Mumps (Parotitis epidemica) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Parotitis epidemica (Mumps) mitbedingt sein können:
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung) – sehr seltene entzündliche Organmanifestation (Organbeteiligung) der Mumpsvirusinfektion; in aktuellen europäischen Fachinformationen als berichtete Komplikation aufgeführt [3, LL 3]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – sehr seltene schwere Komplikation der Mumpsvirusinfektion; in aktuellen klinischen Fachinformationen als berichtete Manifestation aufgeführt [3, LL 1, LL 3]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) – klassische extraglanduläre Komplikation (Komplikation außerhalb der Drüsen) der Parotitis epidemica; in Ausbruchsdaten selten, aber klinisch relevant und hospitalisationsrelevant [1, 3, LL 1-4]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Parotitis (Ohrspeicheldrüsenentzündung) – Leitsymptom (Hauptsymptom) der Parotitis epidemica; schmerzhafte, meist ein- oder beidseitige Entzündung der Ohrspeicheldrüse [3, LL 1-4]
- Sialadenitis (Speicheldrüsenentzündung) der Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse) und/oder Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse) – Beteiligung weiterer Speicheldrüsen möglich, insbesondere mit Schwellung und Schmerzen im Unterkiefer- beziehungsweise Mundbodenbereich [3, LL 1, LL 3]
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Sensorineuraler Hörverlust (Innenohrschwerhörigkeit) – seltene, potenziell dauerhafte Komplikation; kann ein- oder beidseitig auftreten [1, 3, LL 1-4]
- Taubheit (Gehörlosigkeit) – sehr seltene Maximalform des mumpsassoziierten sensorineuralen Hörverlusts; dauerhafte Defizite möglich [1, 3, LL 1-4]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Aseptische Meningitis (nichtbakterielle Hirnhautentzündung) – klassische neurologische Komplikation; in Ausbruchsdaten selten, historisch häufiger beschrieben; meist selbstlimitierend [1, 3, LL 1-4]
- Enzephalitis (Gehirnentzündung)/Meningoenzephalitis (Hirn- und Hirnhautentzündung) – seltene, potenziell schwere Komplikation; kann zu bleibenden neurologischen Defiziten oder Tod führen [1, 3, LL 1-4]
- Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung) und andere Hirnnervenparesen (Lähmungen der Hirnnerven) – sehr seltene neurologische Komplikationen schwerer Mumpsverläufe [LL 1]
- Hydrozephalus (Wasserkopf) – sehr seltene neurologische Folge nach schwerer zentralnervöser Beteiligung [LL 1]
- Krampfanfälle (Anfälle)/Paralyse (Lähmung) – sehr seltene schwere neurologische Manifestationen im Rahmen zentralnervöser Mumpskomplikationen [LL 1]
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Spontanabort (Fehlgeburt)/intrauteriner Fruchttod (Tod des Kindes im Mutterleib) – ein möglicher Zusammenhang bei Infektion im ersten Trimenon (ersten Schwangerschaftsdrittel) wurde historisch berichtet, ist aber nach aktueller Bewertung nicht konsistent bestätigt; keine gesicherte Assoziation mit kongenitalen Fehlbildungen (angeborenen Fehlbildungen) [LL 2, LL 5]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Epididymitis (Nebenhodenentzündung)/Epididymo-Orchitis (Nebenhoden- und Hodenentzündung) – mögliche Beteiligung des Nebenhodens im Rahmen einer Mumps-Orchitis, vor allem bei postpubertären männlichen Patienten [2, 3, LL 1]
- Mastitis (Brustdrüsenentzündung) – mögliche Komplikation bei adoleszenten und erwachsenen weiblichen Patienten; in aktuellen postvakzinalen Daten selten beziehungsweise wahrscheinlich untererfasst [3, LL 1]
- Nephritis (Nierenentzündung) – sehr seltene schwere Komplikation der Mumpsvirusinfektion; in aktuellen klinischen Fachinformationen als berichtete Manifestation aufgeführt [LL 1]
- Oophoritis (Eierstockentzündung) – mögliche Komplikation bei adoleszenten und erwachsenen weiblichen Patienten; in aktuellen postvakzinalen Daten selten beziehungsweise wahrscheinlich untererfasst [3, LL 1, LL 3]
- Orchitis (Hodenentzündung) – häufigste extraglanduläre Komplikation bei postpubertären männlichen Patienten; meist unilateral (einseitig), mit Risiko für Testisatrophie (Hodenschrumpfung), Oligospermie (verminderte Spermienzahl) und Hypofertilität (verminderte Fruchtbarkeit), jedoch selten für vollständige Sterilität (Unfruchtbarkeit) [1-3, LL 1-4]
- Testisatrophie – mögliche Folge einer Mumps-Orchitis, insbesondere nach schwerem oder bilateralen Verlauf [2, 3, LL 1]
- Oligospermie/Hypofertilität – mögliche Folge nach Mumps-Orchitis; Fertilitätsstörungen (Fruchtbarkeitsstörungen) sind vor allem bei bilateraler (beidseitiger) Beteiligung klinisch relevant, vollständige Sterilität ist selten [2, 3, LL 1, LL 3]
Prognosefaktoren
- Alter
- Postpubertäres Alter erhöht das Risiko für Orchitis, Oophoritis, Mastitis und andere extraglanduläre Komplikationen [2, 3, LL 1-4]
- Geschlecht
- Männliches Geschlecht nach der Pubertät ist der zentrale Risikofaktor für Mumps-Orchitis, Testisatrophie und Hypofertilität [2, 3, LL 1]
- Impfstatus
- Unvollständige oder fehlende Mumpsimpfung erhöht das Risiko für Erkrankung, Hospitalisation (Krankenhausaufnahme) und Komplikationen; zwei Impfdosen reduzieren insbesondere das Risiko für Komplikationen, Hospitalisation, Orchitis und Meningitis [1, 3, LL 1, LL 4]
- Schwere der Akuterkrankung
- Ausgeprägte systemische Symptomatik (den ganzen Körper betreffende Beschwerden), neurologische Symptome (Beschwerden des Nervensystems), pankreatische Schmerzen (Schmerzen der Bauchspeicheldrüse) oder skrotale Schmerzen (Schmerzen am Hodensack) sprechen für eine extraglanduläre Organbeteiligung und erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines komplizierten Verlaufs [1-3, LL 1-4]
- Bilaterale Orchitis
- Bilaterale Hodenbeteiligung ist prognostisch ungünstiger als unilaterale Orchitis und stärker mit Testisatrophie, Oligospermie und Hypofertilität assoziiert [2, 3]
Literatur
- Yung CF, Andrews N, Bukasa A, Brown KE, Ramsay M. Mumps complications and effects of mumps vaccination, England and Wales, 2002-2006. Emerg Infect Dis. 2011;17(4):661-667.https://doi.org/10.3201/eid1704.101461
- Wu H, Wang F, Tang D, Han D. Mumps Orchitis: Clinical Aspects and Mechanisms. Front Immunol. 2021;12:582946.https://doi.org/10.3389/fimmu.2021.582946
- Lam E, Rosen JB, Zucker JR. Mumps: an Update on Outbreaks, Vaccine Efficacy, and Genomic Diversity. Clin Microbiol Rev. 2020;33(2):e00151-19.https://doi.org/10.1128/CMR.00151-19
Leitlinien
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Features of Mumps. Stand: 5. Juni 2024.https://www.cdc.gov/mumps/hcp/clinical-signs/index.html
- Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Mumps. Stand: 20. Februar 2023, aktualisiert abrufbar über RKI.https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Mumps.html
- European Centre for Disease Prevention and Control. Disease information about mumps. Stand: 28. November 2023.https://www.ecdc.europa.eu/en/mumps/facts
- World Health Organization. Mumps virus vaccines: WHO Position Paper, March 2024. Weekly Epidemiological Record. 2024;99(11):115-133.https://www.who.int/publications/i/item/who-wer-9911-115-133
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Overview of Mumps. Stand: 17. Januar 2025.https://www.cdc.gov/mumps/hcp/clinical-overview/index.html