HbA1c

Die alleinige Bestimmung der Blutglucosekonzentration (Blutzucker; BZ; Glucose) erlaubt lediglich die Beurteilung der aktuellen Stoffwechsellage des Diabetikers zum Zeitpunkt der Blutentnahme. Da der Blutzuckerspiegel jedoch abhängig ist von zirkadianen (täglichen) Rhythmen und auch ernährungsbedingt oder durch andere Faktoren stark schwanken kann, benötigt man für eine längerfristige Beurteilung andere Laborparameter.

Um eine Beurteilung der Glykämie (vermehrter Blutzuckergehalt) über die vergangenen Tage beziehungsweise Wochen zu erhalten, eignet sich insbesondere der Glykämie-Langzeitparameter HbA1c. Das HbA1c ist sozusagen das "Blutzuckergedächtnis". Mit ihm kann der Arzt die Stoffwechsellage der letzten 4-6 Wochen beurteilen.

Glucose und andere Monosaccharide (Einfachzucker) reagieren konzentrationsabhängig mit den freien Aminogruppen der für sie erreichbaren Proteine (Eiweiß). Diese Reaktion wird als Glykierung bezeichnet. Insbesondere eignen sich die glykierten Hämoglobine – glykierter roter Blutfarbstoff – als Langzeitparameter der Blutzuckerkonzentration. Das Ausmaß der Glykierung hängt dabei neben der Lebensdauer der Hämoglobine – die relativ stabil bei 100-120 Tagen liegt – im Wesentlichen von der Dauer und der Höhe des Blutzuckers ab. Das bedeutet: Je höher der Blutzuckerspiegel ist, desto höher ist der prozentuale Anteil von HbA1c am Gesamthämoglobin.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • EDTA-Vollblut oder Kapillarblut

Vorbereitung des Patienten

  • Nicht erforderlich

Störfaktoren

  • "Falsch" hohe Werte von HbA1c durch:
    • Anämie (Eisenmangelanämie) [niedrige MCV- und MCH-Werte als Zeichen eines Eisenmangels]
    • Infekt- und Tumoranämie
    • Terminale Niereninsuffizienz ([Kreatinin > 5 mg/dl]: karbamylatiertes HbA)
    • Hämoglobinopathien (HbH, HbF, Typ Wayne etc.)
    • Splenektomie und aplastische Anämie
    • Organtransplantation
    • Medikamente (hohe Dosen Acetylsalicylsäure (ASS); Immunsuppressiva, Proteaseinhibitoren)
  • "Falsch" niedrige Werte von HbA1c durch:
    • Ernährungsbedingt (hoher Alkohol-/ Fett-Konsum)
    • Folsäuremangel (Schwangerschaft)
    • Leistungssport
    • Große Höhen (Sensitivität von HbA1c sinkt mit zunehmender Höhe) [3]
    • Höheren Erythrozyten-Turnover
    • Chronische Niereninsuffizienz mit verkürztem Erythrozytenüberleben
    • Hämoglobinopathien (HbS, HbC, HbD)
    • Hämolytische Anämie
    • Leberzirrhose mit verkürztem Erythrozytenüberleben
    • Blutverlust
    • Nach Bluttransfusionen
    • Medikamente (Erythropoetin, Eisensupplementierung)

Hinzu kommen zwei weitere wesentliche Faktoren, die bisher bei der Interpretation der HbA1c-Werte unzureichend berücksichtigt wurden:

  • niedrigerer diagnostischer Wert in verschiedenen Populationen (z. B. ältere Menschen, verschiedene ethnische Gruppen)
  • Überdiagnostik bei Menschen mit genetisch bedingter Hyperglykierung

Normwerte 

Normalwerte für Erwachsene

Physiologischer Bereich
5 bis 6 %
Gute Diabetes-Einstellung 6 bis 8 %
Diabetes-Einstellung sollte verbessert werden > 8 %
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) e.V. empfiehlt in ihren Leitlinien einen HbA1c-Zielwert von 6,5 bis 7,5 Prozent.

Verwendete Bestimmungsmethode: HPLC, Hochleistungs-Flüssigkeits-Chromatographie.

Den alten HbA1c-Werten in Prozenten (NGSP) entsprechen die HbA1c-Werte in mmol/mol wie folgt:

 Alt    Neu
 6,0 %
entspricht
 42 mmol/mol
 6,5 %
entspricht
 48 mmol/mol
 7,0 %
entspricht
 53 mmol/mol
 7,5 %
entspricht
 58 mmol/mol

Der Referenzbereich für Gesunde ist 20 bis 42 HbA1c [mmol/mol]

Indikationen

  • Langzeitkontrolle des Kohlenhydratstoffwechsels bei Diabetes mellitus Typ 1 + Diabetes mellitus Typ 

HbA1c sollte in folgenden Abständen kontrolliert werden:

  • Typ-1-Diabetes 
    • circa 3-4 Mal jährlich bei konventioneller Therapie
    • alle 1 bis 2 Monate bei Intensivtherapie 
  • Typ-2-Diabetes – 2 Mal pro Jahr bei stabilen Patienten
  • Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – alle 1 bis 2 Monate

Interpretation

Interpretation erhöhter Werte

  • Ist das HbA1c um ein Prozent erhöht, lag der Blutzuckerwert in den vorangehenden Monaten durchschnittlich 30 mg/dl über dem Normbereich!
  • Diabetes-Einstellung sollte verbessert werden, wenn der HbA1c  > 8 %

Interpretation erniedrigter Werte

  • Nicht krankheitsrelevant

Weitere Hinweise

  • Diagnostik
    • HbA1c unter 5,7 %: Diabetes mellitus ausgeschlossen
    • HbA1c von 5,7- 6,7 %: Messung der Glucose (DDG) [Patienten, die bei einer zufälligen Untersuchung einen HbA1c ≥ 5,6 % aufweisen, entwickeln mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Diabetes]
    • HbA1c größer 6,5 %: Diabetes mellitus [Sowohl die Deutsche Diabetes-Gesellschaft als auch die amerikanische Diabetes Association betrachten glykiertes Hämoglobin als relevanten Diagnosemarker, sofern es nach international standardisiertem Verfahren ermittelt wurde]
  • Therapie
    • Individuell abzustimmender HbA1c-Zielkorridor von 6,5-7,5 % (48-58 mmol/mol)
    • Ein HbA1c-Zeilwert nahe 6,5 %, nur wenn dieser durch Lebensstiländerungen und/oder Metformin zu erreichen ist! (DEGAM)
  • Krankenhauseinweisung: Patienten im mittleren Lebensalter von 57 Jahren (13.522 Teilnehmer) mit erhöhten HbA1c-Serumspiegel, mussten in den folgenden 20 Jahren häufiger ins Krankenhaus [1]: 
    • HbA1c < 5,7%: 3,7 % zehn oder mehr stationäre Aufnahmen
    • Patienten mit bekanntem Diabetes und guter Blutzuckerkontrolle (HbA1c  < 7,0%): 13,5 %
    • schlechter Kontrolle: 18,2 %
  • Mortalität/Sterberate (kardiovaskuläre und Krebssterblichkeit) von Diabetikern in Abhängigkeit vom HbA1c-Werten [2]
    • < 6,5 %: +30 %
    • 6,5-6,9 %: +60 %
    • 7,0-7,9 %: +60 %
    • 8,0-8,9 %: +120 % (+170 %)
    • > 9,0 %: +160% (+220 %)

Literatur

  1. Schneider A et al.: Diabetes and Prediabetes and Risk of Hospitalization: The Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) Study. Diabetes Care 2016, online 7. März. doi: 10.2337/dc15-1335
  2. Palta P et al.: Hemoglobin A1c and Mortality in Older Adults With and Without Diabetes: Results From the National Health and Nutrition Examination Surveys (1988–2011). Diabetes Care 2017 Apr; 40(4): 453-460. https://doi.org/10.2337/dci16-0042
  3. Bazo-Alvarez JC et al.: Glycated haemoglobin (HbA1c) and fasting plasma glucose relationships in sea-level and high-altitude settings. Diabet Med 2017; 34: 804-812. doi: 10.1111/dme.13335

     
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