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Ganzheitliche Fortpflanzungsmedizin
Ganzheitliche Behandlung von Ei- und Samenzellen

In der Fortpflanzungsmedizin werden fälschlicherweise oft nur Samen und Eizellen behandelt, ohne zu berücksichtigen, dass diese aus dem Körper eines Mannes beziehungsweise einer Frau stammen.
Dieses Vorgehen widerspricht einer ganzheitlichen Fortpflanzungsmedizin.


Ein ganzheitlichorientierter Fortpflanzungsmediziner berücksichtigt folgende Lebensumstände:

 

  1. Liegen Erkrankungen vor, die die natürliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen können?
  2. Liegen psychosomatische Störungen vor?
  3. Liegt eine Normalgewichtigkeit vor?
  4. Ist die Ernährung ausgewogen, vollwertig und vitalstoffreich*?
  5. Liegt eine ausreichende körperliche Aktivität vor?
    Exzessiver Leistungssport dagegen wirkt sich nachteilig auf die Fruchtbarkeit aus.
  6. Liegt ein übermäßiger Genussmittelkonsum – Koffein, Alkohol, Tabak – vor?
  7. Liegen Noxen – Umweltgifte, Drogeneinnahme – vor?


Bitte beachten Sie vor einer künstlichen Befruchtung!

Abweichungen vom Normalgewicht – Übergewicht beziehungsweise Untergewicht  

Mann: Übergewicht, insbesondere Körperfett am Bauch, führt zum Abfall des freien – biologisch aktiven Testosterons – des männlichen Hormons.

Frau: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass circa 12 % der primären Unfruchtbarkeit auf starke Abweichungen vom Normalgewicht, das heißt durch Übergewicht oder Untergewicht, zurückzuführen sind. Diese Gewichtsprobleme reduzieren auch die Aussichten auf eine erfolgreiche Sterilitätsbehandlung.
Ursache dafür ist, dass das Körperfett die Bildung von Gonadotropin Releasing Hormone (GnRH) beeinflusst. Dieses löst die Freisetzung von luteinisierendem Hormon (LH) und von follikelstimulierendem Hormon (FSH) aus, die beide für die Entwicklung von Eizellen (Follikelreifung) und für den regelmäßigen Eisprung (Ovulation) von großer Bedeutung sind.

Koffeinkonsum
Frau: Der Genuss von mehr als zwei Tassen Kaffee täglich kann bereits zu einer schlechteren Befruchtungsrate führen.

Alkoholkonsum
Alkoholkonsum kann die Fruchtbarkeit
des Mannes und der Frau beeinträchtigen: Sexualhormone können aufgrund alkoholbedingter Leberschädigungen nicht mehr entsprechend abgebaut werden und führen zur hormonellen Störung auf der Ebene Hypothalamus-Hypophyse, das heißt auf der Ebene von Zwischenhirn und Hirnanhangsdrüse.

Mann:
Erhöhter Alkoholkonsum kann zu einer schlechteren Qualität der Samenzellen führen: Die Samenzelldichte wird reduziert und der Anteil der fehlgebildeten Samenzellen nimmt zu. Des Weiteren führt erhöhter Alkoholkonsum zur Beeinträchtigungen der Libido, das heißt der sexuellen Lust.

Frau:
Erhöhter Alkoholkonsum kann Störungen der Follikelreifung (Eizellreifung) und des Monatszyklus bedingen, wodurch die weibliche Fruchtbarkeit beeinträchtigt wird.
Nebenbei: Hoher Alkoholkonsum
- Mann > 60 g/Tag; Frau > 40 g/Tag hohe Alkoholkonzentrationen führen nachweislich zur Hirnatrophie
(ARIC-Studie - Stroke. Dec 4)
- Samen- und Eizellen werden schon bei wesentlich kleineren Alkoholkonzentrationen geschädigt!

Tabakkonsum
Mann: Rauchen kann zur Einschränkung der Beweglichkeit von Samenzellen führen und damit die Befruchtungschancen vermindern.

Frau:
Rauchen gefährdet den Erfolg einer künstlichen Befruchtung!
Der Konsum von mehr als 10 Zigaretten am Tag vermindert die Chancen, dass sich ein Embryo in der Gebärmutter einnistet. (Schwangerschaftsrate: 52 % bei weniger als 10 Zigaretten/Tag; 34 % bei mehr als 10 Zigaretten/Tag). Des Weiteren führt Rauchen vermehrt zu Mehrlingsschwangerschaften (Vergleichsgruppe: 31 %; Raucherinnen mit mehr als 10 Zigaretten/Tag: 60 %) [1].
Es wurde eine verringerte Schwangerschafts- und Implantationsrate beim Transfer von subjektiv als morphologisch einwandfrei beurteilten Embryonen bei Raucherinnen gegenüber Nichtraucherinnen festgestellt [2].

Vitalstoffe
Eine vitalstoffreiche Ernährung ist von großer Bedeutung für die Fruchtbarkeit von Mann und Frau: Wissenschaftliche Studien für Mann und Frau belegen, dass die Einnahme von bestimmten Vitalstoffen* (Mikronährstoffen) die Schwangerschaftsrate verbessern kann.

Fazit!
Die körperliche und psychische Gesundheit von Mann und Frau sowie eine gesunde Lebensweise sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung.

Dr. med. Werner G. Gehring

Frauenarzt und Fortpflanzungsmediziner, Bad Münder

 

*Zu den Vitalstoffen gehören unter anderem Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, lebensnotwendige Aminosäuren, lebensnotwendige Fettsäuren etc.

 

Literatur

  1. Soares SR, Simon C, Remohi J, Pellicer A.
    Cigarette smoking affects uterine receptiveness.
    Hum Reprod 2007;22:543-547.
     
  2. Neal MS, Hughes EG, Holloway AC, Foster WG. 
    Sidestream smoking is equally as damaging as mainstream smoking on IVF outcomes.
    Hum Reprod 2005;20:2531-2535.
     
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