Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
COVID-19

Therapieziele

  • Symptomlinderung
  • Komplikationen und Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung mit der Folge eines mangelhaften Gasaustauschs) behandeln
  • Ausbreitung der Infektion verhindern

Therapieempfehlungen

  • Behandlung gemäß der aktuellen Leitlinie bei "Verdacht auf eine nCoV-Infektion von erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit schwerer akuter Atemwegsinfektion (engl. severe acute respiratory infection, SARI) im Krankenhaus" [Leitlinien: WHO].
  • Symptomatische Therapie: u. a. Säure-Basen-Haushalt und Elektrolyte (Blutsalze) ausgleichen.
  • Antivirale Therapie: Eine spezifische antivirale Therapie gibt es derzeit noch nicht (s. u. "Weitere Hinweise/Mögliche Therapie).
  • Corticosteroide: 
    • Dexamethason (6 mg/d i.v. oder p.o. für 10 Tage): Steroidbehandlung kann das Sterberisiko von Patienten mit schwerer COVID-19 senken (Metaanalyse) [27].
  • Thromboseprophylaxe (bei Erhöhung der D-Dimere um mindestens das 1,5- bis 2-Fache des Normwerts)
    • Dosierung 1 x 4.000 IE/d Enoxaparin s.c. (falls BMI > 35 bzw. KG > 100 kg oder früher stattgehabte Thromboembolie: 2 x 4.000 IE/d), Cave: Nicht bei oraler Antikoagulation [DEGAM-LL]
    • Niedermolekulare Heparine (LMWH) in prophylaktischer Dosis bei allen Patienten, die wegen einer COVID-19 ins Krankenhaus eingewiesen werden (wg. Mikrothrombosierungen im Lungengefäßsystem) [Leitlinien: 2].
      Antikoagulantien führen bei COVID-19-Patienten möglicherweise zu besseren Überlebenschancen: maschinell beatmete Patienten zeigten eine Mortalität von 29,1 %, versus  62,7 % bei den maschinell beatmeten Patienten ohne Antikoagulation [13]. Aussagekraft: retrospektive Auswertung von Patientendaten.
      Ebenso wurde bei COVID-19 Patienten unter Antikoagulation (Gerinnungshemmung) ein deutlicher Rückgang der Intubation und Todesfälle verzeichnet. Dabei war eine prophylaktische Antikoagulation mit subkutanem niedermolekularem Heparin (NMH) ausreichend [26].
      In der Schwangerschaft: Alle Schwangere mit vermuteter oder bestätigter COVID-19-Erkrankung sollten niedermolekulares Heparin erhalten. Die Prophylaxe sollte für mindestens zehn Tage nach Entlassung fortgeführt werden.
      Weitere Hinweise: 
      • Eine Antikoagulation in therapeutischer Dosis, unter Berücksichtigung der Schwere der Erkrankung, führt zu einer ähnlich hohen Krankenhausmortalität (Krankenhaussterberate) wie wenn Patienten eine prophylaktische Dosis erhalten [35]. Einschränkung: retrospektive Untersuchung
      • Eine therapeutische Antikoagulation kann bei Patienten mit mittelschwerer COVID-19 den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen. Unter der therapeutischen Antikoagulation starben nur 4 Patienten (1,8 %) gegenüber 18 Patienten (7,6 %) unter einer prophylaktischen Antikoagulation [44].
  • Zytokinsturm (Cytokine-release syndrome, CRS)  
    • Anakinra (Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist) hat bei COVID-19-Patienten in einer hochdosierten intravenösen Therapie den „Zytokinsturm“ positiv beeinflusst: Der Unterschied in der Überlebensrate von 90 % in der Anakinra-Gruppe gegenüber 56 % unter der Standardbehandlung war statistisch signifikant [14].
    • Glucocorticoide (s. u.)
  • Begleiterkrankungen
    • viral-bedingte fulminante Myokarditis (Herzmuskelentzündung): Glucocorticoide und Immunglobuline [9]
    • Superinfektion: Antibiose (Antibiotikatherapie)
  • Intensivmedizinische Behandlung (s. u. "Weitere Therapie")

Weitere Hinweise

  • Mögliche Therapie:
    • Acetylsalicylsäure (ASS) mit „Low dose“-ASS (81 mg): Patienten mussten seltener mechanisch beatmet werden (35,7 versus 48,4 %), wurden seltener auf die Intensivstation verlegt (38,8 versus 51,0 %) und das Sterberisiko war um 47 % vermindert (adjustierte Hazard Ratio 0,53; 0,31 bis 0,90) [31].
    • Camostat (Wirkstoff aus der Gruppe der Proteaseinhibitoren): Bindung an den ACE2-Rezeptor
    • Colchicin
      • hat in einer kleineren randomisierten Studie die Erholung von Patienten mit COVID-19 beschleunigt; die Autoren vermuten das Colchicin bei Patienten mit einem schweren Verlauf von Nutzen sein könnte [24].
      • COLCORONA-Studie: Colchicin (0,5 mg 2 × täglich für 3 Tage und dann 1 x pro Tag für 27 Tage): Klinikeinweisungen wurden um 25 % verhindert, die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung um 50 % und Todesfälle um 44 % [39]. 
      • Leiter der Studie RECOVERY hat in einem Statement verkündet, dass es keine überzeugende Evidenz für einen Überlebensvorteil mit Colchicin gäbe, der eine weitere Rekrutierung rechtfertigen würde (5. März 2021; Publikation dazu steht noch aus).
    • Antidepressiva (Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI))
      • Fluoxetin gehört zur Gruppe der FIASMA (funktionelle Inhibitoren der sauren Sphingomyelinase)): hemmt die Aufnahme von SARS-CoV-2 Viren in die Zellkultur als auch ihre Weiterverbreitung [30].
      • Erwachsene ambulante Patienten mit symptomatischer COVID-19 Infektion mit Fluvoxamin (3 x 100 mg/d für 15 Tage) hatten in einer randomisierten "Fernstudie" im Vergleich zu Placebo eine geringere Wahrscheinlichkeit einer klinischen Verschlechterung über 15 Tage [34].
        Die Autoren weisen darauf hin, dass Fluvoxamin – anders als andere Antidepressiva aus der Gruppe der SSNRI – nicht zu einer QT-Verlängerung im EKG führt.
      • Zur Prophylaxe eines schweren Verlaufs: Beginn mit 1 x 50 mg möglichst abends, für die nächsten 14 Tage 2 x 50-100 mg/d (je nach Verträglichkeit) [DEGAM-LL].
    • Glucocorticoide: 
      • Dexamethason (6 mg/d i.v. oder p.o. für 10 Tage) senkt die Mortalität (Sterberate) bei beatmeten Patienten; diese war ein Drittel niedriger als unter der Standardtherapie; Number Needed to Treat (NNT), um unter Dexamethason einen Todesfall zu verhindern, betrug 8 (für die beatmeten Patienten) und 25 für alle stationären COVID-19-Patienten [21].
      • Eine Metaanalyse von 7 randomisierten Studien konnte zeigen, dass eine Behandlung mit Glucocorticoiden die Gesamtmortalität (Gesamtsterberate) von Patienten mit schweren COVID-19-Infektionen um 36 % reduzieren konnte [32].
        Fazit: Glucocorticoide gehören nach evidenzbasierten Kriterien zur Standardtherapie von schwer betroffenen COVID-19 Patienten.
      • Beachte: Die Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) rät von Dexamethason bei COVID-19-Patienten ohne Beatmungspflicht ab [Leitlinien: Positionspapier der DGP].
      • Budesonid (als Asthmaspray; zweimal täglich: jeweils 800 µg Budesonid): hat die Dauer einer milden COVID-19 um einen Tag verkürzt und die Häufigkeit von schweren Verläufen um 90 % gesenkt [40]; ältere ambulante Patienten mit relativ mildem COVID-19  Symptomdauer um 3 Tage reduziert [43].
    • Monoklonale Antikörper: 
      • Erste Laborexperimente konnten zeigen, dass der Antikörper 47D11 in der Lage ist, eine Infektion von Zellen durch SARS-CoV-2 zu verhindern [10]. 
      • Acalabrutinib (monoklonaler Antikörper; BTK-Inhibitor der 2. Generation: Klasse von Proteinkinaseinhibitoren bzw. Tyrosinkinaseinhibitoren, welche die Bruton-Tyrosinkinase (BTK) hemmen) hat in einer offenen Studie den Zytokinsturm (potentiell lebensgefährliche Entgleisung des Immunsystems) abgeschwächt (bei 8 von 11 Patienten konnte auf die Sauerstoffgabe verzichtet werden) [20]. Der Zytokinsturm ist eine häufige Komplikation bei Patienten mit COVID-19.
      • Bamlanivimab (LY-CoV555) hat eine Notfallzulassung erhalten (inzwischen von der FDA widerrufen); Einsatz der neutralisierenden Antikörper Bamlanivimab allein oder in Kombination mit Etesevimab; Bamlanivimab hat die Viruslast und die Häufigkeit von Symptomen und Krankenhausaufenthalten bei nicht hospitalisierten Hochrisikopatienten mit leichter bis mittelschwerer COVID-19 um mehr als 70 % reduziert. Die Kombination Bamlanivimab/Etesevimab hat das Risiko von COVID-19 bedingten Krankenhausaufenthalten und Todesfällen in derselben Patientenpopulation um 70 % verringert.
      • Baricitinib (Januskinase (JAK)-Inhibitor) in Kombination mit dem Remdesivir: 
        • Beim Schweregrad 5 kam es zu einem Rückgang der Mortalitätsrate (Sterberate) auf 1,9 % gegenüber 4,7 % unter der Remdesivir-Monotherapie (Hazard Ratio 0,40; 0,14 bis 1,14) [36].
        • Rückgang der Mortalität bei Patienten, die bereits mit Steroiden behandelt wurden; allerdings beim primären Endpunkt Fortschreiten zur Sauerstoffbehandlung ("high flow" oder Beatmung) konnte keine signifikante Verbesserung erzielt werden [46].
      • Casirivimab und Imdevimab: Zur Behandlung bei Patienten mit leichten bis mäßigen COVID-19-Symp­tomen; Haushaltsmitglieder von COVID-19-Patienten, die die Kombination der beiden monoklonalen Antikörper erhielten, wurden vor einer Infektion geschützt und bei einer asymptomatischen Infektion wurde eine schwere Krankheit verhindert: relative Risikoreduktion von 73,1 Prozent; im Median sistierten die Symptome vier Tage früher mit Verum (10 versus 14 Tage) [42, 47]. 
      • Molnupiravir – orale antivirale Therapie; positives Phase-III-Zwischenergebniss; Antrag auf eine Zulassung für den Notfall (EUA-Emergency Use Authorization) wird bei der US-amerikanischen FDA gestellt
      • Ruxolitinib (monoklonaler Antikörper; Tyrosinkinaseinhibitor): Ruxolitinib reduzierte nicht nur die ARDS-assoziierten entzündlichen Blutzytokinspiegel wie IL-6 und das Akutphasenprotein Ferritin, sondern war auch mit einer raschen Verbesserung der Atemwege und des Herzens sowie einer klinischen Stabilisierung verbunden [22]. Einschränkung: Einzelfall!
      • Tocilizumab (monoklonaler Antikörper; Blockierung des Interleukin-6-Rezeptors); Indikation: Zytokin-Freisetzungssyndrom (engl. cytokine release syndrome (CRS)); Phase-III-Studie läuft; die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt inzwischen den Einsatz von Interleukin-6 (IL-6)-Antagonisten zur Behandlung von Patienten mit COVID-19
        • In einer kleinen retrospektiven Studie mit 25 Patienten war Tocilizumab bei Patienten mit schwerem COVID-19 mit einer radiologischen Verbesserung und einem verringerten Bedarf an Beatmungsunterstützung verbunden [11].
        • Studie mit 179 Patienten, die mit dem Antikörper Tocilizumab behandelt wurden: Horovitz-Quotient (PaO2/FiO2; Oxygenierung-Index; Parameter für die Lungenfunktion, mit dem das Ausmaß einer Schädigung der Lunge beschrieben werden kann), der den Schweregrad des Lungenversagens beschreibt, war bei den Patienten, die mit Tocilizu­mab behandelt wurden, bereits auf 169 mmHg abgefallen gegenüber 277 mmHg in der Vergleichsgruppe (Patienten, die kein Tocilizumab erhielten). Die Mortalitätsrate (Sterberate) war mit 7 % (13 Patienten) nur 1/3 so hoch wie in der Vergleichsgruppe, wo 73 von 365 Patienten (20 %) starben [23].
        • Tocilizumab und Sarilumab, die beide die Rezeptoren von Interleukin-6 neutralisieren und somit einer Hyperinflammation (schwere Entzündung) entgegen wirken, haben in einer Studie die Mortalität (Sterberate) von Patienten mit schwerem COVID-19 signifikant gesenkt [38].
        • Tocilizumab hat in der britischen RECOVERY-Studie die Sterberate von schwer erkrankten Patienten deutlich gesenkt. Auf 25 Patienten, die mit Tocilizumab behandelt wurden, konnten einem zusätzlich das Leben gerettet wurde (Number Needed to Treat) [41].
      • Kombination aus zwei monoklonalen Antikörpern (REGN10933 und REGN10987) der Firma Regeneron: Eine randomisierte Doppelblindstudie reduzierte die Viruslast bis zum 7. Tag; Patienten mit zunehmend höheren Virusgrundwerten hatten am Tag 7 nach der REGN-COV2-Behandlung eine entsprechend stärkere Verringerung der Viruslast [29].
    • Rekonvaleszentenserum (Plasmatherapie; Serumtherapie; Blutserum, das von Personen, die eine Infektionskrankheit überlebt haben, gewonnen wird)
      • In einer vorläufigen unkontrollierten Fallserie von 5 kritisch kranken Patienten mit bestätigter Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) und akutem Atemnotsyndrom (ARDS) folgte auf die Verabreichung von Rekonvaleszenzserum, das neutralisierende Antikörper enthielt, eine Verbesserung ihres klinischen Zustandes [3].
      • In einer Behandlungsserie mit 39 Patienten erholten sich diese häufiger; nur bei 7 Patienten (18 %) kam es bis zum Tag 14 zu einer Verschlechterung des klinischen Zustandes. In der Kontrollgruppe verschlechterte sich dieser bei 24,3 % der Patienten [17]. 
      • Erfahrungen eines größeren Zentrums deuten darauf hin, dass die Plasmatherapie nur in der Frühphase der Erkrankung erfolgreich ist: Patienten, die innerhalb von 72 Stunden nach der Aufnahme in der Klinik behandelt wurden, hatten eine mehr als 3-fach erhöhte Chance, die Erkrankung zu überleben [25].
        • In einer randomisierten Studie konnte der frühzeitige Einsatz der Behandlung in den ersten Krankheitstagen als entscheidend nachgewiesen werden. Die Serumtherapie konnte das Erkrankungsrisiko um 48 % senken; bei Ausschluss von 6 Patienten, die bereits zum Zeitpunkt der Infusion eine schwere Atemwegserkrankung entwickelt hatten, stieg die Wirksamkeit auf 60 % [37].
    • Virustatika
      • Favipiravir (Virostatikum, das zur oralen Behandlung von Infektionen mit verschiedenen RNA-Viren verwendet wird; japanische Version von Remdesivir; wird als Reservemittel zur Behandlung der Influenza eingesetzt) [19]: 
        • leicht erkrankte Patienten: bei 87,8 % kam es nach 14 Tagen zu einer klinischen Verbesserung; 5,1 % der Patienten waren an COVID-19 gestorben.
        • mittelschwer erkrankte Patienten: bei 84,5 % kam es zu einer Verbesserung; Mortalität (Sterberate) betrug 12,7 %
        • schwer erkrankte Patienten: bei 60,3 % kam es zu einer Verbesserung; Mortalitätsrate betrug 31,7 %
        Einschränkung: Fehlen einer Vergleichsgruppe
      • Ribavirin (Guanosinanalogon und RNA-Synthese-Inhibitor): hemmt wahrscheinlich auch die RdRp; gleiches gilt für Sofosbuvir (Polymerase-Inhibitor)
      • 14-tägige Dreifachkombination von 400 mg Lopinavir /100 mg Ritonavir (alle 12 Stunden), 400 mg Ribavirin (alle 12 Stunden) und 3 Dosen Interferon Beta-1b an wechselnden Tagen versus Lopinavir 400 mg / Ritonavir 100 mg alle 12 Stunden für 14 Tage. Der mediane Krankenhausaufenthalt in der Kombinationsgruppe betrug 9 Tage im Vergleich zu 14,5 Tagen in der Kontrollgruppe. Ein post-hoc-Subgruppenvergleich dieser Patienten zeigte, dass diejenigen, die die Behandlung < 7 Tage nach Auftreten der Symptome begannen, bessere klinische und virologische Ergebnisse hatten [15].
  • Kein Therapieerfolg:
    • Ivermectin (Antiparasitikum; einmalige orale Gabe von 200 µg Ivermectin pro Kilogramm Körpergewicht): Wirkstoff ist in-vitro ein Inhibitor des COVID-19-verursachenden Virus [5]. Die Ergebnisse des Cochrane Reviews (Stand der Studiensuche: 26. Mai 2021) zeigen, dass Ivermectin verglichen mit Placebo oder einer Standardbehandlung weder bezüglich des Sterberisikos, noch des klinischen Zustands von COVID-19, einen Vorteil hat [45].
    • Hydroxychloroquin*
      • Eine kleinere randomisierte Studie findet Hinweise bei 20 Patienten, die leicht an Covic 19 erkrankt waren, auf eine Wirkung: die Patienten wurden über 5 Tage mit Hydroxychloroquin behandelt. Nach 10 Tagen waren 14 Patienten (70 %) virusfrei, darunter alle Patienten, die auch Azithromycin* erhalten hatten. Bei 25 von 31 Patienten (80,6 %) zeigte sich in der 2. CT-Untersuchung eine Verbesserung versus 17 von 31 Patienten (54,8 %) in der Kontrollgruppe [4]. 
      • Eine klinische Studie wurde abgebrochen: Bei sehr hohen Dosierungen von 1.200 mg/d Chloroquin kam es gehäuft zu tödlichen Zwischenfällen, die auf eine QTC-Zeitverlängerung zurückzuführen waren, ohne dass die Viruslast abnahm. Hinweis: Alle Patienten erhielten zudem standardmäßig Ceftriaxon und Azithromycin [6].
      • In dieser Beobachtungsstudie mit Patienten mit Covid-19, die ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, war die Verabreichung von Hydroxychloroquin (600 mg zweimal am Tag 1, dann 400 mg täglich für einen Median von 5 Tagen) bei 1.376 Patienten weder mit einem stark verringerten noch mit einem erhöhten Risiko für den zusammengesetzten Endpunkt der Intubation oder des Todes verbunden [12].
      • Hydroxychloroquin in WHO-Studie ohne Wirkung [33]
    • Lopinavir /Ritonavir (Inhibitoren der HIV-Protease) hat in einer offenen Studie bei schwerstkranken COVID-19-Patienten an einer Klinik in Wuhan weder die Eliminierung der Viren beschleunigt noch die Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) der Patienten gesenkt [2].
      In einer Subgruppenanalysen zeigte die HIV-Kombination Lopinavir/Ritonavir keine Wirkung bei hospitalisierten COVID-19-Patienten [28].
    • Remdesivir – ein breit antiviral wirksames Nukleotidanalogon, das die RNA-abhängige RNA-Polymerase hemmt – und Chloroquin* – ein entzündungshemmender, immunmodulierender, antiparasitärer und antiviraler Wirkstoff aus der Gruppe der Malariamittel – hemmen wirksam das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) in vitro [1].
      Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für Remdesivir: Anstieg der Transaminasen (ALT) auf mehr als das 5-fache des oberen Grenzwertes („upper limit of normal, ULN) und eine deutlich eingeschränkte Nierenfunktion.
      • Es wird berichtet, dass sich median 18 Tage nach der ersten Dosis der Zustand bei 36 von 53 Patienten (68 %) gebessert hat. Patienten, die vor Beginn der Behandlung nicht beat­met wurden, zeigten häufiger eine Besserung (Hazard Ratio auf eine Verschlechterung: 0,33; 95-%-Konfidenzintervall 0,16 bis 0,68); dieses galt auch für Patienten, die jünger als 50 Jahre waren (Hazard Ratio: 0,29; 0,11 bis 0,74). Die Aussagekraft der Studie gilt als begrenzt, da keine Vergleichsgruppe vorlag [7].
      • In einer chinesischen Studie an erwachsenen Patienten, die wegen schwerer COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, war Remdesivir nicht mit statistisch signifikanten klinischen Vorteilen verbunden. Die numerische Verkürzung der Zeit bis zur klinischen Verbesserung bei den früher behandelten Patienten erfordert jedoch eine Bestätigung in größeren Studien [8].
      • In einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie mit intravenöser Verabreichung von Remdesivir bei Erwachsenen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, konnte nachgewiesen werden, dass Remdesivir (200 mg Startdosis am Tag 1, gefolgt von 100 mg täglich für bis zu 9 zusätzliche Tage) dem Placebo überlegen war, die Zeit bis zur Genesung verkürzte (11 Tage versus 15 Tage) und Infektionen der unteren Atemwege erniedrigte. Ebenso wurde die Mortalität (Sterberate) nach 14 Tagen signifikant reduziert: 7,1 % mit Remdesivir und 11,9 % mit Placebo [16].
        Eine Verkürzung der Behandlungsdauer mit Remdesivir auf 5 statt der 10 Tage hatte in einer randomisierten Studie keine Nachteile [18].
      • Remdesivir in WHO-Studie ohne Wirkung [33]

*Beachte: Bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung ist Kammer­flim­mern mit Todesfolge möglich. Der Wirkstoff kann zu einer Verlängerung des QT-Intervalls und damit einhergehende elektrische Instabilität des Herzens (Long-QT-Syndrom) führen.

Literatur

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  33. WHO Solidarity trial consortium: Repurposed antiviral drugs for COVID-19 – interim WHO SOLIDARITY trial results. medRxiv October 15, 2020. doi: https://doi.org/10.1101/2020.10.15.20209817
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  38. REMAP-CAP Investigators: Interleukin-6 Receptor Antagonists in Critically Ill Patients with Covid-19 – Preliminary report. med Rxiv January 7, 2021 doi: https://doi.org/10.1101/2021.01.07.21249390
  39. Pressemitteilung des Montreal Heart Instituts: Colchicine reduces the risk of COVID-19-related complications, veröffentlicht am 22. Januar 2021. https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04322682
  40. Ramakrishnan S et al.: Inhaled budesonide in the treatment of early COVID-19 illness: a randomised controlled trial. medRxiv February 8, 2021
  41. Horby PW et al.: Tocilizumab in patients admitted to hospital with COVID-19 (RECOVERY): preliminary results of a randomised, controlled, open-label, platform trial medRxiv February, 2021 doi: https://doi.org/10.1101/2021.02.11.21249258
  42. COVID-19 Study Assessing the Efficacy and Safety of Anti-Spike SARS CoV-2 Monoclonal Antibodies for Prevention of SARS CoV-2 Infection Asymptomatic in Healthy Adults and Adolescents Who Are Household Contacts to an Individual With a Positive SARS-CoV-2 RT-PCR Assay, Phase-III-Studie 2021
  43. Yu LM et al.: Inhaled budesonide for COVID-19 in people at higher risk of adverse outcomes in the community: interim analyses from the PRINCIPLE trial. medRxiv 2021 doi: https://doi.org/10.1101/2021.04.10.21254672
  44. Sholzberg M et al.: Heparin for Moderately Ill Patients with Covid-19 medRxiv July 2021 doi: https://doi.org/10.1101/2021.07.08.21259351
  45. Popp M, Stegemann M, Metzendorf M-I, Gould S, Kranke P, Meybohm P, Skoetz N, Weibel S: Ivermectin for preventing and treating COVID‐19. Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 7. Art. No.: CD015017. doi: 10.1002/14651858.CD015017.pub2.
  46. Marconi VC et al.: Efficacy and safety of baricitinib for the treatment of hospitalised adults with COVID-19 (COV-BARRIER): a randomised, double-blind, parallel-group, placebo-controlled phase 3 trial Lancet Respiratory Medicine September 01, 2021 doi:https://doi.org/10.1016/S2213-2600(21)00331-3
  47. Weinreich DM et al.: REGEN-COV Antibody Combination and Outcomes in Outpatients with Covid-19. New Engl. J Med. September 29, 2021 doi: 10.1056/NEJMoa2108163

Leitlinien

  1. WHO: Clinical management of severe acute respiratory infection when COVID-19 is suspected. Interim guidance 13 March 2020
  2. Thachil J et al.: ISTH interim guidance on recognition and management of coagulopathy in COVID‐19. JTH 25 March 2020 https://doi.org/10.1111/jth.14810
  3. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V.: Therapie mit Dexamethason bei Patienten mit COVID-191. Juli 2020
  4. S1-Leitlinie: Neues Coronavirus – Informationen für die hausärztliche Praxis. (AWMF-Registernummer: 053 - 054), April 2021 Langfassung
  5. S3-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 - Living Guideline. (AWMF-Registernummer: 113 - 001), Mai 2021 Langfassung
  6. S3-Leitlinie: Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen. (AWMF-Registernummer: 020 - 021), Juni 2021 Langfassung
     
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