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Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (Synonym: ESWT) ist ein medizintechnisches Verfahren zur Zertrümmerung und Entfernung von Kalkkonkrementen sowie zur Schmerztherapie.

Das physikalische Verfahren, das seinen Ursprung in der Urologie hat, dient heute außerdem der Behandlung von orthopädischen Erkrankungen wie z. B. Weichteil-, Gelenk- und Knochenbeschwerden im Rahmen chronischer Entzündungen. 
Neuerdings wird das Verfahren auch in der Dermatologie bei Patienten mit subakuten posttraumatischen/postoperativen Wunden, Verbrennungen und  chronischen Wunden eingesetzt. Dabei wird die ESWT allerdings ausschließlich im Rahmen eines multidisziplinären Ansatzes additiv und nicht wie sonst üblich als "stand alone"-Therapie angewendet [4].

Nachfolgend werden ausschließlich orthopädische Indikationen der ESWT aufgeführt.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Achillodynie (Schmerzsyndrom der Achillessehne)/Ansatztendinopathie der Achillessehne 
  • Dorsaler Fersensporn/Kalkaneussporn – knöcherne, dornartige Ausziehung an der Ferse infolge einer Überbeanspruchung von Sehnen
  • Epicondylitis humeri lateralis (Synonyme: Epicondylaris humeri ulnaris; Tennisellenbogen)/Epicondylitis humeri medialis (Synonyme: Epicondylaris humeri ulnaris; Golferellenbogen)
  • Fasciitis plantaris (Fasciitis plantaris; Plantarfasciitis; Plantarfasziitis) – plantarer Fersensporn/ unterer Fersensporn; geht gelegentlich mit einer Entzündung der Plantarsehne an der Fußsohle einher (Plantarsehnenentzündung bzw. Plantarfasziitis) [5]
  • Fersenschmerz [6]
  • Haglund-Exostose (Haglund-Ferse) – Formvariante des Fersenbeins mit Verkalkung des Achillessehnenansatzes (oberer bzw. hinterer (dorsaler) Fersensporn)
  • Pseudarthrose – verzögerte Knochenheilung nach einer Knochenfraktur mit Bildung eines Falschgelenkes
  • Supraspinatussehnensyndrom – meist entzündliche, degenerative Veränderungen im Bereich der Schulter, die zu Schmerzen führen
  • Tendinitis achillea – schmerzhafte Entzündung des Achillessehne
  • Tendinosis calcarea der Rotatorenmanschette (Kalkschulter) – Verkalkungen an den Sehnen der Muskulatur, die sich am Schultergelenk befindet
  • Tendinopathia patellae – schmerzhafte Entzündung des Sehnenapparates im Bereich der Kniescheibe
  • Tendinitis trochanterica – Sehnenreizung, oft mit begleitender Schleimbeutelentzündung im Bereich des Hüftgelenkes

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Oberflächliche entzündliche Hautveränderungen – Bei bakteriellen oder mykotischen (Pilzbefall) oberflächlichen Entzündungen sollte die Anwendung der Stoßwellentherapie zunächst ausgesetzt werden, bis eine Heilung der Entzündung eingetreten ist.
  • Tiefe entzündliche Hautveränderungen – Bei tiefen entzündlichen Prozessen wie bei einer bakteriellen Phlegmone sollte in dem umliegenden Areal keine Stoßwellenbehandlung erfolgen. Eine sofortige (antibiotische und gegebenenfalls chirurgische) Therapie ist anzustreben.
  • Maligne Tumoren – Beim Vorliegen von malignen (bösartigen) Tumoren des umliegenden Gewebes darf keine Stoßwellentherapie erfolgen.

Das Verfahren

Stoßwellen sind energiereiche Wellen, die auf unterschiedliche technische Art und Weise z. B. durch im Wasser erzeugte kurze Druckpulse entstehen. Dies kann mit Hilfe unterschiedlicher physikalischer Prinzipien erfolgen:

  • elektrohydraulisch
  • piezoelektrisch (Schwingungen von Quarzkristallen)
  • elektromagnetisch

Die Schallimpulse können auf einen bestimmten Bereich lokalisiert werden und dort wirken, das heißt sie entfalten ihre Wirkung nur am einprogrammierten Wirkort bzw. im erkrankten Körperbereich. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie werden die Stoßwellen außerhalb des Körpers des Patienten (extrakorporal) erzeugt. Man unterscheidet Stoßwellen nach ihrem Energiegehalt, der je nach Anwendung variiert werden kann. Die folgende Aufzählung stellt den Energiegehalt in Beziehung zu verschiedenen orthopädischen Indikationen:

  • niederenergetische Stoßwellen – Diese Stoßwellen werden zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Das therapeutische Prinzip beruht auf einer Gegenirritation: Das Ziel besteht in der Überführung einer chronischen in ein akute Entzündung. Die Stoßwellen verursachen eine kontrollierte Verletzung des Gewebes (Weichteile, Muskulatur, Sehnen), die zu einer verstärkten Vaskularisierung (Gefäß- bzw. Blutversorgung) führt und den Heilungsprozess begünstigt. Ein weiterer Effekt ist die Hyperstimulationsanalgesie: Dabei handelt es sich um eine Schmerzunterdrückung durch Überlastung der Schmerzreizleitung.
  • mittelenergetische Stoßwellen – Die mittelenergetischen Stoßwellen begünstigen die Entstehung von Rissen in Kalkkonkrementen, sodass körpereigene Abbaumechanismen wieder funktionieren und die Konkremente abgebaut werden können. Dies geschieht z. B. bei der Behandlung der Tendinosis calcarea (Verkalkungen im Bereich des Schultergelenks).
  • hochenergetische Stoßwellen – Diese werden eingesetzt, um z. B. bei einer Pseudarthrose (verzögerte Knochenheilung nach einer Knochenfraktur mit Bildung eines Falschgelenkes) die Osteogenese (Knochenneubildung) zu stimulieren. Dies geschieht ebenfalls durch kontrollierte Verletzung des Gewebes.

Beim Einsatz von niederenergetischen Stoßwellen ist keine Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) notwendig. Allerdings sollte bei der Behandlung mit mittelenergetischen oder hochenergetischen Stoßwellen eine Lokal- oder Regionalanästhesie, die mit einem kurzen stationären Aufenthalt verbunden sein kann, durchgeführt werden.

Ihr Nutzen

Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist eine erfolgreiche und bewährte Methode sowohl zur Zerstörung und Entfernung von Verkalkungen als auch zur Schmerztherapie. Die Patienten profitieren von dem schonenden Verfahren durch die Vermeidung von Operationen, durch den Schmerzabbau sowie durch eine deutliche Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit.

Literatur

  1. Heisel J: Physikalische Medizin: Praxiswissen Halte- und Bewegungsorgane. Georg Thieme Verlag 2005
  2. Bachmann CE, Gruber M, Arnold A, Konermann W, Ueberle F: Extrakorporale Stoßwellentherapie und Sonographie der Stütz- und Bewegungsorgane. Springer Verlag 1998
  3. Fetzner U: Das Zweite – kompakt: Chirurgie, Orthopädie, Urologie. Springer Verlag 2008
  4. Mittermayr R et al.: Extracorporeal shock wave therapy (ESWT) for wound healing: technology, mechanisms, and clinical efficacy. Wound Repair Regen. 2012 Jul-Aug;20(4):456-65. doi: 10.1111/j.1524-475X.2012.00796.x. Epub 2012 May 29.
  5. Gollwitzer H et al.: Clinically relevant effectiveness of focused extracorporeal shock wave therapy in the treatment of chronic plantar fasciitis: a randomized, controlled multicenter study.. J Bone Joint Surg Am. 2015 May 6;97(9):701-8. doi: 10.2106/JBJS.M.01331.
  6. Abschlussbericht IQWiG: Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) beim Fersenschmerz. IQWiG-Berichte – Nr. 499 Auftrag: Version: Stand: N15-06 1.0 29.03.2017
     
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