Weitere Therapie
HIV

Allgemeine Maßnahmen

  • Partnermanagement bei einer frischen HIV-Infektion, d. h. ggf. infizierte Partner müssen ausfindig gemacht und behandelt werden (Kontakte der letzten drei Monate oder aus der Zeit bis zum letzten negativen Test müssen informiert werden) [1].
  • Kein ungeschützter Verkehr! – ungeschützter Analverkehr ist die risikoreichste Praktik für beide Personen (rezeptiv 0,5 %, insertiv 0,07 %); ungeschützter Vaginalverkehr gilt als zweitrisikoreichster Ansteckungsweg
  • Kein Needle-Sharing – gemeinsames Benutzen von Nadeln und anderem Injektionsbesteck bei Drogenabhängigen
  • Auf mögliche Blutkontakte achten und die gemeinsame Benutzung von Nagelscheren, Rasiermessern und Zahnbürsten mit Nicht-Infizierten vermeiden.
  • Beachtung der allgemeinen Hygienemaßnahmen!
  • Beim Auftreten von Fieber:
    • Bettruhe und körperliche Schonung (auch bei nur geringem Fieber)
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum)
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g Alkohol pro Tag; Frauen: max. 12 g Alkohol pro Tag)
  • Begrenzter Koffeinkonsum (max. 240 mg Koffein pro Tag; das entspricht 2 bis 3 Tassen Kaffee bzw. 4 bis 6 Tassen grünen/schwarzen Tee)
  • Erhalt des Normalgewichts anstreben! 
    Bestimmung des BMI (Body-Mass-Index, Körpermassen-Index) bzw. der Körperzusammensetzung mittels der elektrischen Impedanzanalyse
    • Unterschreitung der BMI-Untergrenze (ab dem 19. Lebensjahr: 19; ab dem 25. Lebensjahr: 20; ab dem 35. Lebensjahr: 21; ab dem 45. Lebensjahr: 22; ab dem 55. Lebensjahr: 23; ab dem 65. Lebensjahr: 24) → Teilnahme an einem ärztlich betreuten Programm für Untergewichtige
  • Aufklärung über Tätigkeitseinschränkung und Berufsverbot: Eine Infektion mit dem HIV-Erreger wird im § 42 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) nicht zu den Erregern gezählt, die zur Tätigkeitseinschränkung für Menschen, die beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, führen.
    Eine Tätigkeitseinschränkung kann bei operativ tätigen Ärzten
    wegen des Risikos einer Fremdgefährdung notwendig werden. Tätigkeiten mit erhöhten Übertragungsrisiko für blutübertragbare Infektionserkrankungen sollten ausgeschlossen werden. Siehe dazu unter "Prävention der nosokomialen Übertragung von humanem Immunschwächevirus (HIV) durch HIV-positive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen [2].
  • Reiseempfehlungen
    • Beachtung von Einreisebeschränkungen für HIV- Infizierte in einigen Ländern
    • Berücksichtigung eines höheren Risikos reiseassoziierter Infektionen
    • Verhaltensmaßregeln zur Infektionsprophylaxe beachten (Repellentien zum Malariaschutz; Impfcheck)

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Stammzelltransplantation (genauer: hämatopoetische Stammzelltransplantation; HSZT) – ein HIV-Patient ist nach einer Stammzelltransplantation seit Monaten ohne antiretrovirale Therapie in Remission; er erhielt eine Transplantation allogener hämatopoetischer Stammzellen (HSC), auf denen beide Allele eine Gendepletion für den CCR5-Rezeptor (CCR5Δ32/Δ32) aufwiesen (zweite Fall dieser Art) [3]

Impfungen

Bei HIV-positiven Personen sollten folgende Schutzimpfungen durchgeführt werden gegen:

  • Grippe-Impfung
  • Hepatitis A, B
  • Pneumokokken
    Beachte: Bei Patienten mit Immunsuppression rät die STIKO zur Sequenzimpfung, wobei zunächst mit PCV13 (Konjugatvakzine) und 6-12 Monate später mit PSV23 (23-valenten Polysaccharidvakzine) geimpft wird. Diese Strategie hat eine deutlich höhere protektive Effektivität als bei Impfung mit PSV23 allein.

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen während der Erkrankung:
    • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme! Da es im Verlauf einer fieberhaften Erkrankung zu starken Flüssigkeitsverlusten kommt, sollte die Flüssigkeitsaufnahme bei nieren- und herzgesunden Erwachsenen nach folgender Faustregel erfolgen: bei jedem Grad Körpertemperatur über 37 °C zusätzlich 0,5-1 Liter pro °C. Am besten geeignet sind Tees.
    • Bei Erbrechen: Solange das Erbrechen anhält, sollte auf den Verzehr jeglicher Nahrung verzichtet werden. Der Flüssigkeitsverlust sollte allerdings unbedingt ausgeglichen werden. Dazu empfiehlt es sich, Flüssigkeiten wie z. B. Kräutertees (Fenchel-, Ingwer-, Kamille-, Pfefferminz- und Kümmeltee) oder Wasser zunächst in kleineren Mengen, eventuell löffelweise zuzuführen. Wenn das Erbrechen aufgehört hat, werden zuerst kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel wie Zwieback, Toast und Salzstangen gut vertragen. Die Mahlzeiten sollten klein sein und über den Tag verteilt gegessen werden. Auf Genussmittel ist während des Erbrechens und auch noch eine Woche danach zu verzichten.
    • Bei Durchfall: Im Rahmen der Durchfallerkrankung hat sich eine "Tee-Zwieback-Diät" (Dauer: drei Tage, ggf. länger; soweit keine anderen Erkrankungen dagegen sprechen) bewährt.
    • Nach der akuten Magen-Darm-Erkrankung empfiehlt sich eine leichte Vollkost. Im Rahmen dieser Ernährung sollte auf folgende Lebensmittel und Zubereitungsverfahren verzichtet werden, da sie erfahrungsgemäß häufig Beschwerden verursachen:
      • voluminöse und fettreiche Mahlzeiten 
      • Hülsenfrüchte und Gemüse wie Weißkohl, Grünkohl, Paprika, Sauerkraut, Lauch, Zwiebeln, Wirsing, Pilze
      • rohes Stein- und Kernobst
      • frisches Brot, Vollkornbrot
      • hartgekochte Eier
      • kohlensäurehaltige Getränke
      • frittierte, panierte, geräucherte, sehr stark gewürzte oder sehr süße Lebensmittel
      • zu kalte bzw. zu heiße Lebensmittel
    • Ernährung reich an:
      • Vitaminen (Vitamin A, B1, B2, B3, B5, B6, B12, C, E) – Auf Grund des Fiebers kann es zu einem Mangel an Vitamin C kommen. Zudem ist Vitamin C wichtig für das Immunsystem. Vitamin C-reiche Lebensmittel sind Gemüse wie Spinat und Obst (Apfelsinen, Erdbeeren, Kiwis, Johannisbeeren), die zudem während einer Infektion gut vertragen werden.
      • Spurenelementen (Selen, Zink)
      • Omega-3-Fettsäuren (Meeresfisch)
      • Sekundären Pflanzenstoffen
      • Weitere Mikronährstoffe (L-Carnitin; probiotische Kulturen)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns

Sportmedizin

  • Ausdauertraining (Cardiotraining) und Krafttraining (Muskeltraining)
  • Ein aerobes Ausdauertraining mit moderater Intensität von zwei- bis dreimal pro Woche über 20 bis 30 Minuten hat u. a. einen günstigen Effekt auf das Auftreten von Infekten der oberen Atemwege. 
  • Geeignete Ausdauersportarten sind Joggen, Walking, Nordic Walking, Radfahren, Inlineskating, Schwimmen oder Rudern.
  • Erstellung eines Fitness- bzw. Trainingsplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck)
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Deutsche AIDS-Hilfe e. V.
    Wilhelmstr. 138, 10963 Berlin
    Telefon: 030 - 69 00 87 0, Fax: 030 - 69 00 87 42, E-Mail: dah@aidshilfe.de, Internet: www.aidshilfe.de

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Literatur

  1. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015
  2. Rabenau HF et al.: Prävention der nosokomialen Übertragung von humanem Immunschwächevirus (HIV) durch HIV-positive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Empfehlungen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruserkrankungen (DVV) e.V. und der Gesellschaft für Virologie (GfV) e.V. Bundesgesundheitsbl. 2012;55:937-43
  3. Gupta R et al.: HIV-1 remission following CCR5Δ32/Δ32 haematopoietic stem cell transplantation Nature 2019 ISSN 1476-4687

Leitlinien

  1. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015
     
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