Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
HIV

Therapieziele

  • Verlängerung des Überlebens
  • Partnermanagement bei einer frischen HIV-Infektion, d. h. ggf. infizierte Partner müssen ausfindig gemacht und behandelt werden (Kontakte der letzten drei Monate oder aus der Zeit bis zum letzten negativen Test müssen informiert werden) [4].

Therapieempfehlungen

  • Nachfolgend die aktuellen WHO-Empfehlungen [6]:
    • Jeder HIV-Positive (Kinder und Jugendliche eingeschlossen) sollte von Anfang an antiretrovirale Medika­mente einnehmen (unabhängig von der CD4 Zellzahl).
    • HIV-negative Partner aus serodiskordanten Paaren sowie Männer, die Sex mit Männern haben (engl. men who have sex with men (MSM)), sollten eine Präexpositionsprophylaxe betreiben, vorzugsweise mit einer Kombination von Tenofovir plus Emtricitabin.
  • Initialtherapie:
    • Bevorzugt mit zwei Nukleosid-Analoga und einem Protease-Inhibitor oder zwei Nukleosid-Analoga und einem Nicht-Nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor. Ist dies nicht erfolgreich, so kann eine Kombination aus drei Nukleosid-Analoga ausprobiert werden. 
    • Die International Antiviral Society-USA (IAS-USA) gibt dafür den Integrase-Inhibitoren (Elvitegravir, Dolutegravir, Raltegravir) den Vorzug [7].
  • Eine frühe antiretrovirale Therapie (ART) einer HIV-Infektion beschleunigt die Erholung der Immunparameter und kann darüber hinaus den Zeitpunkt der lebenslangen Therapie in der Spätphase hinauszögern [1, 2].
  • Multiresistente (MDR) HIV-Infektion: Ibalizumab (monoklonaler Antikörper, der CD4, den primären Rezeptor für HIV, bindet und das Eindringen von HIV in Zellen verhindert; wurde als erstes Medikament zur Behandlung von MDR-HIV in den USA zugelassen) [9]; der Wirkstoff wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Substanzen in einer Dosis von 200 mg alle 2 Wochen i.v. verabreicht; seit November 2019 auch in Europa zugelassen
  • Regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung des Therapieerfolges müssen erfolgen.
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Therapieindikation und -beginn (ART) gemäß den Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion [5]: 

Klinik CD4+T-Lymphozyten/μl Zusatzkriterien* ART
HIV-assoziierte Symptome und Erkrankungen (CDC: C, B), HIV-Nephropathie, HIV-associated neurocognitive disorders (HAND) alle Werte  -  soll erfolgen
       < 350  -  soll erfolgen
 300-500  gegeben  soll erfolgen
 nicht gegeben  kann erfolgen
  > 500  gegeben  sollte erfolgen
 nicht gegeben  kann erfolgen
Akutes retrovirales Syndrom mit schwerer/lang dauernder Symptomatik  alle Werte  -  sollte erfolgen
 Asymptomatisches / gering symptomatische Serokonversion  alle Werte  .  kann erfolgen

*Eines oder mehrere der folgenden Kriterien: Alter > 50 Jahre, HCV-Koinfektion, therapiebedürftige HBV-Koinfektion), Absinken der CD4+ T-Zellzahl, Plasmavirämie > 100.000 Kopien/mL, Reduktion der Infektiosität (Ansteckungsfähigkeit)

Die randomisierte START-Studie konnte zeigen, wurde die Therapie bei einer Helferzellzahl von über 500/µl initiiert, war das Risiko – für das Auftreten von Ereignissen, die das „acquired immune deficiency syndrome“ (AIDS) definieren, und auch von nicht AIDS-definierenden Ereignissen – geringer als bei Patienten, die erst nach Abfall der Helferzellen unter 350/µl eine Therapie erhielten [8].

Schwangerschaft

Unter folgenden Bedingungen kann bei einer HIV-positiven Schwangeren eine vaginale Entbindung angestrebt werden:

  • Schwangerschaftsalter mindestens 37 + 0 SSW 
  • Ausschluss
    • geburtshilflicher Kontraindikationen (z. B. Querlage)
    • anderer, behandlungspflichtiger, sexuell übertragbarer Infektionen (STI)
  • HI-Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze bei 36 + 0 SSW

Antiretrovirale Medikamente

Antiretrovirale Medikamente wirken gegen Retroviren, das ist eine bestimmt Untergruppe der Viren, zu denen auch die Viren zählen, die für die AIDS-Erkrankung verantwortlich sind.

Man unterscheidet die folgenden Gruppen der antiretroviralen Medikamente

  • Nukleosidanaloga – beispielsweise Tenofovir
  • Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) – beispielsweise Efavirenz
  • Fusionsinhibitoren – beispielsweise Enfuvirtid
  • Protease-Inhibitoren – beispielsweise Atazanavir
  • Integrase-Inhibitoren – beispielsweise Elvitegravir, Dolutegravir*, Raltegravir
  • Reverse Transkriptase-Inhibitoren – beispielsweise Lamivudin

In der Regel werden mehrere der oben genannten Medikamente kombiniert, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Man nennt die Form der Therapie HAART-Therapie (hochaktive antiretrovirale Therapie). Diese Therapie kann den Betroffenen nicht heilen, kann aber das Leben durchaus viele Jahre verlängern.

*Die WHO empfiehlt den Integrasehemmer Dolutegravir (DTG) als Erstlinien- und Zweitlinien-Therapie der Wahl für HIV-Infizierte, ausdrücklich auch für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch auf Grundlage einer neuen Studie, Dieser zufolge besteht ein kleinerer Unterschied als bisher gedacht, trotz allem aber ein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit von Neuralrohrdefekten bei Kindern von HIV-positiven Frauen [11].

Weitere Hinweise

  • Elvitegravir- und Cobicistat-haltige Arzneimitteln: Erhöhtes Risiko für Therapieversagen und Mutter-Kind-Übertragung der HIV-Infektion aufgrund einer geringeren Plasmakonzentration im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft [10].

Neben der Therapie der HIV-Infektion sollte eine zeitgleiche Infektion mit dem Herpesvirus (HSV) nach neusten Erkenntnissen auch intensiv behandelt werden, da Studien einen Hinweis darauf geben, dass die HSV-Therapie die HIV-Viren ebenfalls eindämmt.

Literatur

  1. The SPARTAC Trial Inverstigation: Short.course antiretroviral therapy in primary HIV infektion. NEJM 2013; 368: 207-17
  2. Le T, Wright EJ, et al.: Enhaced CD4+ T-Cell recoverywith earlier HIV-1 antiretroviral Therapy. NEJM 2013; 368-30
  3. Geretti AM, Tsakiroglou M HIV: new drugs, new guidelines. Curr Opin Infect Dis. 2014 Dec;27(6):545-53. doi: 10.1097/QCO.0000000000000106.
  4. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015
  5. S2k-Leitlinie: HIV-Infektion, antiretrovirale Therapie. (AWMF-Registernummer: 055-001), Mai 2014 Langfassung
  6. WHO-Guidelines: Guideline on when to start antiretroviral therapy and on pre-exposure prophylaxis for HIV. September 2015, ISBN 978 92 4 150956 5
  7. Günthard HF et al.: Antiretroviral Drugs for Treatment and Prevention of HIV Infection in Adults 2016 Recommendations of the International Antiviral Society-USA Panel. JAMA. 2016;316(2):191-210. doi:10.1001/jama.2016.8900.
  8. National Institutes of Health: Starting Antiretroviral Treatment Early Improves Outcomes for HIV-Infected Individuals. NIH-funded trial results likely will impact global treatment guidelines. NIH News FOR IMMEDIATE RELEASE Wednesday, May 27, 2015
  9. FDA News Release: FDA approves new HIV treatment for patients who have limited treatment options. For Immediate Release March 6, 2018
  10. AkdÄ Drug Safety Mail: Elvitegravir- und Cobicistat-haltige Arzneimitteln: Erhöhtes Risiko für Therapieversagen und Mutter-Kind-Übertragung der HIV-Infektion aufgrund einer geringeren Plasmakonzentration im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft| 13–2019
  11. Raesima MM et al.: Dolutegravir Use at Conception — Additional Surveillance Data from Botswana New Engl J Med. July 22, 2019 doi: 10.1056/NEJMc1908155

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Antiretrovirale Therapie bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer: 048 - 011), Juni 2019 Langfassung
  2. S2k-Leitlinie: HIV-Infektion, antiretrovirale Therapie. (AWMF-Registernummer: 055-001), Mai 2014 Langfassung
  3. Tiplica, G.-S. et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. JEADV 2015; online 7. Mai 2015
  4. National Institutes of Health: Starting Antiretroviral Treatment Early Improves Outcomes for HIV-Infected Individuals. NIH-funded trial results likely will impact global treatment guidelines. NIH News FOR IMMEDIATE RELEASE Wednesday, May 27, 2015
  5. WHO-Guidelines: Guideline on when to start antiretroviral therapy and on pre-exposure prophylaxis for HIV. September 2015, ISBN 978 92 4 150956 5
  6. S2k-Leitlinie: HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen. (AWMF-Registernummer: 055-002), März 2017 Langfassung

     
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