Intervallfasten

Eine etablierte Form des therapeutischen Fastens ist das Intervallfasten (Synonyme: intermittierendes Fasten; lateinisch "intermittere" – unterbrechen; „every other day diet“ (jeden zweiten Tag Diät); „alternate day fasting“; Time-Restricted Eating). Kennzeichnend ist eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme innerhalb eines definierten Essfensters, typischerweise von etwa 8 Stunden.

Dabei wechseln sich in einem festgelegten Rhythmus Phasen regulärer Nahrungsaufnahme mit Phasen des vollständigen Fastens oder einer deutlich kalorisch reduzierten Nahrungszufuhr ab. Frequenz und Dauer der Fastenintervalle können individuell angepasst werden und orientieren sich an metabolischen Zielsetzungen, klinischem Kontext und praktischer Umsetzbarkeit.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Intervallfasten als modernes Ernährungskonzept entwickelte sich aus der Forschung zur Kalorienrestriktion und zur metabolischen Anpassungsfähigkeit des Menschen. Periodische Phasen der Nahrungskarenz waren über weite Teile der Menschheitsgeschichte hinweg üblich, da die Nahrungsverfügbarkeit schwankte. Eine systematische wissenschaftliche Untersuchung begann jedoch erst im 20. Jahrhundert. Die wissenschaftliche Grundlage des Intervallfastens liegt in der Stoffwechselphysiologie und Zellbiologie, insbesondere in der Erforschung hormoneller Anpassungen, des Energiestoffwechsels sowie zellulärer Stress- und Reparaturmechanismen. Zentrale Annahme ist, dass der Wechsel zwischen Nahrungsaufnahme und Fasten adaptive Prozesse aktiviert, die über eine reine Kalorienreduktion hinausgehen und metabolische sowie zellschützende Effekte vermitteln können.

Zielsetzung der Diät

Forscher gehen davon aus, dass das Ernährungsmuster des Intervallfastens dem des Menschen vor Beginn des Ackerbaus und der Viehzucht stärker ähnelt als unsere heutigen Essgewohnheiten, die unter anderem bei jedem Zweiten zu Übergewicht führen. Für unsere Vorfahren waren nämlich Tage ohne Nahrungszufuhr keine Seltenheit.

Studien zeigen, dass regelmäßig durchgeführte Fastentage mit einer verlängerten Lebenserwartung und gesundheitsfördernden Effekten assoziiert sind [1]. In Tierversuchen konnte eine lebenszeitverlängernde Wirkung von bis zu 40 % beobachtet werden. Des Weiteren sank das Risiko für Alterserkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, kardiovaskuläre (das Herz-Kreislauf-System betreffende) Erkrankungen und Tumorerkrankungen um 40 bis 50 % [2, 17].

Der Organismus wird durch regelmäßige Fastentage entlastet und scheint widerstandsfähiger zu werden.

Grundprinzipien

Das Intervallfasten basiert auf einer zeitlich begrenzten Nahrungsaufnahme mit regelmäßig wiederkehrenden Phasen der Nahrungskarenz. Im Vordergrund steht nicht die Auswahl bestimmter Lebensmittel, sondern die Struktur von Ess- und Fastenzeiten. Während der Fastenphase wird auf feste Nahrung verzichtet oder die Energiezufuhr deutlich reduziert; erlaubt sind in der Regel kalorienfreie Getränke.

Je nach Variante erfolgt die Nahrungsaufnahme täglich innerhalb eines festgelegten Essfensters (z. B. 16:8 oder 18:6) oder in einem Rhythmus mit einzelnen Fastentagen. Entscheidend ist eine langfristig praktikable Umsetzung ohne kompensatorisch übermäßige Kalorienzufuhr in den Essphasen. Eine ausgewogene Ernährung und – bei bestehenden Erkrankungen – eine individuelle Anpassung und Kontrolle gelten als grundlegende Voraussetzungen.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die positiven Wirkungen des intermittierenden Fastens werden auf die Reduktion der Energiezufuhr zurückgeführt und sind folglich mit denen einer Kalorienrestriktion vergleichbar (siehe Thema "Kalorienrestriktion"), bei der es nachweislich zu physiologischen und metabolischen Veränderungen kommt [17].

Durch eine Kalorienbeschränkung werden Nüchternglucose (Nüchternblutzucker) und Blutdruck gesenkt sowie DNA-Schäden vermindert. Ebenso kommt es zu einer Senkung des Insulin- und Cholesterinspiegels sowie zu einer Verminderung des Tumor-Nekrose-Faktors-Alpha (TNF-α).

Eine Ursache für die geringere Ansammlung von Oxidationsprodukten ist vor allem die geringere Radikalbildungsrate, die durch einen geringeren Stoffwechsel und einen niedrigeren Sauerstoffverbrauch bedingt ist.

Als ein wesentlicher molekularer Wirkparameter beim intermittierenden Fasten werden die Ketonkörper angesehen, die beim Abbau der Fettreserven entstehen [25]. Sie dienen nicht nur als alternativer Energieträger für Gehirn und Muskulatur, sondern wirken darüber hinaus als Signalmoleküle, die entzündungshemmende, stoffwechselregulierende und zellschützende Prozesse modulieren.

Weiterhin lässt sich z. B. durch eine 12- bis 14-stündige Nahrungskarenz eine verstärkte Apoptose (programmierter Zelltod) von prämalignen Präkursorzellen (bösartige Vorläuferzellen) sowie eine gesteigerte Autophagie erreichen. Die Autophagie dient der zellulären Qualitätskontrolle („Recyclingprogramm“). So werden z. B. fehlgefaltete Proteine oder geschädigte Zellorganellen, die die Funktionalität einer Zelle beeinträchtigen könnten, eliminiert und selbstverdaut (Autophagie = „Selbstessen“). Dieser Prozess findet in den Zellen statt. Ein Mangel an Energie oder Nährstoffen (Aminosäuren) führt zu einer Stimulierung bzw. Steigerung der Autophagie. Eine neue Studie fand heraus, dass auch ein Kohlenhydratmangel die Autophagie verstärkt. Eine fehlregulierte oder verminderte Autophagie liegt bei vielen altersbedingten Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Tumorerkrankungen oder neurodegenerativen Erkrankungen vor [23].

Die Kalorienrestriktion geht zudem mit einer Verringerung der Mitosegeschwindigkeit und mit einer verstärkten Reparatur der DNA einher und unterstützt dadurch die Erhaltung der genetischen Stabilität der Zellen.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas
  • Personen mit metabolischem Syndrom
  • Erwachsene mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselgesunde Erwachsene mit präventiver Zielsetzung

Eingeschränkte Eignung

  • Menschen mit Typ-2-Diabetes unter medikamentöser Therapie (insbesondere Insulin oder Sulfonylharnstoffe)
  • Personen mit chronischen Erkrankungen, die eine regelmäßige Nahrungsaufnahme oder Medikation erfordern
  • Menschen mit sehr hoher körperlicher oder kognitiver Belastung

Ausschlusskriterien

  • Personengruppen, bei denen Intervallfasten nicht empfohlen wird, sind im Kapitel „Kontraindikationen (Gegenanzeigen)“ ausführlich dargestellt.

Es existieren verschiedene Varianten des Intervallfastens (intermittierendes Fasten). Grundsätzlich wird zwischen Modellen mit ein oder zwei Fastentagen pro Woche und solchen mit täglich definierten Fasten- und Essensphasen unterschieden.

Bei den täglichen Fastenmodellen (time-restricted eating) sollte die Phase der Nahrungskarenz idealerweise mindestens 16 Stunden betragen, da ab diesem Zeitraum relevante metabolische Effekte auftreten.

Eine intensivere Form stellt das sogenannte Alternate-Day-Fasting dar, bei dem sich jeweils 24 Stunden Fasten und 24 Stunden normale Nahrungsaufnahme abwechseln.

Im Rahmen täglicher Fastenperioden sind unter anderem folgende Rhythmen etabliert:

  • 16:8-Rhythmus – 16 Stunden Fasten, gefolgt von 8 Stunden Nahrungsaufnahme
  • 18:6-Rhythmus – 18 Stunden Fasten, gefolgt von 6 Stunden Nahrungsaufnahme
  • 20:4-Rhythmus – 20 Stunden Fasten, gefolgt von 4 Stunden Nahrungsaufnahme
  • Alternate-Day-Fasting (ca. 36:12) – Fasten an jedem zweiten Tag

Während der Fastenperiode wird auf feste Nahrung verzichtet. Die Flüssigkeitszufuhr erfolgt in Form von Mineral- oder Leitungswasser und ungesüßtem Tee oder Kaffee.

In der Phase der Nahrungsaufnahme kann die Nahrungszufuhr eingeschränkt oder nach Belieben erfolgen. Die Ernährung sollte vollwertig und abwechslungsreich gestaltet werden und die Mahlzeiten sollten nicht hyperkalorisch (vermehrte Kalorienaufnahme, die über den Bedarf hinausgeht) ausfallen. Wird die Energiezufuhr reduziert, z. B. weil die Person Gewicht reduzieren möchte, sollte besonders auf eine ausreichende und qualitativ hochwertige Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen geachtet werden.

Beispiel für den Ablauf eines 18:6-Rhythmus:

  • Gegen 11.00 Uhr: erste Mahlzeit des Tages
  • Gegen 16.00 Uhr: letzte Mahlzeit des Tages
  • Die Fastenzeit dauert somit von circa 17.00 Uhr bis zum nächsten Tag um 11.00 Uhr an.

Ein Forscherteam hat beobachtet, dass abendliches Fasten den postprandialen Blutglucosespiegel (Blutzuckerspiegel nach dem Essen) senkt und der morgendliche Verzicht erhöhend wirkt. Die Teilnehmer, die von 8.00-16.00 Uhr aßen, hatten um 18 % verminderte Blutglucosespiegel nach den Mahlzeiten, während die Teilnehmer, die von 13.00-21.00 Uhr Nahrung aufnahmen, um 33 % erhöhte Glucosespiegel hatten [30]. In beiden Gruppen konnte eine Gewichtsreduktion verzeichnet werden. Für den Erfolg ist es letztlich wichtig, dass das Intervallfasten in den Alltag der Person passt.

Eine aktuelle randomisierte Crossover-Studie (ChronoFast) legt nahe, dass bei Time-Restricted Eating nicht nur die Länge, sondern auch der Zeitpunkt des Essfensters relevant ist: Bei gleicher Energie- und Nährstoffzufuhr war ein frühes Essfenster (8.00-16.00 Uhr) im Vergleich zu einem späten Essfenster (13.00-21.00 Uhr) mit messbaren, potentiell günstigeren Veränderungen des Fettstoffwechsels assoziiert. Klinisch bedeutet das: Für metabolische Zielsetzungen könnte es vorteilhaft sein, die Hauptkalorienaufnahme eher in die erste Tageshälfte zu legen und abends früher zu beenden.

Merke:

  • Je intensiver gefastet wird, desto schneller werden die gewünschten Ziele, wie eine Gewichtsabnahme, erreicht.
  • Nach Erreichen des Ziels können die Fastentage wieder in größeren zeitlichen Abständen eingeschoben werden.
  • Der intensivste Rhythmus ist der 24-Stunden-Rhythmus.
  • Forscher empfehlen zur allgemeinen Verbesserung der Gesundheit, alle drei bis sechs Monate ein Intervallfasten durchzuführen.
  • Der Zeitpunkt des Essfensters beeinflusst metabolische Effekte: Bei gleicher Kalorienzufuhr scheint ein frühes Essfenster (z. B. Vormittag/früher Nachmittag) günstigere Effekte auf den Fettstoffwechsel zu haben als ein spätes Essfenster.

Empfohlene Lebensmittel

Ziel ist eine hohe Nährstoffdichte bei moderater Energiezufuhr.

  • Gemüse (insbesondere ballaststoffreiches Gemüse wie Blattgemüse, Kohlarten, Hülsenfrüchte)
  • Obst in moderaten Mengen
  • Vollkornprodukte und andere komplexe Kohlenhydrate
  • Hochwertige Proteinquellen (z. B. Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch)
  • Ungesättigte Fettsäuren (z. B. Nüsse, Samen, pflanzliche Öle)
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser, ungesüßtem Tee oder Kaffee

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Bestimmte Lebensmittel können die gewünschten metabolischen Effekte des Intervallfastens abschwächen oder eine übermäßige Kalorienzufuhr innerhalb kurzer Essfenster begünstigen. Eine Einschränkung der nachfolgenden Lebensmittel erleichtert die Einhaltung des Essfensters und unterstützt günstige Stoffwechselanpassungen:

  • Stark verarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte
  • Zuckerreiche Speisen und Getränke
  • Weißmehlprodukte und stark raffinierte Kohlenhydrate
  • Alkohol, insbesondere in den Abendstunden
  • Große, sehr fettreiche Mahlzeiten kurz vor Beginn der Fastenphase

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die Alltagstauglichkeit des Intervallfastens hängt wesentlich von einer guten Planung und einer realistischen Anpassung an individuelle Lebensumstände ab. Eine flexible Umsetzung erhöht die langfristige Umsetzbarkeit und reduziert Abbruchraten.

  • Festlegung eines festen Essfensters, das mit Berufs- und Familienalltag vereinbar ist
  • Strukturierte Mahlzeitenplanung zur Vermeidung impulsiver Nahrungsaufnahme
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Fastenphase
  • Schrittweiser Einstieg, insbesondere bei längeren Fastenintervallen
  • Beobachtung individueller Reaktionen und Anpassung des Fastenrhythmus

Ernährungsphysiologische Bewertung

Im Gegensatz zum totalen Fasten, wie dem Heilfasten, bekommt der Körper recht regelmäßig Nahrung und muss zur Energiegewinnung nicht auch auf seine körpereigenen Proteine zurückgreifen, wodurch es zu einem Verlust an Muskelmasse käme. Mit Nebenwirkungen, z. B. Hypotonie (niedriger Blutdruck), Müdigkeit, verminderter Konzentrationsfähigkeit, erhöhtem Kälteempfinden, wie sie beim totalen Fasten auftreten, ist beim intermittierenden Fasten nicht zu rechnen.

Intervallfasten wird mit einer Risikoreduktion für folgende Erkrankungen in Verbindung gebracht:

  • Apoplex (Schlaganfall) [9]
  • Degenerative Erkrankungen des Nervensystems [21]
  • Diabetes mellitus [11, 17] – Tiere, die nach der Methode des intermittierenden Fastens ernährt wurden, wiesen signifikant niedrigere Spiegel an Glucose und Insulin auf [3, 20]
  • Erektile Dysfunktion (ED; Erektionsstörungen) [27]
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen [8, 17]
  • Nierenerkrankungen – Aufrechterhaltung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) sowie des renalen Plasmaflusses (RPF) im Alter [10]
  • Tumorerkrankungen (Krebserkrankungen) – durch Reduzierung metabolischer und hormoneller Risikofaktoren [16, 17]

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Adipositas (Übergewicht)
    • Übergewicht [3] – Intermittierendes Fasten ist optimal für eine nachhaltige Gewichtsreduktion geeignet. Den Menschen fällt es leichter, wenige Tage auf Essen zu verzichten und dann wieder "normal" zu essen, als permanent Kalorien zu zählen.
    • Ein 4:3 intermittierendes Fasten kann bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas das Gewicht etwas effektiver reduzieren als eine tägliche Kalorienrestriktion [32].
    • Beachte: Intervallfasten allein garantiert keine Gewichtsreduktion. Entscheidend für den Verlust von Körpergewicht bleibt auch bei zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme eine negative Energiebilanz, das heißt eine insgesamt reduzierte Kalorienzufuhr.
  • Diabetes mellitus
    • Selbst bei bereits langjährigem Diabetes mellitus Typ 2 kann Intervallfasten zu einem Rückgang der Erkrankung führen [31]. So zeigte eine Studie, dass Intervallfastende ihren HbA1c-Wert (Langzeitblutzuckerwert) innerhalb eines Jahres auf unter 6,5 senken konnten und das ohne die Einnahme von Antidiabetika [31]. Während dieser Zeit hielten sie aber nicht nur Phasen der Nahrungskarenz ein, sondern ernährten sich zudem mit der sogenannten "Chinese medical nutrition therapie". Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verzehr von Vollkornprodukten und Pflanzen, die nicht nur der Ernährung dienen, sondern auch als Medizin verwendet werden. Dazu zählen etwa Tee, Gemüse, Gewürze und Früchte.
    • Verlangsamung der Progression (Fortschreiten) einer diabetischen Nephropathie (Typ-1-Diabetes bei Ratten) (Folgeerkrankung des Diabetes mellitus, bei der die Nieren durch Mikroangiopathie (Gefäßveränderungen, die kleinen Gefäße betreffen) geschädigt werden) [12]
    • Verbesserung der Nierenfunktion bei diabetischer Nephropathie bei Typ-2-Diabetes (reduzierte Kalorienzu­fuhr von etwa 3.000 kJ pro Tag für knapp 1 Woche) [29]
    • Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage bei Typ-2-Diabetes [14]
  • Hypertonie (Bluthochdruck) [4]
  • Metabolisches Syndrom
    • Nahrungszufuhr auf zehn Stunden täglich reduziert: Systolischer und diastolischer Blutdruck, Gesamt- und LDL-Cholesterin, HbA1c-Werte und die Werte der kontinuierlichen Glucosemessung verbesserten sich, obwohl die Patienten bereits mit Statinen (Lipidsenker) oder Antihypertensiva (Blutdruckmittel) behandelt worden waren [26].
  • Morbus Alzheimer – Erhalt bzw. Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten [13]
  • Multiple Sklerose – neuroprotektive Effekte [15]
  • Tertiärprävention von Tumorerkrankungen
    • Leberzellkarzinom (Leberkrebs) [6]
    • Mammakarzinom (Brustkrebs)
      • Mammakarzinom [7]) – Verlängerung der Überlebenszeit; reduziertes Tumorwachstum [3, 5, 6, 7]
      • Durch verlängerte Nahrungskarenz: In einer Studie war die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv bei einer kürzeren Nahrungskarenzdauer (von unter 13 Stunden während des Schlafes) im Vergleich zu einer längeren Dauer des Fastens (24 Stunden von der ersten bis zur letzten Mahlzeit) um 36 % erhöht [22]. In der Studie befanden sich 80 % der durchschnittlich 52 Jahre alten Frauen im Frühstadium (I und II) der Brustkrebserkrankung.

Erste Humanstudien konnten bei Tumorpatienten die bereits in Tierversuchen festgestellten positiven Einflüsse des Fastens auf die Auswirkungen einer Chemotherapie bestätigen. Die Nebenwirkungen der Zytostatika-Therapie konnten durch ein drei- bis 5-tägiges Fasten mit 400 bis 500 Kalorien pro Tag vor Beginn der Chemotherapie erheblich gesenkt werden [19]. Durch die Nahrungsrestriktion regeln gesunde Zellen proliferative Signalwege herunter, sodass die eingesparte Energie für Zellerhaltungs- und Zellreparaturvorgänge genutzt werden kann.

Intervallfasten mit einer 5:2-Diät, d. h., die Kalorienzufuhr wird nur an 2 Tagen pro Woche auf 25 % des Bedarfs eingeschränkt. An die Interventionsphase schließt sich eine zwölfwöchige Erhaltungsphase an, in der die Teilnehmer ihr Gewicht halten sollen. Dieses Kollektiv wurde mit einem Kollektiv von Patienten verglichen, die eine konventionelle Reduktionsdiät durchführten: Die Gruppe mit konventioneller Reduktionsdiät zeigte eine günstigere Situation des Glucosestoffwechsels (Nüchternglucose ↓; Insulin­empfindlichkeit im HOMA-IR-Index ↑). Keine signifikanten Unterschiede gab es für die Laborparameter zum Lipidmetabolismus, zur Leberfunktion, zu Entzündungsparametern und zu den Adipokinen (u. a. Leptin, Adiponectin, Apelin, Chemerin, Interleukin-6 (IL-6)). Ebenfalls waren keine signifikanten Unterschiede für die Expression von Genen erkennbar, die die Adipositas mit chronischen Erkrankungen verknüpfen. Die Gewichtsreduktion war nach einem Jahr praktisch gleich (5,2 % versus 4,9 % nach der konventionellen Reduktionsdiät) [24].

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

  • Unterernährung und Mangelernährung: Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme können zu einem Mangel an essentiellen Nährstoffen führen, insbesondere wenn die Nahrungsauswahl während der Essensfenster nicht ausgewogen ist.
  • Verstärkung von Essstörungen: Für Menschen mit einer Vorgeschichte oder Anfälligkeit für Essstörungen kann Intervallfasten problematische Essgewohnheiten verstärken.
  • Blutzuckerschwankungen: Obwohl Intervallfasten oft zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität führt, können bei einigen Menschen, insbesondere Diabetikern (besonders Typ-I-Diabetiker), gefährliche Blutzuckerschwankungen (Hypo- und Hyperglykämien/Unter- und Überzuckerung)) auftreten.
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme: Insbesondere in der Anfangsphase kann es zur Müdigkeit, zu einem Schwächegefühl und zu Schwierigkeiten bei der Konzentration kommen.
  • Dehydratation: Manche Menschen trinken weniger Wasser während der Fastenperioden, was zu Dehydratation führen kann.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen 

  • Schwangere und Stillende: Diese Gruppe hat einen erhöhten Nährstoffbedarf, der durch Intervallfasten möglicherweise nicht gedeckt wird. Eine unzureichende Nährstoffzufuhr kann sowohl für die Mutter als auch für das Kind ernsthafte Konsequenzen haben, einschließlich, aber nicht beschränkt auf, Wachstumsverzögerungen, Entwicklungsstörungen und Beeinträchtigungen des Stillens.
  • Kinder und Jugendliche: Während der Wachstumsphasen ist eine kontinuierliche und ausgewogene Nährstoffzufuhr entscheidend. Das Intervallfasten kann die Zufuhr essentieller Nährstoffe einschränken, was zu negativen Auswirkungen auf Wachstum und Entwicklung führen kann.
  • Menschen mit Typ-1-Diabetes: Aufgrund der essentiellen Abhängigkeit von exogenem Insulin besteht bei Typ-1-Diabetikern ein erhöhtes Risiko für sowohl Hypo- als auch Hyperglykämien (Unter- und Überzuckerung). Intervallfasten kann die Blutzuckerkontrolle erschweren und erfordert eine intensivierte Überwachung und möglicherweise eine signifikante Anpassung der Insulintherapie, was ohne medizinische Überwachung zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.

Relative Kontraindikationen

  • Menschen mit einer Vorgeschichte von Essstörungen: Bei dieser Gruppe kann Intervallfasten latente oder aktive Essstörungen triggern oder verschlimmern. Eine gründliche psychologische Evaluation und gegebenenfalls eine engmaschige Begleitung sind notwendig.
  • Typ-2-Diabetiker: Obwohl Intervallfasten potentiell positive Auswirkungen auf die Glucosekontrolle haben kann, besteht bei der Anwendung von Medikamenten, die das Hypoglykämierisiko/Unterzuckerungsrisiko erhöhen (wie Insulin oder Sulfonylharnstoffe), ein besonderes Risiko. Eine sorgfältige Überwachung und Anpassung der Medikation unter ärztlicher Aufsicht ist essentiell.
  • Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen: Patienten mit Erkrankungen, die eine regelmäßige Medikation erfordern, oder die durch Elektrolytverschiebungen oder Flüssigkeitsbilanzstörungen negativ beeinflusst werden können, sollten das Intervallfasten nur nach sorgfältiger Abwägung und unter ärztlicher Überwachung praktizieren.

Die individuelle Bewertung durch Fachärzte ist entscheidend, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren und sicherzustellen, dass das Intervallfasten einen potentiellen Nutzen für den Patienten darstellt, ohne seine Gesundheit zu gefährden. Eine solche Bewertung sollte eine umfassende Anamnese, eine Bewertung des aktuellen Gesundheitszustands, eine Überprüfung der Medikation und eine Abschätzung des Risikos für die Entwicklung oder Exazerbation von Erkrankungen umfassen.

Vorteile

  • Zeitlich flexible Ernährungsform mit guter Alltagstauglichkeit
  • Keine festen Vorgaben zur Lebensmittelauswahl
  • Potentiell gute Adhärenz im Vergleich zu kontinuierlicher Kalorienrestriktion
  • Möglichkeit einer spontanen Reduktion der Energiezufuhr ohne permanentes Kalorienzählen
  • Einfache Anpassung an individuelle Zielsetzungen (Gewichtsreduktion, Prävention)
  • Kombinierbar mit unterschiedlichen Ernährungsstilen

Nachteile

  • Nicht für alle Personengruppen geeignet
  • Risiko einer unzureichenden Nährstoffzufuhr bei ungünstiger Lebensmittelauswahl
  • Erfordert Selbstdisziplin und strukturierte Tagesplanung
  • Soziale Einschränkungen durch feste Essfenster möglich
  • Begrenzte Evidenz für langfristige klinische Endpunkte

Wissenschaftliche Einordnung

Intervallfasten ist Gegenstand umfangreicher präklinischer und klinischer Forschung. Tierexperimentelle Studien zeigen konsistent günstige Effekte auf Lebensspanne, Stoffwechselparameter und Stressresistenz, während Humanstudien vor allem kurzfristige Verbesserungen von Körpergewicht, Insulinsensitivität und kardiovaskulären Risikofaktoren belegen. Im direkten Vergleich zu kontinuierlicher Kalorienrestriktion ergeben sich häufig ähnliche Effekte, wobei die Überlegenheit einzelner Intervallfasten-Modelle nicht eindeutig nachgewiesen ist.

Fachgesellschaften bewerten Intervallfasten derzeit zurückhaltend. Es wird nicht als eigenständige, leitliniengestützte Therapie empfohlen, jedoch als mögliche Ernährungsstrategie für ausgewählte erwachsene Zielgruppen anerkannt, sofern eine ausgewogene Nährstoffzufuhr gewährleistet ist. Die biologische Plausibilität gilt als hoch, insbesondere aufgrund gut untersuchter metabolischer und zellulärer Anpassungsmechanismen. Limitiert ist die Evidenz vor allem durch heterogene Studiendesigns, kurze Beobachtungszeiträume und eine begrenzte Datenlage zu langfristigen klinischen Endpunkten.

Fazit

Intervallfasten ist gut im Alltag umsetzbar, da es variantenreich und somit individuell anpassbar ist.

Die positiven Effekte des Intervallfastens sind bislang größtenteils durch Tierstudien belegt. Inwieweit diese auf den Menschen übertragbar sind, ist Gegenstand aktueller Studien. Stichprobenartige Untersuchungen an fastenden Menschen deuten bereits darauf hin, dass sich auch beim Menschen die beschriebenen heilenden und präventiven Wirkungen des Fastens beobachten lassen. Als gesichert gilt, dass intermittierendes Fasten Fettmasse, Körpergewicht und kardiovaskuläre Risikofaktoren reduziert.

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