Ursachen
Mundgeruch (Halitosis)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Die Ursachen für die physiologische Halitosis finden sich direkt im Mund (ca. 90 % der Fälle). Der üble Geruch kommt vom Zungenrücken oder von konsumierten Nahrungs- und Genussmitteln wie Knoblauch oder Alkohol.

Eine pathologische Halitosis kann sowohl orale – den Mund betreffende – als auch extraorale – außerhalb des Mundes liegende – Ursachen aufweisen.
 In weniger als 0,1 % der Fälle liegt eine gastrointestinale Ursache vor, wie Ösophagusdivertikel (Ausstülpungen der Wand (Divertikel) der Speiseröhre (Ösophagus)), Kardiainsuffizienz (ungenügende Verschlussfunktion der Kardia; Kardia schließt den oberen Teil des Magens), gastroösophagealer Reflux (krankhaft gesteigerter Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre; englisch GER, gastroesophageal reflux) oder Pylorusstenose (Verengung (Stenose) im Bereich des Magenausganges).

Ätiologie (Ursachen)

Orale Ursachen (ca. 90 % der Fälle)

  • Candidiasis (Soor)
  • Infektionen Gingivitis (Zahnfleischentzündung), Stomatitis (Mundschleimhautentzündung), Parodontitis (Erkrankung des Zahnhalteapparates)
  • Karies (Zahnfäule)
  • Mundatmung, Schnarchen – führt zur Xerostomie (Mundtrockenheit)
  • Offene Wurzelkanäle
  • Pathologische Prozesse innerhalb der Mundhöhle z. B. Tonsillensteine (Mandelsteine, Tonsillolithe), Abszesse, Tumoren
  • Pemphigus blasenbildende Hauterkrankung
  • Schlechte Mundhygiene
  • Ungepflegte Prothesen
  • Xerostomie (Mundtrockenheit)
  • Zahnfleischveränderungen z. B. Nekrosen (Absterben von Gewebe), gingivale Fibromatose (gutartige Vermehrung des Bindegewebes)
  • Zungenbelag

Extraorale Ursachen

  • Mundgeruch aus dem Atmungstrakt
  • Mundgeruch aus dem Hals-, Nasen- und Ohrenbereich z. B. chronische Tonsillitis (Mandelentzündung), chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Mundgeruch aus dem Gastrointestinaltrakt (Verdauungstrakt)  z. B. langes Nüchternbleiben; Ösophagusdivertikel (Ausstülpungen der Wand (Divertikel) der Speiseröhre (Ösophagus)), Kardiainsuffizienz (ungenügende Verschlussfunktion der Kardia; Kardia schließt den oberen Teil des Magens), gastroösophagealer Reflux (krankhaft gesteigerter Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre; englisch GER, gastroesophageal reflux) oder Pylorusstenose (Verengung (Stenose) im Bereich des Magenausganges) (< 0,1 % der Fälle)
  • Mundgeruch durch Allgemeinerkrankungen z. B. Diabetes mellitus, Urämie (Auftreten harnpflichtiger Substanzen im Blut oberhalb der Normwerte), Leberzirrhose (Schrumpfleber), eitrige Bronchitis, Pneumonie (Lungenentzündung), Magen-Darm-Erkrankungen, Tumoren

In ca. 90 % aller Fälle ist die Ursache für den Mundgeruch der bakterielle Abbau von organischem Material in der Mundhöhle. Die Bakterien verstoffwechseln vor allem Proteine und scheiden als Stoffwechselendprodukt übel riechende Schwefelverbindungen aus – z. B. Schwefelwasserstoff (H2S), Cadaverin und Methylmercaptan.

Zu 41 % liegt die Ursache für Mundgeruch auf der Zunge, wo sich bis zu 60 % aller in der Mundhöhle existierenden Bakterien befinden. An nächster Stelle steht die Gingivitis (Zahnfleischentzündung) mit einer Häufigkeit von 31 % sowie die Parodontitis, welche bei 28 % der Patienten die Ursache für den Mundgeruch darstellt.

Raucher weisen ebenfalls einen typischen Mundgeruch auf, der als Smoker´s breath bezeichnet wird und durch die Bestandteile des Tabaks verursacht wird.
Des Weiteren haben Raucher ein hohes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln, welche ebenfalls Mundgeruch verursacht.

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Mangelernährung bzw. Unterernährung
    • Fastenkur besonders unter Gewichtsreduktion mit einer eiweiß- und fettreichen Diät) bzw. "Hungern"
  • Genussmittelkonsum
    • Alkohol (hier: Alkoholabusus/Alkoholabhängigkeit)
    • Kaffee
    • Tabak (Rauchen)
  • Schlechte Mundhygiene (mangelhafte Zahnhygiene)
  • Zungenbelag

Krankheitsbedingte Ursachen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Bronchiektasen (Synonym: Bronchiektasie) – dauerhaft bestehende irreversible sackförmige oder zylindrische Ausweitungen der Bronchien (mittelgroße Atemwege), die angeboren oder erworben sein kann; Symptome: chronischer Husten mit "maulvoller Expektoration" (großvolumiger dreigeschichteter Auswurf: Schaum, Schleim und Eiter), Müdigkeit, Gewichtsverlust und eine verringerte Leistungsfähigkeit
  • Lungenabszess – umkapselte Eiteransammlungen in der Lunge
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Tonsillensteine (Mandelsteine, Tonsillolithe)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Coma diabeticum – komatöser Zustand bei Hyperglykämie (Überzuckerung) im Rahmen des Diabetes mellitus
  • Mangelernährung/Unterernährung
  • Trimethylaminurie (Fischgeruch-Syndrom) – genetisch bedingte Erkrankung

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Pemphigus – bezeichnet schwere Hauterkrankungen, die mit Blasenbildung einhergehen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Angina Plaut-Vincenti – relativ seltene Form der Tonsillitis (Mandelentzündung). Sie ist die bekannteste Form der sogenannten Fusotreponematosen, die auch außerhalb der Tonsillen (Mandeln) auf Rachenschleimhaut und Zahnfleisch auftreten können
  • Diphtherie (echter Krupp) – Infektionskrankheit, die durch eine Infektion der oberen Atemwege mit dem Gram-positiven Corynebacterium diphtheriae hervorgerufen wird
  • Gingivostomatitis herpetica – Zahnfleischentzündung, die auf die gesamte Mundschleimhaut übergegriffen hat
  • Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) – häufige Viruserkrankung (Epstein-Barr-Virus (EBV)), mit gutartig verlaufender Erkrankung des lymphatischen Gewebes

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Leberinsuffizienz/Funktionsstörung der Leber mit teilweise oder vollständigem Ausfall ihrer Stoffwechselaufgaben (Foetor hepaticus: intensiver, süßlicher und leicht fötider ("fauliger") Geruch, der an frische Leber oder auch an Fäzes (Kot) erinnert)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Akute Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
  • Akut nekrotisierende ulzerierende Gingivitis – schwerwiegende Zahnfleischentzündung, die zur Bildung von Geschwüren führt
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Synonyme: GERD, Gastro-oesophageal reflux disease; Gastroesophageal Reflux Disease (GERD); Gastroösophageale Refluxkrankheit (Refluxkrankheit); Gastroösophagealer Reflux; Reflux-Ösophagitis; Refluxkrankheit; Refluxösophagitis; peptische Ösophagitis) – entzündliche Erkrankung der Speiseröhre (Ösophagitis), die durch den krankhaften Rückfluss (Reflux) von saurem Magensaft und anderen Mageninhalten hervorgerufen wird
  • Karies
  • Laryngopharyngealer Reflux (LRP) – "stiller Reflux", bei dem die Kardinalsymptome des gastroösophagalen Refluxes, wie Sodbrennen und Regurgitation (Zurückströmen von Speisebrei aus der Speiseröhre in den Mund), fehlen.
  • Orale Abszesse – umkapselte Eiteransammlungen in der Mundhöhle
  • Ösophagusachalasie – Funktionsstörung des unteren Ösophagussphinkters (Speiseröhrenmuskulatur), mit der Unfähigkeit zu erschlaffen; es handelt sich dabei um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen des Plexus myentericus absterben. Im Endstadium der Erkrankung ist die Kontraktionsfähigkeit der Östophagusmuskulatur irreversibel geschädigt, mit der Folge, dass Nahrungsbestandteile nicht mehr in den Magen transportiert werden und durch Übertritt in die Trachea (Luftröhre) zu pulmonalen Funktionsstörungen führen. Bis zu 50 % der Patienten leiden an pulmonalen ("lungenbedingten") Funktionseinschränkungen als Folge chronischer Mikroaspirationen (Eindringen von kleinen Mengen Materials z. B. Speisereste in die Lunge).
    Typische Symptome der Achalasie sind: Dysphagie (Schluckstörung), Regurgitation (Wiederhochkommen von Speise), Husten, gastroösophagealer Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre), Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerzen) und Gewichtsverlust; als sekundäre
    Achalasie ist sie meistens Folge einer Neoplasie (bösartige Neubildung), z. B. eines Kardiakarzinoms (Mageneingangskrebs).
  • Ösophagusdivertikel – Aussackungen in der Muskelschicht der Speiseröhre, in denen sich Speisereste ansammeln können
  • Parodontitis – Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodont)
  • Stomatitis (Mundschleimhautentzündung)
  • Xerostomie – trockene Mundschleimhaut
  • Zungenbelag

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Magenkarzinom (Magenkrebs)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Halitophobie – Zeichen psychiatrischer Störungen, bei der der Patient Angst vor Mundgeruch hat
  • Pseudohalitosis – Zeichen psychiatrischer Störungen, bei der der Mundgeruch nur vom Betroffenen wahrgenommen wird

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Husten (bei produktiven Husten bzw. Sputum/Auswurf)
  • Kachexie (Auszehrung)
  • Rhonchopathie (Schnarchen)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) 

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Fremdkörper im Mund-/Rachenraum

Medikamente

Einige Medikamente führen direkt oder indirekt durch Erzeugung einer Xerostomie (Mundtrockenheit) zu Mundgeruch.

Folgende Medikamente können die Speichelproduktion hemmen und so zu Mundgeruch führen:

  • Antiadiposita, Anorektika
  • Antiarrhythmika
  • Antiepileptika
  • Antidepressiva
  • Antihistaminika
  • Antihypertonika
  • Antiparkinsonmittel
  • Antipsychotika (Neuroleptika) – Clo­za­pin
  • Anxiolytika, Ataraktika
  • Diuretika
  • Hypnotika
  • Muskelrelaxantien
  • Sedativa
  • Spasmolytika

Des Weiteren kann die Einnahme schwefelhaltiger Medikamente wie Disulfiram oder Dimethylsulfoxid (DMSO) zu Mundgeruch führen.

Weiteres

  • Mundatmung – führt zur Mundtrockenheit
     
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