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Ursachen
Schizophrenie

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Die Ursache der Schizophrenie ist noch nicht eindeutig geklärt. Momentan geht man von dem sogenannten "Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell" nach Zubin und Nücherlein aus, welches mehrere Faktoren der Entstehung der Erkrankung einbezieht. Dazu gehören vor allem eine genetische Komponente sowie Entwicklungsstörungen.

Bei histologischen Untersuchungen konnte eine Vielzahl von Veränderungen am Gehirn festgestellt werden wie Hirnatrophie (Gehirnschwund) und vor allem eine Reduktion des Volumens von Hippocampus (Bestandteil des Gehirns; befindet sich im Temporallappen (Schläfenlappen) und ist eine zentrale Schaltstation des limbischen Systems; das limbische System dient der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten) und Amygdala (
Corpus amygdaloideum (Mandelkern); ist Teil des Limbischen Systems;  ist wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt).
Daneben sollen auch verschiedene Neurotransmitter (Botenstoffe) einen Einfluss auf die Schizophrenie-Entwicklung haben, dazu gibt es jedoch widersprüchliche Aussagen. 

Möglicherweise liegt ein relativer GABA-Mangel (Gamma-Amino-Buttersäure) im Gehirn vor; in einer Studie dazu korrelierte die Schwere des Mangels mit der klinischen Symptomatik [2].

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung durch Eltern, Großeltern (wird auf mindestens 80 % geschätzt)SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism) können aktuell 30-50 % des genetisch bedingten Schizophrenierisikos erklären
    • Erkrankungsrisiko erhöht sich mit dem Grad der genetischen Verwandtschaft zu einer Person, die an Schizophrenie leidet
      • Für monozygotische Zwillinge beträgt die Konkordanzrate etwa 50 %
      • Kindern von zwei betroffenen Eltern 27,3 % [3]
      • KInder von einem betroffenen Elternteil 7,0 % [3]
      • Verwandten ersten Grades ca. 9 %
      • Verwandten dritten Grades ca. 2 %
    • Genetisches Risiko abhängig von Genpolymorphismen:
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gene: DRD2
        • SNP: rs6277 im Gen DRD2
          • Allel-Konstellation: CT (1,4-fach)
          • Allel-Konstellation: CC (1,6-fach)
    • Genetische Erkrankungen
      • Mikrodeletionssyndrom 22q11 – Veränderungen auf dem langen Arm des Chromosoms 22 an Position 11: Fehlen eines Gens (Ausschaltung des Gens DGCR8 [7]), das normalerweise eine unkontrollierte Hirnaktivität im Cortex (Großhirnrinde) verhindert; Folgen sind Anomalien des Herzens und des Gesichts, Thymusaplasie (teilweises oder vollständiges Fehlen des Thymus), Gaumenspalte, Hypocalcämie (Calciummangel) und primärer Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion) sowie Entwicklungsverzögerungen; des Weiteren besteht ein 30-fach erhöhtes Risiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung an einer Psychose zu erkranken; Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) 1 von 3.000 Menschen
  • Höheres Alter der Eltern bei der Geburt
  • Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen wie intrauterine Mangelernährung oder Rhesusfaktorinkompatibilität (Rhesusunverträglichkeit)
  • Geburt im Winter oder frühen Herbst
  • Ethnischer Minderheitenstatus
  • Frühe Entwicklungsstörungen
  • Niedrige Intelligenz

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Genussmittelkonsum
    • Tabak (Rauchen) [1]
  • Drogenkonsum
    • Amphetamine z. B. Ectasy (Synonym: Molly; MDMA: 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin) oder ähnlich wirkende Sympathomimetika; Metamphetamine [5] ("Crystal Meth")
    • Cannabis (Haschisch und Marihuana) [6]
  • Psycho-soziale Situation
    • Psychosoziale Belastungsfaktoren in der Kindheit
    • Belastendes familiäres Klima
    • Schlechte soziale Anpassung

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Epilepsie (Krampfleiden)
  • Psychotische Erkrankungen wie schizoaffektive Störungen oder schizoide Persönlichkeitsstörungen

Weitere Ursachen

  • Funktionelle Störungen des Gehirns/Kopfverletzungen
  • Kognitive Dysfunktion
  • Traumata

Literatur

  1. Gurillo P et al.: Does tobacco use cause psychosis? Systematic review and meta-analysis. doi: http://dx.doi.org/10.1016/S2215-0366(15)00152-2
  2. Orhan F et al.: CSF GABA is reduced in first-episode psychosis and associates to symptom severity. Molecular Psychiatry advance online publication 14 March 2017; doi: 10.1038/mp.2017.25
  3. Gottesman II et al.: Severe mental disorders in offspring with 2 psychiatrically ill parents. Arch Gen Psychiatry. 2010 Mar;67(3):252-7. doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.1.
  4. Klosterkotter J und Muller H. Pravention schizophrener und anderer psychotischer Storungen. [Hrsg.] Joachim Klosterkotter und Wolfgang Maier. Handbuch praventive Psychiatrie. 2017; 11:227.83, Schattauer, Stuttgart
  5. Chen CK et al.: Morbid risk for psychiatric disorder among the relatives of methamphetamine users with and without psychosis. Am J Med Genet B Neuropsychiatr Genet 2005 Jul 5;136B(1):87-91.
  6. Andréasson S et al.: Cannabis and schizophrenia: a longitudinal study of Swedish conscripts. Lancet 1987 Dec 26;2(8574):1483-6.. Https://​doi.​org/​10.​1016/​S0140-6736(87)92620-1
  7. Khan TA et al.: Neuronal defects in a human cellular model of 22q11.2 deletion syndrome Nature Medicine 2020
     
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