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Weitere Therapie
Diabetische Polyneuropathie

Allgemeine Maßnahmen

  • Normalgewicht anstreben!
    Bestimmung des BMI (Body-Mass-Index, Körpermassen-Index) bzw. der Körperzusammensetzung mittels der elektrischen Impedanzanalyse und Teilnahme an einem ärztlich betreuten Abnehmprogramm.
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum)
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g Alkohol pro Tag; Frauen: max. 12 g Alkohol pro Tag), da Alkohol zu Hypoglykämien (Unterzuckerung) führen kann.
  • Regelmäßige Untersuchungen der Füße und des Schuhwerks (Fußpflege; siehe ggf. auch unter "Diabetischer Fuß/Weitere Therapie")
  • Optimale Einstellung von Begleiterkrankungen (Blutdruck; Blutfette)
  • Autofahren: die periphere Neuropathie schränkt die taktilen Fähigkeiten ein und verringert Propriozeption (Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum bzw. Lage einzelner Körperteile zueinander) und Muskelkraft. Dieses bedeutet für das aktive Autofahren, dass die Patienten mit peripherer Neuropathie nur eingeschränkt fähig sind, das Gaspedal ihres Autos gefühlvoll zu bedienen. Bei den Betroffenen kann jedoch eine Restfähigkeit erhalten bleiben, diese Fähigkeit zu verbessern [6].
  • Vermeidung psychosozialer Konfliktsituationen:
    • Mobbing
    • Seelische Konflikte
    • Stress
  • Vermeidung von Umweltbelastungen:
    • Acrylamid – entsteht beim Frittieren, Grillen und Backen; wird zur Herstellung von Polymeren und Farbstoffen verwendet
    • Arsen
    • Kohlenwasserstoffe
    • Schwermetalle wie Blei, Thallium, Quecksilber
    • Schwefelkohlenstoff
    • Trichlorethylen
    • Triorthokresylphosphat (TKP)
    • Wismut (wg. Wismut-haltigem Dentalmaterial oder bei langdauernder Behandlung mit Wismut-Präparaten)

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Elektrische Rückenmarksstimulation (Stimulation der Hinterstrangbahnen des Rückenmarks durch eine epidurale elektrische Rückenmarksstimulation mit dauerhaft implantiertem Impulsgeber); Indikation: Diabetiker mit schmerzhafter, therapierefraktärer peripherer Neuropathie; Reduktion des Schmerzniveaus um 58 % [5]; mögliche Komplikationen: Infektionshäufigkeit 3 %, Elektrodenkomplikationen 8 % (in der Literatur: ca. 8 % Infektionen und 30 % Elektrodenkomplikationen)
  • Medizinische Fußpflege – durch eine Fachkraft (Podologe) Abtragen von Hornhaut, um Hautschädigungen, Entzündungen und Risse zu vermeiden; Beseitigung von unnormalen Nagelbildungen durch Schneiden, Schleifen und Fräsen (Kassenleistung)

Adipositas-Chirurgie/Bariatische Operationen

Bei schwer übergewichtigen Patienten ist ggf. ein Magenbypass (künstlich verkleinerter Magen) im Sinne der metabolischen Chirurgie angezeigt. Nach einer Studie von Schauer et al. haben 42 % der Diabetiker nach der Operation einen normalen HbA1c (Laborparameter zur Bestimmung des Blutzuckers über die vergangenen Tage bzw. Wochen/HbA1c ist sozusagen das "Blutzuckerlangzeitgedächtnis") [1]. In einer weiteren Studie von Mingrone erzielten sogar 75 % der Patienten eine Remission des Diabetes mellitus [2].

Impfungen

Die nachfolgenden Impfungen sind angeraten, da eine Infektion häufig zur Verschlechterung der diabetischen Stoffwechselsituation führt:

  • Pneumokokken-Impfung
  • Grippe-Impfung

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

Heutzutage ist die Ernährung für einen an Diabetes erkrankten Menschen nicht mehr so strikt wie noch vor wenigen Jahren. Es dürfen auch zuckerhaltige Lebensmittel gegessen werden.

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ziel der Ernährungsumstellung muss die Gewichtsreduktion auf das Normalgewicht sein!
  • Beachtung folgender ernährungsmedizinischer Empfehlungen:
    • Die Mahlzeiten von Diabetikern sollten 15-20 % Proteine (Eiweiß), 30 % Fette und > 50 % Kohlenhydrate enthalten.
    • Vermeidung bzw. Reduktion von Monosacchariden (Einfachzucker) und Disacchariden (Zweifachzucker)
    • Ernährung reich an Obst und Gemüse sowie an Meeresfischen (wg. Omega-3-Fettsäuren)
  • Bei einer diabetischen Gastroparese (Lähmung der Magenperistaltik) können die Symptome durch passierte und pürierte Kost verbessert werden; des Weiteren sollten folgende Empfehlungen Berücksichtigung finden:
    • Verzicht auf
      • Koffein, Pfefferminz, Schokolade und Fette, weil sie den Druck des distalen Ösophagussphinkters (untere Schließmuskel im Übergangsbereich vom Ösophagus (Speiseröhre) zum Magen) verringern
      • Kaugummis, da sie Luftschlucken begünstigen
    • Empfehlenswert sind
      • kleine ballaststoffarme Mahlzeiten mit wenig Fett
      • gutes Kauen und bis zu 30 Minuten nach der Mahlzeit aufrecht sitzen
      • Insulin-pflichtige Diabetiker sollten den Spritz-Ess-Abstand reduzieren.
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns. 

Sportmedizin

  • Ausdauertraining (Cardiotraining) und Krafttraining (Muskeltraining)
  • Langsame Steigerung des Ausdauertrainings: zu Beginn können Intervalle trainiert werden, bis die Pausen immer kürzer werden, sodass ein Training am Stück für 30 Minuten möglich wird.
  • Durch sportliche Aktivität sinkt der Blutzuckerspiegel und die Insulinempfindlichkeit wird verbessert. Da beim Diabetiker aber während und nach dem Sport Blutzuckerschwankungen auftreten können, ist eine Blutzuckermessung vor und nach dem Sport wichtig.
  • Erstellung eines Fitness- bzw. Trainingsplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck)
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Ergotherapie ("Arbeits- bzw. Beschäftigungstherapie") – indiziert bei Beeinträchtigung der Handfunktion
  • Physiotherapie – Übungen, die Stand- und Gangsicherheit verbessern und Gleichgewicht, Koordination sowie Propriozeption schulen
  • Ggf. auch balneologische Therapiemaßnahmen

Psychotherapie

  • Stressmanagement – Die Teilnehmer an einem achtwöchigen Anti-Stress-Gruppentherapie mit wöchentlichem Übungsprogramm waren nach einem Jahr weniger depressiv und körperlich fitter; sie hatten z. B. einen niedrigeren Blutdruck. Ihre Protein-Ausscheidung war unverändert – bei der unbehandelten Kontrollgruppe hatte sich diese weiter verschlechtert [3, 4].
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.

Komplementäre Behandlungsmethoden

  • Sensomotorisches Training → stimuliert neuronale Anpassungsreaktionen, was langfristig zur Induktion neuronaler Plastizität spinaler und supraspinaler Strukturen im zentralen Nervensystem (ZNS) führt [6] . 
    Trainingsdauer: 1-9 Monate; Häufigkeit 2-mal pro Woche; Dauer der Trainingseinheit: 6-30 Minuten; Dauer der Übung: 20 Sekunden; Pause zwischen den Übungen: 20-40 Sekunden; Anzahl der Wiederholungen: 3
  • Vibrationstraining (Frequenz: > 18 Hz; Amplitude: 2-4 mm) [6]
    Trainingsdauer: > 4 Wochen; Häufigkeit 2-bis 6-mal pro Woche; Dauer der Trainingseinheit: 6-30 Minuten; Dauer der Übung: 20-60 Sekunden; Pause zwischen den Übungen: 20-60 Sekunden; Anzahl der Serien: 3-5; Pausen zwischen den Serien: 1-4 Minuten

Schulungsmaßnahmen

Schulungsmaßnahmen

  • Jeder Diabetiker sollte spezielle Diabetikerschulungen besuchen, die die Diagnostik und Therapie der Erkrankung genau erklären, um so eigenständig und so sicher wie möglich mit dem Diabetes leben zu können.
  • In einer Diabetikerschulung wird den Betroffenen vor allem der richtige Umgang mit dem Insulin gezeigt, die Wichtigkeit der Blutzuckerselbstkontrolle und der angepassten Ernährungsweise vermittelt.
    Dazu zählt insbesondere auch, Veränderungen des Körpers rechtzeitig zu erkennen, um Schäden, wie dem diabetischen Fußsyndrom (DFS) vorzubeugen. Es ist in diesem Zusammenhang deshalb sehr wichtig, täglich die Füße auf mögliche Wunden zu untersuchen (weitere Details dazu siehe unter "Diabetischer Fuß").
  • Weiterhin kann in solchen Gruppen ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch stattfinden.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Deutscher Diabetiker Bund e. V., Bundesgeschäftsstelle
    Goethestr. 27, 34119 Kassel
    Tel.: 0 5 61/703 47 70, Fax: 0 5 61/703 47 71, E-Mail: info@diabetikerbund.de, Internet: www.diabetikerbund.de

Falls Sie sich zu weiteren möglichen Therapiemaßnahmen informieren möchten, geben Sie in die Suche des DocMedicus Gesundheitsportals die jeweilige Krankheit ein und klicken auf "Enter". Das Ergebnis der Suche ist u. a. eine Trefferliste zur Kategorie "Therapie".

Literatur

  1. Schauer PR, Kashyap SR, Wolski K et al.: Bariatric Surgery versus Intensive Medical Therapy. in Obese Patients with Diabetes. NEJM 2012; 366: 1567-76
  2. Mingrone G, Panunzi S, De Gaetano A et al.: Bariatric Surgery versus Conventional Medical Therapy for Type 2 Diabetes. NEJM 2012; 366: 1577-85
  3. Faude-Lang V, Hartmann M, Schmidt EM, Humpert PM, Nawroth P, Herzog W.: Akzeptanz- und achtsamkeitsbasiertes Gruppenkonzept für Patienten mit fortgeschrittenem Diabetes Typ 2: Konzept und praktische Erfahrungen. PsychotherPsych Med. 2010;60:185-189.
  4. Hartmann M, Kopf S, Kircher C, Faude-Lang V, Djuric Z, Augstein F, Friederich HC, Kieser M, Bierhaus A, Humpert PM, Herzog W, Nawroth PP: Sustained effects of a mindfulness-based stress-reduction intervention in type 2 diabetes patients: Design and first results of a randomized controlled trial (the HEIDIS-Study). Diabetes Care published ahead of print February 14. 2012. doi:10.2337/dc11-1343
  5. De Vos CC et al.: Spinal cord stimulation in patients with painful diabetic neuropathy: A multicentre randomized clinical trial. Pain 2014, online 29. August; doi: 10.1016/j.pain.2014.08.031
  6. Perazzolo M et al.: Altered accelerator pedal control in a driving simulator in people with diabetic peripheral neuropathy. Diab Med 2019; https://doi.org/10.1111/dme.13957
     
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