Cytomegalievirus (CMV)

Mit der Muttermilch können Krankheitserreger übertragen werden und bei den Kindern die entsprechende Erkrankung auslösen, mit unterschiedlicher Ausprägung des Krankheitsverlaufes. Einer der wichtigsten Erreger ist in diesem Zusammenhang das Cytomegalie-Virus (CMV). Es zählt zu den häufigsten über die Muttermilch übertragenen Viruserkrankungen.

Wenn eine infizierte Mutter stillt, kommt es ca. zwei bis drei Wochen nach der Geburt zu einer länger andauernden Ausscheidung der Viren in die Muttermilch. Das Kind verfügt aber über sogenannte mütterliche Leihantikörper, sodass die Infektion symptomlos verläuft und beim reifen Neugeborenen keine Schäden hinterlässt. Das Stillen muss folglich nicht eingeschränkt oder abgebrochen werden.

Fand die Infektion intrauterin ("in der Gebärmutter") statt, können Frühgeborene oder Babys mit zu geringem Körpergewicht ebenfalls uneingeschränkt gestillt werden.

Anders verhält es sich bei nicht-intrauterin infizierten unreifen Frühgeborenen (< 32. SSW oder leichter als 1.200 bzw. 1.500 g). Sie verfügen noch nicht über eine adäquate Immunkompetenz bzw. haben keine passive Immunisierung über die Plazenta (Mutterkuchen) erhalten. Die Krankheit beginnt zunächst milde. Hier kann sich die übertragene CVM-Infektion als generalisierte Infektion zeigen. Mögliche Folgeerkrankungen einer postnatalen Infektion können sein:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Pleuritis – Entzündung des Lungenfells
  • Pneumonie (Lungenentzündung)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung) [3]
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung) [1]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Sialadenitis (bei Infektion im ersten Lebensjahr zeigt sich nur noch eine 10%ige Speicheldrüsenbeteiligung)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Arthritis (Gelenkentzündung)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Enzephalitis (Gehirnentzündung) mit Verkalkungen, die wiederum zu Krampfanfällen, Lähmungen oder ähnlichem führen können
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS; Synonyme: Idiopathische Polyradikuloneuritis, Landry-Guillain-Barré-Strohl-Syndrom); zwei Verlaufsformen: akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie bzw. chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems); idiopathische Polyneuritis (Erkrankungen mehrerer Nerven) der spinalen Nervenwurzeln und peripheren Nerven mit aufsteigenden Lähmungen und Schmerzen; tritt meist nach Infektionen auf

Weiteres

  • Allgemeine Schwäche, die mehrere Monate andauern kann

Geeignete Wirkstoffe zur virustatischen Therapie sind Ganciclovir bzw. Valganciclovir. Spätschäden wie Innenohrschwerhörigkeit oder Intelligenzminderung sind möglich [2].

Eine Möglichkeit, den Erreger in der Muttermilch abzutöten, ist das Pasteurisieren (Erhitzen der Muttermilch auf 62,5 °C für 30 Minuten). Allerdings vernichtet man dabei auch protektive (schützende) und bioaktive Inhaltsstoffe der Muttermilch.

Literatur

  1. Hamprecht K, Maschmann J, Vochem M, Dietz K, Speer CP, Jahn G: Epidemiology of transmission of cytomegalovirus from mother to preterm infant by breastfeeding. Lancet. 2001 Feb 17; 357 (9255): 513-8
  2. Brecht KF, Goelz R, Bevot A, Krägeloh-Mann I, Wilke M, Lidzba K: Postnatal human cytomegalovirus infection in preterm infants has long-term neuropsychological sequelae. J Pediatr. 2015 Apr; 166 (4): 834-9.e1. doi: 10.1016/j.jpeds.2014.11.002. Epub 2014 Nov 6.
  3. Reinhardt B et al.: Human cytomegalovirus infection impairs endothelial cell chemotaxis by disturbing VEGF signaling and actin-polymerization. Cardiovasc Res (2014). doi: 10.1093/cvr/cvu204
     
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