Differentialdiagnosen
Herzrhythmusstörungen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Akzessorische (überzählige) Leitungsbahnen (Wolff-Parkinson-White-Syndrom, WPW-Syndrom; AV-Knoten-Reentrytachykardie, AVNRT)
  • Herzvitien (angeborene Herzfehler)
  • Ionenkanalstörungen
    • Brugada-Syndrom – wird den „primären kongenitalen (angeborenen) Kardiomyopathien“ und dort den sogenannten Ionenkanalerkrankungen zugerechnet; in 20 % der Erkrankungsfälle liegt eine autosomal-dominante Punktmutation des SCN5-Gens zu Grunde; charakteristisch sind das Auftreten einer Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) und ein Herzstillstand, was erst durch Herzrhythmusstörungen wie polymorphe ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern auftritt; Patienten mit dieser Erkrankung sind scheinbar völlig herzgesund, können aber bereits im Jugend- und frühen Erwachsenenalter einen plötzlichen Herztod (PHT) erleiden.
    • angeborenes Long-QT-Syndrom (LQTS) – gehört zur Gruppe der Ionenkanalerkrankungen (Kanalopathien); Herzerkrankung mit pathologisch verlängertem QT-Intervall im Elektrokardiogramm (EKG); Erkrankung ist entweder kongenital (vererbt) oder erworben, dann meist als Folge einer unerwünschten Arzneimittelwirkung (s. u. "Herzrhythmusstörung durch Medikamente"); kann bei sonst herzgesunden Menschen zum plötzlichen Herztod (PHT) führen.
      Hinweis: QTc-cut-off ist 480 ms; Screening auf Long-QT sollte ab einem QTc von 460 ms erfolgen, falls klinisch verdächtige Synkope/n aufgetreten sind.

Atmungssystem (J00-J99)

  • Chronische Lungenerkrankungen unterschiedlicher Genese
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) – progrediente (fortschreitende), nicht vollständig reversible (umkehrbare) Obstruktion (Verengung) der Atemwege
  • Lungenemphysem (Lungenüberblähung)

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut) → Tachykardie (anhaltend beschleunigter Puls auf über 100 Schläge pro Minute)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas (Übergewicht) – ab einem BMI (Körpermassen-Index) > 30 – Erhöhung um 75 %
  • Diabetes mellitus Typ 2 → Nächtliche Hypoglykämie → proarrhythmogene Effekte/Herzrhythmusstörungen [4]
  • Hypercalcämie (tumorinduzierte Hypercalcämie/Calciumüberschuss (TIH)) – Serum-Calcium > 3,5 mmol/l = hypercalcämische Krise: Polyurie (vermehrte Harnausscheidung), Exsikkose (Austrocknung), Hyperpyrexie (extremes Fieber: höher als 41 °C), Herzrhythmusstörungen, Schwäche und Lethargie sowie Somnolenz bis hin zum Koma
  • Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss) → ausgeprägte Bradykardie infolge eines AV-Blocks II° oder III°
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) → Tachykardie
  • Hypoglykämie (Unterzuckerung) (wg. Hypoglykämie und Diabetes mellitus Typ 2 [4]) – insb. Vorhofflimmern (VHF) 
  • Hypokaliämie (Kaliummangel) → Extrasystolen (Herzschlag, der außerhalb des physiologischen Herzrhythmus)
  • Hypomagnesiämie (Magnesiummangel)
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) → Bradykardie (Herzschlag mit weniger als 60 Schlägen pro Minute)
  • Kwashiorkor (Protein-Energie-Mangelernährung, PEM)
  • Latente Hyperthyreose → Tachykardie
  • Latente Hypothyreose → Bradykardie
  • Mangelernährung
  • Metabolische Alkalose (stoffwechselbedingte Alkalose)
  • Metabolisches Syndrom – klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas (Übergewicht), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte Nüchternglucose (Nüchternblutzucker) und Nüchterninsulin-Serumspiegels (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung (erhöhte VLDL-Triglyceride, erniedrigtes HDL-Cholesterin). Des Weiteren ist häufig auch eine Koagulationsstörung (vermehrte Gerinnungsneigung), mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien nachzuweisen.
  • Marasmus – schwerste Form der Mangelernährung; auch als Protein-Energie-Malnutrition (PEM) bezeichnet
  • Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) – autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, bei der durch eine oder mehrere Genmutationen der Kupferstoffwechsel in der Leber gestört ist
  • Primärer Hyperparathyreoidismus → Hypercalcämische Krise (Serum-Calcium > 3,5 mmol/l) – Polyurie (vermehrte Harnausscheidung), Exsikkose (Austrocknung), Hyperpyrexie (extremes Fieber: höher als 41 °C), Herzrhythmusstörungen, Schwäche und Lethargie sowie Somnolenz (Benommenheit) bis hin zum Koma
  • Respiratorische Alkalose (atmungsbedingte Alkalose)
  • Unterernährung
  • Wasting – gleichzeitiger und ungewollter Verlust von Muskulatur (Körperzellmasse) und Körpergewicht aufgrund einer unzureichenden Nährstoffzufuhr (Makro- und Mikronährstoffzufuhr) oder einer schweren Erkrankung

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Atrioventrikuläre Reentrytachykardie über eine akzessorische Leitungsbahn (AVRT)
  • Bradykarde Herzrhythmusstörungen (Herzfrequenz: < 60 Schläge pro Minute):
    • Bradyarrhythmia absoluta
    • höhergradige, sinuatriale und atrioventrikuläre Blockierungen
    • Karotissinussyndrom (Karotis-Sinus-Syndrom; Synonyme: hypersensitives Carotissinussyndrom (HCSS), Syndrom des hypersensitiven Karotissinus) – hyperaktiver Karotissinusreflex, der Ursache für eine Bradykardie bis hin zur kurzfristigen Asystolie (vollständiges Aussetzen der elektrischen und mechanischen Herzaktion für mehr als 2 Sekunden; bei Karotissinunssyndrom: 6 Sekunden oder ein Abfall des Blutdrucks von mindestens 50 mmHg systolisch)/akuter Kreislaufstillstand mit synkopalen Beschwerden sein kann;  bei 20 % aller Patienten über 60 Jahre kann eine Karotis-Sinus-Hypersensitivität nachgewiesen werden, aber weniger als 1 % haben ein nachweisbares Karotis-Sinus-Syndrom
    • ggf. das Sinusknotensyndrom im Sinne eines Bradykardie-Tachykardie-Syndroms
  • Cor pulmonale – Dilatation (Erweiterung) und/oder Hypertrophie (Vergrößerung) des rechten Ventrikels (Hauptkammer) des Herzens infolge einer pulmonalen Hypertonie (Drucksteigerung im Lungenkreislauf: pulmonal-arterieller Mitteldruck (mPAP) > 25 mmHg in Ruhe – normal liegt der mPAP bei 14 ± 3 und geht nicht über 20 mmHG), die durch verschiedene Erkrankungen der Lunge bedingt sein kann
  • Dilatative Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) – Systolische Pumpstörung mit Kardiomegalie (Vergrößerung des Myokards (Herzmuskel)) und eingeschränkter Ejektionsfraktion (EF; Auswurffraktion)
  • Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)
  • Herzerkrankungen unterschiedlicher Genese
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Koronare Herzkrankheit (KHK; Herzkranzgefäßerkrankung)
  • Lungenembolie
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
  • Rheumatischen Fieber (Synonym: Streptokokkenrheumatismus); reaktive Erkrankung, die meist nach einer Infektion mit Streptokokken der Gruppe A (Lancefield-Klassifikation) auftritt
  • Sick-Sinus-Syndrom (Sinusknotenkrankheit)
    • Sinusbradykardie (< 60 Herzschläge pro Minute), SA-Block (sinuatrialer Block), Sinusarrest (Sinusknotenstillstand) [1]
    • Bradykardie-Tachykardie-Syndrom, bradykarde Phasen des Herzschlags (< 60 Schläge pro Minute) im Wechsel mit tachykarden Phasen (> 100 Schläge pro Minute) [2, 3]; dieses ist häufig mit einem unzureichenden Frequenzanstieg unter Belastung (chronotrope Inkompetenz) verbunden 
  • Tachykarde Herzrhythmusstörungen (Herzfrequenz: > 100 Schläge pro Minute)
    • supraventrikuläre Tachykardien
    • Adenosin-sensitive ektope atriale Tachykardie
    • tachysystolisches Vorhofflimmern und Vorhofflattern
    • ventrikuläre Extrasystolen (z. B. bei akutem Infarkt „Warnarrhythmien“)
    • Kammertachykardien (lebensbedrohlich)
      • ventrikuläre Tachykardien
      • Kammerflattern
      • Kammerflimmern
  • Vorhofflattern
  • Vorhofflimmern (VHF)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Borreliose *
  • Brucellose (Maltafieber) * – Infektionskrankheit, die von Tieren auf den Menschen übertragen wird
  • Dengue-Fieber *
  • Gelbfieber *
  • Influenza (Grippe) *
  • Tetanus (Wundstarrkrampf) *
  • Typhus * – Infektionskrankheit mit schweren Durchfällen

Bradykardie

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Refluxkrankheit (Gastroösophageale Refluxkrankheit) → Vorhofflimmern (VHF) [5] (wahrscheinlich wg. refluxbedingter Reizung des Nervus vagus)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA), ehemals Churg-Strauss-Syndrom (CSS), (Synonyme: allergische granulomatöse Angiitis; Churg-Strauss-Granulomatose; Churg-Strauss-Syndrom)
  • Rheumatische Erkrankungen unterschiedlicher Genese
  • Rheumatoide Arthritis – chronisch entzündliche Multisystemerkrankung, die sich meist in Form einer Synovialitis (Gelenkinnenhautentzündung) manifestiert
  • Sarkopenie (Muskelschwäche bzw. Muskelabbau)
  • Sjögren-Syndrom – Autoimmunerkrankung (überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe) aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch-entzündlichen Erkrankung bzw. Zerstörung der exokrinen Drüsen führt, wobei die Speichel- und Tränendrüsen am häufigsten betroffen sind.
  • Sklerodermie –  Gruppe von seltenen Erkrankungen, die mit einer lederartigen Bindegewebsverhärtung der Haut einhergehen
  • Vaskulitiden – entzündlich-rheumatische Erkrankungen, die durch eine Neigung zu Entzündungen der (meist) arteriellen Blutgefäße gekennzeichnet sind

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Phäochromozytom – neuroendokriner (das Nervensystem betreffende) Katecholamin-produzierender Tumor der chromaffinen Zellen des Nebennierenmarks (85 % der Fälle) oder der sympathischen Ganglien (Nervenstrang, der im thorakalen (Brustbereich) und abdominalen (Bauchbereich) entlang der Wirbelsäule verläuft)
  • Plasmozytom (multiples Myelom) → Hypercalcämie (tumorinduzierte Hypercalcämie (Calciumüberschuss) (TIH)) – Serum-Calcium > 3,5 mmol/l = hypercalcämische Krise: Polyurie (vermehrte Harnausscheidung), Exsikkose (Austrocknung), Hyperpyrexie (extremes Fieber: höher als 41 °C), Herzrhythmusstörungen, Schwäche und Lethargie sowie Somnolenz bis hin zum Koma

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angstneurose
  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Binge Eating Disorder (BED; psychogene Essstörung) 
  • Bulimia nervosa (Essbrechsucht) 
  • Delir
  • Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS; OSA) – gekennzeichnet durch die Obstruktion (Einengung) oder komplettem Verschluss der oberen Atemwege während des Schlafes
  • Psychogene Hyperventilation – ein über den Bedarf gesteigerte Lungenbelüftung/Atmung
  • Zentrales Schlafapnoe-Syndrom (ZSAS) – gekennzeichnet durch wiederholte Atemstillstände durch fehlende Aktivierung der Atemmuskeln (episodische Hemmung des Atemantriebs)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Fieber
  • Kachexie – Auszehrung des Organismus (Abmagerung) aufgrund tiefgreifender Störung einer oder mehrerer Organfunktionen
  • Meteorismus (Blähbauch)
  • Sinusbradykardie
  • Sinustachykardie 

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akutes Nierenversagen 
  • Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche; Prozess, der zu einer langsam fortschreitenden Verringerung der Nierenfunktion führt)
  • Klimakterium (Menopause; Wechseljahre der Frau)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Polytrauma
  • Schock, nicht näher bezeichnet 
  • Verbrennungen
  • Vergiftungen

Weitere Differentialdiagnosen

  • Kinder, Jugendliche → Respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) – physiologische Schwankung der Herzfrequenz, bedingt durch die Atmung (atemsynchrone Schwankung der Herzfrequenz):
    • Inspiration (Einatmung): inspiratorischer Herzfrequenzanstieg 
    • Exspiration (Ausatmung): exspiratorischer Herzfrequenzabfall (bes. bei jüngeren, "vegetativen" Personen)
  • Höheres Alter → Bradykardie
  • Fehlernährung → Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe): Kalium, Magnesium, Calcium
  • Genussmittel:
    • Koffeinkonsum
    • Alkohol
    • Tabak (Rauchen)
  • Drogenkonsum:
    • Kokain
  • Körperliche Aktivität
    • Leistungssportler → Bradykardie
      • American Football-Profis – 5,5-fach erhöhtes Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln (adjustierte Odds Ratio, OR: 5,5; 95 %-Konfidenzintervall: 2,0-15,4) [6]
  • Psycho-soziale Situation
    • Angst
    • Aufregung
    • Stress

Medikamente

  • Siehe unter "Herzrhythmusstörung durch Medikamente"

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen) 

  • Vergiftungen unterschiedlicher Genese

Literatur

  1. Ferrer M: Sick sinus syndrome in atrial disease. JAMA 1968; 206:645-646
  2. Kaplan BM, Langendorf R, Lev M, Pick A: Tachycardia-bradycardia syndrome (so-called "sick sinus syndrome"). Am J Cardiol 1973; 31:497-508 doi: http://dx.doi.org/10.1016/0002-9149(73)90302-0
  3. Alpert MA, Flaker GC: Arrhythmias associated with sinus node dysfunction. JAMA 1983; 250:2160-2166
  4. Chow E, Bernjak A, Williams S et al.: Risk of cardiac arrhythmias during hypoglycemia in patients with type 2 diabetes and cardiovascular risk. Diabetes 2014; 63:1738-1747
  5. Roman C, Bruley des Varannes S, Muresan L, Picos A, Dumitrascu DL: Atrial fibrillation in patients with gastroesophageal reflux disease: A comprehensive review. World J Gastroenterol. 2014 Jul 28;20(28):9592-9. doi: 10.3748/wjg.v20.i28.9592.
  6. Aagaard P et al.: Risk of Arrhythmia and Conduction Disease in Former National Football League Players; Präsentation beim Kongress des American College of Cardiology, 10. -12. März 2018, Orlando
     
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