Einleitung
Fehlgeburt (Abort)

Als Abort (Synonyme: Abortus, Fehlgeburt; ICD-10 O06.-: nicht näher bezeichneter Abort) wird die vorzeitige Beendigung der Gravidität mit einem Geburtsgewicht des Embryos beziehungsweise Feten von unter 500 g bezeichnet.

Man unterscheidet den Abort anhand seiner Ursache in:

  • Spontanabort – aus natürlicher Ursache
  • Artifizieller Abort – durch medikamentöse, chemische oder sonstige Maßnahmen

Weiterhin kann man den Abort nach dem Zeitpunkt unterscheiden:

  • Frühabort – bis zur zwölften Schwangerschaftswoche (SSW)
  • Spätabort – 13. bis 24. Schwangerschaftswoche (SSW)
  • Ab der 24. Schwangerschaftswoche wird von einer Tot- oder Frühgeburt gesprochen

Daneben wird der Abort noch weiter unterteilt in seine verschiedenen Verlaufsformen:

  • Abortus imminens (drohender Abort)
  • Abortus incipiens (beginnender Abort)
  • Abortus incompletus (unvollständiger Abort)
  • Abortus completus (vollständiger Abort)
  • Missed Abortion (verhaltener Abort) – Form der Fehlgeburt, bei der die Fruchtanlage abgestorben ist, aber nicht spontan aus dem Uterus (Gebärmutter) ausgestoßen wird
  • Abortus febrilis (fieberhafter) bzw. septischer Abort
  • Abortus habitualis (habitueller Abort; rezidivierende Spontanaborte, RSA); ≥ 3. spontane Aborte (zunächst unklarer Genese) vor der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) [1]

Häufigkeitsgipfel: Die Gefahr eines Abortes ist zu Beginn der Gravidität (Schwangerschaft) am größten und reduziert sich mit dem weiteren Schwangerschaftsverlauf. Ungefähr 80 % der Aborte finden in den ersten 12 Schwangerschaftswochen (SSW) statt.
Die häufigsten Aborte ereignen sich bis zur 5. SSW. Oft weiß die betroffene Frau zu diesem Zeitpunkt gar nicht, dass sie schwanger war. In der 6.-8. SSW sinkt das Risiko auf ca. 18 % und ab der 17. SSW auf nur noch 2-3 %.
Mit zunehmendem Alter der Schwangeren steigt das Risiko für einen Abort. Schwangere im Alter von 20-24 Jahren haben ein Abortrisiko von 9 %, das Risiko bei Schwangeren über 45 Jahre steigt auf 75 %.

Genaue Zahlen zur Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von Aborten sind nicht bekannt. Man schätzt, dass bei 40-70 % der Frauen im Alter von 20-29 Jahren sehr frühe Spontanaborte auftreten. Davon werden nur etwa 15-20 % klinisch erkannt.
Ungefähr 30 % der Frauen haben in ihrem Leben einen Abort.

Ungefähr 1-3 % der Paare erleben einen wiederholten Spontanabort (WSA). Das Risiko für eine erneute Fehlgeburt steigt vor allem mit dem Alter der Patientin, ist aber auch abhängig von der Anzahl der bereits vorausgegangenen Aborte.

Verlauf und Prognose: Der Verlust einer Schwangerschaft ist ein tragisches Erlebnis, sowohl für die Frau als auch für die Partnerschaft. Die Suche nach der Ursache ist wichtig, um das Risiko von Komplikationen bei einer späteren Schwangerschaft zu verringern und um der Frau bzw. dem Paar die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt zu nehmen.

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Autoimmunologische Erkrankungen, die mit einem erhöhten Abortrisiko einhergehen sind Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt) und Antiphospholipidsyndrom.

Literatur

  1. WHO: Recommended definitions, terminology and format for statistical tables related to the perinatal period and use of a new certificate for cause of perinatal deaths. Modifications recommended by FIGO as amended October 14, 1976. Acta Obstet Gynecol Scand 1977;56(3):247-53.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie beim wiederholten Spontanabort. (AWMF-Registernummer: 015-050), Dezember 2013 Kurzfassung Langfassung

     
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