Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Folgeerkrankungen
HIV

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch AIDS mit bedingt sein können: 

Atmungssystem (J00-J99)

  • Rezidivierende Pneumonien (Lungenentzündung; im Regelfall ambulant erworbene Pneumonien (CAP)); häufigste Erreger (in absteigender Reihenfolge): Pneumokokken, Pneumocystis jiroveci (früher Pneumocystis-carinii-Pneumonie; mit 50 % die häufigste Erstmanifestation einer Aidserkrankung), respiratorischen Viren, Hämophilus influenza, Staphylococcus aureus
    Beachte: Bei niedrigen CD4-Zellzahlen sind diese mit einer erhöhter Mortalität (Sterberate) assoziiert.

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • CMV-Retinitis (Cytomegalie-Virus-Retinitis) [Netzhautentzündung]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Eosinophile pustulöse Follikulitis (EPF; Synonyme: eosinophile Pustulose; Eosinophilic pustular folliculitis; Ofuji-Syndrom) – Klinisches Bild: pustulöse Dermatose (Bluteosinophilie/Erhöhung der Zahl eosinophiler Granulozyten) mit intraepidermal gelegenen eosinophilen Pusteln (Eiterbläschen), die mit starkem Pruritus (Juckreiz) einhergeht; keine weitere Systembeteiligung; Lokalisation: Gesicht, hier v.a. Stirnbereich (infantile Form), Stamm und Extremitäten (adulte Form); Differentialdiagnosen: medikamentös induzierte sterile pustulöse Hautveränderungen (z. B. EGFR ("epidermal growth factor receptor")-Inhibitoren), infektiöse Follikulitiden durch Mikroben; für die Manifestation der Erkrankung scheint eine Immunsuppression relevant zu sein
  • Psoriasis (Schuppenflechte) – kann unter HIV-Infektion ausgeprägter und therapieresistenter verlaufen als ohne HIV-Infektion
  • Seborrhoisches Ekzem  mitverursacht durch den Hefepilz Malassezia furfur (früher Pityrosporon ovale); es handelt sich hier allerdings um eine Sonderform eines Ekzems; klinisches Bild: Rötung und fettige Schuppung im nasolabialen Bereich (Nasenlippenbereich)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99) 

  • Candidose der tiefen Atemwege – Pilzbefall der Lunge oder der Bronchien
  • Chronische intestinale Isosporasis – chronische Darmentzündung durch einen Parasiten
  • Chronische intestinale Kryptosporidiose – Darminfektion, die durch Parasiten der Gattung Cryptosporidium verursacht wird
  • CMV-Infektion – Infektion mit dem Cytomegalie-Virus
  • Coccidioidomycose – Atemwegserkrankung durch eine bestimmte Pilzart
  • Herpes-simplex-Infektionen (HSV-Infektionen) – Entwicklung einer akuten Retinanekrose (ARN; Entzündung von Retina (Netzhaut) und retinalem Pigmentepithel mit erheblicher Sehminderung), Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung), Tracheobronchitis (Entzündung der Luftröhren- und Bronchialschleimhaut), HSV-Pneumonie (HSV-Lungenentzündung) sowie Kolitis (Darmentzündung).
  • Herpes-zoster-Infektionen (Gürtelrose) – wiederholt auftretend bei erniedrigten CD4-Zellzahlen
  • Histoplasmose – systemische Infektionskrankheit mit dem Pilz Histoplasma capsulatum
  • Humane Herpes virus Typ 8 (HHV-8) – s. u. Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)/Kaposi-Sarkom
  • Kryptokokkose – Atemwegserkrankung mit dem Pilz Cryptococcus neoformans
  • Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) Infektionen
  • Mykosen (Pilzerkrankungen
  • Ösophageale Candidose/Soorösophagitis – Pilzbefall der Speiseröhre
  • Pneumocystis jiroveci Pneumonie (alte Bezeichnung: Pneumocystis-carinii-Pneumonie); häufigste opportunistische Infektion der Aids-Erkrankung/mit ca. 50 % die häufigste Erstmanifestation
  • Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) – Erkrankung des Gehirns durch das JC-Virus (gehört zusammen mit dem SV-40 und BK-Virus in die Familie der Polyomaviridae und darin zur Gattung der Polyomaviren), die zu vielen verschiedenen Symptomen führen kann wie beispielsweise Aphasie (Verlust der normalen Sprachfähigkeit) oder Hemianopsie (Gesichtsfeldausfälle)
  • Rezidivierende Salmonellensepsis
  • Toxoplasmose (Infektionskrankheit) des zentralen Nervensystems (ZNS; zerebrale Toxoplasmose) – häufigste opportunistische Infektion bei HIV-Erkrankten; Symptomatik: Symptome sind oft unspezifisch mit Kopfschmerzen, Bewusstseinseinschränkung und fokalen Defiziten (örtlich begrenzte Veränderung im Gehirn, die zu einer Funktionsstörung an einer anderen Körperstelle führt)
  • Tuberkulose (Schwindsucht) – HIV/TB-Koinfektion (Doppelinfektion); WHO: Risiko einer Koinfektion mit Tuberkulose liegt bei HIV-Patienten 26-31-mal höher liegt als bei Menschen, die nicht mit dem HI-Virus infiziert sind; gefährdete Bevölkerungsgruppe u. a. Gefängnisinsassen

Kreislaufsystem (I00-I99)    

  • Subklinische Koronarsklerose/Verkalkung der Herzkranzgefäße ohne klinische Symptomatik (bei jungen HIV-Patienten [1]) → vermehrtes Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen und Ereignisse in jüngerem Lebensalter häufiger als in der Allgemeinbevölkerung; zum Teil bedingt durch Unterschiede im Lebensstil (Rauchen, Drogengebrauch)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronische Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung/Indikatorerkrankung für HIV)
  • Orale Haarleukoplakie (OHL)  klinisches Bild: symptomlose weißlich „haarige“ Auflagerungen an den Zungenseitenrändern, die nicht abgewischt werden können (im Gegensatz zur oralen Candidose/Pilzinfektion); ursächlich liegt eine chronische Eppstein-Barr-Virus(EBV)-Replikation vor [fortgeschrittene HIV-Infektion/Indikatorerkrankung für HIV]
  • Orale Ulzerationen (Geschwürbildung im Bereich des Mundes) durch Cytomegalie-Viren (CMV)
  • Sialadenitis (Speicheldrüsenentzündung)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteoporose (Knochenschwund) (ca. 15 % der Fälle wg. chronischer Inflammation und antiretroviraler Therapie)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48) 

  • Analkarzinom/Analkrebs – häufig innerhalb von wenigen Monaten aus den Vorstufen heraus entstehend; häufig in Verbindung mit humanen Papillomviren/HPV und Männern, die Sex mit Männern haben (engl. men who have sex with men (MSM))ein weiterer Risikofaktor ist das Rauchen; Vorläufer des Analkarzinoms: anale (und penile) intraepitheliale Neoplasie (AIN/PIN) 
  • Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) – tritt bei HIV-Patienten zwei- bis achtmal häufiger auf als bei NichtInfizierten
  • Burkitt-Lymphom – malignes (bösartiges) Lymphom, dessen Bildung mit dem Epstein-Barr-Virus assoziiert ist und zu den B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen gezählt wird
  • Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)
  • Cholangiozelluläres Karzinom (CCC; Gallengangskarzinom)
  • Hals-Kopf-Karzinome
  • Hepatozelluläres Karzinom (HCG; Leberzellkrebs)
  • Gastrointestinale Karzinome (Tumorerkrankungen des Magen-Darm-Trakts; Ösophagus- und Magentumoren; kolorektales Karzinom)
  • Hodgkin-Lymphom – maligne Neoplasie (bösartige Neubildung) des lymphatischen Systems mit möglichen Befall weiterer Organe (25-fach erhöhtes Risiko)
  • Kaposi-Sarkom (KS; sprich: [ˈkɒpoʃi] – „Kaposchi“) – eine vor allem im Zusammenhang mit AIDS auftretende Tumorerkrankung, deren Ursache höchstwahrscheinlich auf das Humane Herpes virus Typ 8 (HHV-8) in Verbindung mit Kofaktoren (Immunsuppression, Umweltfaktoren sowie oxidativer und nitrosativer Stress) zurückzuführen ist. Die Krankheit äußert sich durch das Auftreten von braunrote bis violette Flecken, aus denen plaqueartige und knotige Tumoren entstehen. Bei Stammbefall meist exanthematische Ausbreitung der Hautveränderungen (ca. 70 % der Fälle). Des Weiteren Befall von Lymphknoten, seltener werden Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt), Leber, Lunge oder Herz befallen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Bei der mit AIDS-assoziierten Form treten braun-bläuliche Flecken multifokal meist auch auf der Haut von Beinen und Armen auf. Therapie der kutanen Kaposi-Sarkome (KS): antiretrovirale Therapie (ART); KS-Läsionen bildeten sich bei 64 der 68 ausschließlich antiretroviral behandelten Patienten vollständig zurück; Rezidivfreiheit lag fünf Jahre nach der KS-Erstdiagnose bei 82 % (Daten aus dem Kompetenznetz HIV/AIDS))
  • Non-Hodgkin-Lymphom – maligne (bösartige) Erkrankung, die vom lymphatischen Gewebe ausgeht 
  • Primäre ZNS-Lymphome
  • Schilddrüsentumoren

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Schwerhörigkeit – Erhöhung der Hörschwelle im Bereich von hohen und niedrigen Frequenzen; unabhängig vom Stadium der Immunschwäche, Dauer und Einhaltung der Therapie [2]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99) 

  • Neuro-AIDS
    • Demenz – HIV-assoziierte Demenz (HAD)
    • Enzephalopathie (degenerative Veränderungen des Gehirns)
    • Lähmungen
    • Neurokognitive Störungen (HIV-associated neurocognitive disorders, HAND) (ca. 50 % der HIV-Patienten)
      • Gemäß einer Kohortenstudie war die Virus-DNA nach fast 9 Jahren Therapie bei jedem 2. Patienten in Zellen des Liquors nachweisbar, was mit schlechteren Ergebnissen im neurokognitiven Tests verbunden war [3].
    • Sprachstörungen

Urogenitalsystem (N00-N99)

  • Anogenitale Ulzerationen (Geschwürbildung im Bereich von Anus und Genital) durch Cytomegalie-Viren (CMV)
  • HIV-associated immune mediated kidney disease (HIVIMKD) – eine persistierende HIV-Infektion kann mit renal-immunologischen Komplikationen einhergehen; ursächlich ist eine Antikörperreaktion auf HIV-Epitope; dabei wird eine Gammopathie (Veränderung der Proteine des Blutplasmas) mit resultierender Alpha-2-Mikroglobulinurie beobachtet.
  • HIV-assoziierte Nephropathie (HIVAN) – Nierenbeteiligung bei einer HIV-Infektion durch eine HIV-assoziierte chronische Inflammation (Entzündung) und direkte Infektion durch HIV; prädestiniert für diese Erkrankung sind Patienten mit hoher Viruslast und reduzierten CD-4-Zellzahlen; klinisches Bild: schneller Nierenfunktonsverlust

Weiteres

  • Wasting-Syndrom – HIV-assoziierte ungewollte Gewichtsabnahme und Leistungsabfall

Literatur

  1. Abd-Elmoniem KZ, Unsal AB, Eshera S, Matta JR, Muldoon N, McAreavey D, Purdy JB, Hazra R, Hadigan C, Gharib AM: Increased Coronary Vessel Wall Thickness in HIV-Infected Young Adults. Clin Infect Dis. 2014 Dec 15;59(12):1779-86. doi: 10.1093/cid/ciu672
  2. Torre III P et al.: Hearing Loss Among HIV-Seropositive and HIV-Seronegative Men and Women. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. Published online December 26, 2014. doi:10.1001/jamaoto.2014.3302
  3. Spudich S et al.: Persistent HIV-infected cells in cerebrospinal fluid are associated with poorer neurocognitive performance. J Clin Invest. 2019. https://doi.org/10.1172/JCI127413.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: HIV-1-assoziierte neurologische Erkrankungen, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 030 - 044), September 2012 Langfassung
     
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