Actim PROM

Actim PROM ist ein qualitativer immunochromatographischer Schnelltest zum Nachweis von nicht-phosphoryliertem Insulin-like Growth Factor Binding Protein-1 (IGFBP-1) in zervikovaginalem Sekret. Das Verfahren wird in der klinischen Labordiagnostik (Laboruntersuchung) zur ergänzenden Diagnostik (Abklärung) bei Verdacht auf einen vorzeitigen Blasensprung beziehungsweise eine vorzeitige Ruptur (Riss) der Eihäute in der Schwangerschaft eingesetzt. Die aktuelle Evidenz stützt den Einsatz von IGFBP-1-basierten Schnelltests als Zusatzdiagnostik insbesondere bei klinisch unklarem Befund; die Primärdiagnostik beruht weiterhin auf Anamnese (Krankengeschichte), steriler Spekulumeinstellung und klinischer Gesamteinschätzung [1-4].

Synonyme

  • IGFBP-1-Test bei Verdacht auf Blasensprung
  • Actim PROM-Test
  • Schnelltest auf Fruchtwasser im Vaginalsekret
  • IGFBP-1-Nachweis im zervikovaginalen Sekret

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Steriler Polyester-Abstrichtupfer
    • Zervikovaginalsekret
    • Extraktionspuffer
    • Teststreifen/Testkassette des Herstellers
    • Ggf. Spekulum (Untersuchungsinstrument zur Scheidenspreizung) zur gezielten Probenentnahme
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Die Probenentnahme sollte durch geschultes medizinisches Fachpersonal erfolgen
    • Die Testung sollte möglichst vor digitaler vaginaler Untersuchung (Untersuchung mit dem Finger über die Scheide) erfolgen
    • Eine Kontamination (Verunreinigung) des Tupfers mit Gleitmitteln oder Cremes ist zu vermeiden, da dies die Testdurchführung beeinträchtigen kann [2]
  • Störfaktoren
    • Geringe Leckage (Austritt kleiner Flüssigkeitsmengen) oder intermittierender Fruchtwasserabgang können zu falsch-negativen Befunden führen
    • Längere Latenz (Zeitspanne) zwischen Membranruptur und Probenentnahme kann die Sensitivität (Empfindlichkeit) reduzieren
    • Ein spontaner sekundärer Verschluss kleiner Defekte (Schädigungen) der Eihäute ist möglich
    • Gleitmittel oder Cremes können die Probenaufnahme und Testperformance beeinträchtigen [1, 2]
    • Ein negativer Test schließt einen Blasensprung bei fortbestehendem klinischem Verdacht nicht sicher aus [1, 3]
  • Methode
    • Qualitativer immunochromatographischer Point-of-Care-Test (Schnelltest direkt vor Ort)
    • Nachweis von nicht-phosphoryliertem IGFBP-1 als Marker für Fruchtwasser
    • Probengewinnung aus zervikovaginalem Sekret mittels sterilem Tupfer
    • Extraktion der Probe in Pufferlösung und visuelle Auswertung des Teststreifens
    • Ergebnis innerhalb weniger Minuten

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Geschlecht / Alter Referenzbereich
Schwangere mit intakten Eihäuten Negativ
Schwangere mit Fruchtwasser im zervikovaginalen Sekret Positiv

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Verdacht auf vorzeitigen Blasensprung bei anamnestischem Flüssigkeitsabgang
  • Klinisch unklarer Befund bei Verdacht auf PROM/PPROM
  • Ergänzende Diagnostik, wenn in der sterilen Spekulumeinstellung kein eindeutiges Pooling (Ansammlung) von Fruchtwasser erkennbar ist
  • Rasche Triage (Dringlichkeitseinstufung) in der geburtshilflichen Versorgung bei Verdacht auf Membranruptur [1, 3, 4]

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Positiver Test spricht für das Vorliegen von Fruchtwasser im zervikovaginalen Sekret
    • Ein positiver Befund unterstützt die Diagnose (Feststellung) einer Membranruptur
    • Die klinische Relevanz ist im Kontext von Gestationsalter (Schwangerschaftswoche), Wehentätigkeit, Infektionszeichen und sonographischem Befund (Ultraschallbefund) zu beurteilen [1, 3]
  • Erniedrigte Werte
    • Negativer Test spricht gegen das Vorliegen einer relevanten Fruchtwassermenge im Abstrichmaterial
    • Ein negativer Befund macht einen Blasensprung weniger wahrscheinlich, schließt ihn aber nicht sicher aus [1, 3]
  • Spezifische Konstellationen
    • Actim PROM ist als Zusatztest bei äquivokem (nicht eindeutigem) klinischem Befund einzuordnen und nicht als Ersatz der klinischen Primärdiagnostik [1, 3]
    • Die Diagnose eines spontanen Blasensprungs wird primär durch Anamnese und sterile Spekulumeinstellung gestellt; biochemische Marker dienen der zusätzlichen Absicherung unklarer Fälle [1, 3]
    • Konventionelle Zusatzverfahren sind Nitrazintest und Farnkrauttest (engl. fern test), deren diagnostische Aussagekraft jedoch durch verschiedene Interferenzen (Störfaktoren) limitiert sein kann [1]

Weiterführende Diagnostik

  • Sterile Spekulumeinstellung mit Beurteilung auf Fruchtwasserabgang/Pooling
  • Sonographische Beurteilung der Fruchtwassermenge
  • Nitrazintest
  • Farnkrauttest (engl. fern test)
  • Infektdiagnostik (Abklärung auf Infektionen) und maternale/fetale Überwachung (Überwachung von Mutter und Kind) bei bestätigter oder hochgradig vermuteter PPROM gemäß geburtshilflicher Leitlinie [3, 4]

Literatur

  1. Hensel D, Howard L, Zofkie A. Laboratory Tests for the Diagnosis of Rupture of Membranes. Clin Chem. 2026;72(1):61-70. https://doi.org/10.1093/clinchem/hvaf153
  2. Medix Biochemica. Actim PROM Instructions for Use. Revised 2024. Herstellerinformation zum Testprinzip, Probenmaterial und zu Interferenzen. https://www.actimtest.com/wp-content/uploads/2021/05/Actim-PROM-Instructions-for-Use-2024.pdf
  3. Thomson AJ; Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. Care of Women Presenting with Suspected Preterm Prelabour Rupture of Membranes from 24+0 Weeks of Gestation: Green-top Guideline No. 73. BJOG. 2019;126(9):e152-e166. https://doi.org/10.1111/1471-0528.15803
  4. Ronzoni S, Boucoiran I, Yudin MH, Coolen J, Pylypjuk C, Melamed N, Holden AC, Smith GN, Barrett J. Guideline No. 430: Diagnosis and Management of Preterm Prelabour Rupture of Membranes. J Obstet Gynaecol Can. 2022;44(11):1193-1208.e1. https://doi.org/10.1016/j.jogc.2022.08.014
  5. Palacio M, Kuhnert M, Berger R, Larios CL, Marcellin L. Meta-analysis of studies on biochemical marker tests for the diagnosis of premature rupture of membranes: comparison of performance indexes. BMC Pregnancy Childbirth. 2014;14:183. https://doi.org/10.1186/1471-2393-14-183