Körperliche Untersuchung
Deformitäten der Hüfte

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Haut und Schleimhäute
      • Gangbild [hinkend]
      • Körper- bzw. Gelenkhaltung
      • Fehlhaltungen [Deformität, Verkürzung, Rotationsfehlstellung]
      • Faltenasymmetrien an den hinteren Oberschenkeln?
      • Muskelatrophien
    • Palpation (Abtasten) von prominenten Knochenpunkte, Sehnen, Ligamente; Muskulatur; Gelenk (Gelenkerguss); Weichteilschwellungen; Druckschmerzhaftigkeit (Lokalisation!); Befund:
      • Druckschmerz: Trochanter (Schenkelring), Leiste (coxogen; Differentialdiagnose: Inguinalhernie (Leistenhernie), Hüftgelenksinfekt; tiefe Venenthrombose (TVT), Lymphom), vorderer Beckenring
      • ggf. Beinstauchungsschmerz, Krepitationen (hör- und fühlbare Knistergeräusch bei Reibung von Fragmenten eines frakturierten Knochens), Schnappphänomene
    • Messung der Gelenkbeweglichkeit (gemäß der Neutral-Null-Methode: Die Bewegungsfreiheit wird als maximale Auslenkung des Gelenkes aus der Neutralstellung in Winkelgraden angegeben, wobei die Neutralstellung mit 0° bezeichnet wird. Ausgangslage ist die „Neutrale Position“: Der Mensch steht aufrecht, dabei sind die Arme nach unten hängend entspannt, die Daumen nach vorn gerichtet und die Füße stehen parallel. Die anliegenden Winkel werden als Null-Stellung definiert. Standard ist, dass zuerst der Wert vom Körper weg angegeben wird.)
      Bewegungsausmaß der Hüfte:
      • Extension (Streckung)/Flexion (Beugung): 0°-0°-130°
      • Abduktion (seitliche Wegführung eines Körperteils von der Körpermitte)/Adduktion (Heranführen eines Körperteils an die Körper- bzw. Gliedmaßenachse): 45°-0°-30°
    • Spezifische Tests
      • Ortolani-Zeichen (Vorsorgeuntersuchung im Neugeborenenalter oder bei Verdacht auf eine kongenitale Hüftdysplasie):
        • Nachweis: kongenitale Hüftdysplasie
        • Durchführung: Der Oberschenkel wird senkrecht Richtung Wirbelsäule gedrückt und anschließend nach außen bewegt.
        • Ortolani positiv: Beim Vorliegen einer Hüftdysplasie gleiten die anfangs subluxierten Oberschenkelköpfe mit einem Klickgeräusch – dem Ortolani-Zeichen – in die Hüftpfanne zurück (Schnapp-Phänomen).
        • Cave! Im positiven Falle darf der Test beim Neugeborenen nur einmal durchgeführt werden, da ansonsten der knorpelige Rand der Hüftgelenkspfanne (das Labrum acetabuli) durch den wiederholt darübergleitenden Hüftkopf geschädigt werden kann. Im ungünstigsten Fall kann dadurch eine Hüftkopfnekrose entstehen.
      • Barlow-Zeichen
        • Nachweis: kongenitale Hüftdysplasie
        • Durchführung: Daumen in die Leiste legen und mit der Hand den Oberschenkel umfassen. Durch Abduktion und Adduktion versuchtes Ein- und Auswärtshebeln des Femurkopfes.
        • Cave! Durch dieses Manöver kann die Gelenkskapsel überdehnt werden und das Gelenk beschädigt werden. Im ungünstigsten Fall kann dadurch eine Hüftkopfnekrose entstehen.
      • Thomas-Handgriff
        • Nachweis: Beugekontraktur im Hüftgelenk
        • Ausgangsstellung: Untersucherhand ist unter der LWS (Hinweis: Eine Hyperlordosierung (Überstreckung mit Hohlkreuz) in der Lendenwirbelsäule kann beim liegenden Patienten eine Verkürzung der Hüftbeugemuskulatur ausgeglichen und somit verschleiern)
        • Durchführung: Das nicht betroffene Bein wird maximal gebeugt (bei angewinkeltem Knie), sodass das Hohlkreuz aufgehoben wird. Bei Hüftbeugekontraktur des anderen Beins bleibt das zu untersuchende Bein nicht flach auf der Unterlage, sondern folgt der fortschreitenden Hüftbeugung.)
      • Trendelenburg Zeichen
        • Nachweis (klinisches Bild) einer Lähmung der Musculi glutei medius und minimus, die aufgrund einer Schädigung des Nervus gluteus superior hervorgerufen werden kann.
        • Trendelenburg positiv: Beim Einbeinstand sinkt das Becken zur gesunden Seite
          durch Insuffizienz der Mm. glutaei.

    • Beurteilung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität
      • Durchblutung (Palpation der Pulse)
      • Motorik: Prüfung der groben Kraft im Seitenvergleich
      • ggf. Sensibilität (neurologische Untersuchung)
  • Gesundheitscheck

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.

Die wichtigsten Diagnosekriterien

Die europäische Gesellschaft für pädiatrische Orthopädie (EPOS) hat 23 Kriterien zusammengetragen, die bei Kindern unter 9 Wochen mit einem erhöhten Risiko für eine kongenitale Hüftdysplasie einhergehen. Diese sind wurden in einer Studie [1] auf ihre Signifikanz hin untersucht. Dabei erwiesen sich 4 Parameter als statistisch signifikant:

  • Ortolani- oder Barlow-Zeichen
  • Asymmetrie in der Abduktion von ≥ 20° und eine Abduktion in einer oder beiden Hüften ≤ 45° 
  • Hüftdysplasie bei einem Verwandten ersten Grades
  • Beinlängendifferenz

Literatur

  1. Roposch A et al.: Weighted Diagnostic Criteria for Developmental Dysplasia of the Hip. JPEDS 2014; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jpeds.2014.08.023
     
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