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Kryokonservierung

In der Fortpflanzungsmedizin versteht man unter Kryokonservierung (griech. κρύος, krýos „Kälte“ und lat. conservare „erhalten, bewahren“) das Aufbewahren von Spermien (Samenzellen), Hodengewebe, Ovargewebe, Eizellen und befruchteten Eizellen im Vorkernstadium durch Einfrieren in flüssigem Stickstoff. Mit Hilfe dieses Verfahrens ist es möglich, die Vitalität der Zellen nahezu unbegrenzt aufrechtzuerhalten:

Die Kryokonservie­rung wird angeboten:

  • als fertilitätserhaltende Maßnahme von onkologischen Patienten/Tumorpatienten (hier: Spermien, Hodengewebe, Ovargewebe und Eizellen)
  • um die Implan­tation (Einpflanzung) des Embryos „physiologischer“ zu gestalten; dieses hat die Erfolgs­chancen einer In-vitro-Fertilisation (IVF; künstliche Befruchtung im Reagenzglas) jedoch nicht verbessert [1].

Weitere Hinweise

  • Kinder, die nach einer In-vitro-Fertilisation (IVF) geboren wurden, bei der die befruchtete Eizelle zuvor eingefroren war, hatten eine höhere Krebswahrscheinlichkeit (44,4 auf 100.000 Personenjahre versus 17,5 auf 100.000 Personenjahre; Hazard Ratio betrug 2,43, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,44 bis 4,11 statistisch signifikant war); das erhöhte Risiko war vor allem bedingt durch Leukämien, Neuroblastome oder andere Tumoren des sympathischen Nervensystems [2].
  • Am 6. Juli 2019 fand die die erste Geburt eines Kindes nach fertilitätserhaltenden Maßnahmen einer Frau statt, die an Brustkrebs erkrankt war. Es handelt sich dabei um eine Schwangerschaft aus aufgetauten Eizellen, die per intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI*) befruchtet wurden und als Embryo im Keimstadium in den Uterus (Gebärmutter) transferiert wurde. Dem war die Gewinnung von 17 Antralfollikeln per transvaginalem Ultraschall (Ultraschallverfahren bei dem der Ultraschallkopf durch die Scheide eingeführt wird) und anschließender in-vitro Maturation, d. h. der Verlagerung der Follikelreifung  in-vitro (Eizellreifung im Reagenzglas). Die so gereiften Oozyten (Eizellen) wurden anschließend schockgefroren in flüssigem Stickstoff (Vitrifikation) [3].
  • Kryokonservierung von Embryonen und Dauer der Lagerung: Eine längere Lagerzeit ging mit schlechterem Schwangerschaftserfolg und niedrigeren Lebendgeburtenraten einher: Bei Lagerung von 12 bis 24 Monaten sank die Implantationsrate (Zahl lebend geborener Kinder, dividiert durch die Zahl transferierter Embryonen) im Vergleich zur Lagerung von 3 Monaten von 40 auf 26 %, die klinische Schwangerschaftsrate von 56 auf 26 % und die Lebensgeburtenrate von 47 auf 26 % [4].
  • Kryokonservierung von Ovarialgewebe/Eierstockgewebe (engl. Ovarian Tissue Cryopreservation, OTC): Mit OTC wurden 39 % der Frauen mindestens einmal schwanger und 18 % brachten ein gesundes Kind zur Welt. Im fortgeschrittenem gebärfähigem Alter haben Frauen allerdings schlechte Chancen, durch die Transplantation von kryokonserviertem Ovargewebe und nachfolgender IVF schwanger zu werden: die Altersgrenze lag bei 35 Jahren [5].  

*Dabei wird ein einzelnes Spermium (Samenzelle) mit Hilfe einer Mikrokapillare direkt in das Zytoplasma (Ooplasma) einer Eizelle injiziert. Das Verfahren wird stets kombiniert mit einer In-vitro-Fertilisation (IVF; "Befruchtung im Glas").

Hinweis: Die Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen sowie die dazugehörigen medizinischen Maßnahmen werden unter bestimmten Voraussetzungen von der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­siche­rung bezahlt. 
Ausgeschlossen sind unter 18-Jährige sowie generell Frauen ab 40 und Männer ab 50 Jahren.

Bitte beachten Sie!

Die körperliche und psychische Gesundheit von Mann und Frau sowie eine gesunde Lebensweise sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung.

Vor dem Beginn therapeutischer Maßnahmen sollten Sie in jedem Fall  soweit möglich  Ihre individuellen Risikofaktoren reduzieren!

Lassen Sie deshalb vor Beginn einer fortpflanzungsmedizinischen Maßnahme (z. B. IUI, IVF etc.) einen Gesundheitscheck und eine Ernährungsanalyse zur Optimierung Ihrer persönlichen Fertilität (Fruchtbarkeit) durchführen.

Literatur

  1. Shi Y et al.: Transfer of Fresh versus Frozen Embryos in Ovulatory Women. N Engl J Med 2018; 378:126-136January 11, 2018 doi: 10.1056/NEJMoa1705334
  2. Hargreave M et al.: Association Between Fertility Treatment and Cancer Risk in Children. JAMA. 2019;322(22):2203-2210. doi:10.1001/jama.2019.18037
  3. Grynberg M et al.: First birth achieved after fertility preservation using vitrification of in vitr matured ocytes in a woman with breast cancer. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.01.005
  4. Li J et al.: The effect of storage time after vitrification on pregnancy and neonatal outcomes among 24 698 patients following the first embryo transfer cycles. Human Reproduction 2020; http://doi.org/10.1093/humrep/deaa136
  5. Dueholm Hjorth I A et al.: Reproductive outcomes after in vitro fertilization treatment in a cohort of Danish women transplanted with cryopreserved ovarian tissue. Ferti Steril 2020; https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2020.03.035
  6. Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen als GKV-​Leistung – G-BA beschließt Richtlinie Gemeinsamer Bundesausschuss 16. Juli 2020
     
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