Medikamentöse Therapie
Fehlgeburt (Abort)

Therapieziel

Vermeidung des Abortes beim Abortus imminens bzw. Förderung der Ausstoßung der Frucht.

Therapieempfehlungen

  • Therapieempfehlungen in Abhängigkeit von der Diagnose:
    • Abortes imminens (drohender Abort): Magnesium, Progesteron/Dehyrosteron (Gestagene)
    • Missed abortion (verhaltener Abort): Abortinduktion (Einleitung des Aborts) mittels Gemeprost (Prostaglandin E1-Analogon)
    • Spätabort 15 - 24 SSW post menstruationem: Abortinduktion in zwei Schritten: Zervixreifung (Muttermundreifung), Weheninduktion (Stimulation der glatten Uterusmuskulatur/Gebärmuttermuskulatur) bis zum Abort
    • Febriler Abort/septischer Abort): Antibiose, Heparin, Volumensubstitution
      • Frühabort < 14 SSW, Kürettage (Ausschabung der Gebärmutter); 4-6 h nach Antibiotikagabe
      • Spätabort > 14 SSW, Kürettage nach Abortinduktion
    • Abortus habitualis (habitueller Abort; rezidivierende Spontanaborte, RSA; wiederholte Spontanaborte (WSA)))
      • Behandlung einer chronischen Endometritis (Gebärmutterschleimhautentzündung) zum Zweck der Abortprophylaxe mittels Antibiotika
      • Behandlung einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) [oberer Grenzwert für das TSH bei einer Infertilität: 2,5 mU/l] [3]
        Bei unauffälligem TSH-Befund sollte zusätzlich fT3 und fT4 sowie Schilddrüsenautoantikörper bestimmt werden.
        • Manifeste Hyperthyreosen (Schilddrüsenüberfunktion oder Hypothyreosen (Schilddrüsenunterfunktion sollten grundsätzlich therapiert werden.
      • Behandlung einer Thrombophilie (Thromboseneigung) mit Heparin bei Nachweis eines Antiphospholipid-Syndroms (APS; Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom; Inzidenz des APS bei WSA: 2-15 % [4])
      • Bei Vorliegen eines Antiphospholipid Syndroms (Antiphospholipid Antibody Syndrome, APSAPLS) und eines "non-criteria" APLS sollte mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) und niedermolekularem Heparin (NMH) therapiert werden:
        • Ab dem positiven Schwangerschaftstest wird ASS bis zur 34 + 0. Schwangerschaftswoche (SSW) gegeben; NMH bis mindestens 6 Wochen post partum; Behandlung des "non-criteria" APS sollte identisch erfolgen
      • Frauen mit habituellen Frühaborten und hereditärem Faktor-XII-Mangel: Acetylsalicylsäure(ASS)-Monotherapie (40 mg/Tag) [2]
      • Frauen mit idiopathischen WSA: Therapie mit synthetischen Gestagenen im ersten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) zu Abortprophylaxe
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

 Weitere Hinweise

  • Es gibt keine gesicherte medikamentöse Therapie bzw. Prophylaxe bei einem Abortus imminens oder incipiens. Zur Anwendung kommen gelegentlich die oben genannten Wirkstoffe.
    Frühgeburten durch die intravaginale Applikation von Progesteron zu verhindern, hat bei Frauen, die bereits ein oder mehrere Fehlgeburten hatten, nicht zu einer Lebendgeburt verholfen [1].

Detaillierte Hinweise zur Arzneimitteltherapie finden Sie im DocMedicus Arztinformationssystem

Fruchttod in der Frühschwangerschaft [5]

  • 200 mg Mifepriston (Progesteron-Rezeptorantagonist) + vaginale Applikation von 800 µg Misoprostol (Prostaglandin E1-Analogon) →
    • Die Mifepriston-Gabe erhöhte den Anteil der Frauen, bei denen es nach einer einzigen Misoprostolbehandlung zu einer vollständigen Austreibung kam, von 67,1 % auf 83,8 %.
    • Der Anteil der Frauen, die eine Absaugung (manual vacuum aspiration (MVA)) benötigten, wurde von 23,5 auf 8,8 % gesenkt.

Febriler Abort/Septischer Abort

Therapie

  • Antibiotika i.v., Breitspektrum inklusive Anaerobier (z. B. Cephazolin + Metronidazol)
  • Heparin
  • Volumensubstitution
  • Frühabort < 14 SSW, Kürettage 4-6 h nach Antibiotikagabe
  • Spätabort > 14 SSW, Kürettage nach Abortinduktion

Anti-D-Prophylaxe bei Rh-negativen Patientinnen

Abortus habitualis (habitueller Abort; rezidivierende Spontanaborte, RSA; wiederholte Spontanaborte (WSA))

  • Definition: ≥ 3. spontane Aborte (zunächst unklarer Genese) vor der 20. Schwangerschaftswoche (SSW)
  • Es wurden keine gesicherten Effekte nachgewiesen für: Glucocorticoide, intravenöse Immunglobuline, Lipiodinfusionen, die NK-Zell-Aktivität sowie die Bildung proinflammatorischer Zytokine senken, Allogene Lymphozytenübertragung („Lymphozytenimmunisierung“), G‑CSF(„granulocyte-colony stimulating factor“)-Gabe.
  • Therapie einer Autoimmunthyreoiditis (Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt) und subklinische Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) 
  • Behandlung einer Thrombophilie mit Heparin bei Nachweis eines Antiphospholipid-Syndroms (APS; Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom)
  • Bei Vorliegen eines Antiphospholipid Syndroms (Antiphospholipid Antibody Syndrome, APSAPLS) und eines "non-criteria" APLS sollte mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) und niedermolekularem Heparin therapiert werden.
  • Frauen mit habituellen Frühaborten und hereditärem Faktor-XII-Mangel: Acetylsalicylsäure(ASS)-Monotherapie (40 mg/Tag) [2]

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel sollten u. a. die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (Folsäure*/*** L-Methylfolat* (5-MTHF), Cobalamin** (Vitamin B12))
  • Spurenelemente (Jod***)

Legende:
*Prävention
**Risikogruppe
***Mangelsymptome

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen. 

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Coomarasamy A et al.: A Randomized Trial of Progesterone in Women with Recurrent Miscarriages. N Engl J Med 2015; 373:2141-2148 November 26, 2015. doi: 10.1056/NEJMoa1504927
  2. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. (AWMF-Registernummer: 015-050), Februar 2018 Langfassung
  3. Abalovich M et a.: Management of thyroid dysfunction during pregnancy and postpartum: an Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 2007;92(8 Suppl):S1–47
  4. Branch DW, Gibson M, Silver RM (2: Clinical practice. Recurrent miscarriage. N Engl J Med 2019;363(18):1740-1747
  5. Schreiber CA et al.: Mifepristone Pretreatment for the Medical Management of Early Pregnancy Loss. N Engl J Med 2018; 378:2161-2170 doi: 10.1056/NEJMoa1715726

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten. (AWMF-Registernummer: 015-050), Februar 2018 Langfassung

     
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