Chinesische Diätetik

Die Ernährung in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist Teil einer 3.000 Jahre alten Gesundheits- und Heilkunde. In Europa findet die TCM aber erst seit den 1970er Jahren größere Aufmerksamkeit. Die chinesische Diätetik hat erkannt, dass das, was wir täglich zu uns nehmen, einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit, sowohl körperlicher als auch geistiger Natur, hat.

Grundsätze und Ziele

Ziel der TCM ist es, beim Menschen die Lebenskraft „Qi“ sowie das natürliche Gleichgewicht der dynamischen Gegensatzkräfte Yin und Yang zu fördern. Die Ernährung nach den Lehren der TCM ist ein ganzheitliches Konzept, das die Gesundheit fördern und zu mehr Wohlbefinden führen soll.

Yin und Yang müssen im Körper des Menschen im völligen Gleichklang stehen. Die auf den Körper abgestimmte Ernährung soll diese Harmonie der beiden Energien unterstützen. Zu viel Yin oder zu viel Yang verursachen angeblich Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten. Die Lebensmittel werden nach ihrem Charakter in Yin und Yang eingeteilt, wobei Yin für Kälte und Feuchtigkeit und Yang für Wärme und Trockenheit steht. Als Kriterien für die Einteilung dienen Faktoren des Wachstum (Form, Geschwindigkeit, Zeit und Standort) sowie lebensmittelspezifische Merkmale wie der Wassergehalt, das Kalium-Natrium-Verhältnis und die Farbe. Yin-Lebensmittel sind z. B. viele Obstsorten, Gurken, Tomaten, grüner Tee und Milch. Als Yang gelten unter anderem Trockenobst, Fenchel, Lauch, Gewürze, Fleisch und Fisch. Es gibt auch eine Gruppe neutraler Nahrungsmittel wie Kohl, Möhren, Hülsenfrüchte oder Getreide. Durch verschiedene Zubereitungsarten können Lebensmittel yinisierend oder yangisierend wirken. Yinisierend wirken Blanchieren, Dünsten, kurze Kochzeiten und Rohkost. Yangisierend wirken das Würzen mit wärmenden Gewürzen wie Zimt und Pfeffer sowie langes Kochen und Braten.

Neben der Yin-Yang-Theorie bildet auch die Lehre von den 5 Elementen die Grundlage der chinesischen Ernährungslehre. Hierbei werden die Organfunktionen des Menschen nach den 5 Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser eingeteilt. Die Lebensmittel werden abhängig von ihrer Wirkung auf den Körper ebenfalls einem der 5 Elemente zugeordnet.
Lebensmittel des Elementes Holz schmecken sauer, wirken zusammen ziehend und haben eine grüne Farbe. Hierzu gehören z. B. Essig, Orangen, Tomaten, Weizen, Joghurt und Huhn. Die zugehörigen Organe sind Leber und Galle.
Lebensmittel des Elementes Feuer schmecken leicht bitter, haben eine rötliche Farbe und wirken ausleitend. Entsprechende Lebensmittel sind z. B. Rote Bete, Rucola, Artischocken, Roggen, grüner Tee, Schafskäse und gegrilltes Fleisch. Dem Feuer zugehörig sind Herz und Dünndarm.
Lebensmittel des Elementes Erde haben einen süßlichen Geschmack. Sie haben eine gelbliche Farbe und wirken befeuchtend. Hierzu gehören z. B. Fenchel, Kürbis, Möhren, Kartoffeln, Mais, Hirse, Eier, Butter und Rindfleisch. Die zugeordneten Organe sind Milz und Magen.
Zum Element Metall gehören der scharfe Geschmack und die Farbe weiß. Zum Element Metall werden Lebensmittel wie Zwiebeln, Senf, Knoblauch, Rettich, Kresse und scharfe Gewürze gezählt. Lunge und Dickdarm gehören zu diesem Element.
Dem Element Wasser ist der salzige Geschmack zugeordnet. Die Lebensmittel des Elements Wasser haben eine schwarze Farbe und können abführend wirken. Entsprechende Lebensmittel sind Salz, Oliven, Hülsenfrüchte, Fisch, roher Schinken und Wasser. Die zugeordneten Organe sind die Nieren und die Blase.

Ebenso wie die chinesischen Arzneimittel werden auch die Lebensmittel nach Kriterien eingeteilt:

  • Temperaturverhalten: heiß-warm-neutral-kühl-kalt
  • Geschmack: scharf-süß-sauer-salzig-bitter
  • Wirkrichtung: oberflächlich-tief-emporhebend-absenkend
  • Funktionskreis/Leitbahn

Die chinesische Diätetik achtet darauf, dass Mahlzeiten nicht ausschließlich aus süßen oder scharfen Nahrungsmitteln bestehen.

Eine solche eintönige Mahlzeit verursacht mitunter Verdauungsbeschwerden, Sodbrennen (Pyrosis), Völlegefühl und so weiter. Vielmehr sollte ein gutes Essen Bestandteile aller Geschmacksrichtungen aufweisen, dann ist es für den Körper am besten verträglich.

Auch das Temperaturverhalten des Nahrungsmittels spielt eine Rolle. Damit ist jedoch nicht gemeint, ob wir ein physikalisch gesehen kaltes oder heißes Nahrungsmittel zu uns nehmen.
Das Temperaturverhalten eines Nahrungsmittels gibt an, ob es im Körper zu einer Erwärmung oder einer Abkühlung führt oder ob es sich bezüglich der Temperatur neutral verhält.
Es sollte möglichst darauf geachtet werden, auch die Auswahl der Nahrung nach Temperatur
abwechslungsreich zu gestalten. Nur so bleibt der Körper im Gleichgewicht.
Übermäßiger Konsum einer Geschmacks- oder Temperaturrichtung führt zu Fülle oder Leere.

Ebenso gilt es, ein ausgewogenes Verhältnis der Wirkrichtungen und Funktionskreise zu beachten.

Nachfolgende einige Beispiele für Lebensmittel und ihre Einteilung.

Nahrungsmittel Geschmack Temperatur Funktionskreis
Honig Süß Heiß Magen-Milz
Lachs Salzig Warm Niere-Blase
Petersilie Sauer Neutral Leber-Gallenblase
Radieschen Scharf Kühl Lunge-Dickdarm
Gurke Bitter Kalt Herz-Dünndarm

Liegen Erkrankungen oder Störungen bestimmter Organe vor, können diese durch gezielte Einnahme der auf diesen Funktionskreis abgestimmten Lebensmittel gestärkt werden.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird die Ernährung den Rhythmen der Tageszeit und der Jahreszeit angepasst. Auch bestimmte Lebensphasen wie die Kindheit, eine vorliegende Schwangerschaft oder auch das Älterwerden erfordern eine spezielle Ernährung. Laut der Ernährungslehre nach den 5 Elementen kann davon ausgegangen werden, dass die richtigen Lebensmittel in der Region wachsen, in der man lebt. Rohkost wird weitestgehend abgelehnt, da angeblich die Verdauung von Rohkost dem Körper sehr viel Energie raubt. Gekochte Nahrung gilt daher als bekömmlicher. Stark verarbeitete Lebensmittel gelten als Energieräuber und sollten daher möglichst selten verwendet werden.


     
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