Blaulichttherapie

Die Blaulichttherapie ist eine spezielle Form der Lichttherapie und wird vorwiegend zur Behandlung beziehungsweise Prophylaxe (Vorbeugung) des sogenannten Ikterus neonatorum eingesetzt. Diese physiologische Gelbsucht ist auf eine Hyperbilirubinämie (erhöhte Konzentration von Bilirubin) zurückzuführen und eine Folge der kurzen Lebenszeit der fetalen Erythrozyten (rote Blutkörperchen des Neugeborenen). Bilirubin ist ein wasserunlösliches Abbauprodukt des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff). Vor der Geburt wird das Bilirubin durch die Plazenta in die Leber der Mutter transportiert und dort weiter abgebaut. Nach der Geburt hingegen ist die kindliche Leber bislang nicht vollständig in der Lage diese Aufgabe zu übernehmen und es kommt zu einer Ablagerung des Bilirubins, die sich als Gelbfärbung (Ikterus) der Haut und Schleimhäute äußert. Die Behandlung dieses Ikterus ist notwendig, da die Möglichkeit einer gefährlichen Schädigung des Gehirns vorliegt, die als Bilirubinenzephalopathie bzw. Kernikterus bezeichnet wird.

Die Blaulichttherapie wird auch als Kaltlichttherapie (Synonym: UVA1-Kaltlichttherapie) bezeichnet und zusätzlich zur Behandlung unterschiedlicher Hauterkrankungen eingesetzt.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Ikterus neonatorum (Neugeborenen-Gelbsucht)
  • Morphea – bzw. Sklerodermie; ein Kollektiv von Erkrankungen, das zu den Autoimmunerkrankungen zählt und das das Gefäß- und Bindegewebesystem betrifft.
  • Mastozytose – zwei Hauptformen: kutane Mastozytose (Hautmastozytose) und systemische Mastozytose (Mastozytose des gesamten Körpers); klinisches Bild der kutanen Mastozytose: gelblich-braune Flecken mit unterschiedlicher Größe (Urticaria pigmentosa); bei der systemischen Mastozytose treten zudem episodisch gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), (Nausea (Übelkeit), brennende Abdominalschmerzen und Diarrhoe (Durchfall)), Ulkuskrankheit sowie gastrointestinale Blutungen (Magen-Darmblutungen) und Malabsorption (Störung der Nahrungsresorption) auf; bei der systemischen Mastozytose kommt es zu einer Anhäufung von Mastzellen (Zelltyp, der u. a. an allergischen Reaktionen beteiligt ist) im Knochenmark, wo sie gebildet werden, sowie zur Anhäufung in der Haut, den Knochen, der Leber, der Milz und dem Gastrointestinaltrakt (GIT; Magen-Darm-Trakt); Mastozytose ist nicht heilbar; Verlauf in der Regel benigne (gutartig) und Lebenserwartung normal; extrem selten entarten Mastzellen (= Mastzellleukämie (Blutkrebs))
  • Schweres atopisches Ekzem (Neurodermitis)
  • Parapsoriasis (Schüppchenflechte) – eine Erkrankung, die der Psoriasis (Schuppenflechte) ähnelt
  • Pruritus (Juckreiz) mit unterschiedlichen Ursachen

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Ungeklärte Hyperbilirubinämie: Wenn die Ursache des erhöhten Bilirubinspiegels unbekannt ist, sollte eine Blaulichttherapie mit Vorsicht eingesetzt werden.
  • Bestimmte Blutkrankheiten: Beispielsweise bei Erkrankungen wie der Sphärozytose oder G6PD-Mangel.
  • Hauterkrankungen: Bestimmte Hautzustände können durch die Lichttherapie verschlimmert werden.

Vor der Therapie

  • Sorgfältige Diagnose: Bestätigung des Ikterus neonatorum und Ausschluss anderer Ursachen der Gelbsucht.
  • Überprüfung der Geräte: Sicherstellen, dass das Blaulichtgerät korrekt funktioniert und die richtige Wellenlänge liefert.
  • Elternaufklärung: Informieren der Eltern über den Zweck, die Durchführung und mögliche Nebenwirkungen der Therapie.
  • Augenschutz für das Baby: Zum Schutz der Augen des Neugeborenen vor der starken Lichtexposition.

Das Verfahren

Die Blaulichttherapie wird beim Ikterus neonatorum im Wellenlängenbereich von 420-480 nm angewendet. Das Licht setzt einen photochemischen Prozess in Gang, der für eine Umwandlung des Bilirubins in ein wasserlösliches Isomer (strukturell veränderte Form eines Moleküls) sorgt. Diese Substanz ist nicht toxisch (giftig) und kann unabhängig von der Glucuronidierung (Abbauprozess zur Ausscheidung von Abfallstoffen in der Leber) ausgeschieden werden. Um den Therapieerfolg zu gewährleisten, wird das Blaulicht bei Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht prophylaktisch in den ersten 24-48 Stunden appliziert.

Leitliniengerecht wird die Blaulichttherapie wie folgt eingesetzt:

  • Geburtsgewicht über 2-2,5 Kilogramm bei einer Serumbilirubinkonzentration von 310 μmol/l
  • Geburtsgewicht über 2,5 Kilogramm bei einer Serumbilirubinkonzentration von 220 μmol/l

Neben der Behandlung des Ikterus neonatorum existieren weitere Indikationen, die auf die folgenden Wirkungen zurückzuführen sind:

  • Stillung von Pruritus (Juckreiz)
  • Förderung der Wundheilung
  • nervale Dämpfung
  • antiphlogistische Wirkung (antientzündlich)

Wird die Blaulichttherapie unter diesen Gesichtspunkten angewendet, so liegt die Applikationszeit bei 20-30 Minuten, während der Abstand der Lichtquelle zur Hautoberfläche ca. 15-20 cm beträgt.

Fazit: Bei der Behandlung des Ikterus neonatorum zählt die Blaulichttherapie zur Standardtherapie. Aber auch bei der Linderung einiger dermatologischer Erkrankungen erzielt die Blaulichttherapie gute Erfolge.

Nach der Therapie

  • Überwachung des Bilirubinspiegels: Regelmäßige Kontrollen, um die Wirksamkeit der Therapie zu überwachen.
  • Hautpflege: Überwachung der Haut des Babys auf Anzeichen von Austrocknung oder Reizung.
  • Nachsorgeuntersuchungen: Regelmäßige ärztliche Kontrollen zur Überwachung der allgemeinen Gesundheit des Babys nach der Therapie.

Mögliche Komplikationen

Frühkomplikationen

  • Hautausschläge: Reizungen oder Ausschläge können aufgrund der Lichtexposition entstehen.
  • Augenreizung: Trotz Schutz kann es zu Reizungen der Augen kommen.
  • Überhitzung oder Unterkühlung: Aufgrund der Wärmewirkung des Lichts oder wenn das Baby nicht angemessen zugedeckt ist.

Spätkomplikationen

  • Bronze-Baby-Syndrom: Eine seltene Komplikation, bei der die Haut des Babys eine bronzefarbene Tönung annimmt.
  • Veränderungen im Wasserhaushalt: Dehydration kann auftreten, wenn das Baby während der Therapie nicht ausreichend Flüssigkeit erhält.
  • Verzögerte Diagnose anderer Erkrankungen: Bei unsachgemäßer Anwendung oder Überwachung könnte eine zugrunde liegende Erkrankung übersehen werden.

Literatur

  1. Bossert FP, Jenrich W, Vogedes K: Leitfaden der Elektrotherapie. Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2006
  2. Kardorff B: Selbstzahlerleistungen in der Dermatologie und ästhetischen Medizin. Springer Verlag 2005
  3. Steffers G, Feydt-Schmidt A: Pädiatrie: Prüfungswissen für Pflegeberufe. Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2005

     
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