Trockene Haut (Xerodermie) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Wiederherstellung und Stabilisierung der epidermalen Hautbarriere (Schutzbarriere der obersten Hautschicht)
  • Verbesserung der Hauthydratation (Feuchtigkeitsgehalt der Haut) und Ausgleich des Lipiddefizits (Mangels an Hautfetten)
  • Linderung von Rauigkeit, Schuppung, Spannungsgefühl und Pruritus (Juckreiz)
  • Vermeidung von Fissuren (oberflächlichen Hautrissen), Rhagaden (tiefen schmerzhaften Hautrissen), Exsikkationsekzem (Austrocknungsekzem), Kratzläsionen (durch Kratzen entstandenen Hautschäden) und sekundären Infektionen (nachfolgenden Infektionen)
  • Erkennen und Behandlung auslösender Faktoren beziehungsweise einer zugrunde liegenden dermatologischen (die Haut betreffenden) oder systemischen (den gesamten Körper betreffenden) Erkrankung

Therapieempfehlungen

  • Auslösende oder verstärkende Faktoren sollen konsequent reduziert werden; dazu gehören häufiges oder langes Waschen, heißes Wasser, alkalische Seifen, alkoholhaltige Externa (äußerlich anzuwendende Präparate), aggressive Reinigungsmittel, niedrige Luftfeuchtigkeit sowie irritative berufliche oder private Expositionen.
  • Die Basistherapie besteht aus einer regelmäßigen Kombination hydratisierender, rückfettender und filmbildender Externa. Die Anwendung soll mindestens einmal täglich und insbesondere unmittelbar nach Duschen oder Baden erfolgen; bei ausgeprägter Xerosis (trockener Haut) ist eine mehrmals tägliche Anwendung sinnvoll [LL1].
  • Je trockener die Haut, desto höher sollte der Lipidanteil sein. Bei ausgeprägter Xerosis sind Wasser-in-Öl-Emulsionen oder Salben günstig; bei milder Xerosis, warmem Klima oder behaarten Arealen können weniger fettreiche Öl-in-Wasser-Emulsionen beziehungsweise Lotionen geeigneter sein.
  • Die Präparate sollen möglichst parfumfrei und arm an potenziell sensibilisierenden Inhaltsstoffen sein. Maßgeblich sind Wirksamkeit, individuelle Verträglichkeit, Lokalisation, Jahreszeit und eine für den Patienten akzeptable Galenik.
  • Urea ist der am besten untersuchte hydratisierende Wirkstoff. Für empfindliche Haut, das Gesicht oder eine milde Xerosis sind Konzentrationen bis 5 %, für eine ausgeprägtere Xerosis meist 5 bis 10 % geeignet. Konzentrationen über 10 bis 40 % wirken zusätzlich keratolytisch (hornlösend) und sind nur kurzfristig für umschriebene hyperkeratotische Areale (Hautbereiche mit verdickter Hornschicht) vorgesehen [1, 3].
  • Urea soll nicht auf offene, akut entzündete oder nässende Haut aufgetragen werden. Bei Kindern unter zwei Jahren soll Urea wegen des häufigen Brennens nicht angewendet werden [1].
  • Bei schmerzhaften offenen Rhagaden sind zunächst urea-freie, protektive Grundlagen beziehungsweise Dexpanthenol-haltige Externa zu bevorzugen; nach Abheilung kann zur Prävention erneut eine urea-haltige Basistherapie eingesetzt werden.
  • Rückfettende Ölbäder können ergänzend eingesetzt werden. Wegen der erhöhten Rutschgefahr ist insbesondere bei älteren oder mobilitätseingeschränkten Patienten Vorsicht erforderlich.
  • Bei xerosebedingtem Pruritus können Basistherapeutika mit Polidocanol oder Menthol eingesetzt werden. Chronischer, generalisierter oder therapierefraktärer (auf eine Behandlung nicht ausreichend ansprechender) Pruritus erfordert eine gesonderte Ursachenabklärung und gegebenenfalls eine stufenweise antipruritische Therapie [LL1].
  • Topische Glucocorticoide oder topische Calcineurininhibitoren sind bei unkomplizierter Xerodermie nicht indiziert. Sie kommen nur bei einer diagnostisch gesicherten entzündlichen Dermatose (Hauterkrankung), beispielsweise einem Exsikkationsekzem oder einer atopischen Dermatitis (Neurodermitis), entsprechend Lokalisation, Alter und krankheitsspezifischer Leitlinie zum Einsatz [LL1, LL2].
  • Eine systemische Pharmakotherapie ist bei isolierter Xerodermie nicht erforderlich. Dermatologische oder systemische Grunderkrankungen sowie medikamentöse Auslöser sind spezifisch zu behandeln beziehungsweise kritisch zu überprüfen.

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Wirkstoff Besonderheiten
Lipophile und okklusive Komponenten, beispielsweise Vaselin, Paraffine, hautverwandte Lipide und Ceramide Basis jeder Therapie; vermindern den transepidermalen Wasserverlust (Wasserverlust über die Haut). Je ausgeprägter die Xerosis, desto lipidhaltiger sollte die Grundlage sein.
Urea Hydratisierend, barrierefördernd und in höheren Konzentrationen keratolytisch. Nicht auf offene, akut entzündete oder nässende Haut; nicht bei Kindern unter zwei Jahren.
Glycerol Humektant; verbessert die Hydratation des Stratum corneum (Hornschicht). Kombinationen mit Lipiden, Ceramiden oder Urea können sinnvoll sein.
Milchsäure beziehungsweise Lactat Hydratisierend und Bestandteil des Natural Moisturizing Factor (natürlichen Feuchthaltefaktors der Haut); kann auf fissurierter oder entzündeter Haut brennen.
Dexpanthenol Als urea-freie Option bei irritierter Haut und offenen Fissuren beziehungsweise Rhagaden geeignet.
Polidocanol Antipruritischer (juckreizlindernder) Zusatz bei juckender Xerosis; Kombination mit Urea 5 % möglich. Altersgrenzen und Anwendungshinweise des jeweiligen Präparats beachten.
Menthol Kühlender antipruritischer Zusatz. Nicht an Augen, Schleimhäuten oder auf stark irritierter Haut anwenden; bei Säuglingen und Kleinkindern präparateabhängige Altersbeschränkungen beachten.
  • Wirkweise: Humektanzien wie Urea, Glycerol und Lactat erhöhen die Wasserbindung im Stratum corneum; lipophile und okklusive Bestandteile vermindern den transepidermalen Wasserverlust und unterstützen die Wiederherstellung der Hautbarriere. Polidocanol und Menthol wirken ergänzend antipruritisch.
  • Indikationen: Konstitutionelle (anlagebedingte), altersbedingte, exogen ausgelöste (durch äußere Einflüsse ausgelöste) oder mit einer dermatologischen beziehungsweise systemischen Erkrankung assoziierte Xerosis; ergänzend xerosebedingter Pruritus und umschriebene Hyperkeratose.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil; Urea nicht auf offenen, akut entzündeten oder nässenden Läsionen und nicht bei Kindern unter zwei Jahren; keratolytische Urea-Konzentrationen nicht großflächig oder unkritisch langfristig anwenden.
  • Nebenwirkungen: Vorübergehendes Brennen oder Stechen, Erythem (Hautrötung) und Irritation, besonders bei hohen Urea-Konzentrationen sowie auf fissurierter oder entzündeter Haut; selten allergische Kontaktdermatitis (allergisch bedingte Hautentzündung durch Kontakt) durch Wirk- oder Hilfsstoffe. Stark okklusive Präparate können bei entsprechender Disposition Follikulitiden (Entzündungen der Haarfollikel) oder Mazeration (Aufweichung der Haut) begünstigen.

Verwendung von Urea

Urea ist ein physiologischer Bestandteil des Natural Moisturizing Factor und weist für die Behandlung der Xerosis cutis die beste Evidenz auf. Niedrige Konzentrationen wirken vorwiegend hydratisierend und glättend; mit steigender Konzentration nimmt die keratolytische Wirkung zu. Die Kombination mit Glycerol, Ceramiden und weiteren Komponenten des Natural Moisturizing Factor kann die Hydratation und Barrierefunktion stärker verbessern als eine Grundlage oder Urea allein [1, 2, 3].

Ein vorübergehendes Brennen oder Stechen ist insbesondere bei Erstanwendung, auf fissurierter oder entzündeter Haut und bei höheren Konzentrationen möglich. Dies ist meist irritativ und nicht Ausdruck einer Allergie. Eine echte allergische Kontaktreaktion auf Urea ist sehr selten; bei anhaltender Rötung, Ekzem oder Beschwerdezunahme soll das Präparat abgesetzt und eine Kontaktallergie gegen Wirk- oder Hilfsstoffe abgeklärt werden.

Beachte

  • Fettarme Lotionen sind nicht grundsätzlich ungeeignet: Bei milder Xerosis, warmem Klima und behaarten Arealen können sie die Adhärenz verbessern. Bei ausgeprägter Xerosis reichen sie häufig nicht aus; alkoholhaltige Tinkturen und aggressive Reinigungsprodukte sollen vermieden werden.
  • Bei neu aufgetretener generalisierter Xerosis, ausgeprägtem oder länger als sechs Wochen bestehendem Pruritus, Ikterus (Gelbsucht), B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust), neurologischen Beschwerden (Beschwerden des Nervensystems), Hinweisen auf eine Nieren-, Leber-, Schilddrüsen- oder hämatologische (das Blut oder blutbildende System betreffende) Erkrankung sowie bei zeitlichem Zusammenhang mit einer Medikation ist eine Ursachenabklärung erforderlich.
  • Schmerzhafte tiefe Rhagaden, Nässen, Pusteln (Eiterbläschen), Krusten, Überwärmung oder eine sich ausbreitende Rötung können auf ein Ekzem beziehungsweise eine sekundäre Infektion hinweisen und bedürfen einer ärztlichen Beurteilung.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium, Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde, probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • AD – Atopische Dermatitis
  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • CoQ10 – Coenzym Q10
  • DHA – Docosahexaensäure
  • EPA – Eicosapentaensäure
  • GLA – Gamma-Linolensäure
  • KBE – koloniebildende Einheiten
  • LL – Leitlinie
  • S2k – S2k-Leitlinie mit strukturierter Konsensfindung
  • S3 – S3-Leitlinie mit systematischer Evidenzbewertung und strukturierter Konsensfindung

Literatur

  1. Augustin M, Wilsmann-Theis D, Körber A et al.: Diagnosis and treatment of xerosis cutis – a position paper. J Dtsch Dermatol Ges. 2019;17(Suppl 7):3-33. doi: 10.1111/ddg.13906.
  2. Fluhr JW, Muguet V, Christen-Zaech S: Restoring Skin Hydration and Barrier Function: Mechanistic Insights Into Basic Emollients for Xerosis Cutis. Int J Dermatol. 2025;64(Suppl 1):5-12. doi: 10.1111/ijd.17790.
  3. Szepietowski JC, Tadini G: Basic Emollients for Xerosis Cutis Not Associated With Atopic Dermatitis: A Review of Clinical Studies. Int J Dermatol. 2025;64(Suppl 1):29-46. doi: 10.1111/ijd.17794.
  4. Augustin M, Brignone M: Optimization of Basic Emollient Therapy for the Management of Xerosis Cutis. Int J Dermatol. 2025;64(Suppl 1):53-57. doi: 10.1111/ijd.17791.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus. (AWMF-Registernummer: 013-048), Version 7.0, Juni 2026. Langfassung [LL1]
  2. S3-Leitlinie: Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]. (AWMF-Registernummer: 013-027), Version 4.7, Juni 2026. Langfassung [LL2]