Eucell Programm für Untergewichtige – Einleitung
Untergewicht ist ein klinisch relevantes Gesundheitsproblem mit potenziellen Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit, Immunkompetenz, Muskelkraft und Lebensqualität. Leitlinien definieren Untergewicht als einen Body-Mass-Index (BMI) < 18,5 kg/m2 und empfehlen eine strukturierte, ursachenorientierte Therapie, da konstitutionelles Untergewicht, Mangelernährung und Kachexie unterschiedliche Pathophysiologien und therapeutische Zielsetzungen aufweisen [1, 2]. Neben einer unzureichenden Energie- und Proteinzufuhr spielen hormonelle, inflammatorische und psychosoziale Faktoren eine zentrale Rolle.
Das Eucell Programm für Untergewichtige ist ein ärztlich strukturiertes, evidenzbasiertes Lebensstil- und Ernährungstherapieprogramm zur gesunden und nachhaltigen Gewichtszunahme. Im Fokus steht nicht eine unkontrollierte Kalorienzufuhr, sondern der gezielte Aufbau von fettfreier Körpermasse, die Verbesserung der Körperzusammensetzung und die langfristige metabolische Stabilisierung unter medizinischer Begleitung.
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Das Eucell Programm für Untergewichtige wurde – analog zum Eucell Abnehmprogramm – Anfang der 1990er-Jahre von dem Frauenarzt und Ernährungsmediziner Dr. Werner G. Gehring entwickelt. Ausgangspunkt war die klinische Betreuung von Patienten mit ausgeprägtem Untergewicht, Mangelernährung und reduzierter Muskelmasse, bei denen konventionelle Ernährungsempfehlungen nicht ausreichend wirksam waren.
Die initiale Anwendung erfolgte im medizinischen Kontext, unter anderem bei älteren Patienten, bei chronischen Erkrankungen sowie im Rahmen reproduktionsmedizinischer Fragestellungen. Das Programm wurde kontinuierlich weiterentwickelt und an aktuelle ernährungsmedizinische und metabolische Erkenntnisse angepasst.
Medizinisches Konzept und Einordnung
Das Programm orientiert sich an aktuellen ernährungsmedizinischen Leitlinien und berücksichtigt die differenzierte Ätiologie des Untergewichts. Zentrale therapeutische Prinzipien sind eine individuell angepasste Energie- und Proteinzufuhr, eine strukturierte Mahlzeitenfrequenz sowie die Kombination mit muskelaufbauorientierter körperlicher Aktivität. Ziel ist es, katabole Stoffwechsellagen zu adressieren, eine adäquate Proteinsynthese zu unterstützen und Muskelmasse sowie funktionelle Leistungsfähigkeit nachhaltig zu verbessern [1-4].
Strukturierte, professionell begleitete Ernährungsinterventionen zeigen gegenüber unkoordinierten Selbstinterventionen eine bessere Adhärenz und sind mit günstigeren Effekten auf Körperzusammensetzung, Funktionalität und Komplikationsrisiken bei Mangelernährung assoziiert [3, 4].
Zielsetzung
Primäres Ziel des Eucell Programms für Untergewichtige ist die gesunde Gewichtszunahme mit Fokus auf den Aufbau oder Erhalt der fettfreien Körpermasse. Zentrale Zielparameter sind Körpergewicht, BMI und Körperzusammensetzung. Ergänzend sollen Muskelkraft, körperliche Leistungsfähigkeit und funktionelle Belastbarkeit verbessert sowie untergewichtsassoziierte Risiken reduziert werden [1-4].
Grundstruktur des Programms
- Ärztlicher Gesundheitscheck mit individueller Risiko-, Ursachen- und Bedarfsanalyse
- Berechnung der optimalen Körperzusammensetzung und Definition realistischer Zielgewichte
- Strukturierte, kalorien- und proteinadaptierte Ernährungsstrategie
- Integration muskelaufbauorientierter körperlicher Aktivität
- Regelmäßige Verlaufskontrollen mit Anpassung der Empfehlungen
- Begleitende Beratung zu Schlaf, Stressregulation und Appetitmanagement
Zur praktischen Umsetzung der Zwischenmahlzeiten kann – abhängig von Verträglichkeit, Alltagstauglichkeit und Zielkalorien – auch eine definierte, energiedichte Zwischenmahlzeit eingesetzt werden (z. B. Eucell Optima). Ziel ist die verlässliche Ergänzung von Energie und Protein, wenn dies über normale Kost allein nicht ausreichend gelingt. (Anzeige)
Fazit
Das Eucell Programm für Untergewichtige ist ein ärztlich begleitetes, evidenzbasiertes Gesamtkonzept zur nachhaltigen und gesundheitsorientierten Gewichtszunahme. Es verbindet aktuelle ernährungsmedizinische Leitlinien mit individueller Diagnostik, strukturierter Ernährungstherapie und gezielter körperlicher Aktivität. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind die ätiologische Differenzierung, realistische Zielsetzung sowie eine kontinuierliche, strukturierte Begleitung [1-4].
Literatur
- Cederholm T, Jensen GL, Correia MITD et al.: GLIM criteria for the diagnosis of malnutrition – A consensus report from the global clinical nutrition community. Clin Nutr. 2019;38(1):1-9. https://doi.org/10.1016/j.clnu.2018.08.002
- Muscaritoli M, Arends J, Bachmann P et al.: ESPEN practical guideline: Clinical Nutrition in cancer. Clin Nutr. 2021;40(5):2898-2913. https://doi.org/10.1016/j.clnu.2021.02.005
- Arends J, Strasser F, Gonella S et al.: Cancer cachexia in adult patients: ESMO Clinical Practice Guidelines. ESMO Open. 2021;6(3):100092. https://doi.org/10.1016/j.esmoop.2021.100092
- Volkert D, Beck AM, Cederholm T et al.: ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr. 2022;41(4):958-989. https://doi.org/10.1016/j.clnu.2022.01.024