Ursachen
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Dyspareunie tritt relativ häufig auf. Dabei kann die zugrundeliegende Ursache somatischer (körperlicher) oder auch psychischer Natur sein.

Für die Schmerzintensität spielt auch die Empfindlichkeit von Harnblase, Beckenboden, Cervix (Gebärmutterhals) und Uterus (Gebärmutter) eine Rolle.

Nach der Lokalisation unterscheidet man eine  "äußere" Dyspareunie von einer "inneren" Dyspareunie.

Schmerzphysiologisch kann die Erkrankung auf neuropathische Schmerzen oder neurogene Entzündungen basieren.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Teenager und Frauen nach den Wechseljahren (Lokalisation: "äußere" Dyspareunie)
  • Frauen im mittleren Lebensalter (Lokalisation: "innere" Dyspareunie)
  • Hormonelle Faktoren – Östrogenmangel im Klimakterium/Wechseljahre

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Psycho-soziale Situation
    • Ablehnung des Partners
    • Beziehungsprobleme
    • Psychische Konflikte
  • Fehlende sexuelle Erregung

Krankheitsbedingte Ursachen (organische Ursachen bzw. Differentialdiagnosen, d. h. eine Ausschlussdiagnostik ist erforderlich)

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Gartner-Zysten (Synonym: Gartner-Gang-Zyste; Zysten der Vaginalwand, die sich aus dem Gewebe des Gartner-Gangs, einem Relikt des Ductus mesonephricus, bilden) – Lokalisation: meist im anterolateralen ("vorne und seitlich") Bereich der oberen 2/3 der Vagina (Scheide); Symptomatik: in der Regel unspezifisch und abhängig von der Größe der Zyste; Häufigkeit: 1-2 % aller Frauen 

Haut und Unterhaut (L00-L99) 

  • Lichen sclerosus (LS) (et atrophicus) – selten vorkommende, chronisch verlaufende Erkrankung des Bindegewebes, die vermutlich zu den Autoimmunerkrankungen zu zählen ist

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Beckenvenensyndrom (Pelvic Congestion Syndrome, PCS) – chronische Unterleibsschmerzen bei Frauen
  • Thrombosierte Hämorrhoide

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Gonorrhoe (Tripper) – sexuell-übertragbare Infektionserkrankung
  • Trichomonadenkolpitis – Scheidenentzündung durch Trichomonaden (Protozoen – Einzeller)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Analfissur schmerzhafter Einriss der Haut- oder Schleimhaut des Afters
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
  • Perianalabszess – eitrige Entzündung im Gewebe um den Anus (After)
  • Reizdarmsyndrom (RDS)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)
  • Ovarialzysten und gutartigen Neubildungen des Ovars (Eierstock)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Neurome nach Episiotomie (Nervenknäuelbildungen am Ende eines verletzten Nervs; hier: nach einem Dammschnitt)

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Geburten – wg. Narben (Dammschnitt/Dammriss)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adenomyose (Adenomyosis uteri) – Endometriuminseln (Gebärmutterschleimhautinseln) innerhalb des Myometriums/Gebärmuttermuskulatur (Endometriosis uteri)
  • Adnexitis (Eierstockentzündung), chronische
  • Atrophische Kolpitis (Kolpitis senilis; Östrogenmangel-Kolpitis; Scheidentrockenheit) – Scheidenentzündung bei Frauen in und nach den Wechseljahren
  • Bartholinitis – Entzündung der Ausführungsgänge der Bartholinischen Drüse
  • Cervicitis (Gebärmutterhalsentzündung)
  • Endometriose – Auftreten von Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) außerhalb der Gebärmutterhöhle (Cavum uteri)
  • Genitalprolaps – teilweise oder vollständige Vorfallen der Scheide (Descensus vaginae) und/oder Gebärmutter (Descensus uteri) aus der Schamspalte (Rima pudendi)
  • Pelvipathie – Unterbauchschmerzen der Frau aufgrund sehr unterschiedlicher Ursachen, die somatischer (körperlicher) als auch psychischer Natur sein können
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS) – tritt bei Frauen etwa vier bis vierzehn Tage vor der nächsten Periode auf und beinhaltet ein komplexes Bild unterschiedlicher Symptome und Beschwerden 
  • Überaktive Blase (OAB-Symptomatik) 
  • Uterusmyome – gutartige Wucherungen der Gebärmutter
  • Urethritis (Harnröhrenentzündung)
  • Urethralkarunkel – Schleimhautvorstülpung der weiblichen Harnröhre
  • Vaginalmykosen (Pilzinfektionen der Scheide)
  • Vaginismus – spastischer Verschluss der Vagina (Scheide), meist durch psychische Probleme bedingt
  • Vaginitis/Kolpitis (Scheidenentzündung; bakteriell, Mykose, Trichomonaden)  
  • Vulväre Vestibulitis (Vestibulitis-Vulvae-Syndrom; lokalisierte vulväre Dysästhesie) – häufigste Form der oberflächlichen (introitalen) Dyspareunie
  • Vulvitis – Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane
  • Zystitis (Blasenentzündung)

Medikamente

  • Antihormonelle Therapie (Ovarablation mit GnRH-Analoga bis hin zum Einsatz von Aromatasehemmern) → therapiebedingter Östrogenentzug bei hormonrezeptorpositiven Mammakarzinompatientinnen → ausgeprägte vaginale Atrophie und Verschiebung des pH-Werts mit Veränderungen der Vaginalflora → Dyspareunie, ggf. auch Kohabitationsunfähigkeit

Operationen

  • Adhäsionen (Verwachsungen) nach Bauchoperationen
  • Genitalverstümmelung (Klitoridektomie; Beschneidung der großen Schamlippen (Exzision); Beschneidung der großen Schamlippen und Entfernung des äußerlich sichtbaren Teils der Klitoris (Infibulation)
  • Geburtshilfliche Operationen: Patienten mit Zustand nach Sectio caesarea (Kaiserschnitt) oder Vakuumextraktion (Saugglockenentbindung) haben ein höheres Risiko für eine postpartale ("nach der Entbindung auftretende") Dyspareunie, im Vergleich zu Patienten die spontan entbunden haben und deren Perineum (Damm) nicht verletzt wurde [1].
  • Operationen am Rektum (Mastdarm)

Weiteres

  • Intaktes Hymen

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. McDonald E, Gartland D, Small R, Brown S: Dyspareunia and childbirth: a prospective cohort study. BJOG. 2015 Jan 21. doi: 10.1111/1471-0528.13263.
     
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