut) oder Verdacht auf Obstruktion
- Neurologische Symptome (Beschwerden infolge einer Störung des Nervensystems): Beinschwäche, Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühl oder Missempfindungen) oder Blasen-Mastdarm-Störung (Störung der Blasen- und Darmentleerung) als Hinweis auf eine neurologische beziehungsweise spinale Ursache
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- ABP: Akute bakterielle Prostatitis
- AkdÄ: Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
- AUA: American Urological Association
- BfArM: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- CBP: Chronische bakterielle Prostatitis
- CP/CPPS: Chronic Prostatitis/Chronic Pelvic Pain Syndrome
- DHA: Docosahexaensäure
- DNA: Desoxyribonukleinsäure
- EAU: European Association of Urology
- EMA: European Medicines Agency
- EPA: Eicosapentaensäure
- ESBL: Extended-Spectrum-Betalaktamase
- FI: Fachinformation
- i.v.: intravenös
- LL: Leitlinie
- NIH: National Institutes of Health
- p.o.: per os
- QT: Zeitintervall im Elektrokardiogramm
- STI: Sexually Transmitted Infection
Literatur
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- Ganzer CA, Jacobs AR, Iqbal F: Persistent sexual, emotional, and cognitive impairment post-finasteride: a survey of men reporting symptoms. Am J Mens Health. 2015;9(3):222-228. doi: 10.1177/1557988314538445.
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Rote-Hand-Brief zu Finasterid-haltigen Arzneimitteln: Risiko sexueller Dysfunktion und psychischer Störungen. AkdÄ Drug Safety Mail 37-2018. 2018.
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- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Fluorchinolon-Antibiotika: Erinnerung an die Einschränkungen der Anwendung aufgrund des Risikos lang anhaltender, die Lebensqualität beeinträchtigender und möglicherweise irreversibler Nebenwirkungen. 7. Juni 2023. BfArM-Sicherheitsinformationen.
- European Medicines Agency: Measures to minimise risk of suicidal thoughts with finasteride and dutasteride medicines. 2025. EMA-Sicherheitsmitteilung.
Leitlinien
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Urological Infections. Limited Update March 2026. Guideline. [LL1]
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Chronic Pelvic Pain. Limited Update March 2026. Guideline. [LL2]
- American Urological Association: Diagnosis and Management of Male Chronic Pelvic Pain: AUA Guideline. 2025. Guideline. [LL3]
Fachinformationen
- Aktuelle deutsche Fachinformationen der verwendeten Antibiotika: Ceftriaxon, Cefotaxim, Piperacillin/Tazobactam, Ciprofloxacin, Levofloxacin, Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Meropenem, Doxycyclin, Azithromycin, Metronidazol und Fosfomycin-Trometamol. [FI1]
- Aktuelle deutsche Fachinformationen von Tamsulosin, Ibuprofen, Tadalafil und Finasterid. [FI2]