Labordiagnostik
Muskelschmerzen (Myalgie)

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Kleines Blutbild
  • Differentialblutbild
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
  • Creatinkinase (CK) (Isoenzym CK-MM) – wichtigster Parameter bei Nachweis von Muskelerkrankungen (Polymyositis, Dermatomyositis, aber auch bei infektiösen Myositiden)
    Achtung!
    Auch bei Gesunden nach schwerer Muskelarbeit (z. B. Bodybuilder, Hochleistungssportler oder Bauarbeiter), nach i. m. (intramuskulären) Injektionen finden sich deutlich erhöhte CK-Werte (nicht selten bis zum 10-fachen der Normobergrenze).
    Bei Statin-behandelten Patienten sollte bei einer CK-Erhöhung über das 4-5-fache der Norm bzw. muss bei einer CK-Erhöhung über das 10-Fache der Norm das Statin abgesetzt werden.
  • Interpretation erhöhter CK-Werte:
    • CK > 10-fache der oberen Norm → Myopathie, Myositis (klinisches Bild: häufig generalisierte Schmerzen; eigenständige zugrundeliegende Muskelerkrankung?)
    • CK > 40-fache der oberen Norm → Rhabdomyolyse/Auflösung quergestreifter Muskelfasern/Skelettmuskulatur sowie Herzmuskulatur (klinisches Bild: Muskelsymptome mit Nierenfunktionsstörung und Myoglobinurie (dunkel verfärbter Urin))
  • Elektrolyte – Calcium, Natrium, Kalium, Magnesium, Phosphat
  • Urinstatus (Schnelltest auf: Nitrit, Eiweiß, Hämoglobin, Erythrozyten, Leukozyten) inkl. Sediment, ggf. Urinkultur (Erregernachweis und Resistogramm, das heißt Austestung geeigneter Antibiotika auf Sensibilität/Resistenz)
  • Nüchternglucose (Nüchternblutzucker)

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Vitamin D (25-OH-Vitamin D) [2]
  • Serologische bzw. bakteriologische Untersuchung – bei Verdacht auf bakterielle, virale oder parasitäre Infektionen
  • Molekulargenetische Untersuchung bei Verdacht auf genetisch bedingte Erkrankungen
  • Schilddrüsenparameter – TSH, fT3, fT4
  • Nebenschilddrüsenfunktionsparameter Parathormon 
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase, Bilirubin – bei Verdacht auf chronischem Alkoholismus
  • Rheumadiagnostik – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit); Rheumafaktor (RF), CCP-AK (cyclische Citrullin Peptid-Antikörper), ANA (antinukleäre Antikörper)
  • Porphyrine 
  • Muskelbiopsie – bei Verdacht auf muskuläre Genese*
  • Toxikologische Untersuchung – bei Verdacht auf Intoxikation (Alkohol, Heroin, Kokain)
  • Porphyrine im Urin – bei Verdacht auf Porphyrie
  • Liquorpunktion (Entnahme von Nervenwasser durch Punktion des Rückenmarkskanals) zur Liquordiagnostik – bei Verdacht auf Poliomyelitis (Kinderlähmung), Guillain-Barré-Syndrom (GBS)

*Bei belastungsabhängigen Myalgien ist die Muskelbiopsie nur bei mindestens siebenfach erhöhten CK-Werten erfolgversprechend.
Bei nicht belastungsabhängigen Myalgien und unauffälligem neurologischem Befund findet sich in 2 % der Muskelbiopsien ein in der Regel unspezifisch auffälliger Befund [1].

Literatur

  1. Filosto M, Tonin P, Vattemi G, Bertolasi L, Simonati A, Rizzuto N et al.: The role of muscle biopsy in investigating isolated muscle pain. Neurology 2007;68(3):181-186.
  2. Kennel et al.: Vitamin D Deficiency in Adults: When to Test and How to Treat. Mayo Clinic Proceedings 2010; 85(8): 752-758. doi: 10.4065/mcp.2010.0138

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Myopathien, Diagnostik. (AWMF-Registernummer: 030 - 115), März 2016 Langfassung

     
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