Medizingerätediagnostik
Kniearthrose (Gonarthrose)

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Röntgenaufnahmen des betroffenen Gelenkes [Röntgenzeichen eines arthrotischen Gelenkumbaus: Osteophyten (Gonarthrose: initial an der Eminentia intercondylica), verschmälerter Gelenkspalt, vermehrte subchondrale Sklerosierung und Deformierung; s. u. Kellgren- und Lawrence-Score]

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Magnetresonanztomographie (MRT; computergestütztes Schnittbildverfahren (mittels magnetischer Felder, das heißt ohne Röntgenstrahlung); besonders gut geeignet zur Darstellung von Weichteilverletzungen) des betroffenen Gelenkes – ermöglicht die Darstellung des Knorpels und Knorpelmatrixveränderungen sowie begleitender Knieinnenraumveränderungen der Menisken, Bänder und des Knochenmarks; Indikationen: vor allem bei Knorpel- und Meniskenschädigung
    Cave
    (Achtung): Knorpeldefekte im Knie sind intraoperativ meist ausgedehnter [1]
  • Computertomographie (CT; schnittbildgebendes Verfahren (Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen mit rechnerbasierter Auswertung), besonders gut geeignet zur Darstellung von knöchernen Verletzungen) des betroffenen Gelenkes – Befund entspricht den Röntgenaufnahmen, dabei jedoch frühere Darstellung möglich; bessere Darstellung komplexer Strukturen
  • Arthroskopie des Kniegelenks (Gelenkspiegelung) – Ggf. werden kleine Gewebeproben des geschädigten Knorpels oder der Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) entnommen und im Labor untersucht.
    Finden sich während der Untersuchung lose Knochenanteile oder Knorpelstückchen können diese noch im selben Eingriff durch eine Lavage (Spülung) entfernt werden.
  • Arthrosonographie (Ultraschalluntersuchung von Gelenken) – dabei werden auch Gelenkergüsse, Weichteilprozesse und Flüssigkeitsansammlungen im Gelenk sichtbar. Diese Untersuchung wird auch vor einer Punktion oder Injektion durchgeführt. Die Gelenkergüsse oder Flüssigkeitsansammlungen können anschließend medikamentös – ggf. auch per Punktion – behandelt werden.
    Zählt nicht zu den Methoden der Wahl bei einer Arthrose!

Kellgren- und Lawrence-Score

Osteophyten Gelenkspalt Sklerosierung Deformierung Punkte
keine oder fraglich nicht oder fraglich verschmälert keine keine 0
eindeutig eindeutig leichte leicht 1
groß fortgeschritten leicht mit Zysten deutlich 2
  aufgehoben stark mit Zystenbildung   3

Interpretation

Nach dem Kellgren-Lawrence-Score wird die radiologische Ausprägung einer Arthrose wird in fünf Grade unterteilt:

  • Grad 0 = 0 Punkte
  • Grad 1 = 1 - 2 Punkte
  • Grad 2 = 3 - 4 Punkte
  • Grad 3 = 5 - 9 Punkte
  • Grad 4 = 10 Punkte

Grad 1: Geringe subchondrale Sklerosierung. Keine Gelenkspaltverschmälerung oder Osteophyten
Grad 2: Geringe Gelenkspaltverschmälerung und beginnende Osteophytenbildung, angedeutete Unregelmäßigkeiten der Gelenkfläche
Grad 3: Ausgeprägte Osteophytenbildung, deutliche Unregelmäßigkeiten der Gelenkfläche
Grad 4: Ausgeprägte Gelenkspaltverschmälerung bis zur vollständigen Destruktion, Deformierung/Nekrosen der Gelenkpartner

MRT-basierte Definition einer "Osteoarthritis"

Die Definition der tibiofemoralen Arthrose (Gonarthrose) erfolgte basierend auf einem Expertenkonsensus [2]:

A) Das Vorhandensein sowohl einer definitiven Osteophytenbildung (umschriebene Knochenneubildungen) als auch eines vollschichtigen (fokalen oder diffusen) Knorpelschadens oder 
B) Durch das Vorhandensein eines der Merkmale in a) und einer der nachfolgenden strukturellen Veränderungen:
  • subchondrale Knochenmarkläsion oder Zyste
  • Meniskussubluxation, Mazeration oder degenerative (horizontale) Rissbildung
  • teilschichtiger fokaler oder diffuser Die Definition der patellofemoralen Arthrose verlangt das gleichzeitige Vorhandensein von definitivem patellofemoralem Osteophyten und teil- bzw. vollschichtigem patellofemoralem Knorpelschaden. 

Die Definition der patellofemoralen Arthrose verlangt das gleichzeitige Vorhandensein von definitivem patellofemoralem Osteophyten und teil- bzw. vollschichtigem patellofemoralem Knorpelschaden. 

Literatur

  1. Campbell AB et al.: Preoperative MRI Underestimates Articular Cartilage Defect Size Compared With Findings at Arthroscopic Knee Surgery Am J Sports Med 2013; online 16. Januar; doi: 10.1177/0363546512472044
  2. Kellgren JH, Lawrence JS: Radiological assessment of osteoarthritis. Ann Rheum Dis 1957; 16: 494-501.
  3. Hunter DJ et al.: Definition of osteoarthritis on MRI: results of a Delphi exercise. Osteoarthr Cartil 2011;19:963-969 doi: https://doi.org/10.1016/j.joca.2011.04.017
     
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