Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Kreatinin

Bei Kreatinin (Creatinin) handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, welches mit dem Harn ausgeschieden wird (harnpflichtig).

Der Laborparameter gehört zu den Nierenretentionsparametern. Dieser wird zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Nieren herangezogen. Eine Erhöhung deutet auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hin, da die Substanz im Körper zurückgehalten wird (Retention).

Kreatinin wird im Muskelgewebe aus Creatin gebildet. Creatin selbst ist eine Substanz in den Muskeln, die der Energiespeicherung dient. Sie wird unter Belastung wieder abgegeben und renal als Kreatinin ausgeschieden. Kreatinin wird glomerulär filtriert und zusätzlich tubulär sezerniert (kreatininblinder Bereich).

Kreatinin ist ein Marker zur Abschätzung der glomerulären Filtrationsleistung
(glomeruläre Filtrationsrate, GFR) der Nieren.

Die Bestimmung erfolgt mit der Jaffé-Methode, einem Farbtest, bei dem durch Zugabe von Pikrinsäure ein gelb-orange gefärbter Creatinin-Pikrinsäure-Komplex gebildet wird.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Blutserum
  • 24h-Urin

Vorbereitung des Patienten

  • Nicht nötig       

Störfaktoren

Falsch hohe Kreatinin-Konzentration können bei der Einnahme der folgenden Medikamente bzw. bei folgenden Substanzen oder anderen Begebenheiten ermittelt werden:

  • Ascorbinsäure (Vitamin C)
  • Bilirubin
  • Cephalosporine – dazu zählen vor allem Cefazolin, Cefoxitin und Cephalotin
  • Ciclosporin (Cyclosporin A) 
  • Cimetidin
  • Cisplatin
  • Cobicistat
  • Cotrimoxazol
  • Eltrombopag
  • Fenofibrat
  • Flucytocin
  • Ketonkörper
  • Methoxyfluran (Anästhetikum)
  • Spironolacton
  • Triamteren, Amilorid
  • Trimethoprim
  • Analgetika wie Acetylsalicylsäure (ASS), Fenoprofen, Indometacin oder Naproxen
  • Muskulöse Knochenbau
  • Proteinreiche Diät/Fleischkonsum
  • Kohlenhydrate wie Glucose und Fructose

Falsch-niedrige Kreatinin-Konzentrationen können durch folgende Situationen bedingt sein und können das Ausmaß einer Nierenfunktionsstörung unterschätzen:

  • geringe körperliche Aktivität
  • verringerte Muskelmasse bzw. Kachexie (Auszehrung)
  • Malnutrition
  • Diabetes mellitus (durch Hyperfiltration)
  • Leberzirrhose
  • Schwangerschaft

Normwerte bei Kindern – Blutserum

Alter Normwerte in mg/dl Normwerte in μmol/l
Neugeborene 0,66-1,09 58,34-93,70
1. Lebensmonat (LM) 0,5-1,2 44,2-106,08
1.-3. Lebensjahr (LJ) 0,4-0,7 35,36-61,88
4.-6. LJ 0,5-0,8 44,2-70,72
7.-9. LJ 0,6-0,9 53,04-79,56
10.-12. LJ 0,6-1,0 53,04-88,40
13.-15. LJ 0,6-1,2 53,04-106,08
16.-18. LJ 0,8-1,4 70,72-123,76

Normwerte bei Erwachsenen – Blutserum

Geschlecht Normwerte in mg/dl Normwerte in μmol/l
Weiblich 0,66-1,09 58,34-93,70
Männlich, < 50. LJ 0,84-1,25 74,25-110,50
Männlich, > 50. LJ 0,81-1,44 71,60-127,30

Normwerte – Urin

Geschlecht Normwerte in g/24 h
Weiblich 1,0-1,3
Männlich 1,5-2,5

Indikationen

  • Verdacht auf Nierenerkrankungen jeglicher Art
  • Verdacht auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Hyperurikämie (Harnsäurestoffwechselstörung)
  • Verdacht auf Kollagenosen (Gruppe von Bindegewebserkrankungen, die durch Autoimmunprozesse bedingt sind) – systemischer Lupus erythematodes (SLE), Polymyositis (PM) bzw. Dermatomyositis (DM), Sjögren-Syndrom (Sj), Sklerodermie (SSc) und Sharp-Syndrom ("mixed connective tissue disease", MCTD)
  • Verdacht auf Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Verdacht auf eine Schocksymptomatik
  • Verdacht auf toxische Nierenschädigung durch Medikamente, exogene Gifte oder andere Stoffe
  • Hämolyse (vermehrter Abbau von roten Blutkörperchen)
  • Myolyse (Zerstörung und Auflösung von Muskulatur)
  • Überwachung der Nierenfunktion bei der Gabe nephrotoxischer Medikamente

Sowie zur Therapiekontrolle der oben genannten Erkrankungen.

Interpretation

Interpretation erhöhter Werte

Akutes Nierenversagen (ANV)

Prärenal

  • Schock jeglicher Art
  • Exsikkose – Austrocknung durch Flüssigkeitsmangel

Renal

  • Akutes Nierenversagen durch verschiedenste Auslöser wie Medikamente oder Sepsis (Blutvergiftung)
  • Chronische Niereninsuffizienz – abnehmende Funktionsfähigkeit der Nieren
  • EPH-Gestose
  • Hämolyse
  • Myolyse
  • Plasmozytom
  • Rapid progressive Glomerulonephritis
  • Schwermetallintoxikation
  • Sepsis

Postrenal

  • Nach einem Marathonlauf – Anstieg des Serum-Kreatinin-Spiegels um das 1,5- bis 2-fache oder um 0,3 mg/dl; auch Anzeichen einer tubulären Schädigung ließen sich nachweisen; alle Patienten erholten sich recht schnell von den Schäden [5]
  • Verlegung der Harnwege durch Steine, Tumoren o. Ä.
  • Opiate
  • Parasympatholytika

Chronische Niereninsuffizienz

  • Diabetische Nephropathie (Kimmelstiel-Wilson-Syndrom)
  • Glomerulonephritiden
  • Hypertonie
  • Interstitielle Nephritiden
  • Kollagenosen
  • Plasmozytomniere (Ig-Leichtketten-Proteinurie)
  • Renovaskuläre Nierenerkrankungen
  • Zystennieren

Weitere Ursachen

  • Muskelmasse ↑ 
  • Akromegalie – vermehrtes Wachstum der Körperendglieder durch vermehrte Wachstumshormonproduktion
  • Intensive muskuläre Beanspruchung
  • Siehe oben "Störfaktoren"

Interpretation erniedrigter Werte

  • Muskelatrophie (Abbau von Muskelmasse) bzw. verminderte Muskelmasse – Kinder, kachektische Patienten, ältere Patienten (wg. Sarkopenie/altersassoziierter übermäßiger Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft)
  • Schwangerschaft
  • Untergewicht

Weitere Hinweise

  • Das Kreatinin steigt erst an, wenn die glomeruläre Filtrationsrate der Niere (≈ Funktionsfähigkeit der Niere) schon um die Hälfte abgenommen hat!
  • Das Urin-Kreatinin hat als einzelne Untersuchung nur eine sehr geringe Aussagefähigkeit; gleiches gilt für das Serum-Kreatinin, deren diagnostische Sensitivität zur Erkennung einer chronischen Nierenerkrankung (cN) zu niedrig ist → besser Bestimmung der Kreatinin-Clearance aus dem 24h-Sammelurin
  • Zusätzlich sollte zum Serum-Kreatinin mittels der MDRD-Formel* (Modification of Diet Renal Disease) die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) aus Serum-Parametern (Kreatinin, Harnstoff und Albumin) unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Hinweis auf schwarze Hautfarbe – nach den Europäischen Guidelines erfolgen; dieses ermöglicht eine frühere Erkennung der chronischen Nierenerkrankung.
    Achtung! Bei Normalpersonen bestimmt die MDRD-Formel die GFR zu niedrig; bei cN ist das Ergebnis im Sinne der Übereinstimmung akzeptabel.
  • Bei Feststellung einer eingeschränkten Nierenfunktion (auf Grundlage der errechneten GFR) ist stets eine direkte Messung der GFR (Kreatinin-Clearance) erforderlich!
  • Die Kreatinin-Bestimmung gehört zu den häufigsten Laborbestimmungen, jedoch wird mehr und mehr das Cystatin C als Nierenfunktionsmarker eingesetzt. Dieser Parameter erkennt Einschränkungen früher!
    • Cystatin C zeigt im Bereich zwischen 80-40 ml/min (GFR) eine größere Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) und Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden) als Kreatinin im Serum.
    • Cystatin C ist des Weiteren geeigneter als die Kreatinin-Bestimmung zur Feststellung und Risikoklassifikation chronischer Nierenerkrankungen [2]
  • Die serumkreatininbasierte eGFR (estimated GFR, die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und die urinbasierte Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) sind gemäß einer Studie geeignete Parameter zur kardiovaskulären Risikoabschätzung (zumindest im Hinblick auf Mortalität und Herzinsuffizienz/Herzschwäche). Die die ACR war über alle Risikopopulationen hinweg ein stärkerer Risikofaktor als Rauchen, Hypertonie (Bluthochdruck) und Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung), während die eGFR einen in etwa gleich starken Vorhersagewert hatte [3].
  • Patienten mit Apoplex (Schlaganfall) mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) < 60 ml/min/1,73 m2, aber normalen Kreatinin-Serumwerten haben unabhängig davon ein erhöhtes Risiko für eine schlechte Prognose [4].
    Beachte: Die Nierenfunktion nach Apoplex sollte deshalb mithilfe der serumkreatininbasierten eGFR (estimated GFR; geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und nicht mithilfe des Serumkreatinins bestimmt werden.
  • Azotämie (abnorme Vermehrung von stickstoffhaltigen Endprodukten des Proteinstoffwechsels (Reststickstoff) im Blut): s. u. Harnstoff

Hinweis!
*Die "Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration (CKD-EPI) hat die MDRD-Formel neu entwickelt, die die gleichen vier Parameter enthält, aber anders gewichtet. Die CKD-EPI-Formel führt dazu, dass die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) einer Niereninsuffizienz (Stadium 3 bis 5) von 8,7 auf 6,3 % sank [1].

Literatur

  1. Matsusihita K et al.: Comparison of risk prediction using CKD-EPI equation and the MDRD Study equation for estimated glomerular filtration rate. JAMA 2012; 307:1941-51
  2. Shlipak MG, Matsushita K, Ärnlöv J, Inker LA, Katz R, Polkinghorne KR, Rothenbacher D, Sarnak MJ, Astor BC, Coresh J, Levey AS, Gansevoort RT: Cystatin C versus Creatinine in Determining Risk Based on Kidney Function. N Engl J Med 2013; 369:932-943September 5, 2013. doi: 10.1056/NEJMoa1214234
  3. Matsushita K et al.: Estimated glomerular filtration rate and albuminuria for prediction of cardiovascular outcomes: a collaborative meta-analysis of individual participant data. doi: http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(15)00040-6
  4. Pereg D et al.: Prevalence and significance of unrecognized renal dysfunction in patients with stroke. American Journal of Medicine 2016, online 20. Mai. doi: 10.1016/j.amjmed.2016.05.003
  5. Mansour SG et al.: Kidney Injury and Repair Biomarkers in Marathon Runners. Am J Kidney Dis. 2017 Aug;70(2):252-261. doi: 10.1053/j.ajkd.2017.01.045.

     
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