Ultraschalltherapie

Die Ultraschalltherapie gehört zu den Verfahren der Physikalischen Therapie. Es handelt sich um eine mechanische Therapie, da Ultraschall aus Schallwellen (longitudinale, wellenförmige Ausbreitungen kleinster Druckschwankungen eines Mediums wie z. B. Luft oder Flüssigkeiten) mit einer hohen Frequenz besteht. Außerdem kann die Ultraschalltherapie durch ihre Wärme erzeugende Wirkung als Thermotherapie verwendet werden. Zusätzlich ist die Ultraschalltherapie im weitesten Sinne auch eine Form der Elektrotherapie. Dies begründet sich darauf, dass der Ultraschall aus elektrischer Energie gewonnen wird. Die Therapieform wird vor allem bei chronisch degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates angewendet.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Akute Krankheitszustände nach Traumen – z. B. bei Frakturen
  • Akute Krankheitszustände nach Operationen
  • Chronisch degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates – z. B. Muskel- oder Sehnenschmerzen
  • Durchblutungsstörungen
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Myogelosen – knotenartige oder wulstförmige, klar umschriebene Verhärtungen in der Muskulatur (umgangssprachlich auch als Hartspann bezeichnet)
  • Narben- und Gewebsverklebungen
  • Pseudoarthrose (ausbleibende Heilung eines Knochenbruchs) [3]
  • Verbesserung der Trophik (Versorgung mit Nähr- und Vitalstoffen) schlecht heilender Wunden

Das Verfahren

Wie bereits erwähnt, besitzt der Ultraschall eine mechanische und eine thermische sowie zahlreiche andere Wirkungen auf das Gewebe. Die mechanische Ultraschallwirkung erzeugt Mikrovibration, die vielfältige Veränderungen hervorrufen:

  • Permeabilitätsänderungen (Änderungen der Durchlässigkeit) der Zellmembranen
  • Verbesserung des Zellstoffwechsels
  • Steigerung des Stofftransports durch Diffusion in die Zellen
  • Verschiebung des pH-Wertes in den alkalischen Bereich
  • Veränderung von Proteinstrukturen
  • Muskeldetonisierung (Verringerung der Muskelspannung)

Der thermischen Wirkung liegt vor allem die Förderung der Durchblutung zugrunde. Die Wärme entsteht durch Reibung der verschieblichen Gewebeschichten gegeneinander und wird durch die hochfrequenten mechanischen Schwingungen des Ultraschalls erzeugt. Die Dehnbarkeit des Gewebes wird durch die Wärme verbessert, dies hat einen positiven Effekt auf Sehnen, Bänder und Gelenkkapseln. Außerdem können Muskelkontrakturen behandelt werden. Die sekundären Wirkungen der Wärme sind wie folgt:

  • Muskeldetonisierung
  • Linderung von Schmerzen
  • Hyperämie (Steigerung der Durchblutung)
  • antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung
  • Verbesserung der Viskosität (Zähflüssigkeit) der Gelenkflüssigkeit
  • Resorptionssteigerung

Der Ort der Beschallung wird durch die Indikation gegeben. Bei Traumen (Verletzungen) oder Myogelosen (umschriebene Verhärtungen in der Muskulatur) wird der Ultraschallkopf lokal aufgesetzt. Allerdings kann auch eine Reflexonenbeschallung erfolgen, die über Verbindungen der viszeralen Nerven mit Hautnerven (Headsche Zone) das Organsystem beeinflusst. Für die optimale Applikation der Ultraschalltherapie stehen mehrere Möglichkeiten zu Verfügung. Der Ultraschall wird über einen Ultraschallkopf auf das Gewebe des Patienten übertragen und kann unterschiedlich geführt werden:

  • Dynamische Beschallung – Der Ultraschallkopf wird in gleichmäßigem Tempo rhythmisch mit leichtem Druck über die Haut bewegt. Dabei sind kreisende, streichende sowie sich überlappende Bewegungen üblich.
  • Semistatische Beschallung – Der Ultraschallkopf wird auf der Stelle kreisend bewegt. Dies dient der gezielten Beschallung kleiner Areale.
  • Statische Beschallung – Der Ultraschallkopf wird nicht bewegt. Bei dieser Form der Behandlung können leicht thermische Schäden entstehen. Aus diesem Grund wird die Intensität verringert und die Applikation in Intervallen durchgeführt.

Da der Ultraschall leicht von der Haut reflektiert wird und dann nicht in das Gewebe eindringt, muss er über ein Ankopplungsmedium appliziert werden. Hierfür eignen sich z. B. das übliche Ultraschall-Gel, Paraffinöl oder auch medikamentenhaltiges Gel (sogenannte Phonophorese – Verbesserung der Arzneiwirkung durch Förderung der Durchblutung und verbesserte Resorption). Von dieser direkten Ankopplung unterscheidet sich die indirekte Ankopplung, bei der Ultraschall unter Wasser auf das Gewebe des Patienten übertragen wird.

Weitere Hinweise

  • Die Behandlungergebnisse von Pseudarthrosen mit einem gepulstem Ultraschall niedriger Intensität (Low-Intensity Pulsed Ultrasound, LIPUS) können sich gemäß einer Metaanalyse mit jenen der Operation messen. Pseudarthrosen, die mindestens drei Monate alt waren heilten unter LIPUS in 82 % der Fälle aus und jene, die mindestens acht Monate alt waren heilten in 84 % der Fälle aus [3]. 

Ihr Nutzen

Die Ultraschalltherapie kann ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung vieler Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt werden und so ihre heilende Wirkung entfalten. Zudem kann sie als Kombinationsbehandlung mit einer niederfrequenten Elektrotherapie angewendet werden.

Literatur

  1. Beer AM: Stationäre Naturheilkunde. Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2005
  2. Hüter-Becker A, Dölken M: Physikalische Therapie, Massage, Elektrotherapie und Lymphdrainage. Georg Thieme Verlag 2006
  3. Leighton R et al.: Healing of fracture nonunions treated with low-intensity pulsed ultrasound (LIPUS): A systematic review and meta-analysis. Injury 2017, online 15. Mai. doi: 10.1016/j.injury.2017.05.016

     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag