Eigenfetttransplantation
Fat Autografting Muscle Injection (FAMI)

Bei der Eigenfetttransplantation (Synonyme: Fat Autographing Muscle Injection/Facial Autograft Muscle Injektion (FAMI), autologe Fetttransplantation) handelt es sich um ein Verfahren der plastischen bzw. ästhetischen Chirurgie, bei dem Fettgewebe aus einem Körperareal entnommen und in eine andere Körperpartie versetzt wird. Auf Grund der multiplen Körperpartien, an denen eine Eigenfetttransplantation durchgeführt werden kann, sind die Einsatzmöglichkeiten des Transplantationsvorganges nahezu unbegrenzt. Des Weiteren ist anzuführen, dass bei der Eigenfetttransplantation einerseits vitales (direkt entnommenes) Fettgewebe andererseits aber auch tiefgefrorenes konserviertes Gewebe eingesetzt werden kann. Der Einsatz des gefrorenen autologen (körpereigenen) Fettgewebes bewirkt eine Entzündungsreaktion im umliegenden Gewebe, sodass eine verminderte Abstoßung des verwendeten Eigenfettes im angrenzenden Gewebe erfolgt. Historisch betrachtet sind erste Fettgewebsverpflanzungen schon Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt worden. Die heute praktizierte Anwendung des Verfahrens beruht jedoch maßgeblich auf den Ärzten Dr. Pierre Fournier und Dr. Sydney Coleman, die der Eigenfetttransplantation zu einem großen Bekanntheitsgrad verhalfen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Eine Eigenfetttransplantation kann in folgenden Körperregionen durchgeführt werden:

  • Gesicht: Wangenbereich, Jochbeinareal, Lippen- und Kinnbereich 
  • Körperstamm: Brust und Gesäßbereich
  • Extremitäten: Hände und Muskelkonturen

Indikationen

  • Narbenkorrektur
  • Lipodystrophie im Gesicht (bei HIV-Patienten)
  • Rejuvenation des Gesichts

Besonders strenge Indikationsstellung bei Mammaaugmentation (Brustvergrößerung) mit autologer Fetttransplantation [5]:

  • BRCA1/2-Mutationen bzw. positiver Familienanamnese für Brustkrebserkrankungen
  • Nach brusterhaltender Therapie (BET) eines duktalen Carcinoma in situ oder Mucin-like Cancer associated Antigen (MCA) bei Rezidivfreiheit (kein Wiederauftreten der Erkrankung) frühestens zwei Jahre nach der lokalen Therapie (unter kontrollierten Studienbedingungen!)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen) [modifiziert nach [5])

  • Entzündungen im Injektionsareal
  • Akute Infektionen im Spender- oder Empfängersitus
  • Aktive maligne (bösartige) Grunderkrankung des Spender- oder Empfängersitus
  • Starker Nikotinabusus
  • Stillzeit
  • Schwangerschaft
  • Immunsupression
  • Antikoagulation (blutverdünnende Medikamente, die mit einer erhöhten Blutungsneigung assoziiert sind)
  • Fehlende Compliance (mangelnde Kooperation des Patienten)

Vor der Operation

Vor der Operation sollte ein intensives Anamnesegespräch durchgeführt werden, dass die Krankengeschichte und die Motivation zu dem Eingriff einschließt. Die Durchführung, eventuelle Nebenwirkungen und die Folgen der Operation sollten ausführlich erörtert werden. 
Beachte: Die Anforderungen der Aufklärung sind strenger als üblich, da Gerichte im Bereich der ästhetischen Chirurgie eine „schonungslose“ Aufklärung fordern.

Des Weiteren sollten Sie vor einer Eigenfetttransplantation für die Dauer von sieben bis zehn Tagen weder Acetylsalicylsäure (ASS) noch Schlafmittel oder Alkohol zu sich nehmen. Sowohl Acetylsalicylsäure als auch andere Schmerzmittel verzögern die Blutgerinnung und können zu unerwünschten Blutungen führen.
Raucher sollten ihren Nikotinkonsum bereits vier Wochen vor dem Eingriff stark einschränken, um die Wundheilung nicht zu gefährden.

Das Operationsverfahren

Das Prinzip der Eigenfetttransplantation ist die Umverteilung des Fettgewebes durch autologe Transplantation (Spender und Empfänger sind dieselbe Person). Zur Fettentnahme wird häufig eine periumbilicale (neben dem Bauchnabel lokalisiert) fettgewebsreiche Region verwendet.

Nachfolgend die Beschreibung der Entnahme von Fettgewebe:

  • Vor dem eigentlichen Eingriff wird eine lokale Anästhesie durchgeführt (örtliche Betäubung). In diesem Fall ist eine Anwendung der Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA – Verfahren, dessen Wirkprinzip auf der Verwendung einer großvolumigen Gabe eines Lösungsmittels beruht, welches mit dem Lokalanästhetikum vermischt und ins Unterhautfettgewebe injiziert wird) angezeigt. Überdies führt der Einsatz der Tumeszenz-Anästhesie zur Verminderung der Festigkeit des Gewebes (tumescere: dt. Anschwellen).
  • Im Anschluss an die Lokalanästhesie erfolgt die Entnahme des Fettgewebes durch manuelle Aspiration (Ansaugen) durch eine zwischen 10 bis 20 ml fassende Spritze. Nach Injektion der TLA ist das Fettgewebe als Resultat der Weichmacherwirkung durch schmale Kanülen zu entnehmen. Diese Form der Entnahme wird in der plastischen Chirurgie als Mikrolipoextraktion bezeichnet. Als herausstechende Eigenschaft der Mikrolipoextraktion ist der geringe Anteil des unerwünschten Bindegewebes bei der Fettentnahme zu nennen.
  • Nach der Fettgewebsentnahme kann die Aufbereitung des zur Transplantation zu verwendeten Materials über zwei unterschiedliche Mechanismen erfolgen. Als bevorzugtes Verfahren wird die geschlossene Fettgewinnung betrachtet. Bei dieser Methode kann das Fett von möglichen Blutverunreinigungen befreit werden. Es besteht die Möglichkeit der Reinigung über die Zugabe von Kochsalz- oder Ringerlösung (wässrige Infusionslösung).
  • Durch das Umfüllen des entnommenen Eigenfettes über Luer-zu-Luer-Verbindungsstücke (das Luer-Lock System ist ein genormtes Verbindungssystem für Kanülen, Spritzen und Infusionsschläuche) in kleine Spritzen erfolgt der Transplantationsvorgang ohne weitere Aufarbeitung des entnommenen Fettgewebes.
  • Des Weiteren besteht die Möglichkeit der Verwendung der offenen Fettgewinnung. Bei dieser Methode wird durch die vorherige Fettgewebsentnahme mittels größerer Kanülen dem Körper mehr Bindegewebe entzogen. Auf Grund dessen ist die Durchführung einer Filtration notwendig. Das gereinigte Fett kann nun in kleine Spritze umgefüllt und wieder dem Körpergewebe bei der Transplantation zugeführt werden.

Nachfolgend die Beschreibung der Eigenfetttransplantation:

  • Sofern es sich bei dem Fettgewebe um tiefgefrorenes Material handelt, kann dieses aufgetaut oder im tiefgefrorenen Zustand verwendet werden. Nach der Festlegung der Einstichpunkte kann die Injektion in die Subkutis (oberflächliche Hautschicht) erfolgen.
  • Über zusätzliche Kühlung des umliegenden Gewebes kann die Wirkung des Anästhetikums verstärkt werden.
  • Sollten ungleichmäßige Hautdellen vorliegen, so können diese durch unterschiedliche Injektionstiefen ausgeglichen werden.

Nachdem die Fetttransplantation erfolgt ist, folgt eine Gewebsmassage zur Durchblutungsförderung und zur Gewährleistung einer gleichmäßigen Fettverteilung.

Soll das Fett nur im Rahmen einer Liposuktion ("Fettabsaugen") entnommen werden, so wird dies nicht unter Verwendung von Spritzen erreicht, sondern durch spezielle Vakuumpumpen.

Mögliche Komplikationen

  • Rötungen und Schwellungen in den Injektionsarealen
  • Sensibilitätstörungen im Transplantationsbereich
  • Infektionen – z. B. Erysipel (akute Hautinfektion, die oft mit Fieber und Schüttelfrost einhergeht)
  • hypertrophe Narbenbildungen
  • Konturunregelmäßigkeiten und Pigmentstörungen im Empfängerareal 

Ihr Nutzen

Die Eigenfetttransplantation ist eine anerkannte und nahezu komplikationsfreie Methode zur Umverteilung von Fettgewebe. In Langzeitstudien konnte die Wirkung mittels Sonographie (Ultraschall) auch Jahrzehnte nach erfolgtem Eingriff nachgewiesen werden. Als Resultat der leicht durchzuführenden Therapie ist das Qualitätslevel des Eingriffes als hoch anzusehen.
Nach neuen Studien ist auch eine erfolgreiche Anwendung in der Hautbehandlung von bestrahlten Patienten (Zustand nach Radiatio/Strahlentherapie) möglich.

Mit einer autologen Fetttransplantation in Stirn und Schläfen kann das alternde Gesicht korrigiert werden kann, ohne starke Nebenwirkungen hervorzurufen, Die Verfahren veränderte die Augenbrauenhöhe nur minimal, hatte aber einen Effekt auf die Schräge der Brauen. Laut den Autoren kann die Verjüngung bis zu drei Jahre anhalten [6].

Literatur

  1. Kardoff B: Selbstzahlerleistung in der Dermatologie und der ästhetischen Medizin. Springer Verlag 2005
  2. Opderbecke H: Entschließung – Empfehlung – Vereinbarung – Leitlinien. Ein Beitrag zur Qualitätssicherung in der Anästhesiologie. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin 2002
  3. Krutmann J: Hautalterung: Grundlagen – Prävention – Therapie. Springer Verlag 2008
  4. Rassner G: Dermatologie. Urban & Fischer Verlag 2007
  5. Prantl L et al.: Handchir Mikrochir Plast Chir 2016;48:330-336; S2k-Leitlinie „Autologe Fetttransplantation“ 11/2015; AWMF-Registernummer: 009/017
  6. Chiu Ch: Objective Evaluation of Eyebrow Position After Autologous Fat Grafting to the Temple and Forehead. Aesth Plast Surg 2017 Dec;41(6):1342-1350. doi: 10.1007/s00266-017-0881-4. Epub 2017 Apr 26.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Autologe Fetttransplantation. (AWMF-Registernummer: 009 - 017), November 2015 Langfassung

     
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