Triple-Test
Der Triple-Test ist ein biochemisches pränatales Screeningverfahren (vorgeburtliches Suchverfahren) des zweiten Trimenons (zweiten Schwangerschaftsdrittels). Er basiert auf der Bestimmung von Alpha-Fetoprotein (AFP), humanem Choriongonadotropin (hCG) und unkonjugiertem Estriol (uE3) im mütterlichen Serum unter Einbeziehung des Gestationsalters (Schwangerschaftsalters) und maternaler Korrekturfaktoren zur Risikoberechnung, vor allem für Trisomie 21, Trisomie 18 und offene Neuralrohrdefekte (offene Fehlbildungen des Nervensystems).
In der aktuellen Versorgung hat der Triple-Test im Vergleich zu kombinierten Ersttrimester-Screeningstrategien und zellfreier DNA (cfDNA)-basierten Verfahren eine nachgeordnete Rolle. Er bleibt jedoch als Zweittrimester-Screeningoption relevant, wenn ein Ersttrimester-Screening nicht erfolgt ist oder cfDNA nicht verfügbar, nicht gewünscht oder nicht indiziert ist.
Synonyme
- Maternaler Serum-Triple-Test
- Triple-Screen
- Zweittrimester-Serumscreening mit drei Markern
- Biochemisches Zweittrimester-Screening
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Mütterliches Serum
- Begleitdaten zur Risikokalkulation: Schwangerschaftsalter, maternales Gewicht, je nach Labor zusätzlich Angaben zu Mehrlingsschwangerschaft (Schwangerschaft mit mehreren Kindern), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Rauchen, assistierter Reproduktion (medizinisch unterstützter Befruchtung) und weiteren labor-/softwareabhängigen Korrekturfaktoren
- Vorbereitung des Patienten
- Keine Nüchternabnahme erforderlich
- Entscheidend ist die korrekte Bestimmung des Gestationsalters, bevorzugt sonographisch (mittels Ultraschall)
- Die Blutentnahme erfolgt typischerweise im zweiten Trimenon, klassisch im Zeitfenster 15+0 bis 20+6 Schwangerschaftswochen, labor- und programmspezifisch teils bis 22+0 Schwangerschaftswochen
- Störfaktoren
- Falsch datierte Schwangerschaft
- Unzutreffende Angaben zu maternalen Einflussgrößen, insbesondere Gewicht, Diabetes mellitus, Rauchen, Ethnizität/Race je nach verwendetem Programm sowie Art der Konzeption (Empfängnis)
- Mehrlingsschwangerschaft
- Methoden-, populations- und softwareabhängige Unterschiede der Medianwerte und Korrekturfaktoren
- Der Triple-Test ist ein Screening- und kein Diagnostikverfahren; auffällige Resultate erfordern eine Bestätigung durch weiterführende Diagnostik
- Methode
- Immunochemische Bestimmung von AFP, hCG und uE3 im mütterlichen Serum
- Umrechnung der Rohwerte in multiples of the median (MoM) für das jeweilige Gestationsalter
- Risikoberechnung mittels labor- bzw. softwareabhängiger Algorithmen unter Berücksichtigung maternaler Korrekturfaktoren
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Parameter | Referenzbereich |
|---|---|
| AFP | Keine allgemeingültigen festen Referenzbereiche; Bewertung gestationsaltersbezogen und laborabhängig in MoM |
| hCG | Keine allgemeingültigen festen Referenzbereiche; Bewertung gestationsaltersbezogen und laborabhängig in MoM |
| uE3 | Keine allgemeingültigen festen Referenzbereiche; Bewertung gestationsaltersbezogen und laborabhängig in MoM |
| Gesamtrisiko für Trisomie 21/18 | Labor- und programmspezifische Cut-offs; Befundausgabe als individuelles alters- und markeradjustiertes Risiko |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Pränatales Screening im zweiten Trimenon, wenn ein Ersttrimester-Screening nicht durchgeführt wurde
- Screening auf Trisomie 21 und Trisomie 18 im Rahmen etablierter Zweittrimester-Programme
- Mitbeurteilung des Risikos für offene Neuralrohrdefekte über AFP
- Alternative Screeningoption, wenn cfDNA-Screening nicht verfügbar ist, nicht gewünscht oder nach lokaler Versorgungsstruktur nicht als primäre Strategie eingesetzt wird
- Situationsbezogene Anwendung in Programmen mit kontingentem, sequenziellem oder integriertem Screeningkonzept
Interpretation
- Erhöhte Werte
- AFP erhöht: vereinbar unter anderem mit offenem Neuralrohrdefekt, Bauchwanddefekten (Fehlbildungen der Bauchwand), falsch datierter Schwangerschaft oder Mehrlingsschwangerschaft
- hCG erhöht: im Screeningmuster typischerweise mit erhöhtem Risiko für Trisomie 21 assoziiert
- Erniedrigte Werte
- AFP erniedrigt, uE3 erniedrigt bei gleichzeitig erhöhtem hCG: klassisches Screeningmuster mit erhöhtem Risiko für Trisomie 21
- AFP erniedrigt, hCG erniedrigt, uE3 erniedrigt: mögliches Screeningmuster bei erhöhtem Risiko für Trisomie 18
- Spezifische Konstellationen
- Die Aussagekraft hängt wesentlich von der korrekten Schwangerschaftsdauer und der sachgerechten MoM-Korrektur ab
- Ein auffälliger Triple-Test beweist keine fetale Chromosomenstörung und ersetzt keine invasive Diagnostik
- Ein unauffälliger Triple-Test schließt Chromosomenstörungen oder andere fetale Anomalien (Auffälligkeiten) nicht sicher aus
- Im Vergleich zu cfDNA weist biochemisches Serumscreening eine geringere Testgüte und höhere Falsch-positiv-Rate auf
Weiterführende Diagnostik
- Detaillierte Ultraschalldiagnostik (Ultraschalluntersuchung) bei auffälligem oder grenzwertigem Befund
- Erneute Prüfung beziehungsweise Korrektur des Gestationsalters
- cfDNA-Screening als nachgeschaltete nichtinvasive Abklärung, sofern klinisch sinnvoll und nach Aufklärung gewünscht
- Invasive Diagnostik mittels Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) oder Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Plazentagewebe) bei entsprechendem Risikoprofil, auffälligem Ultraschall oder nach genetischer Beratung
- Bei AFP-Erhöhung gezielte Abklärung fetaler Fehlbildungen, insbesondere offener Neuralrohrdefekte
Literatur
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