Hodenschmerzen – Einleitung

Hodenschmerzen, auch als Orchialgie, Skrotalschmerz oder Testalgie (chronischer Hodenschmerz) bekannt, können viele verschiedene Ursachen haben. Sie können akut oder chronisch sein und sowohl ein- als auch beidseitig auftreten.

Synonyme und ICD-10: Orchialgie; Skrotalschmerz, Scrotalschmerz; Testalgie (chronischer Hodenschmerz); engl. orchialgia; ICD-10-GM 50.8: Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der männlichen Genitalorgane

Formen der Hodenschmerzen

Akute Hodenschmerzen:

  • Infektionen: Häufig durch virale Infektionen verursacht, die zu einer Orchitis (Hodenentzündung) führen können.
  • Hodentorsion: Tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10-20 Jahren auf. Eine akute Stieldrehung von Hoden und Nebenhoden unterbricht die Blutzirkulation und kann innerhalb weniger Stunden zur Hodennekrose (Absterben des Hodens) führen. Die Ischämiezeit beträgt im Kindesalter maximal 6-8 Stunden.

Chronische Hodenschmerzen (CTP):

  • Definition: Schmerzen, die mindestens 3 Monate anhalten, intermittierend oder konstant sind. Betreffen häufig Hoden, Nebenhoden, Samenleiter oder paratestikuläre Strukturen und schränken die tägliche Lebensaktivität ein.
  • Ursachen: Varikozelen (Krampfaderbruch), Hydrozelen (Wasserbruch des Hodensacks), Spermatozelen (flüssigkeitsgefüllte Aussackung, die sich aus dem Nebenhoden entwickelt), Traumata (Verletzungen), Tumoren und post-operative Zustände wie das Post-Vasektomie-Schmerz-Syndrom (chronische Schmerzphänomene und/oder Drucksensationen nach einer Vasektomie (Sterilisation) im Unterleibsbereich des Mannes).

Differentialdiagnosen

  • Leistenprobleme
  • Nieren-/Harnleiterprobleme
  • Muskuläre Ursachen
  • Wirbelsäulenprobleme
  • Hüftgelenkserkrankungen

Hodenschmerzen können Symptom vieler Erkrankungen sein (siehe unter "Differentialdiagnosen").

Epidemiologie

Häufigkeitsgipfel: Chronische Hodenschmerzen treten vorwiegend ab dem 45. Lebensjahr auf.

Die Lebenszeitprävalenz (Krankheitshäufigkeit während des gesamten Lebens) für Hodenschmerzen liegt nach Schätzungen bei 50 % der Männer (in Deutschland).

Verlauf und Prognose

Akute Hodenschmerzen: Die Prognose akuter Hodenschmerzen ist stark abhängig von der Ursache. Eine Hodentorsion erfordert eine sofortige medizinische Intervention, um irreversible Schäden zu verhindern. Irreversible Schädigungen des Hodenparenchyms (Hodengewebe) durch Ischämie (Minderdurchblutung) treten bereits nach 4 Stunden auf. Daher ist eine schnelle Diagnose und Therapie entscheidend, um die Hodenfunktion zu erhalten.

Chronische Hodenschmerzen: Der Verlauf chronischer Hodenschmerzen ist ebenfalls von der zugrunde liegenden Ursache abhängig. Bei korrekter Diagnose und entsprechender Therapie können die Schmerzen häufig gelindert oder behoben werden. Chronische Hodenschmerzen können jedoch auch persistieren und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

In Fällen von Varikozelen, Hydrozelen oder Spermatozelen kann eine chirurgische Intervention notwendig sein. Bei postoperativen Schmerzen, wie sie nach einer Vasektomie auftreten können, sind Schmerzmanagement und eventuell eine erneute chirurgische Revision erforderlich.

Prognose

Die Prognose hängt stark von der jeweiligen Ursache und der Zeit bis zur Behandlung ab:

  • Hodentorsion: Sofortige chirurgische Entlastung innerhalb von 6 Stunden kann den Hoden in über 90 % der Fälle retten. Eine Verzögerung über 12 Stunden hinaus führt oft zu irreversiblen Schäden.
  • Infektionen: Bei frühzeitiger und adäquater antibiotischer Behandlung sind die Aussichten gut, obwohl es zu bleibenden Schäden an den Samenleitern kommen kann.
  • Varikozele und Hydrozele: Nach chirurgischer Korrektur ist die Prognose meist gut, wobei es in einigen Fällen zu Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung) kommen kann.
  • Chronische Hodenschmerzen: Diese erfordern häufig ein multidisziplinäres Schmerzmanagement und können eine Herausforderung darstellen. Die langfristige Prognose ist variabel und hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Akutes Skrotum im Kindes- und Jugendalter. (AWMF-Registernummer: 006-023), August 2015 Langfassung