Ursachen
Respiratorische – atmungsbedingte – Azidose

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Bei der respiratorischen Azidose liegt eine unzulängliche Atmung (Hypoventilation) vor. Dadurch wird zu wenig CO2 von der Lunge abgegeben. Infolgedessen steigt der pCO2-Partialdruck des Blutes (Hyperkapnie) und der pH-Wert fällt unter 7,36.

Ursachen eine akuten und chronischen respiratorischen Azidose sind:

  • Akute und chronische Inhibition (Hemmung) des medullären Atemzentrums
  • Akute und Erkrankung der Atemmuskulatur und der Thoraxwand (Brustwand) – z. B. Muskelschwäche
  • Obstruktion der oberen Atemwege – z. B. Fremdkörperaspiration (spricht man, wenn ein Fremdkörper in den Larynx (Kehlkopf), die Trachea (Luftröhre) oder in die Bronchien gelangt), Laryngospasmus (krampfartige Verengung der Stimmritze), obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS)
  • Akute und chronische Ventilation-/Perfusionsstörungen – z. B. Pneumonie (Lungenentzündung), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD; progrediente (fortschreitende), nicht vollständig reversible (umkehrbare) Obstruktion (Verengung) der Atemweg)

Ätiologie (Ursachen)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Drogenkonsum
    • Opiate – stark wirksame Schmerzmittel wie Morphin
  • Übergewicht (BMI ≥ 25; Adipositas) – insb. massive Adipositas

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) – progressive (fortschreitende), irreversible Degeneration des motorischen Nervensystems
  • Apoplex (Schlaganfall)
  • ARDS (Adult Respiratory Distress Syndrome) – akutes Lungenversagen
  • Asthma bronchiale
  • Atelektasen – Kollaps von Anteilen der Lunge
  • Atemmuskellähmung
  • Barotrauma – vor allem bei Tauchern auftretende Erkrankung, die durch schnelle Luftdruckänderungen bedingt ist
  • Behinderung der Atmung wie beispielsweise durch Rippenserienfrakturen oder neuromuskuläre Erkrankungen
  • Emphysem (krankhafte Überblähung der Lungenbläschen)
  • Guillain-Barre-Syndrom (GBS; Synonyme: Idiopathische Polyradikuloneuritis, Landry-Guillain-Barré-Strohl-Syndrom) – es gibt zwei Verlaufsformen: akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie bzw. chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems); idiopathische Polyneuritis (Erkrankungen mehrerer Nerven) der spinalen Nervenwurzeln und peripheren Nerven mit aufsteigenden Lähmungen und Schmerzen; tritt meist nach Infektionen auf
  • Herzkreislaufstillstand
  • Hirnstamminfarkt – mit der Folge der Schädigung des Atemzentrums
  • Infektionen des zentralen Nervensystems
  • Hypokaliämie (Kaliummangel), schwere
  • Kyphoskoliose – abnorme Stellung der Wirbelsäule
  • Laryngospasmus (Stimmritzenkrampf)
  • Lungenembolie – mechanische Obstruktion ("Verstopfung oder Verengung") einer oder mehrerer Pulmonalarterienäste (Lungenarterieäste), die vor allem durch eine Becken-Bein-Thrombose (ca. 90 % der Fälle) seltener durch einen Thrombus (Blutgerinnsel) aus den oberen Extremitäten bedingt ist
  • Lungenemphysem – Lungenerkrankung mit funktionslosen Lungenbläschen
  • Lungenödem – Wassereinlagerungen in der Lunge
  • Metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Muskeldystrophien – genetisch bedingte Muskelerkrankungen, die zu fortschreitendem Muskelschwund führen
  • Muskelschwäche
  • Myasthenia gravis (MG; Synonyme: Myasthenia gravis pseudoparalytica; MG); seltene neurologische Autoimmunerkrankung, bei der spezifische Antikörper gegen die Acetylcholinrezeptoren vorliegen, mit charakteristischen Symptomen wie einer abnormen belastungsabhängigen und schmerzlosen Muskelschwäche, einer Asymmetrie, neben der örtlichen auch einer zeitlichen Wechselhaftigkeit (Fluktuation) im Verlauf von Stunden, Tagen bzw. Wochen, einer Besserung nach Erholungs- bzw. Ruhephasen; klinisch differenzieren lässt sich eine rein okuläre ("das Auge betreffend"), eine faziopharyngeal (Gesicht (Facies) und Rachen (Pharynx) betreffend) betonte und eine generalisierte Myasthenie; ca. 10 % der Fälle zeigen bereits eine Manifestation im Kindesalter.
  • Myxödem – pastöse (aufgeschwemmt; gedunsen) Haut, die ein nicht eindrückbares, teigiges Ödem (Schwellung) zeigt, das nicht lageabhängig ist
  • Obstruktive Bronchitis – Einengung der Bronchien mit entsprechender Einschränkung der Lungenfunktion
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom – gekennzeichnet durch die Obstruktion oder komplettem Verschluss der oberen Atemwege während des Schlafes
  • Pickwick-Syndrom – Kombination von massivem Übergewicht, Schnarchen und
    Schlafsucht mit alveolärer Hypoventilation (nicht ausreichende Atmung bei erniedrigter Atemfrequenz)
  • Pneumokoniose (Staublunge)
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Pneumothorax (Kollaps der Lunge, der durch eine Luftansammlung zwischen der Pleura viszeralis (Lungenfell) und der Pleura parietalis (Brustfell) bedingt ist) oder Hämatothorax (Blutansammlung im Pleuraspalt (luftleerer Raum zwischen dem Lungen- und Rippenfell))
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung) – entzündliche bedingte Erkrankung der Rückenmarks
  • Polymyositis – Autoimmunerkrankung der Haut und Muskulatur
  • Zentrales Schlafapnoe-Syndrom – wiederholte Atemstillstände durch fehlende Aktivierung der Atemmuskeln (episodische Hemmung des Atemantriebs)

Labordiagnosen – Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren gelten

  • Hypokaliämie (Kaliummangel) 
  • Hypophosphatämie (Phosphatmangel), schwere

Medikamente 

  • Anästhetika – Medikamente, die zur Einleitung und Führung einer Narkose eingesetzt werden
  • Opiate 
  • Sedativa (Beruhigungsmittel) 
  • Sauerstoff bei chronischer Hyperkapnie (erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut)

Weitere Ursachen

  • Lungenkrankheiten und Fliegen (hier ist ein Hypoxiesimulationstest (Hypoxic Challenge Test = HCT) angezeigt, um die Flugsituation zu simulieren) – es kann sich aufgrund des benötigten und substituierten Sauerstoffs eine respiratorische Azidose (Hyperkapnie) entwickeln [1]

Literatur

  1. Spurling KJ, Moonsie IK, Perks JL: Hypercapnic Respiratory Acidosis During An In-Flight Oxygen Assessment. Aerosp Med Hum Perform 2016;87(2):144-7
     
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