Vegetarier
Ein Vegetarier verzichtet auf Fleisch, Fleischerzeugnisse, Fisch und andere aquatische Tiere. Abhängig von der jeweiligen Ausprägung können Eier, Milch und Milchprodukte Bestandteil der Ernährung sein. Eine fachgerecht geplante vegetarische Ernährung kann bei Erwachsenen den Energie- und Nährstoffbedarf decken und mit günstigen kardiometabolischen Effekten (Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel) verbunden sein. Entscheidend sind jedoch die Qualität und Vielfalt der Lebensmittelauswahl, eine ausreichende Energie- und Proteinzufuhr sowie die gezielte Sicherstellung potenziell kritischer Nährstoffe [P1].
Eine vegetarische Ernährung ist weder automatisch gesund noch zwangsläufig mit einer unzureichenden Nährstoffversorgung verbunden. Die ernährungsmedizinische Beurteilung muss die konkrete Ernährungsform, die Lebensmittelqualität, den Verarbeitungsgrad, die Verwendung angereicherter Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, die jeweilige Lebensphase, Vorerkrankungen, die Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung) und mögliche Resorptionsstörungen (Störungen der Nährstoffaufnahme im Darm) berücksichtigen [5, P1].
Formen der vegetarischen Ernährung
- Ovo-Lacto-Vegetarier: Verzicht auf Fleisch, Fleischerzeugnisse, Fisch und andere aquatische Tiere; Eier, Milch und Milchprodukte werden verzehrt.
- Lacto-Vegetarier: Verzicht auf Fleisch, Fisch und Eier; Milch und Milchprodukte werden verzehrt.
- Ovo-Vegetarier: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte; Eier werden verzehrt.
- Veganer: Verzicht auf sämtliche Lebensmittel tierischer Herkunft. Aufgrund des vollständigen Ausschlusses tierischer Lebensmittel erfordert eine vegane Ernährung eine gesonderte ernährungsmedizinische Beurteilung [P1, P2].
Pescetarier verzichten auf Fleisch und Fleischerzeugnisse, verzehren jedoch Fisch und andere aquatische Tiere. Sie zählen daher im engeren ernährungswissenschaftlichen Sinne nicht zu den Vegetariern.
Ernährungsqualität als entscheidender Faktor
Die gesundheitlichen Auswirkungen einer vegetarischen Ernährung werden wesentlich durch die Qualität der verzehrten Lebensmittel bestimmt. Ein hochwertiges vegetarisches Ernährungsmuster ist durch einen hohen Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Obst, Nüssen, Samen und überwiegend ungesättigten Fetten gekennzeichnet. Abhängig von der gewählten Ernährungsform können Eier sowie Milch und Milchprodukte zusätzliche Protein- und Mikronährstoffquellen darstellen [2, P1].
Demgegenüber kann auch eine vegetarische Ernährung reich an raffinierten Getreideprodukten, Süßwaren, zuckerhaltigen Getränken, salzreichen Fertiggerichten, frittierten Lebensmitteln und hochverarbeiteten Ersatzprodukten sein. Der alleinige Ausschluss von Fleisch und Fisch gewährleistet daher keine hohe Ernährungsqualität. Die günstigen Effekte hochwertiger pflanzenbetonter Ernährungsmuster dürfen nicht ungeprüft auf jede vegetarische Ernährungsweise übertragen werden [2, P1].
Vegetarische Fleischersatzprodukte können die praktische Umsetzung erleichtern und relevante Proteinmengen liefern. Ihre ernährungsmedizinische Qualität unterscheidet sich jedoch erheblich. Zu beurteilen sind insbesondere Proteinmenge und Proteinqualität, Fettqualität, Salz- und Energiegehalt, Mikronährstoffanreicherung sowie der Verarbeitungsgrad.
Kardiometabolische Effekte
Randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass vegetarische Ernährungsmuster bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) oder erhöhtem kardiovaskulärem Risiko zusätzlich zur medizinischen Standardtherapie (übliche medizinische Behandlung) moderate Verbesserungen verschiedener kardiometabolischer Risikofaktoren bewirken können [1].
Eine Metaanalyse von 20 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 1.878 Teilnehmern ergab gegenüber unterschiedlichen Vergleichsdiäten eine mittlere Senkung des LDL-Cholesterins um 6,6 mg/dl, des HbA1c um 0,24 Prozentpunkte und des Körpergewichts um 3,4 kg. Für den systolischen Blutdruck (oberen Blutdruckwert) wurde kein statistisch gesicherter Gesamteffekt nachgewiesen. Die Studien unterschieden sich erheblich hinsichtlich Energiezufuhr, Fettgehalt, Intensität der Ernährungsberatung, Vergleichsdiät und begleitender Gewichtsreduktion [1].
Eine Umbrella-Review systematischer Reviews zeigte bei vegetarischen einschließlich veganen Ernährungsmustern gegenüber nichtvegetarischen Ernährungsmustern eine geringere Inzidenz (Neuerkrankungsrate) kardiovaskulärer Erkrankungen. Für verschiedene weitere Endpunkte, darunter Blutdruck, Lipidkonzentrationen und kardiovaskuläre Mortalität (Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen), war die Sicherheit der Evidenz überwiegend niedrig oder sehr niedrig [2].
Mögliche Vermittlungsmechanismen umfassen:
- Fettqualität: Eine geringere Zufuhr gesättigter Fettsäuren und eine höhere Zufuhr einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren können erreicht werden, wenn tierische Fette durch hochwertige Pflanzenöle, Nüsse und Samen ersetzt werden [1, P1].
- Ballaststoffzufuhr: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen erhöhen die Zufuhr löslicher und unlöslicher Ballaststoffe [2, P1].
- Energiedichte: Wenig verarbeitete pflanzliche Lebensmittel weisen häufig eine geringere Energiedichte auf und können die Regulation der Energiezufuhr unterstützen [1].
- Lebensmittelsubstitution: Der Ersatz von rotem und verarbeitetem Fleisch durch Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und andere hochwertige pflanzliche Proteinquellen kann das kardiometabolische Risikoprofil verbessern [2, P1].
- Nährstoff- und Wirkstoffprofil: Eine hochwertige vegetarische Ernährung kann die Zufuhr von Kalium, Magnesium, Folat und verschiedenen bioaktiven Wirkstoffen erhöhen [5, P1].
Typ-2-Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit Typ 2)
Vegetarische und vegane Ernährungsinterventionen können bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes mellitus eine moderate Verbesserung der glykämischen Kontrolle (Kontrolle des Blutzuckers) und des Körpergewichts unterstützen [1, 3].
Eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zeigte gegenüber nichtvegetarischen Vergleichsdiäten eine mittlere Senkung des HbA1c um 0,40 Prozentpunkte und des Body-Mass-Index (Maß für das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße) um 0,96 kg/m2. Für Nüchternglucose, Nüchterninsulin und LDL-Cholesterin ergaben sich keine statistisch gesicherten Gesamteffekte. Die Sicherheit der Evidenz unterschied sich je nach Endpunkt [3].
Die Wirkung beruht nicht allein auf dem Verzicht auf Fleisch. Von zentraler Bedeutung sind die Qualität der Kohlenhydratquellen, der Anteil an Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, die Ballaststoffzufuhr, die Energiebilanz und der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel.
Bei Patienten mit blutzuckersenkender Pharmakotherapie kann eine ausgeprägte Ernährungsumstellung eine Anpassung der Medikation (Arzneimittelbehandlung) erforderlich machen, insbesondere wenn sich die glykämische Kontrolle und das Körpergewicht deutlich verbessern.
Kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs und Mortalität
Beobachtungsstudien und zusammenfassende Analysen zeigen bei vegetarischen Ernährungsmustern teilweise eine geringere Inzidenz ischämischer Herzerkrankungen (Herzerkrankungen durch eine verminderte Durchblutung) und anderer kardiovaskulärer Endpunkte. Für Krebsinzidenz, Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) und krankheitsspezifische Mortalität (Sterblichkeit infolge einer bestimmten Erkrankung) sind die Ergebnisse weniger konsistent und beruhen überwiegend auf Beobachtungsstudien [2, 4].
Eine pauschale Aussage, dass eine vegetarische Ernährung generell vor Krebs schützt oder die Lebenserwartung verlängert, ist aus der verfügbaren Evidenz nicht ableitbar. Vegetarier unterscheiden sich häufig zusätzlich hinsichtlich Tabakkonsum, Alkoholkonsum, körperlicher Aktivität, Körpergewicht, Bildungsstatus und Inanspruchnahme präventiver Gesundheitsleistungen von nichtvegetarischen Vergleichsgruppen. Trotz statistischer Adjustierung kann ein Residualkonfounding nicht ausgeschlossen werden [2, 4].
Die gesundheitliche Bewertung sollte sich deshalb stärker auf die konkrete Lebensmittelauswahl und die durch die Ernährungsumstellung ersetzten Lebensmittel als allein auf die Bezeichnung „vegetarisch“ stützen.
Körpergewicht
Vegetarier weisen in Beobachtungsstudien durchschnittlich einen niedrigeren Body-Mass-Index als Mischköstler auf. Randomisierte Studien zeigen, dass vegetarische Ernährungsmuster im Rahmen strukturierter Interventionen eine Gewichtsreduktion unterstützen können [1, 2].
Der Effekt ist jedoch nicht obligatorisch. Energiedichte, Portionsgrößen, Getränkeauswahl, Fettzufuhr, Lebensmittelverarbeitung und Adhärenz (Therapietreue) bleiben entscheidend. Vegetarische Süßwaren, Backwaren, Snacks, kalorienreiche Getränke und hochverarbeitete Ersatzprodukte können auch innerhalb einer fleischfreien Ernährung eine positive Energiebilanz begünstigen.
Knochengesundheit
Eine Metaanalyse überwiegend beobachtender Studien fand bei Vegetariern und Veganern im Mittel eine geringere Knochenmineraldichte (Knochendichte) als bei Mischköstlern. Ein erhöhtes Frakturrisiko (Risiko für Knochenbrüche) wurde insbesondere bei Veganern beobachtet. Die Interpretation wird durch mögliche Unterschiede bei Body-Mass-Index, Energie-, Protein-, Calcium- und Vitamin-D-Versorgung sowie körperlicher Aktivität eingeschränkt [10].
Für Ovo-Lacto-Vegetarier mit ausreichender Energie-, Protein-, Calcium- und Vitamin-D-Versorgung lässt sich daraus kein generell erhöhtes Frakturrisiko ableiten. Bei veganer Ernährung, Ovo-Vegetarismus oder geringer Aufnahme von Milchprodukten beziehungsweise calciumangereicherten Alternativen ist eine strukturierte Sicherstellung der Calcium-, Protein- und Vitamin-D-Versorgung besonders wichtig [10, P1, P2].
Nährstoffversorgung
Systematische Vergleiche zeigen, dass Vegetarier häufig mehr Ballaststoffe, Folat, Vitamin C, Vitamin E, Magnesium und mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufnehmen als Mischköstler. Gleichzeitig können Zufuhr oder Status von Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Jod, Eisen, Zink, Selen sowie Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure niedriger sein. Das Ausmaß hängt von der konkreten vegetarischen Ernährungsform, der Lebensmittelqualität, der Verwendung angereicherter Produkte und einer gezielten Supplementierung (gezielte Ergänzung von Nährstoffen) ab [5, P1, P2].
Nährstoffdefizite (Nährstoffmängel) sind weder bei Vegetariern noch bei Mischköstlern zwangsläufig. Die vegetarische Ernährung verändert jedoch das Spektrum der besonders zu beachtenden Nährstoffe.
| Nährstoff | Ernährungsmedizinische Einordnung | Geeignete Strategien |
|---|---|---|
| Protein | Bei ausreichender Energiezufuhr und abwechslungsreicher Lebensmittelauswahl kann der Proteinbedarf bei Ovo-Lacto-Vegetariern und bei gut geplanter veganer Ernährung erreicht werden. Ein erhöhtes Risiko besteht bei geringer Energiezufuhr, stark einseitiger Ernährung, höherem Lebensalter, Sarkopenie (alters- oder krankheitsbedingter Muskelabbau) oder Erkrankungen mit erhöhtem Proteinbedarf [6, P1]. | Regelmäßige Verwendung von Hülsenfrüchten, Sojaprodukten, Milchprodukten, Eiern, Nüssen, Samen und Vollkornprodukten. Unterschiedliche Proteinquellen können über den Tagesverlauf kombiniert werden; eine exakte Kombination komplementärer Proteinquellen innerhalb jeder einzelnen Mahlzeit ist nicht erforderlich [6]. |
| Vitamin B12 | Milchprodukte und Eier enthalten Vitamin B12, gewährleisten bei geringem oder unregelmäßigem Verzehr jedoch nicht immer eine sichere Bedarfsdeckung. Fermentierte pflanzliche Lebensmittel und nicht angereicherte Algen sind keine zuverlässigen Vitamin-B12-Quellen [5, P1, P2]. | Regelmäßige Aufnahme vitamin-B12-haltiger beziehungsweise angereicherter Lebensmittel. Bei unzureichender Zufuhr, erhöhtem Risiko oder auffälligem Status ist eine gezielte Supplementierung sinnvoll. Bei veganer Ernährung ist eine langfristige und zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung obligat [P2]. |
| Vitamin B2 | Eine niedrige Zufuhr ist insbesondere bei geringem Verzehr von Milchprodukten und Eiern möglich. Das Risiko ist bei veganer Ernährung höher als bei Ovo-Lacto-Vegetarismus [5, P2]. | Milchprodukte, Eier, Vollkornprodukte, Mandeln, Hülsenfrüchte, Pilze und geeignete angereicherte Lebensmittel entsprechend der Ernährungsform gezielt einplanen. |
| Vitamin D | Die Vitamin-D-Versorgung wird überwiegend durch die kutane Synthese (Bildung in der Haut) bestimmt. Durch den Verzicht auf fettreichen Fisch entfällt eine relevante alimentäre Quelle. Niedrige Zufuhr und niedriger Status werden insbesondere bei veganer Ernährung beobachtet [5, P2]. | Risikoadaptierte Bestimmung von 25-Hydroxyvitamin D und indizierte Supplementierung entsprechend dem individuellen Versorgungsstatus und den allgemeinmedizinischen Empfehlungen. |
| Calcium | Ovo-Lacto- und Lacto-Vegetarier können Calcium über Milch und Milchprodukte aufnehmen. Bei fehlenden oder geringen Milchproduktmengen besteht ein erhöhter Planungsbedarf [5, 10]. | Calciumreiche Mineralwässer, calciumangereicherte Pflanzendrinks, mit Calciumsalzen hergestellter Tofu, Grünkohl, Brokkoli, Pak Choi, Mandeln und Sesamprodukte. Bei Spinat, Mangold und Rhabarber ist der für die Resorption verfügbare Calciumanteil aufgrund des hohen Oxalatgehalts gering. |
| Eisen | Vegetarier nehmen ausschließlich Nicht-Hämeisen auf. Dieses wird bedarfsabhängig reguliert, ist jedoch stärker von resorptionsfördernden und resorptionshemmenden Bestandteilen der Mahlzeit abhängig. Metaanalysen zeigen bei Vegetariern durchschnittlich niedrigere Ferritinkonzentrationen, ohne dass durchgehend eine höhere Prävalenz einer Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) nachgewiesen wurde [7]. | Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tofu, Nüsse, Samen und grünes Gemüse mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln kombinieren. Einweichen, Keimen, Fermentieren und Sauerteigführung reduzieren den Phytatgehalt und erhöhen den für die Resorption verfügbaren Eisenanteil. Tee und Kaffee sollten nicht unmittelbar zu eisenreichen Hauptmahlzeiten getrunken werden [7, P1]. |
| Zink | Vegetarische Ernährungsmuster können mit einer niedrigeren Zinkzufuhr und niedrigeren Serumzinkkonzentrationen verbunden sein. Phytate vermindern den für die Resorption verfügbaren Zinkanteil [8]. | Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Hafer, Vollkornprodukte, Käse und Eier gezielt einsetzen. Einweichen, Keimen, Fermentieren und Sauerteigführung verbessern die Resorptionsbedingungen [8, P1]. |
| Jod | Der Verzicht auf Seefisch und gegebenenfalls auf Milchprodukte kann das Risiko einer unzureichenden Jodzufuhr erhöhen. Eine Metaanalyse zeigte insbesondere bei Veganern, aber auch bei Vegetariern, ein erhöhtes Risiko für eine niedrige Jodzufuhr beziehungsweise einen niedrigen Jodstatus [9]. | Konsequente Verwendung von Jodsalz im Rahmen der empfohlenen Kochsalzmenge, geeignete angereicherte Lebensmittel oder eine kontrolliert dosierte Supplementierung. Algen sind nur bei eindeutig deklariertem und analytisch kontrolliertem Jodgehalt geeignet [9, P2]. |
| Selen | Der Selengehalt pflanzlicher Lebensmittel hängt stark vom Anbaugebiet und vom Selengehalt der Böden ab. Bei europäischen pflanzenbetonten Ernährungsmustern kann die Selenzufuhr niedrig sein [5, P2]. | Gezielte Lebensmittelauswahl und bei begründetem Risiko beziehungsweise nachgewiesenem Defizit eine angemessen dosierte Supplementierung. Paranüsse weisen stark schwankende Selenkonzentrationen auf und ermöglichen keine exakt dosierbare tägliche Zufuhr. |
| Langkettige Omega-3-Fettsäuren | Vegetarier ohne Fischverzehr weisen im Mittel niedrigere Konzentrationen von Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure auf. Ein aktueller systematischer Review zeigte besonders bei veganer Ernährung niedrigere Eicosapentaensäure- und Docosahexaensäurekonzentrationen. Die Umwandlung von Alpha-Linolensäure in langkettige Omega-3-Fettsäuren ist begrenzt und interindividuell variabel [11]. | Regelmäßige Aufnahme von Alpha-Linolensäure aus Leinöl, Rapsöl, Leinsamen, Chiasamen und Walnüssen. Mikroalgenöl stellt eine zuverlässige vegetarische Quelle für Docosahexaensäure und je nach Präparat Eicosapentaensäure dar [11, P1, P2]. |
Vitamin B12 – besondere klinische Bedeutung
Ein Vitamin-B12-Mangel (Mangel an Vitamin B12) kann hämatologische (das Blut betreffende), neurologische (das Nervensystem betreffende) und neuropsychiatrische (Nervensystem und Psyche betreffende) Folgen haben. Eine normale Hämoglobinkonzentration oder ein normales mittleres Erythrozytenvolumen schließt einen funktionellen Vitamin-B12-Mangel nicht zuverlässig aus.
Bei Ovo-Lacto-Vegetariern ist das Risiko geringer als bei Veganern, kann jedoch bei geringem Verzehr von Milchprodukten und Eiern, langjähriger vegetarischer Ernährung, höherem Lebensalter, chronisch-atrophischer Gastritis (langandauernde Magenschleimhautentzündung mit Rückbildung der Schleimhaut), Einnahme von Metformin oder Protonenpumpeninhibitoren sowie nach gastrointestinalen Operationen (Operationen am Magen-Darm-Trakt) klinisch relevant werden [5, P1].
Eine indizierte Vitamin-B12-Supplementierung ist eine zuverlässige, effektive und gut steuerbare Maßnahme. Sie sollte bei unzureichender Zufuhr oder auffälligem Vitamin-B12-Status frühzeitig erfolgen und nicht erst nach Auftreten einer manifesten Anämie oder neurologischer Symptome begonnen werden.
Eisenversorgung
Die Gesamteisenaufnahme von Vegetariern ist häufig nicht niedriger als bei Mischköstlern. Die Resorptionsbedingungen unterscheiden sich jedoch, da pflanzliche Lebensmittel ausschließlich Nicht-Hämeisen enthalten. Die enterale Eisenaufnahme (Eisenaufnahme über den Darm) wird durch den Eisenstatus, den Hepcidinstoffwechsel und die Zusammensetzung der Mahlzeit reguliert [7].
Ein erhöhtes Risiko für entleerte Eisenspeicher besteht insbesondere bei:
- Menstruation: insbesondere bei Hypermenorrhoe (übermäßig starke Regelblutung);
- Schwangerschaft: aufgrund des erhöhten Eisenbedarfs und der Expansion des Blutvolumens;
- Kindheit und Jugendalter: aufgrund von Wachstum und bei weiblichen Jugendlichen zusätzlichen menstruellen Verlusten;
- Ausdauersport: durch erhöhte Verluste, belastungsabhängige Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) und eine vorübergehende Erhöhung des Hepcidins;
- Gastrointestinalen Erkrankungen: insbesondere bei Zöliakie (durch Gluten ausgelöste Dünndarmerkrankung), chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (langandauernde entzündliche Erkrankungen des Darms), chronischen Blutverlusten oder Resorptionsstörungen;
- Wiederholte Blutspenden: aufgrund des regelmäßigen Eisenverlusts.
Eine Eisensupplementierung ist bei nachgewiesenem Eisenmangel oder einer klar definierten Risikosituation sinnvoll. Vor einer längerfristigen Therapie sollten Ursache, Hämoglobin, Ferritin, Entzündungsstatus und gegebenenfalls Transferrinsättigung berücksichtigt werden. Eine pauschale Eisensupplementierung aller Vegetarier ist nicht erforderlich.
Jodversorgung
Die Jodversorgung verdient bei vegetarischer Ernährung besondere Aufmerksamkeit. Milchprodukte können relevante Jodmengen liefern; ihr Jodgehalt ist jedoch von Tierfütterung und Lebensmittelproduktion abhängig und kann erheblich schwanken. Bei gleichzeitigem Verzicht auf Fisch, geringer Aufnahme von Milchprodukten und fehlender Verwendung von Jodsalz kann eine Unterversorgung entstehen [9].
Goitrogene Inhaltsstoffe aus Kohlgemüse, Soja oder Hirse sind bei ausreichender Jodversorgung und üblichen Verzehrmengen in der Regel nicht klinisch relevant. Bei bereits bestehendem Jodmangel kann ein sehr hoher und einseitiger Verzehr die Schilddrüsenhormonsynthese (Bildung der Schilddrüsenhormone) zusätzlich beeinträchtigen.
Algen sind aufgrund stark schwankender Jodkonzentrationen keine unkontrolliert einsetzbare Standardquelle. Insbesondere Kombu und andere Braunalgen können extrem hohe Jodmengen enthalten. Geeignet sind ausschließlich Produkte mit analytisch kontrolliertem und eindeutig deklariertem Jodgehalt [9, P2].
Lebensmittelbasierte Planung
Eine ausgewogene vegetarische Ernährung sollte regelmäßig folgende Lebensmittelgruppen berücksichtigen [P1]:
- Gemüse und Obst: vielfältig, saisonal und mit einem mengenmäßigen Schwerpunkt auf Gemüse;
- Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Sojabohnen und daraus hergestellte Produkte;
- Vollkornprodukte: beispielsweise Hafer, Roggen, Gerste, Vollkornweizen, Naturreis, Buchweizen und Quinoa;
- Nüsse und Samen: unterschiedliche Sorten einschließlich Walnüssen, Leinsamen, Chiasamen, Sesam und Kürbiskernen;
- Hochwertige Fette: insbesondere Rapsöl, Olivenöl, Leinöl sowie Nüsse und Samen;
- Proteinreiche Lebensmittel: Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, texturiertes Sojaprotein, Eier sowie Milch und Milchprodukte entsprechend der gewählten Ernährungsform;
- Calciumquellen: Milchprodukte oder calciumangereicherte Alternativen, calciumreicher Tofu, geeignete Gemüsearten und calciumreiches Mineralwasser;
- Jodquelle: Jodsalz, geeignete angereicherte Lebensmittel oder eine kontrollierte Supplementierung;
- Vitamin-B12-Quelle: Eier und Milchprodukte, angereicherte Lebensmittel oder eine gezielte Supplementierung;
- Omega-3-Fettsäuren: Leinöl, Rapsöl, Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse sowie bei entsprechender Indikation Mikroalgenöl.
Gezielte Supplementierung
Eine gezielte Supplementierung ist bei unzureichender alimentärer Zufuhr, erhöhtem Bedarf oder nachgewiesenem Defizit eine sinnvolle und wirksame Ergänzung der vegetarischen Ernährung. Sie sollte indikationsbezogen, angemessen dosiert und bei längerfristiger Anwendung erforderlichenfalls labormedizinisch überwacht werden [P1, P2].
- Vitamin B12: Bei veganer Ernährung obligat; bei vegetarischer Ernährung sinnvoll, wenn Eier und Milchprodukte keine verlässliche Bedarfsdeckung gewährleisten oder Laborparameter eine unzureichende Versorgung anzeigen [P1, P2].
- Vitamin D: Abhängig von Sonnenlichtexposition, Lebensalter, Hautpigmentierung, Jahreszeit, Begleiterkrankungen und 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration.
- Jod: Sinnvoll, wenn Jodsalz und geeignete Lebensmittel den Bedarf nicht zuverlässig decken. Schilddrüsenerkrankungen (Erkrankungen der Schilddrüse) und weitere Jodquellen sind bei der Dosierung zu berücksichtigen [9, P2].
- Eisen: Bei nachgewiesenem Eisenmangel oder einer klar definierten Hochrisikosituation; die Ursache des Mangels ist abzuklären [7].
- Calcium: Bei dauerhaft unzureichender alimentärer Zufuhr, insbesondere bei fehlendem Verzehr von Milchprodukten und angereicherten Alternativen.
- Zink und Selen: Gezielt bei geringer Zufuhr, erhöhtem Bedarf oder begründetem Defizit; chronische Hochdosisgaben sind zu vermeiden.
- Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure: Mikroalgenöl kann bei fehlendem Fischverzehr und insbesondere bei erhöhtem Bedarf oder sehr niedriger Zufuhr langkettiger Omega-3-Fettsäuren sinnvoll sein [11, P1, P2].
Ernährungsmedizinische Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und Monitoring (Überwachung)
Eine vegetarische Ernährungsweise allein begründet keine obligate umfassende Labordiagnostik (Laboruntersuchungen). Das Monitoring sollte an Ernährungsform, Lebensmittelauswahl, Dauer der Ernährung, Supplementierung, klinischen Symptomen, Lebensphase und individuellen Risikofaktoren ausgerichtet werden [P1].
Anamnestisch relevant sind:
- genaue vegetarische Ernährungsform und deren Dauer,
- Verzehr von Eiern, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Sojaprodukten,
- Verwendung angereicherter Lebensmittel,
- Art, Dosierung und Regelmäßigkeit eingenommener Nahrungsergänzungsmittel,
- Energie- und Proteinzufuhr,
- Gewichtsverlauf und körperliche Leistungsfähigkeit,
- Menstruationsstärke, Schwangerschaft und Stillzeit,
- gastrointestinale Erkrankungen oder Operationen,
- Medikamente mit Einfluss auf Resorption oder Nährstoffstoffwechsel,
- klinische Hinweise auf Anämie, neurologische Störungen (Störungen des Nervensystems), Schilddrüsenfunktionsstörungen (Störungen der Schilddrüsenfunktion) oder Knochenerkrankungen (Erkrankungen der Knochen).
Risikoadaptiert geeignete Laborparameter sind:
- kleines Blutbild, Ferritin und C-reaktives Protein bei möglichem Eisenmangel,
- Transferrinsättigung bei unklarer Eisenstoffwechsellage,
- Vitamin B12 und bei grenzwertigen oder diskrepanten Befunden Holotranscobalamin beziehungsweise Methylmalonsäure,
- 25-Hydroxyvitamin D bei erhöhtem Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung,
- TSH und gegebenenfalls freie Schilddrüsenhormone bei klinischem Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder relevante Jodfehlversorgung (zu niedrige oder zu hohe Jodversorgung).
Die Interpretation der Laborparameter muss im klinischen Kontext erfolgen. Einzelne Serumkonzentrationen bilden die langfristige Nährstoffzufuhr und den funktionellen Versorgungsstatus nicht in jedem Fall zuverlässig ab.
Schwangerschaft und Stillzeit
Die ernährungsmedizinische Bewertung einer vegetarischen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit muss zwischen ovo-lacto-vegetarischen und streng veganen Ernährungsmustern unterscheiden. Entscheidend sind die konkrete Lebensmittelauswahl, die Energie- und Proteinzufuhr sowie die Sicherstellung aller potenziell kritischen Nährstoffe.
Eine Metaanalyse zu streng vegetarischen Ernährungsmustern in der Schwangerschaft zeigte eine mögliche Assoziation mit einem höheren Risiko für Neugeborene mit einem für das Gestationsalter (Schwangerschaftsalter) zu niedrigen Geburtsgewicht sowie teilweise niedrigeren Geburtsgewichten. Die Aussagekraft wird durch heterogene Definitionen der Ernährungsformen, überwiegend beobachtende Studiendesigns, unterschiedliche Ernährungsqualität und mögliche Störfaktoren begrenzt [13].
Für eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit kann die DGE aufgrund der begrenzten Datenlage keine eindeutige Empfehlung für oder gegen diese Ernährungsform aussprechen. Bei veganer Ernährung sind fundierte Ernährungskenntnisse, eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung, die Sicherstellung weiterer potenziell kritischer Nährstoffe und eine qualifizierte ernährungsmedizinische Begleitung erforderlich [P2].
Besondere Aufmerksamkeit erfordern:
- Protein und Energie: Bedarfsgerechte Zufuhr und Vermeidung unnötig restriktiver Ernährung;
- Folsäure: Präkonzeptionelle (vor der Empfängnis erfolgende) und frühschwangerschaftliche (in der frühen Schwangerschaft erfolgende) Supplementierung entsprechend den allgemeinen Empfehlungen;
- Jod: Supplementierung entsprechend den Schwangerschaftsempfehlungen unter Berücksichtigung von Schilddrüsenerkrankungen und weiteren Jodquellen;
- Eisen: Kontrolle von Hämoglobin und Ferritin sowie Supplementierung bei diagnostiziertem Mangel;
- Vitamin B12: Sicherstellung einer zuverlässigen Zufuhr und risikoadaptierte Kontrolle des Versorgungsstatus;
- Vitamin D: Risikoadaptierte Beurteilung und Supplementierung;
- Docosahexaensäure: Bei fehlendem Fischverzehr Verwendung eines geeigneten Mikroalgenöls;
- Calcium: Sicherstellung der empfohlenen Zufuhr über Milchprodukte, angereicherte Lebensmittel oder eine gezielte Supplementierung.
Kinder und Jugendliche
Eine abwechslungsreiche Ovo-Lacto-vegetarische Ernährung kann bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich bedarfsdeckend gestaltet werden. Aufgrund von Wachstum, begrenzter Magenkapazität und teilweise selektivem Essverhalten sind eine ausreichende Energie- und Nährstoffdichte besonders wichtig. Systematische Vergleiche zeigen sowohl potenzielle Vorteile bei der Zufuhr von Ballaststoffen und verschiedenen Vitaminen als auch Risiken einer niedrigeren Versorgung insbesondere mit Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Eisen, Zink und langkettigen Omega-3-Fettsäuren [12].
Für eine streng vegane Ernährung im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter ist die Evidenz zur langfristigen Sicherheit und zum normalen Wachstum weiterhin unzureichend. ESPGHAN bewertet die aktuelle Evidenz als nicht ausreichend, um festzustellen, ob eine streng vegane Ernährung ein normales kindliches Wachstum zuverlässig unterstützt [P3].
Bei vegan ernährten Kindern empfiehlt ESPGHAN:
- Qualifizierte Beratung: Regelmäßige Betreuung durch einen entsprechend qualifizierten Ernährungsberater sowie einen Pädiater (Kinderarzt);
- Wachstumsmonitoring: Regelmäßige Kontrolle von Wachstum, Gewichtsentwicklung und Ernährungsstatus;
- Nährstoffsicherung: Besondere Beachtung von Protein, Omega-3-Fettsäuren, Calcium und Eisen;
- Vitamin-B12-Supplementierung: Zuverlässige und dauerhaft gesicherte Supplementierung;
- Weitere Supplemente: Indikations- und bedarfsbezogene Ergänzung weiterer potenziell kritischer Nährstoffe [P3].
Ältere Menschen
Bei älteren Vegetariern stehen die Sicherung einer ausreichenden Energie- und Proteinzufuhr, die Prävention (Vorbeugung) beziehungsweise Therapie (Behandlung) einer Sarkopenie sowie die Versorgung mit Vitamin B12, Vitamin D und Calcium im Vordergrund. Appetitminderung, Kau- und Schluckstörungen, chronisch-atrophische Gastritis, Multimorbidität (gleichzeitiges Bestehen mehrerer Erkrankungen) und Polypharmazie (gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente) können die Nährstoffversorgung zusätzlich beeinträchtigen [P1, P2].
Proteinreiche Lebensmittel sollten bedarfsgerecht über den Tagesverlauf verteilt eingesetzt werden. Bei unzureichender alimentärer Zufuhr können proteinangereicherte Lebensmittel oder geeignete Supplemente sinnvoll sein. Ein niedriger Vitamin-B12-Status sollte nicht ausschließlich der vegetarischen Ernährung zugeschrieben werden, sondern eine altersabhängige Malabsorption (unzureichende Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm) und medikamentöse Einflussfaktoren einschließen.
Grenzen der Evidenz
Die Forschung zu vegetarischen Ernährungsmustern weist relevante methodische Einschränkungen auf [2, 4, P1]:
- uneinheitliche Definitionen von vegetarischer, veganer, pescetarischer und pflanzenbetonter Ernährung,
- unzureichende Berücksichtigung der Lebensmittelqualität innerhalb derselben Ernährungsgruppe,
- Selbstangaben zur Ernährung und mögliche Fehlklassifikationen,
- Residualkonfounding durch Gesundheitsverhalten, Bildung, Tabakkonsum, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität,
- häufig kurze Interventionsdauer randomisierter Studien,
- begrenzte Daten zu klinischen Langzeitendpunkten und vulnerablen Gruppen (besonders gefährdeten Personengruppen),
- unzureichende Trennung zwischen Ovo-Lacto-Vegetariern und Veganern in verschiedenen Metaanalysen.
Assoziationen aus Beobachtungsstudien dürfen daher nicht uneingeschränkt als kausale Effekte des Fleischverzichts interpretiert werden.
Fazit
Eine fachgerecht geplante vegetarische Ernährung kann für Erwachsene nährstoffadäquat sein und einen sinnvollen Beitrag zur Prävention und Therapie kardiometabolischer Risikofaktoren leisten. Besonders gut belegt sind moderate Verbesserungen von LDL-Cholesterin, Körpergewicht und bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus des HbA1c [1, 3, P1].
Die gesundheitliche Wirkung hängt wesentlich von der Qualität der verzehrten Lebensmittel ab. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst, Nüsse, Samen und hochwertige Pflanzenöle sollten die Grundlage bilden. Ein hoher Anteil raffinierter oder hochverarbeiteter vegetarischer Produkte bietet keinen gesicherten gesundheitlichen Zusatznutzen.
Bei Ovo-Lacto-Vegetariern sind Protein- und Mikronährstoffdefizite (Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen) durch eine abwechslungsreiche Ernährung meist vermeidbar. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Vitamin B12, Jod, Eisen, Zink, Vitamin D, Calcium und langkettige Omega-3-Fettsäuren. Eine gezielte Supplementierung ist bei unzureichender Zufuhr, erhöhtem Bedarf oder nachgewiesenem Defizit sinnvoll und sollte als Bestandteil eines strukturierten ernährungsmedizinischen Managements eingesetzt werden.
Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit, Jugendalter, höheres Lebensalter und Erkrankungen mit Resorptionsstörungen erfordern eine engmaschigere ernährungsmedizinische Begleitung. Bei veganer Ernährung sind eine zuverlässige Vitamin-B12-Supplementierung und die strukturierte Sicherstellung weiterer potenziell kritischer Nährstoffe unverzichtbar [P2, P3].
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Positionspapiere
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- Klug A, Barbaresko J, Alexy U et al.: Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Ernahrungs Umschau. 2024;71(7):60-84. doi:10.4455/eu.2024.22. [P2]
- Verduci E, Köglmeier J, Haiden N et al.: Vegan diet and nutritional status in infants, children and adolescents: A position paper based on a systematic search by the ESPGHAN Nutrition Committee. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2025;81(5):1318-1345. doi:10.1002/jpn3.70182. [P3]