Atlastherapie

Die Atlastherapie nach Arlen ist ein schonendes, manuelles Verfahren, welches der manuellen Medizin zugeordnet wird. Es beinhaltet eine reflektorische und regulatorische Beeinflussung des vegetativen und peripheren Nervensystems durch eine sanfte manuelle Impulstechnik an den Querfortsätzen des ersten Halswirbels (Synonyme: Atlas; C1).

Indikationen (Anwendungsgebiete) 

  • Asthma bronchiale
  • Atopisches Ekzem (Neurodermitis)
  • Dysmenorrhoe (Regelschmerzen)
  • Funktionsabstimmung von inneren Organen, Haut- und Bindegewebe
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Synonyme: GERD, Gastro-oesophageal reflux disease; Gastroesophageal Reflux Disease (GERD); Gastroösophageale Refluxkrankheit (Refluxkrankheit); Gastroösophagealer Reflux; Reflux-Ösophagitis; Refluxkrankheit; Refluxösophagitis; peptische Ösophagitis) – entzündliche Erkrankung der Speiseröhre (Ösophagitis), die durch den krankhaften Rückfluss (Reflux) von saurem Magensaft und anderen Mageninhalten hervorgerufen wird
  • Herpes zoster
  • Kiss-Syndrom (Kiss steht als Abkürzung für: Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung) – Störungen der Körperhaltung im Säuglings- und Kleinkindalter, die zu einer Reihe von Verhaltensstörungen führen soll [die Existenz eines Kiss-Syndroms im Sinne eines Krankheitsbildes gilt als nicht bewiesen]
  • Muskeldysbalance, v. a. auch bei spastischen Kindern
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Paroxysmale Tachykardien (plötzliche, anfallsweise Auftreten einer stark beschleunigten Herzaktivität)
  • Schmerzzustände im Bewegungsapparat
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Vertigo (Schwindel)
  • Zust. n. Schleudertrauma

Das Verfahren

Im Gebiet des Atlaś werden die Muskeln und Sehnen der Halswirbelsäule dicht mit Nerven versorgt. Des Weiteren befinden sich in der unmittelbaren Umgebung des Atlaś das Innenohr, das Kiefergelenk und verschiedene Hirnnervenaustritte aus der Schädelgrube. In Atlashöhe ist zudem der Eingang des Rückenmarks (Medulla spinalis) in den Spinalkanal (Rückenmarkskanal) der Wirbelsäule mit unzähligen Verschaltungen der Pyramidenbahn und den Hirnnervenkernen.

Mit der Atlastherapie lassen sich über diese Nackennerven in unmittelbarer Nähe zum Gehirn zentrale Körperfunktionen wie Muskelspannung, Gleichgewicht und Schmerzverarbeitung positiv beeinflussen.

Traditionell galt zur Bestimmung der therapeutischen Impulsrichtung bei der Atlastherapie nach Arlen die Anfertigung einer a.-p.-Röntgenaufnahme des zervikookzipitalen Übergangs als unverzichtbar. Diese wird möglicherweise durch den klinischen 3-Zeichen-Test zur Ermittlung der therapeutisch wirksamen Atlasimpulsrichtung ersetzt werden, der aus drei diagnostischen Schritten besteht [3, 4]:

  1. Palpatorischer Nachweis der umschriebenen Induration etwa in Höhe C2, zu suchen zwischen M. semispinalis capitis und M. splenius capitis (Seitenvergleich)
  2. Palpatorischer Nachweis der flach hirsekorngroßen, nicht selten sulzigen Induration am kranialen Ende der "Mastoidkerbe" (Seitenvergleich)
  3. Funktioneller Armlängentest (FALT): Wird eine Abweichung vom Ausgangsbefund nachgewiesen, ist der FALT positiv.

Der Arzt setzt mit seinem Mittelfinger kurze Impulse, die über die Seitenfortsätze des Atlas auf den jeweiligen Nackennerven übertragen werden, wodurch ein anderes Wahrnehmungsmuster im Gehirn des Patienten entsteht. Die Atlastherapie beeinflusst so den Spannungszustand der Muskulatur und die Funktion der inneren Organe sowie zugleich die nervale, und indirekt auch die hormonelle Funktion.

Für die Atlastherapie gibt es keine behandlungstypischen Risiken, da die technische Durchführung ohne Zug, Drehung oder Extension der Halswirbelsäule erfolgt. Sie gilt als sehr schonende Technik. Diese Therapiemethode wird häufig auch bei Kindern eingesetzt.

Ihr Nutzen

Die Atlastherapie lindert und beseitigt akute, chronische oder wiederkehrende Schmerzzustände. Sie profitieren bei regelmäßiger Anwendung von dem sanften und sofort wirksamen Verfahren.

Literatur

  1. Arlen A: Leitfaden zur Atlastherapie. Ass Rech Med Prev Sante 1-9 (Munster) 1985
  2. Arlen A, Kraemer M, Patris A: L’analyse radio-functionelle du rachis cervical, 2e partie: la bascule paradoxale de l’atlas. Ann Réadaptation Méd Phys 33:591-601-1990
  3. Coenen W: Der Drei-Zeichen-Test in der atlastherapeutischen Diagnostik. Vortrag auf der Konferenz des wissenschaftlichen Beirats der ÄMKA, Lichtenhagen 2011
  4. Coenen W et al.: Atlastherapie nach Arlen: 3-Zeichen-Test statt Röntgen Ergebnisse einer multizentrischen Studie. Springer-Verlag Berlin Heidelberg (2015) doi: 10.1007/s00337-015-0041-3

     
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