Veganer

Eine vegane Ernährung (rein pflanzliche Ernährung) schließt Lebensmittel und Zutaten tierischen Ursprungs aus. Dazu gehören Fleisch, Fisch und andere Meerestiere, Milch und Milchprodukte, Eier, tierische Fette sowie Honig. Die Bezeichnung „vegan“ beschreibt ausschließlich den Ausschluss tierischer Lebensmittel. Sie erlaubt keine unmittelbare Aussage über den Verarbeitungsgrad, die Nährstoffdichte (Nährstoffgehalt im Verhältnis zur Energiemenge) oder die gesundheitliche Qualität der tatsächlich verzehrten Kost [12, 13].

Eine vegane Ernährung kann überwiegend aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Kartoffeln, Nüssen und Ölsamen bestehen. Sie kann jedoch ebenso durch hochverarbeitete, energie-, fett-, zucker- oder salzreiche Produkte geprägt sein. Für die ernährungsmedizinische Bewertung sind deshalb die konkrete Lebensmittelauswahl, die Energie- und Proteinzufuhr, die Verwendung angereicherter Lebensmittel sowie die zuverlässige Supplementation (ergänzende Einnahme eines Nährstoffpräparats) potenziell kritischer Nährstoffe entscheidend [2, 3, 12, 13].

Ernährungsmedizinische Einordnung

Nach der 2024 aktualisierten Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kann eine ausgewogene und gut geplante vegane Ernährung für die gesunde erwachsene Allgemeinbevölkerung eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise darstellen. Voraussetzungen sind eine regelmäßige und zuverlässige Supplementation von Vitamin B12 (für Blutbildung und Nervensystem wichtiges Vitamin), eine ausgewogene Lebensmittelauswahl sowie die bedarfsdeckende Versorgung mit den potenziell kritischen Nährstoffen. Hierfür können angereicherte Lebensmittel oder weitere Supplemente erforderlich sein [12].

Vitamin B12 und Jod nehmen eine besondere Stellung ein. Weitere potenziell kritische Nährstoffe sind Protein bzw. unentbehrliche Aminosäuren (lebensnotwendige Eiweißbausteine), langkettige n-3-Fettsäuren (bestimmte Omega-3-Fettsäuren), Vitamin D, Riboflavin (Vitamin B2), Calcium, Eisen, Zink und Selen. Vitamin A wird aufgrund der ausschließlich über Provitamin-A-Carotinoide (pflanzliche Vorstufen von Vitamin A) erfolgenden Zufuhr als möglicherweise potenziell kritischer Nährstoff eingeordnet [12, 13].

Für Säuglinge, Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und ältere Menschen spricht die DGE aufgrund der begrenzten Evidenz (wissenschaftlichen Beweislage) weder eine allgemeine Empfehlung für noch gegen eine vegane Ernährung aus. Da eine nicht sachgerecht geplante und supplementierte vegane Ernährung in diesen Gruppen schwerwiegende und teilweise irreversible Folgen einer Nährstoffunterversorgung (unzureichenden Versorgung mit Nährstoffen) verursachen kann, sind eine qualifizierte Ernährungsberatung, eine zuverlässige Supplementation und eine risikoadaptierte ärztliche Überwachung erforderlich [12-14].

Gesundheitliche Endpunkte und Evidenzsicherheit

In der veganspezifischen Evidenzauswertung der DGE führten vegane Ernährungsinterventionen in randomisierten kontrollierten Studien (Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung und Vergleichsgruppe) gegenüber nicht veganen Vergleichsinterventionen zu einer durchschnittlich um 2,52 kg stärkeren Gewichtsreduktion. Das 95-%-Konfidenzintervall (Vertrauensbereich der statistischen Schätzung) betrug -3,06 bis -1,98 kg. Die Evidenzsicherheit (Sicherheit der wissenschaftlichen Beweislage) wurde für diesen Endpunkt als moderat bewertet [12].

Für die Krebsinzidenz (Häufigkeit neu auftretender Krebserkrankungen) ergab sich in prospektiven Beobachtungsstudien bei veganer Ernährung ein standardisiertes relatives Risiko (standardisierter Risikovergleich zwischen Gruppen) von 0,84 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,75-0,95. Für die Frakturinzidenz (Häufigkeit neu auftretender Knochenbrüche) betrug das standardisierte relative Risiko 1,46 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,03-2,07. Die Evidenzsicherheit wurde für beide Endpunkte als niedrig eingestuft [12].

Für die Gesamtmortalität (Sterblichkeit insgesamt), die Gesamtinzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), die Inzidenz von Schlaganfällen und die Prävalenz des Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ließen sich in der DGE-Auswertung keine statistisch signifikanten Unterschiede nachweisen. Für die Gesamtmortalität betrug das standardisierte relative Risiko 0,87 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,75-1,01. Die Evidenzsicherheit war niedrig bzw. sehr niedrig [12].

Eine aktuelle Umbrella-Review zu vegetarischen Ernährungsmustern einschließlich veganer Ernährungsformen fand gegenüber nicht vegetarischen Ernährungsformen im Mittel einen um 2,56 mmHg niedrigeren systolischen Blutdruck (oberen Blutdruckwert), ein um 0,49 mmol/l niedrigeres Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin (LDL-Cholesterin, ungünstiges Blutfett) und einen um 1,72 kg/m2 niedrigeren Body-Mass-Index (Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße). Da die eingeschlossenen systematischen Reviews unterschiedliche vegetarische und vegane Ernährungsmuster zusammenfassten, können diese Effektschätzer nicht ausschließlich einer veganen Ernährung zugeschrieben werden [1].

Metaanalysen (statistische Zusammenfassungen mehrerer Studien) prospektiver Kohortenstudien (Beobachtungsstudien an Personengruppen) weisen auf mögliche kardiovaskuläre Vorteile vegetarischer Ernährungsmuster hin. Die veganspezifische Datenbasis ist jedoch wesentlich kleiner und überwiegend beobachtend. Residuale Störgrößen (verbleibende Einflussfaktoren) durch Körpergewicht, körperliche Aktivität, Rauchverhalten, sozioökonomische Faktoren und die allgemeine Ernährungsqualität können nicht ausgeschlossen werden [8, 12].

Die verfügbare Evidenz rechtfertigt somit weder eine pauschale Zuschreibung präventiver Wirkungen noch eine generelle gesundheitliche Abwertung veganer Ernährung. Entscheidend sind die Qualität der Lebensmittelauswahl, die ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr sowie die konsequente Supplementation von Vitamin B12 [1-3, 12, 13].

Typisches Nährstoffprofil

Systematische Reviews zeigen bei vegan lebenden Erwachsenen im Mittel eine höhere Zufuhr von Ballaststoffen, Folat (Vitamin B9), Vitamin C, Vitamin E, Magnesium, Alpha-Linolensäure (pflanzliche Omega-3-Fettsäure) und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die Zufuhr gesättigter Fettsäuren ist im Durchschnitt niedriger als bei Mischkost [2, 3, 12].

Die durchschnittliche Proteinzufuhr liegt in den meisten untersuchten veganen Populationen innerhalb der jeweiligen Referenzbereiche, fällt jedoch im Mittel niedriger aus als bei Mischkost. Einzelpersonen mit geringer Energiezufuhr, stark eingeschränkter Lebensmittelauswahl oder erhöhtem Proteinbedarf können eine unzureichende Versorgung aufweisen [2, 3, 5].

Niedrigere Zufuhrmengen oder ungünstigere Statusmarker wurden insbesondere für Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Calcium, Eicosapentaensäure (EPA, langkettige Omega-3-Fettsäure), Docosahexaensäure (DHA, langkettige Omega-3-Fettsäure) sowie teilweise für Zink und Selen beobachtet. Die Eisenzufuhr ist bei veganer Ernährung häufig vergleichbar oder höher als bei Mischkost, während die Ferritinkonzentrationen (Werte des Eisenspeicherproteins) insbesondere bei prämenopausalen Frauen im Mittel niedriger ausfallen können [2, 3, 9, 12].

Potenziell kritische Nährstoffe

Vitamin B12

Nicht angereicherte pflanzliche Lebensmittel enthalten keine für eine zuverlässige Bedarfsdeckung geeigneten Mengen an biologisch verfügbarem Vitamin B12. Fermentierte Lebensmittel, Algen und Algenpräparate sind keine verlässlichen Vitamin-B12-Quellen. Vegan lebende Personen müssen deshalb dauerhaft, regelmäßig und zuverlässig ein geeignetes Vitamin-B12-Präparat einnehmen [4, 12, 13].

Eine Metaanalyse zeigte bei vegan lebenden Erwachsenen ohne zuverlässige Supplementation niedrigere Konzentrationen von Vitamin B12 und Holotranscobalamin (stoffwechselverfügbarem Vitamin B12) sowie ungünstigere funktionelle Marker als bei Personen mit Mischkost. Bei supplementierten Veganern waren die untersuchten Vitamin-B12-Statusmarker günstiger als bei nicht supplementierten Veganern [4].

Allgemeingültige Empfehlungen zur Höhe der präventiven Vitamin-B12-Supplementation liegen derzeit nicht vor. Vegan lebende Personen sollen ihren Vitamin-B12-Status (Versorgungslage mit Vitamin B12) regelmäßig überprüfen lassen und die Dosis erforderlichenfalls in ärztlicher Rücksprache anpassen [12, 13].

Jod

Jod ist bereits in der deutschen Allgemeinbevölkerung ein potenziell kritischer Nährstoff. Bei veganer Ernährung entfallen mit Seefisch sowie Milch und Milchprodukten wesentliche Jodquellen. Zur Versorgung tragen jodiertes Speisesalz, mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel und gezielt mit Jod angereicherte Pflanzendrinks bei [12, 13].

Wenn nicht ausreichend jodhaltige Lebensmittel verzehrt werden, empfiehlt die DGE gesunden vegan lebenden Erwachsenen nach ärztlicher Abstimmung eine Supplementation von 100 µg Jod täglich. Bei Schilddrüsenerkrankungen (Erkrankungen der Schilddrüse) muss die Jodzufuhr individuell ärztlich festgelegt werden. Bei Kindern und Jugendlichen soll eine Supplementation individuell mit dem Pädiater (Kinderarzt) abgestimmt werden [12, 13].

Algenprodukte sind wegen stark schwankender und teilweise sehr hoher Jodgehalte keine unkontrolliert einsetzbare Jodquelle. Verwendet werden sollen ausschließlich Produkte mit deklariertem Jodgehalt und festgelegter maximaler Verzehrmenge. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft getrocknete Algenprodukte mit einem Jodgehalt von mehr als 20 mg/kg als gesundheitsschädlich ein und rät vom Verzehr ab [13, 15].

Protein und unentbehrliche Aminosäuren

Eine bedarfsdeckende Proteinzufuhr ist bei veganer Ernährung grundsätzlich erreichbar. Geeignete Proteinquellen sind Hülsenfrüchte, Sojabohnen und Sojaprodukte, Vollkorngetreide, Kartoffeln, Nüsse und Ölsamen [5, 12, 13].

Da pflanzliche Proteinquellen unterschiedliche Aminosäurenprofile aufweisen, ist eine vielfältige Auswahl wesentlich. Die gezielte Kombination verschiedener Proteinquellen, beispielsweise von Getreide mit Hülsenfrüchten, Sojaprodukten oder Ölsamen, verbessert die komplementäre Zufuhr unentbehrlicher Aminosäuren. Voraussetzung bleibt eine ausreichende Energiezufuhr [5, 13].

Besondere Aufmerksamkeit erfordern Personen mit geringer Energiezufuhr, erhöhtem Proteinbedarf, Gebrechlichkeit, Sarkopenierisiko (Risiko eines krankhaften Muskelabbaus), Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme im Darm) oder chronischen Erkrankungen. Die systematische Evidenz belegt eine im Mittel ausreichende Proteinzufuhr veganer Erwachsener, schließt eine individuelle Unterversorgung jedoch nicht aus [5].

Langkettige n-3-Fettsäuren

Vegane Ernährung liefert Alpha-Linolensäure, jedoch kaum vorgebildete Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure. Die endogene Umwandlung von Alpha-Linolensäure in Eicosapentaensäure und insbesondere in Docosahexaensäure ist begrenzt [6, 12, 13].

Geeignete Quellen für Alpha-Linolensäure sind Leinöl, Rapsöl, Walnussöl, Walnüsse und Leinsamen. Mikroalgenöle und damit angereicherte Lebensmittel stellen direkte vegane Quellen für Docosahexaensäure und je nach Präparat auch für Eicosapentaensäure dar. Eine allgemeingültige Supplementationsdosis für alle gesunden vegan lebenden Erwachsenen ist nicht festgelegt [6, 12, 13].

Vitamin D

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein, da die Versorgung überwiegend durch die kutane Synthese (Bildung in der Haut) unter Einwirkung ultravioletter B-Strahlung (UV-B-Strahlung des Sonnenlichts) bestimmt wird. Die alimentäre Zufuhr ist unabhängig von der Ernährungsform häufig gering. Bei veganer Ernährung entfallen Fettfische als wesentliche Nahrungsquelle [2, 3, 12, 13].

Einige Speisepilze und mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel können zur Zufuhr beitragen. Bei unzureichender endogener Synthese ist eine Supplementation erforderlich. Diagnostik und Dosierung richten sich nach den allgemeinen medizinischen Indikationen und nicht allein nach der veganen Ernährungsform. Als vegane Präparate stehen Vitamin D2 und entsprechend erzeugtes Vitamin D3 zur Verfügung [12, 13].

Calcium und Knochengesundheit

Geeignete vegane Calciumquellen sind Gemüse wie Brokkoli, Grünkohl und Rucola, Hülsenfrüchte, Nüsse, calciumangereicherte Pflanzendrinks und pflanzliche Joghurtalternativen, mit Calciumsulfat oder Calciumchlorid hergestellter Tofu sowie Mineralwasser mit mehr als 150 mg Calcium/l [13].

Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen bei vegan lebenden Personen im Mittel eine geringere Knochenmineraldichte (Mineralgehalt der Knochen) und ein erhöhtes Frakturrisiko (Risiko für Knochenbrüche) gegenüber Personen mit Mischkost. Die DGE-Auswertung ergab für die Frakturinzidenz ein standardisiertes relatives Risiko von 1,46. Wegen der überwiegend beobachtenden Studien und möglicher Unterschiede hinsichtlich Calciumzufuhr, Vitamin-D-Status, Körpergewicht und körperlicher Aktivität ist die Evidenzsicherheit niedrig [7, 12].

Für die Knochengesundheit sind eine bedarfsdeckende Calciumzufuhr, ein ausreichender Vitamin-D-Status, die Vermeidung eines ausgeprägten Untergewichts und regelmäßige muskel- und knochenwirksame körperliche Aktivität relevant. Eine vegane Ernährung allein begründet keine von den allgemeinen Osteoporoseempfehlungen (Empfehlungen zu Knochenschwund) abweichende apparative Diagnostik [7, 12, 13].

Eisen

Die Eisenzufuhr ist bei veganer Ernährung häufig vergleichbar oder höher als bei Mischkost. Pflanzliche Lebensmittel enthalten jedoch ausschließlich Nicht-Hämeisen (pflanzliche Eisenform), dessen Absorption stärker von der Zusammensetzung der Mahlzeit beeinflusst wird. Phytate (pflanzliche Stoffe, die Mineralstoffe binden) und Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) vermindern, Vitamin C und andere organische Säuren verbessern die intestinale Eisenabsorption (Eisenaufnahme im Darm) [2, 3, 9, 12, 13].

Geeignete Eisenquellen sind Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Nüsse, Ölsamen, Beerenobst und verschiedene Gemüsearten. Vitamin-C-reiche Lebensmittel sollen mit eisenreichen Mahlzeiten kombiniert werden. Schwarzer Tee und Kaffee sollen wegen ihres Polyphenolgehalts nicht direkt vor, während oder nach eisenreichen Mahlzeiten konsumiert werden [13].

Eine hohe rechnerische Eisenzufuhr schließt niedrige Eisenspeicher nicht aus. Die Metaanalyse zum Eisenstatus vegetarisch und vegan lebender Erwachsener zeigt insbesondere bei prämenopausalen Frauen niedrigere Ferritinkonzentrationen als bei Frauen mit Mischkost. Eine Eisensupplementation soll nicht allein aufgrund der Ernährungsform, sondern nach diagnostisch bestätigter Unterversorgung oder bei einer anderweitig begründeten medizinischen Indikation erfolgen [9, 13, LL2].

Zink

Geeignete vegane Zinkquellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Ölsamen. Phytat kann die intestinale Zinkabsorption vermindern. Die Versorgung hängt deshalb nicht nur von der absoluten Zufuhr, sondern auch von der Zusammensetzung und Verarbeitung der Lebensmittel ab [2, 3, 12, 13].

Systematische Reviews zeigen bei vegan lebenden Personen teilweise eine niedrigere Zinkzufuhr oder niedrigere Zinkkonzentrationen als bei Personen mit Mischkost. Die Aussagekraft einzelner Serum- oder Plasmakonzentrationen (Messwerte im flüssigen Blutanteil) für den individuellen Zinkstatus ist jedoch begrenzt. Eine Supplementation soll daher nicht allein aufgrund der veganen Ernährungsform erfolgen [2, 3, 12].

Selen

Selen wird als potenziell kritischer Nährstoff veganer Ernährung eingeordnet. Der Selengehalt pflanzlicher Lebensmittel hängt wesentlich vom Selengehalt der Anbauböden ab. Pflanzliche Quellen sind u. a. Kohl- und Zwiebelgemüse, Pilze, Spargel, Hülsenfrüchte und Paranüsse [2, 3, 12, 13].

Die Studienlage zum Selenstatus vegan lebender Personen ist heterogen. Die Notwendigkeit einer Supplementation ist anhand der Lebensmittelauswahl, des individuellen Risikos und gegebenenfalls geeigneter Statusparameter zu beurteilen. Eine routinemäßige Supplementation allein aufgrund der Ernährungsform ist nicht ableitbar [2, 3, 12].

Riboflavin

Geeignete Riboflavinquellen sind Ölsamen, Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide sowie Gemüsearten wie Brokkoli und Grünkohl. Auch entsprechend angereicherte Pflanzendrinks können zur Versorgung beitragen. Eine unzureichende Zufuhr kann vor allem bei geringer Energieaufnahme oder stark eingeschränkter Lebensmittelauswahl auftreten [2, 3, 12, 13].

Vitamin A

Retinol kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Die Vitamin-A-Versorgung erfolgt bei veganer Ernährung über Provitamin-A-Carotinoide, insbesondere Beta-Carotin (pflanzliche Vorstufe von Vitamin A). Geeignete Quellen sind Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, rote Paprika, Grünkohl, Spinat, Feldsalat, Honigmelone, Aprikosen und Mango [12, 13].

Eine ausreichende Versorgung ist grundsätzlich möglich, wenn keine Störungen der Fettverdauung oder der Umwandlung von Provitamin-A-Carotinoiden vorliegen. Die gleichzeitige Aufnahme einer kleinen Fettmenge verbessert die Bioverfügbarkeit (den für den Körper nutzbaren Anteil). Nach den DGE-Angaben reichen hierfür etwa 2,4-5 g Fett pro Mahlzeit aus. Individuelle Unterschiede im Provitamin-A-Stoffwechsel sind bislang nur unzureichend untersucht [13].

Lebensmittelbasierte Umsetzung

Eine bedarfsdeckende vegane Ernährung sollte regelmäßig folgende Lebensmittelgruppen berücksichtigen [5, 12, 13]:

  • Gemüse und Obst in vielfältiger Auswahl
  • Vollkorngetreide und Kartoffeln als Energie-, Protein- und Mineralstoffquellen
  • Hülsenfrüchte einschließlich Sojabohnen, Linsen, Erbsen, Bohnen und Lupinen sowie daraus hergestellte Produkte
  • Nüsse und Ölsamen in bedarfsgerechten Mengen
  • Rapsöl, Leinöl und Walnussöl als Quellen für Alpha-Linolensäure
  • Mit Calcium, Jod, Vitamin B12 und Riboflavin sowie gegebenenfalls mit Vitamin D angereicherte Pflanzendrinks oder pflanzliche Joghurtalternativen
  • Jodiertes Speisesalz und mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel
  • Eine dauerhafte und zuverlässige Vitamin-B12-Supplementation unabhängig von der sonstigen Lebensmittelauswahl

Pflanzliche Fleisch-, Wurst-, Käse- und Milchersatzprodukte unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Proteinmenge, Proteinqualität, Fettzusammensetzung, Salzgehalt und Mikronährstoffanreicherung. Die Kennzeichnung als vegan ist deshalb kein eigenständiges ernährungsphysiologisches Qualitätsmerkmal. Bei pflanzlichen Alternativen zu Milch und Milchprodukten ist insbesondere auf eine Anreicherung mit Calcium, Jod, Vitamin B12 und Riboflavin zu achten [12, 13].

Ärztliche und ernährungsmedizinische Verlaufskontrolle

Es existiert kein allgemeingültiges Laborpanel und kein für alle vegan lebenden Personen verbindliches Untersuchungsintervall. Die DGE empfiehlt regelmäßige Kontrollen des Vitamin-B12-Status, legt jedoch kein starres Zeitintervall fest. Umfang und Häufigkeit weiterer Untersuchungen richten sich nach Lebensphase, Supplementationsanamnese, Ernährungsqualität, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, klinischen Symptomen und vorausgegangenen Laborbefunden [12, 13].

Vitamin-B12-Diagnostik

Bei Personen ab 16 Jahren sollen nach der Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence bei Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel Gesamt-Vitamin-B12 oder Holotranscobalamin als initialer Test verwendet werden. Während der Schwangerschaft soll Holotranscobalamin bevorzugt werden. Bei klinischen Zeichen eines Vitamin-B12-Mangels und einem unklaren Ausgangsbefund soll Methylmalonsäure (Stoffwechselmarker für einen Vitamin-B12-Mangel) als funktioneller Marker ergänzend untersucht werden. Bei der Interpretation von Homocystein sind zusätzliche Einflussfaktoren wie ein Folatmangel (Mangel an Vitamin B9) zu berücksichtigen [4, LL1].

Bereits eingenommene Vitamin-B12-Präparate können Gesamt-Vitamin-B12 und Holotranscobalamin erhöhen, ohne einen funktionellen Mangel sicher auszuschließen. Bei Verdacht auf eine megaloblastäre Anämie (Blutarmut durch gestörte Reifung roter Blutkörperchen) mit neurologischen Symptomen (Beschwerden des Nervensystems) darf eine notwendige Behandlung nicht bis zum Vorliegen sämtlicher Befunde verzögert werden [LL1].

Bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren sind Diagnostik und Interpretation altersabhängig und nach pädiatrischen Empfehlungen vorzunehmen [14].

Eisenstatus

Bei klinischem Verdacht oder erhöhtem Risiko sind mindestens Blutbild und Ferritin (Eisenspeicherprotein) zu bestimmen. Ferritin ist der zentrale Marker der Eisenspeicher, kann jedoch bei Entzündung, Infektion oder anderen Akut-Phase-Reaktionen (Entzündungsreaktionen des Körpers) erhöht sein. Der Befund muss deshalb im klinischen Kontext und erforderlichenfalls gemeinsam mit Entzündungsparametern (Laborwerten für Entzündungen) und weiteren Eisenstoffwechselparametern interpretiert werden [LL2].

Eine besondere Indikation zur Überprüfung des Eisenstatus besteht u. a. bei Menstruierenden mit erhöhter Blutungsstärke, Schwangeren, Blutspendern, Kindern und Jugendlichen im Wachstum sowie bei Müdigkeit, Leistungsminderung oder auffälligem Blutbild. Die Ernährungsform allein erlaubt keine Diagnose eines Eisenmangels [9, LL2].

Weitere Untersuchungen

Die Bestimmung von 25-Hydroxyvitamin D (Speicherform von Vitamin D im Blut), Zink, Selen oder weiteren Parametern soll nicht schematisch allein aufgrund einer veganen Ernährung erfolgen. Sie richtet sich nach klinischen Risikofaktoren, Symptomen, Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme, dokumentierter Zufuhr und vorausgegangenen Befunden [12, 13].

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Evidenz zu veganer Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit ist begrenzt. Die DGE spricht deshalb weder eine allgemeine Empfehlung für noch gegen diese Ernährungsform aus. Erforderlich sind eine qualifizierte Ernährungsberatung, eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementation und die gezielte Sicherstellung der Versorgung mit Jod, Protein, Eisen, Calcium, Vitamin D, Zink und langkettigen n-3-Fettsäuren [12, 13].

Vegan lebende Schwangere und Stillende sollen täglich 200 mg Docosahexaensäure, in der Regel aus Mikroalgenöl, zuführen. Stillende sollen unabhängig von ihrer Ernährungsweise zusätzlich 100 µg Jod täglich supplementieren, sofern keine individuelle medizinische Kontraindikation besteht [12].

Eine Metaanalyse zu in den eingeschlossenen Studien als „strict vegetarian diet“ bezeichneten Ernährungsformen fand ein erhöhtes Risiko für Neugeborene mit einem für das Gestationsalter zu niedrigen Geburtsgewicht. Die Odds-Ratio betrug 2,71 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,24-5,95. Der Befund beruhte jedoch lediglich auf drei Studien. Unterschiede hinsichtlich der Definition der Ernährungsform, der Supplementation und der allgemeinen Ernährungsqualität begrenzen die unmittelbare Übertragbarkeit auf alle vegan ernährten Schwangeren [10].

Ein Eisenpräparat soll in der Schwangerschaft nicht allein aufgrund der veganen Ernährung, sondern nach diagnostisch festgestelltem Eisenmangel oder einer anderweitig begründeten medizinischen Indikation eingesetzt werden. Eine unzureichende maternale Vitamin-B12-Versorgung (Vitamin-B12-Versorgung der Mutter) kann hämatologische und neurologische Schäden (Schäden des Blutes bzw. der Blutbildung und des Nervensystems) beim Säugling verursachen. Eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung muss deshalb bereits vor und während der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit gewährleistet sein [12-14, LL2].

Säuglinge, Kinder und Jugendliche

Das Positionspapier der European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition aus dem Jahr 2025 bewertet die Evidenz zur Frage, ob eine strikt vegane Ernährung ein regelrechtes Wachstum im Kindes- und Jugendalter sicher unterstützt, als nicht abschließend. Die verfügbaren Studien zeigten keine signifikanten Unterschiede der Körpergröße oder der Body-Mass-Index-z-Werte (alters- und geschlechtsbezogenen Vergleichswerte des Körpergewichts) gegenüber omnivor ernährten Kindern, die langfristige Evidenz bleibt jedoch begrenzt. Empfohlen werden eine regelmäßige Betreuung durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte, die Überwachung von Wachstum und Nährstoffstatus sowie eine altersgerechte Supplementation [14].

Eine 2026 publizierte Metaanalyse von 59 Studien mit insgesamt 48.626 Kindern und Jugendlichen, darunter 1.289 vegan ernährte Teilnehmer, zeigte bei veganer Ernährung eine höhere Zufuhr von Ballaststoffen, Folat, Vitamin C und Magnesium, zugleich jedoch eine niedrigere Calciumzufuhr sowie Unterschiede bei einzelnen Wachstums- und Eisenstatusparametern. Die überwiegend beobachtenden Studiendesigns, die ausgeprägte Heterogenität und die teilweise unvollständige Erfassung der Supplementation erlauben keine kausale Interpretation [11].

Nicht gestillte Säuglinge benötigen eine rechtlich zugelassene Säuglingsanfangs- bzw. Folgenahrung. Eine entsprechend angereicherte Säuglingsnahrung auf Sojaproteinbasis kann eine vegane Alternative darstellen. Gewöhnliche Hafer-, Mandel-, Reis- oder Sojadrinks sind kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung und eignen sich im ersten Lebensjahr nicht als Grundlage der Milchmahlzeiten [12-14].

Ältere Menschen

Für ältere vegan lebende Menschen ist die direkte Studienlage besonders begrenzt. Mit sinkendem Energiebedarf steigt die erforderliche Nährstoffdichte. Gleichzeitig können ein verminderter Appetit, Kau- und Schluckstörungen, Multimorbidität, Gebrechlichkeit und unbeabsichtigter Gewichtsverlust das Risiko einer Energie-Protein-Mangelernährung erhöhen [12, 13].

Erforderlich sind eine ausreichende Energie- und Proteinzufuhr, regelmäßig verzehrte proteinreiche Lebensmittel sowie die frühzeitige Erfassung von Gewichtsverlust, Gebrechlichkeit und Sarkopenie (krankhaftem Muskelverlust). Die weitere Diagnostik und Supplementation richten sich nach dem individuellen Risiko und den klinischen Befunden [12, 13].

Fazit

Eine ausgewogene und gut geplante vegane Ernährung kann für gesunde Erwachsene gesundheitsfördernd und bedarfsdeckend gestaltet werden. Unverzichtbar ist eine dauerhafte, regelmäßige und zuverlässige Supplementation von Vitamin B12. Besondere Aufmerksamkeit erfordern Jod, Protein und unentbehrliche Aminosäuren, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Calcium, Eisen, Zink, Selen und möglicherweise Vitamin A [12, 13].

Die derzeitige Evidenz zeigt mögliche Vorteile hinsichtlich des Körpergewichts und einzelner kardiometabolischer Risikofaktoren (Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen). Für mehrere klinische Endpunkte ist die Evidenz jedoch niedrig oder sehr niedrig. Gleichzeitig bestehen Hinweise auf eine geringere Knochenmineraldichte und ein erhöhtes Frakturrisiko [1, 7, 8, 12].

In Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit, Jugend und höherem Lebensalter sind eine besonders sorgfältige Ernährungsplanung, qualifizierte Beratung, konsequente Supplementation und eine risikoadaptierte medizinische Verlaufskontrolle erforderlich. Eine pauschale gesundheitliche Bewertung allein anhand der Bezeichnung „vegan“ ist ernährungsmedizinisch nicht gerechtfertigt.

Literatur

  1. Landry MJ, Senkus KE, Mangels AR et al.: Vegetarian dietary patterns and cardiovascular risk factors and disease prevention: An umbrella review of systematic reviews. Am J Prev Cardiol. 2024;20:100868. doi:10.1016/j.ajpc.2024.100868
  2. Bakaloudi DR, Halloran A, Rippin HL et al.: Intake and adequacy of the vegan diet. A systematic review of the evidence. Clin Nutr. 2021;40(5):3503-3521. doi:10.1016/j.clnu.2020.11.035
  3. Neufingerl N, Eilander A: Nutrient Intake and Status in Adults Consuming Plant-Based Diets Compared to Meat-Eaters: A Systematic Review. Nutrients. 2022;14(1):29. doi:10.3390/nu14010029
  4. Niklewicz A, Hannibal L, Warren M, Ahmadi KR: A systematic review and meta-analysis of functional vitamin B12 status among adult vegans. Nutr Bull. 2024;49(4):463-479. doi:10.1111/nbu.12712
  5. Rolands MR, Hackl LS, Bochud M, Lê KA: Protein Adequacy, Plant Protein Proportion, and Main Plant Protein Sources Consumed Across Vegan, Vegetarian, Pescovegetarian, and Semivegetarian Diets: A Systematic Review. J Nutr. 2025;155(1):153-167. doi:10.1016/j.tjnut.2024.07.033
  6. Lane KE, Wilson M, Hellon TG, Davies IG: Bioavailability and conversion of plant based sources of omega-3 fatty acids - a scoping review to update supplementation options for vegetarians and vegans. Crit Rev Food Sci Nutr. 2022;62(18):4982-4997. doi:10.1080/10408398.2021.1880364
  7. Iguacel I, Miguel-Berges ML, Gómez-Bruton A, Moreno LA, Julián C: Veganism, vegetarianism, bone mineral density, and fracture risk: a systematic review and meta-analysis. Nutr Rev. 2019;77(1):1-18. doi:10.1093/nutrit/nuy045
  8. Dybvik JS, Svendsen M, Aune D: Vegetarian and vegan diets and the risk of cardiovascular disease, ischemic heart disease and stroke: a systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. Eur J Nutr. 2023;62(1):51-69. doi:10.1007/s00394-022-02942-8
  9. Haider LM, Schwingshackl L, Hoffmann G, Ekmekcioglu C: The effect of vegetarian diets on iron status in adults: A systematic review and meta-analysis. Crit Rev Food Sci Nutr. 2018;58(8):1359-1374. doi:10.1080/10408398.2016.1259210
  10. Papadopoulou T, Sarantaki A, Metallinou D et al.: Strict vegetarian diet and pregnancy outcomes: A systematic review and meta-analysis. Metabol Open. 2025;25:100338. doi:10.1016/j.metop.2024.100338
  11. Lotti S, Panizza G, Martini D et al.: Lacto-ovo-vegetarian and vegan diets in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis of nutritional and health outcomes. Crit Rev Food Sci Nutr. 2026;66(13):2453-2473. doi:10.1080/10408398.2025.2572983
  12. Klug A, Barbaresko J, Alexy U et al.: Update of the DGE position on vegan diet - Position statement of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau. 2024;71(7):60-84. doi:10.4455/eu.2024.22
  13. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ausgewählte Fragen und Antworten zur veganen Ernährung. Aktualisiert am 15. Dezember 2025.
  14. Verduci E, Köglmeier J, Haiden N et al.: Vegan diet and nutritional status in infants, children and adolescents: A position paper based on a systematic search by the ESPGHAN Nutrition Committee. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2025;81(5):1318-1345. doi:10.1002/jpn3.70182
  15. Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007 des BfR vom 22. Juni 2004, aktualisiert am 12. Juni 2007.

Leitlinien

  1. National Institute for Health and Care Excellence: Vitamin B12 deficiency in over 16s: diagnosis and management. NICE Guideline NG239. Published 6 March 2024.
  2. World Health Organization: WHO guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations. World Health Organization, Geneva 2020.