Kaiserschnitt (Sectio caesarea)

Bei der Sectio caesarea – umgangssprachlich Kaiserschnitt genannt  – handelt es sich um eine Schnittentbindung, bei der der Säugling auf operativem Wege aus dem Uterus der Mutter geholt wird.
Die Sectio caesarea ist heutzutage eine Standardoperation in der Geburtshilfe.
Ca. 32 % der Frauen in Deutschland bringen Ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt. 

Man unterscheidet eine absolute Indikation von einer relativen Indikation. Eine absolute Indikation liegt vor, wenn der Geburtshelfer aus zwingenden geburtsmedizinischen Gründen, namentlich zur Rettung von Leben und Gesundheit des Kindes und/oder der Mutter, nur zu einer Sectio caesarea raten kann. Bei ca. 90 v. H. aller Schnittentbindungen liegt eine relative Indikation vor, bei der eine Abwägung der geburtsmedizinischen Risiken für Mutter und Kind geboten ist.

Eine elektive Sectio (Synonyme: Wunschkaiserschnitt (WKS), Wunschsektio, Wunschsectio) sollte nicht vor der 39. Schwangerschaftswoche (SSW) durch­geführt werden, da die Wahrscheinlichkeit für die neonatale Morbidität (Krankheitshäufigkeit der Neugeborenen) sonst erhöht ist.

Indikationen (Anwendungsgebiete)  

Absolute Indikationen (Notkaiserschnitt)

  • Absolutes Missverhältnis zwischen fetalem (kindlichem) Kopf und mütterlichem Becken
  • Amnioninfektionssyndrom (engl.: amniotic infection syndrome, abgekürzt: AIS); Infektion der Eihöhle, Plazenta, Eihäute und eventuell des Fetus während der Schwangerschaft oder Geburt mit Gefahr der Sepsis (Blutvergiftung) für das Kind)
  • Beckendeformitäten
  • Eklampsie (schwere Erkrankung vor allem im letzten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel), die mit Krämpfen einhergeht)
  • HELLP-Syndrom (schwerwiegende Erkrankung während der Schwangerschaft, die zu den hypertensiven Störungen gehört. Die Buchstaben HELLP stehen dabei für die englischen Begriffe der wichtigsten Symptome: Haemolysis (Hämolyse/Auflösung der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Blut), EL = elevated liver enzymes (Erhöhung der Leberenzyme: Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH), Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT, Gamma-GT; GGT), Bilirubin), LP = low platelets (Thrombozytopenie/Verminderung der Thrombozyten (Blutplättchen))
  • Fetale Asphyxie bzw. fetale Azidose (beim Kind Abfall des ph-Wertes < 7,20) – lebensbedrohliche Situation des Feten, die zu einer fetalen Sauerstoffmangel versorgen führen kann
  • Nabelschnurvorfall – Prolaps (Vorfall) der Nabelschnur zwischen dem Kopf des Kindes und dem Scheidenausgang (kann zur fetalen Asphyxie führen)
  • Placenta praevia (Fehllage der Plazenta (Mutterkuchen); die Plazenta ist hierbei in der Nähe des Gebärmutterhalses eingenistet) – Verlegung des Geburtskanals durch die Plazenta, sodass eine vaginale Geburt unmöglich ist
  • Querlage – Lageanomalie des Kindes, die eine vaginale Geburt unmöglich machen
  • Vorzeitige Plazentalösung
  • (drohende) Uterusruptur (Riss der Gebärmutterwand) – akute lebensbedrohliche Situation für Mutter und Fetus

Relative Indikationen

  • Pathologisches CTG (Kardiotokogramm; Herztonwehenkurve)
  • Unzureichender Geburtsfortschritt (protrahierte Geburt/verlängerte Eröffnungs- oder Austreibungsphase, Geburtsstillstand/Geburtsstillstand und mütterliche Erschöpfung)
  • Zustand nach Sectio oder nach vaginal-plastischer Operation
  • Beckenendlage
  • Frühgeburt < 32. Schwangerschaftswoche/< 1.500 g
  • Absolute fetale Makrosomie (über 4.500 g)
  • Mehrlingsschwangerschaft

Vor der Operation

  • Die Antibiotikatherapie vor der Geburt senkt die maternale infektionsassoziierte Morbidität (mütterliche infektionsbedingte Krankheitshäufigkeit) im Vergleich zur postpartalen antibiotischen Prophylaxe (Antibiotika-Prophylaxe nach der Geburt) signifikant. Dadurch sinkt das Risiko einer Endometritis (Gebärmutterschleimhautentzündung) und/oder Endomyometritis (Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) und der Gebärmuttermuskelschicht (Endomyometritis)) und für Wund­infektionen.
  • Eine kurzzeitige maternale Inhalation (Sauerstoffgabe der Mutter) von 50 % Sauerstoff zur Vorbereitung einer Sectio caesarea (Kaiserschnitt) unter Spinalanästhesie führt beim Föten nicht zu einem oxidativen Stress. Weder waren im arteriellen Nabelschnurblut zum Zeitpunkt der Geburt die Malondialdehyd-Konzentration signifikant erhöht noch der TAS-Level (totaler antioxidativer Status) signifikant gesenkt [3].

Bei der Sectio caesarea wird die Bauchdecke der Schwangeren knapp oberhalb der Symphyse (Schambein) eröffnet und die einzelnen Gewebeschichten durchtrennt, bis die Gebärmutter erreicht ist. Diese wird dann ebenfalls eröffnet und das Kind geboren. Danach werden alle Schichten wieder sorgfältig vernäht und Mutter und Kind im Kreißsaal betreut.

Die Operation kann in Peridural-, Spinalanästhesie oder in Vollnarkose durchgeführt werden.

Mögliche Komplikationen 

Mögliche Komplikationen der Mutter

  • Wundheilungsstörungen und Wundinfektionen
  • Blutungen
  • Großer Blutverlust durch eine sogenannte Atonie (unzureichende Kontraktion der Gebärmutter), der zu der Gabe von Bluttransfusionen führen kann
  • Nerven- oder Gefäßschädigung
  • Nahtinsuffizienz (Nahtundichtigkeit)
  • Verletzung der Harnwege (Harnleiter und Harnblase)
  • Verletzung des Darms (gegebenenfalls Ileus – Darmverschluss) oder anderer innerer Organe  
  • Adhäsionen     
  • Keloid (überschießende Narbenbildung)
  • Zystitiden (Blasenentzündungen) und Miktionsstörungen (Blasenentleerungsstörungen) durch den für die Operation notwendigen Blasenkatheter
  • Thrombose (Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Gefäß bildet); Embolie (teilweiser oder vollständiger Verschluss eines Blutgefäßes durch einen Thrombus)

Spätfolgen für die Mutter

Erhöhte Risiken bei einer Folgeschwangerschaft

  • Risiko eines Uterusruptur (Zerreißen der Gebärmutter; an der Sectionarbe/Kaiserschnittnarbe)
  • Fehllage oder Plazenta increta (in die Muskulatur eingewachsener Mutterkuchen; mit Risiko einer erhöhten Blutungsneigung)
  • Erhöhtes Risiko einer Totgeburt 
  • Leicht erhöhtes Risiko für eine Sterilität [1]
  • Bei einer Hysterektomie (operative Entfernung der Gebärmutter) kommt es signifikant häufiger zu perioperativen oder postoperati­ven Komplikationen [2]

Mögliche Komplikationen des Kindes

  • Verletzungen während der Operation und Entwicklung des Kindes, wie Schürfungen, Frakturen/Knochenbrüche und Schnitte (selten)
  • Anpassungsstörungen und Schläfrigkeit können eine weitere Therapie notwendig machen
  • Marken von Saugglocke oder Zange, die manchmal noch zur Entwicklung des Kindes verwendet werden.
  • Laktationsprobleme (Probleme in der Stillphase) und Bindungsstörungen zwischen Mutter und Kind sind häufiger bei Sectiokindern z. B. im Falle einer ungenügenden Bondingphase (erste Verbundenheitsphase zwischen Mutter und Kind) nach dem Eingriff

Spätfolgen für das Kind

  • Asthma bronchiale wg. fehlenden Kontakts mit dem Mikrobiom der Vagina 

Weitere Hinweise

  • Ein Genitalprolaps (Scheidenvorfall) scheint nach Sectio seltener vor zukommen als nach einer vaginalen Entbindung (Entbindung durch die Scheide).
  • Eine Sectio schützt langfristig vor Inkontinenz (Blasenschwäche). 
  • Eine Metaanalyse hat in Bezug auf Nutzen und Nachteile einer Sectio die Number Needed to Treat (NNT) und der Number Needed to Harm (NNH) vergleichen, d. h. die Zahl der Kaiserschnitt-Entbindungen, auf die jeweils ein günstiges oder ungünstiges Ereignis folgt [3]:
    • Vermeidung einer Harninkontinenz: NNT von 19
    • Uterusprolaps (Gebärmuttervorfall): NNT von 2 (nach Berechnung des Berichterstatters)
    • Subfertilität: NNH von 8
    • Fehlgeburten: NNH von 70
    • Totgeburten: NNH von 1.138
    • Placenta praevia (Fehllage der Plazenta (Mutterkuchen); diese ist dabei in der Nähe des Gebärmutterhalses eingenistet und überdeckt den Geburtskanal ganz oder teilweise): NNH von 492
    • Uterusruptur (Zerreißen der Gebärmutter): NNH von 543 
    • Asthmaerkrankung in der Kindheit: NNH von 164
    • Adipositas im Alter von fünf Jahren: NNH von 3.030 (nach Berechnung des Berichterstatters)

Literatur

  1. Jacob L et al.: Caesarean section and its impact on fertility and time to a subsequent pregnancy in Germany: a database analysis in gynecological practices. Arch Gynecol Obstet 2016, online 3. August. doi: 10.1007/s00404-016-4160-4
  2. Lindquist SAI et al.: Association of Previous Cesarean Delivery With Surgical Complications After a Hysterectomy Later in Life. JAMA Surg. Published online August 9, 2017. doi:10.1001/jamasurg.2017.2825
  3. Keag OE et al.: Long-term risks and benefits associated with cesarean delivery for mother, baby, and subsequent pregnancies: Systematic review and meta-analysis. PLOS Medicine Published: January 23, 2018 https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002494

     
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