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Triglyzeride

Als Hypertriglyzeridämie bezeichnet man einen erhöhten Triglyzeridgehalt des Blutserums.

Die in der Natur vorkommenden Fette bestehen vorwiegend aus Triacylglyzerinen, welche auch Triglyzeride oder Neutralfette genannt werden. Daneben gibt es kleine Mengen an Mono- und Diacylglyzerinen. Triglyzeride dienen als Energiespeicher. Die beinahe 12 kg Triglyzeride, die eine normalgewichtige Person im Fettgewebe speichert, entsprechen einem Energievorrat von etwa 112.800 kcal. Die Triglyzeride sind Ester von Glycerin mit 3 Fettsäureresten, wobei im menschlichen Fettspeicher vor allem Ölsäure und Palmitinsäure vorhanden sind. Die Triglyzeride sind somit ein Gemisch von verschiedenen Triacylglyzerinen.
Wie das Cholesterin
werden auch die Triglyzeride im Plasma wegen ihrer schweren Löslichkeit im wässrigen Milieu an Apolipoproteine gebunden und so transportiert. Dabei sind die sogenannten Chylomikronen – exogene, das heißt von außen mit der Nahrung aufgenommene Triglyzeride – und die „Very Low Density Lipoproteins“ -(VLDL) – reich an Triglyzeriden.

Sehr hohe Triglyzeridwerte (> 1.000 mg/dl) können Ursache einer akuten Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) sein.

Das Verfahren

Die Triglyzerid-Konzentration kann mittels einer labordiagnostischen Untersuchung aus Ihrem Blutserum oder -plasma ermittelt werden.

Synonym

  • TG

Benötigtes Material

  • Blutserum, morgens nüchtern abgenommen

Vorbereitung des Patienten

  • Zur Blutentnahme müssen Sie nüchtern – ohne 12 Stunden etwas gegessen zu haben – erscheinen.
  • Am Abend vor der Blutentnahme sollten Sie keinen Alkohol trinken.
  • Sie müssen sich strikt an diese Vorgaben halten, da man sonst durch diese Untersuchung keine verwertbaren Ergebnisse erhält.

Störfaktoren

  • Bei einer Blutentnahme im nicht-nüchternen Zustand werden extrem hohe Triglyzerid-Werte gemessen
  • Bei Alkohol-Konsum am Abend vor der Blutentnahme können die Triglyzerid-Werte stark erhöht sein
  • Bei bestehenden Knochenbrüchen können die Werte verfälscht sein


Normalwerte für Triglyzeride

Erwachsene 50 bis 200 mg/dl (0,6 bis 2,3 mmol/l)
Kinder bis 10 Jahre 30 bis 100 mg/dl (0,3 bis 1,1 mmol/l)
Kinder bis 14 Jahre 30 bis 130 mg/dl (0,3 bis 1,5 mmol/l)
Kinder bis 18 Jahre 40 bis 150 mg/dl (0,5 bis 1,7 mmol/l)
Säuglinge 40-200 mg/dl (0,5 bis 2,3 mmol/l)
Neugeborene 10-230 mg/dl (0,1 bis 2,7 mmol/l)


Eine andere Einteilung zeigt der Bericht des National Cholesterol Education Program
[1].

Normale Triglyzeride weniger als 150 mg/dl (< 1,7 mmol/l)
Grenzwertig hohe Triglyzeride 150 bis 199 mg/dl (1,7 bis 2,3 mmol/l)
Hohe Triglyzeride 200 bis 499 mg/dl (2,3 bis 5,7 mmol/l)
Sehr hohe Triglyzeride mehr als 500 mg/dl (> 5,7 mmol/l)

Diagnostik

Isolierte Hypertriglyzeridämien können durch erhöhte VLDL-Spiegel – Typ IV – oder der Kombination aus VLDL und Chylomikronen – Typ V – bedingt sein. Selten sind die Chylomikronenspiegel isoliert erhöht – Typ I.

Extreme Hypertriglyzeridämien treten vor allem bei Chylomikronämien – Typ I und Typ V nach Fredrickson – auf. Dabei können Blutwerte von mehr als 1.000 mg/dl – 11,4 mmol/l – gemessen werden.

Geringere Triglyzeridwerte, in der Regel von 200-500 mg/dl (2,3-5,7 mmol/l), werden bei der Hypertriglyzeridämie Typ IV nach Fredrickson erreicht.
Diese Erkrankung tritt im Erwachsenenalter auf und geht häufig mit
Diabetes mellitus, Insulinresistenz, Adipositas (Fettsucht) und Hyperinsulinämie – erhöhtem Blutspiegel von Insulin einher.

Allgemein bekannt ist, dass erhöhte Triglyzeride im Blut einen unabhängigen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, wie zum Beispiel koronare Herzkrankheit, darstellen.

Die Bestimmung der Triglyzeride ist erforderlich bei folgenden Gesundheitsrisiken beziehungsweise Erkrankungen:

  • Als Routineparameter zur Bestimmung des Atheroskleroserisikos, z. B. bei der regelmäßigen Kontrolle der Blutwerte durch Ihren betreuenden Arzt
  • Zur Klassifikation einer bestehenden Hyperlipoproteinämie – vermehrter Gehalt des Blutes an Lipoproteinen
  • Therapie-Kontrolle bei der Behandlung mit lipidsenkenden Medikamenten
  • Bei akuter Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)


Es finden sich erhöhte Triglyzeridwerte bei folgenden Zuständen bzw. Erkrankungen:

1. Isolierte Hypertriglyzeridämie

  • Familiäre Hypertriglyzeridämie, Typ IVa – Erhöhung von VLDL, symptomatisch, kann mit einem erhöhten Risiko für Gefäßerkrankungen verbunden sein
  • Familiärer Lipoproteinlipasemangel, Typ I und V – Erhöhung von Chylomikronen, kann ohne Symptome sein sowie mit Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Bauchschmerzen und Hepatosplenomegalie (Vergrößerung von Leber und Milz) einhergehen.
  • Familiärer Apo-CII-Mangel, Typ I und V – wie Lipoproteinlipasemangel

2. Kombinierte Hypertriglyzeridämie und Hypercholesterinämie

  • Familiäre kombinierte Hyperlipidämie, Typ Iib – Erhöhung von VLDL und LDL, normalerweise ohne Symptome bis Gefäßerkrankungen auftreten; bei der familiären Form können isoliert hohe Triglyzeride oder ein hohes LDL auftreten
  • Dysbetalipoproteinämie, Typ III – Erhöhung von VLDL und IDL, LDL normal, normalerweise ohne Symptome bis Gefäßerkrankungen auftreten, palmare – an der Handfläche – oder tuberoeruptive Xanthome – gutartige, bis pflaumengroße Geschwülste – können auftreten

3. Sekundäre Hypertriglyzeridämie

  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Ernährung – vermehrte Zufuhr von Kalorien, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Alkohol
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Schwangerschaft
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Schlecht eingestellter Diabetes mellitus
  • Gicht
  • Morbus Cushing – Krankheitsbild durch ein Überangebot von Glukokortikoiden
  • Konsumierende Erkrankungen, zum Beispiel AIDS
  • Nierenerkrankungen – zum Beispiel chronisches Nierenversagen und nephrotisches Syndrom – klinischer Symptomkomplex einhergehend mit 1. Proteinurie – Eiweißausscheidung im Harn; 2. Hypo- und Dysproteinämie (Abweichungen im Verhältnis der Eiweißkörper des Blutplasmas); 3. Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung); 4. Hypokalzämie (verminderter Calciumgehalt des Blutserums); 5. Beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit; 6. Ödembildung (Wassereinlagerungen)
  • Morbus Gaucher – Speicherkrankheit mit Speicherung von Cerebrosiden in den Zellen
  • Glykogenose 1a – Angeborene Stoffwechselerkrankung mit einem Mangel an Glucose-6 Phosphatase
  • Monoklonale Gammopathien – das Auftreten monoklonaler Immunglobuline im Blut
  • Systemischer Lupus erythematodes – Autoimmunerkrankung mit Bildung von Autoantikörpern v.a. gegen Antigene der Zellkerne (sog. antinukleäre Antikörper = ANA), unter Umständen auch gegen Blutzellen und andere Körpergewebe
  • Medikamente – zum Beispiel hormonelle Verhütungsmittel (Anti-Baby-Pille), Glukokortikoide (Cortisol), Diuretika (entwässernde Medikamente), Cimetidin – H2-Rezeptor-Antagonist, Tamoxifen – Antiöstrogen, Betablocker

Therapie

Triglyzeride (mg/dl) Bewertung der Laborwerte Medikamentöse Therapie
200-400 Ernährungsumstellung auf fettarme Kost
Sekundäre Erkrankungen behandeln
Fibrate
Nikotinsäurederivate
Fischölpräparate
(Omega-3-FS; EPA, DHA)
> 400 Wenn die Umstellung der Lebensgewohnheiten nach 8-12 Wochen nicht erfolgreich sind, besteht die Gefahr einer Pankreatitis – Bauchspeicheldrüsenentzündung Fibrate
Nikotinsäurederivate
Fischölpräparate
(Omega-3-FS; EPA, DHA)


Eine Kontrolle der Werte sollte 4-6 Wochen nach begonnener Therapie erfolgen, um den Erfolg abzuschätzen und eventuell neue medikamentöse Möglichkeiten abzuwägen. 

Ihr Nutzen

Werden bei Ihnen erhöhte Triglyzeride festgestellt, so bedeutet dies ein erhöhtes Atheroskleroserisiko.

Sie sollten in diesem Fall auch andere Risikofaktoren wie beispielsweise LDL-Cholesterin, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel und Bluthochdruck verringern, um so möglichst eine Senkung Ihres Gesamt-Atherosklerose-Risikos zu erzielen.


     
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