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Oberflächenkontakttherapie

Bei der Oberflächenkontakttherapie (Synonyme: Oberflächenbrachytherapie, Oberflächenstrahlentherapie) handelt es sich um eine Variante der Brachytherapie (Kurzdistanz-Radiotherapie). Es handelt sich dabei um ein Verfahren aus dem Fachgebiet der Strahlenmedizin, welches primär als therapeutische Maßnahme in der Dermatologie und Ophthalmologie genutzt wird. Als Hauptanwendungsgebiet der Oberflächenkontakttherapie ist die Behandlung von Tumoren anzusehen, die auf der Haut, im Epipharynx (Nasenrachenraum) oder im Augapfel liegen. Bei der Oberflächenkontakttherapie liegt das Zielvolumen sehr oberflächlich. Somit muss die freigesetzte Strahlung nur wenige Millimeter unter die bestrahlte Oberfläche eindringen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Dermatologie

  • Hauttumoren − Tumoren der Haut, wie zum Beispiel das Basalzellkarzinom (BZK; Basaliom; weißer Hautkrebs; Epithelioma basocellulare; engl.: basal cell carcinoma, basalioma, basal cell epithelioma); es handelt sich dabei um einen Tumor (Krebserkrankung) des Epithels der Haut), lassen sich je nach Tumorstadium palliativ (kein heilender Ansatz) oder kurativ (Heilung als Therapieziel) mittels Oberflächenkontakttherapie behandeln. Die Indikation zur Strahlentherapie erfolgt unter anderem, wenn wegen ungünstiger Lokalisation oder zu großer Tumorausdehnung die chirurgische Entfernung des Tumors nicht möglich ist. Es ist notwendig, dass die Diagnose histologisch (feingeweblich) gesichert wird und im Anschluss die Oberflächenkontakttherapie durchgeführt wird.
    Bei einem malignen Melanom (Synonyme: Melanom, Melano(zyto)blastom oder schwarzer Hautkrebs (engl.: [malignant] melanoma); ein hochgradig bösartiger Tumor der
    Melanozyten/Pigmentzellen) Stadium IV (Stadium der Fernmetastasierung/Absiedelung von Tumorzellen vom Ursprungsort über das Blut/das Lymphsystem an einen entfernten Ort im Körper und dort Wachsen von neuem Tumorgewebe) kann die Oberflächenkontakttherapie als Therapieoption zur Reduktion der Tumormasse eingesetzt werden. In diesem Fall hat die Variante der Brachytherapie jedoch nur noch einen palliativen Charakter (Behandlung, die nicht auf eine Heilung einer bestehenden Grunderkrankung abzielt, sondern auf die Reduzierung der Folgen). Bei der Auswahl der Therapieoptionen muss zwischen der Belastung für den Patienten und dem zu erwartenden Ergebnis abgewogen werden.

Ophthalmologie

  • Aderhautmelanom − beim Aderhautmelanom handelt es sich die häufigste und wichtigste maligne (bösartige) primäre Tumorart des Augeninneren bei erwachsenen Patienten. Die Notwendigkeit der Therapiebedürftigkeit wird durch eine Verlaufsbeurteilung der Größe des Tumors bestimmt. Bei einem Wachstumsnachweis des Tumors stellt die Oberflächenkontakttherapie eine Therapieoption dar. Hierzu wird der Strahlenträger auf die Sklera (Lederhaut des Auges; Synonym: „weiße Augenhaut“; sie umschließt den Augapfel fast vollständig und schützt das Auge; zusammen mit der Cornea (Hornhaut) gehört sie zur äußeren Augenhaut) genäht und belässt diesen für einen definierten Zeitraum, um die notwendige Strahlendosis zu erreichen. In die Therapieplanung muss mit einbezogen werden, dass die Prognose des Patienten nach Oberflächenkontakttherapie in der Regel nicht schlechter als nach Entfernung des Augapfels ist.
  • Konjunktivaltumoren − bei Tumoren der Bindehaut, wie zum Beispiel beim Konjunktivalkarzinom (Bindehautkarzinom), stellt die Oberflächenkontakttherapie eine Alternative zur lamellären Abtragung von Bindehaut und Sklera mit ausreichendem Abstand im Gesunden dar. Gegebenenfalls muss eine Nachbehandlung mit Mitomycin C-Augentropfen erfolgen.

Gynäkologie

  • Rezidivierendes Mammakarzinom − tritt nach einem Mammakarzinom (Brustkrebs) ein Rezidiv (Wiederauftreten einer Krebserkrankung) der vorbestrahlten Thoraxwand (Brustkorb) auf, so stellt die Oberflächenkontakttherapie in Abhängigkeit von der Gesamtsituation der Patientin eine vielversprechende Alternative zu weiteren Verfahren der Brachytherapie dar. Im Gegensatz beispielsweise zur erneuten perkutanen Strahlentherapie (Strahlenquelle liegt außerhalb des Körpers) stellt die Oberflächenkontakttherapie eine nebenwirkungsärmere Therapiemethode dar. Der Einsatz der Oberflächenkontakttherapie ist besonders empfohlen, wenn keine deutlich einschränkenden Spätfolgen der vorausgegangen Strahlentherapie vorliegen. Außerdem ist diese Form der Brachytherapie indiziert, wenn die Resektionsränder (Ränder des herausgeschnittenen Gewebes) kleiner als 1 cm sind oder ein Resttumor vorliegt.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Die Kontraindikationen variieren in Abhängigkeit vom zu behandelnden Tumor.

Vor der Therapie

Bevor die Oberflächenkontakttherapie als Behandlungsmaßnahme durchgeführt werden kann, muss zunächst ein Grading (Beurteilung der Differenzierung des Tumors) und Staging (Befall weiterer Organsysteme) durchgeführt werden. Weiterhin muss eine genaue Überprüfung der Indikationsstellung erfolgen.

Das Verfahren

Als Strahlenquelle für die Oberflächenkontakttherapie dienen β-Strahler wie beispielsweise 90Sr (Strontium)-Präparate oder 106Ru (Ruthenium)/106Rh (Rhodium)-Strahler mit einem kleinen Gammaanteil (1-2 %). Diese Strahlenquellen verfügen über eine  therapeutische Reichweite von ungefähr 7 mm. Je nach Anwendungsgebiet werden verschiedene Applikatoren zur Strahlungsabgabe eingesetzt.
Bei der Oberflächenkontakttherapie des Augapfels werden zum Beispiel kleine Schalen zum Aufbringen auf den Augapfel verwendet. Bei der Bestrahlung der Hautoberfläche wird primär plastisch verformbares Material eingesetzt, aus dem sogenannte Moulagen anhand von äußeren Konturen geformt werden. Bei der Anwendung des Verfahrens bei inneren Hohlräumen, beispielsweise dem Rachendach, wird ebenfalls plastisch verformbares Material eingesetzt, in das Strahlenquellen eingebracht werden können.

Nach der Therapie

Je nach Art der Tumoren sind Untersuchungen in einem definierten Zeitraum zur Kontrolle des Tumorwachstums oder der Tumorremission (Tumorrückbildung) notwendig. Weiterhin muss das Auftreten von Komplikation überwacht und gegebenenfalls behandelt werden.

Mögliche Komplikationen

  • Sekundärtumore (Zweittumoren) − als Folge der Brachytherapie können Zweittumore entstehen, da bei der Oberflächenbestrahlung nicht nur Tumorzellen, sondern auch gesunde Körperzellen geschädigt werden.
  • Radiogene Dermatitis (strahlenbedingte Hautentzündung) − insbesondere beim Einsatz der Oberflächenkontakttherapie zur Behandlung von Hauttumoren liegt ein hohes Risiko für die Entstehungen von Hautentzündungen wie der radiogenen Dermatitis vor.
  • Mukositiden (Schleimhautschädigung) − je nach Lokalisation des Zielgewebes ist das Risiko von Schleimhautschäden deutlich erhöht. Entzündungsreaktionen können nahezu jedes Organ betreffen, welches der Strahlung ausgesetzt wird.
  • Allgemeine Blutbildveränderungen − im Rahmen der Therapie treten häufig Leukopenien (Reduktion der Anzahl der weißen Blutkörperchen) und Thrombozytopenien (gegenüber der Norm verminderte Anzahl von Blutplättchen im Blut) auf. Weitere Folgen hiervon sind unter anderem eine erhöhte Infektions- und Blutungsgefahr.

Literatur

  1. Richter E: Grundlagen der Strahlentherapie. Springer Verlag 2002
  2. Liebmann A, Pohlmann S, Heinicke F, Hildebrandt G: Homogene Oberflächenkontakttherapie der Kopfhaut mittels einer Helm-Moulage. Strahlentherapie und Onkologie. 2007. 4:211-214
  3. Ott OJ, Strnad V: Die Rolle der Strahlentherapie in der Behandlung des primären Mammakarzinoms. Klinikarzt. 2004. 33:319-323
  4. Moll I: Dermatologie. Georg Thieme Verlag 2010
  5. Kanski J: Klinische Ophthalmologie. Elsevier Verlag 2008
  6. Wannenmacher M: Strahlentherapie. Springer Verlag 2006

     
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