Folgeerkrankungen
Lungenentzündung (Pneumonie)

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Pneumonie (Lungenentzündung) mit bedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akutes Lungenversagen ("Virus-induziertes Lungenversagen"); Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) bis zu 50 %
  • Lungenabszess (Eiteransammlung in der Lunge) – Sputum (Auswurf) stink faulig und ist blutig tingiert
  • Lungenfibrose (bindegewebiger Umbau der Lungen) kann aus chronischer interstitieller Pneumonie hervorgehen
  • Pleuritis (Brustfellentzündung)
  • Pleuraempyem (Eiteransammlung im Brustfellspalt)
  • Pleuraerguss (Flüssigkeit zwischen den beiden Blättern der Pleura/lungen- und Rippenfell), parapneumonischer ("um die Lunge herum")
  • Pneumonie, chronische
  • Pneumothorax – Kollaps der Lunge, der durch eine Luftansammlung zwischen der Pleura viszeralis (Lungenfell) und der Pleura parietalis (Brustfell) bedingt ist
  • Respiratorische Insuffizienz (Störung des Gasaustauschs der Lunge)
    • respiratorische Partialinsuffizienz: arterielle Hypoxämie mit Verminderung des Sauerstoffpartialdrucks unter einen Grenzwert von 65-70 mmHg bei normalem bis verringertem Kohlendioxid
    • respiratorische Globalinsuffizienz: hier liegt zusätzlich zur respiratorischen Partialinsuffizienz eine Hyperkapnie (Erhöhung des Kohlendioxidpartialdrucks > 45 mmHg) vor
  • Sonstige Sepsis ("Blutvergiftung"

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Apoplex* (Schlaganfall)
  • Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – bei 11,9 % der CAP-Patienten (englisch: community-acquired pneumonia; ambulant erworbene Pneumonie) und bei 7,4 % der Kontrollpersonen [6]
  • Herzkreislauferkrankungen (Koronare Herzkrankheit/Herzkranzgefäßerkrankung, Apoplex/Schlaganfall) – Risiko im ersten Jahr um das 6-Fache erhöht; im zweiten und dritten Jahr um den Faktor 2,47 und 2,12; ≥ 5 Jahre: 1,87-fach erhöht [7]
  • Koronare Herzkrankheit* (KHK; Herzkranzgefäßerkrankung)
  • Myokardinfarkt* (Herzinfarkt)
  • Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
  • Plötzlicher Herztod (PHT) – bei CAP-Patienten relativer Risikozuwachs [6]: 
    • < 65. Lebensjahr: 1,98-fach
    • > 65. Lebensjahr: 1,55-fach
  • Rechtsherzversagen (RHV) wg. Nachlaststeigerung

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (Blutvergiftung; bei invasiven Pneumokokken-Erkrankungen)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Hirnabszess (Eiteransammlung im Gehirn)
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, anderenorts nicht klassifiziert (R00-R99)

  • Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom [SIRS] – lebensgefährliche akute Schädigung der Lunge; häufig mit einem Multiorganversagen

* 30 Tage nach Klinikeinweisung ein 4,07-faches höheres Risiko, nach 90 Tagen ein 2,94-faches Risiko und nach 9 bis 10 Jahren ein um das 1,86-fache erhöhtes Risiko [3]

Risiko der intensivmedizinischen Therapienotwendigkeit bei ambulant erworbener Pneumonie [5]

Schwerer Verlauf einer CAP, d. h. akuter Notfall und umgehende intensivierte Managements auf einer Überwachungs- oder Intensivstation. Dieses wird durch folgende Kriterien definiert:

  • Alle Patienten mit > 2 Minorkriterien (s. u.) oder
  • mit einem Majorkriterium (= invasive Beatmung oder systemische Hypotension mit Vasopressortherapie) 

Minorkriterien sind:

  • Schwere akute respiratorische Insuffizienz (PaO2 ≤ 55 mmHg bzw. ≤ 7 kPa bei Raumluft)
  • Atemfrequenz ≥ 30/min
  • Multilobäre Infiltrate in der Röntgenaufnahme des Thorax
  • Neu aufgetretene Bewusstseinsstörung
  • Systemische Hypotension mit Notwendigkeit der aggressiven Volumentherapie
  • Akutes Nierenversagen (Stickstoffanteil des Harnstoffs ≥20 mg/dl)
  • Leukopenie (Leukozyten < 4.000 Zellen/mm3)
  • Thrombozytopenie (Thrombozyten < 100.000 Zellen/mm3)
  • Hypothermie (Körpertemperatur < 36 °C)

Prognosefaktoren

  • Erhöhte Mortalität (Sterberate) bei Diabetikern (2,47-fach erhöhte Mortalitätsrate [1]; Typ-1-Diabetes um das Fünf- bis Sechsfache, Typ-2-Diabetiker beiden Geschlechts um 20 % erhöhte Mortalitätsrate [4])
  • Die Atemfrequenz (Norm: 12-18/min) bei stationärer Aufnahme ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Krankenhaussterblichkeit bei ambulant erworbener Pneumonie. Sowohl erniedrigte als auch erhöhte Atemfrequenzen bei Aufnahme gehen mit einer signifikant erhöhten Krankenhaussterblichkeit einher.
    Weitere unabhängige Risikofaktoren sind Alter, Aufnahme aus einer Pflegeeinrichtung oder Reha-Einrichtung, chronische Bettlägerigkeit, Desorientierung, Pulsamplitude und systolischer Blutdruck [2].

Literatur

  1. Lepper PM, Ott S et al.: Serum glucose levels for predicting death in patients admitted to hospital for community acquired pneumonia: prospective cohort study. BMJ 2012;344:e3397
  2. Strauss R, Ewig S, Richter K, König T, Heller G, Bauer T: The prognostic significance of respiratory rate in patients with pneumonia – a retrospective analysis of data from 705 928 hospitalized patients in Germany from 2010-2012. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 503-8. doi: 10.3238/arztebl.2014.0503
  3. Vicente F. Corrales-Medina, Karina N. Alvarez; Lisa A. Weissfeld et al.: Association Between Hospitalization for Pneumonia and Subsequent Risk of Cardiovascular Disease JAMA. 2015;313(3):264-74. doi:10.1001/jama.2014.18229.
  4. Magliano DJ et al.: Excess Risk of Dying From Infectious Causes in Those With Type 1 and Type 2 Diabetes. Diabetes Care 2015; 38: 1274-1280
  5. Ewig S, Höffken G, Kern WV et al (2016) Management of adult community-acquired pneumonia and prevention – update 2016. Pneumologie 2016 Mar;70(3):151-200. doi: 10.1055/s-0042-101873.
  6. Eurich et al. Risk of heart failure after community acquired pneumonia: prospective controlled study with 10 years of follow-up BMJ 2017; 356 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.j413 (Published 13 February 2017)
  7. Bergh C et al.: Severe infections and subsequent delayed cardiovascular disease. European Journal of Preventive Cardiology 2017; 0(00) 1-9 v doi: 10.1177/2047487317724009
     
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