Einleitung
Psoriasisarthritis

Die Psoriasisarthritis (PsA) (Synonyme: Arthritis mutilans psoriatica; Arthritis psoriatica; Arthritis psoriatrica; Arthritis und Spondylitis bei Psoriasis; Arthropathia psoriatica; Arthropathia psoriatica a.n.k.; Arthropathie bei Psoriasis a.n.k.; distale interphalangeale psoriatische Arthropathie; Gelenkpsoriasis; juvenile Arthritis bei Psoriasis; Osteoarthropathia psoriatica; Psoriasis arthropathica; Psoriasis-Arthropathie; Psoriatische Osteoarthropathie; Spondylitis psoriatica; Schuppenflechtenarthritis; ICD-10 L40.5: Psoriasis-Arthropathie) beschreibt das Auftreten einer Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung) bei Patienten, die an einer Psoriasis (Schuppfenflechte) erkrankt sind. Typische Hautveränderungen sind unregelmäßig begrenzte entzündliche und schuppende Papeln/Knötchen, die vorwiegend an den Knien, Ellenbogen und der Kopfhaut vorkommen. Die Gelenkentzündung betrifft überwiegend die Hände und Füße (periphere Gelenke) und/oder die Wirbelsäule (Spondylitis/Entzündung der Wirbelgelenke).

Die Erkrankung gehört zur Gruppe der prädominanten peripheren Spondyloarthritiden (SpA, pSpA)Des Weiteren gehört sie zur Gruppe der seronegativen Spondyloarthritiden (Synonym: seronegative Spondylarthropathie), bei denen eine Entzündung der kleinen Wirbelgelenke (Spondylarthritis) vorliegt. Diese Erkrankungen grenzen sich gegenüber der rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) durch das Fehlen von Rheumafaktoren (= seronegativ) ab.

Die Psoriasisarthritis kann anhand der Symptomatik in folgende Formen unterteilt werden:

  • Peripherer Typ (häufigste Form) – Finger- bzw. Fußgelenke sind befallen:
    • asymmetrische Oligoarthritis (≤ 4 Gelenke) (60 % der Fälle)
      • betrifft meist die kleinen Gelenke
      • "Strahlbefall" mit einzelnen Fingern ("Wurstfinger") – Arthralgie (Gelenkschmerz) und Gelenkschwellung aller 3 Gelenke eines Fingers
      • häufig HLA-B27 positiv
    • symmetrische Polyarthritis (20 % der Fälle)
      • kleine und große Gelenke sind betroffen
      • ähnlich der rheumatoiden Arthritis
      • kann Rheumafaktor-positiv sein
    • distal-transversaler Endgelenkbefall (Synonyme: distal interphalangeal dominante Arthritis; DIP-Synovitis) (5 % der Fälle)
      • fast immer vorkommende psoriatische Veränderungen der beteiligten Nägel
      • ähnlich der Heberden-Arthrose
    • mutilierend, ankylosierend (5 % der Fälle) – Arthritis mutilans
      • schwere osteolytische Destruktionen (Zerstörungen) einzelner Finger oder Zehen
      • evtl. Teleskopfinger (Finger erscheint massiv verkürzt, kann durch Ziehen auf die ursprüngliche Größe zurückgeführt werden)
  • Wirbelsäulen-Typ – Spondarthritis (Synonyme: Spondylarthritis, Spondyloarthritis) (10 % der Fälle)
    • betrifft vor allem HWS (Halswirbelsäule) und Sakroiliakalgelenke (verbinden das Kreuzbein (Wirbelsäule) und das Darmbein (Becken) miteinander)
    • Symptome wie bei Morbus Bechterew –  chronische entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule, die zu einer Gelenksteife (Ankylose) der betroffenen Gelenke führen kann. Die Iliosakralgelenke (ISG; Kreuzbein-Darmbein-Gelenke) sind dabei typischerweise zuerst betroffen.
    • meist asymmetrische Befall
    • HLA-B27 positiv
  • Mischtyp
  • Sonderform – Psoriasis pustulosa palmoplantaris (Psoriasis der Handflächen und Fußsohlen) mit Sternoclaviculargelenk-Hyperostose (Knochenhypertrophie des Brustbein-Schlüsselbein-Gelenks)

Bei Jugendlichen wird die Assoziation von Psoriasis und Arthritis als juvenile Psoriasisarthritis (JPsA) bezeichnet. Häufig geht dabei die JPsA der eigentlichen Hauterkrankung voraus.

Häufigkeitsgipfel: Die Psoriasisarthritis (PsA) tritt vorwiegend zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf.

An einer Psoriasisarthritis (PsA) leiden ca. 5-15 % der Psoriasis-Patienten. Ca. 66 % der Psoriasisarthritis-Patienten haben eine Nagelpsoriasis [1]. Häufig ist auch die Kopfhaut befallen.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 0,1-0,2 % in Deutschland.

Verlauf und Prognose: Die arthritischen Beschwerden treten meist einige Jahre (bis zu 10 Jahren) nach den Hautveränderungen auf (in ca. 75 % der Fälle), selten davor. Bei Auftreten des Gelenksbefalls vor den Hautveränderungen spricht man von einer "Psoriasisarthritis sine psoriase".
Die Psoriasisarthritis zeichnet sich durch einen hoch-chronischen Verlauf mit Schüben und Remissionen (Rückbildungen) aus. Die Krankheitsaktivität der Hautpsoriasis und der Arthritis verläuft in der Regel nicht parallel. Durch eine Therapie der Hautpsoriasis kann es jedoch auch zu einer Besserung der Arthritis-Beschwerden kommen.
Die Psoriasisarthritis ist behandelbar, aber nicht heilbar. Bei schweren Formen kann die Lebensqualität stark eingeschränkt sein.
Patienten mit ausgeprägter Psoriasis haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), sodass entsprechende Vorsorgeuntersuchungen erfolgen sollten. 

Komorbiditäten (Begleiterkrankung): Die Psoriasisarthritis ist mit einem 2,5-fach erhöhtem, die milde sowie schwere Psoriasis ist mit einem um 40 % erhöhtem Uveitisrisiko (Entzündung der mittleren Augenhaut) assoziiert (verbunden).

Literatur

  1. Sandre MK et al.: Psoriatic arthritis and nail changes: Exploring the relationship. Published Online: May 06, 2014 DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.semarthrit.2014.05.002
  2. Egeberg A et al.: Association of Psoriatic Disease With Uveitis: A Danish Nationwide Cohort Study. JAMA Dermatol. 2015. online 29. Juli 2015; doi:10.1001/jamadermatol.2015.1986.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Axiale Spondylarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen. (AWMF-Registernummer: 060-003), November 2018 Kurzfassung Langfassung

     
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