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Klassifikation
Störungen der Vestibularfunktion

Internationale Klassifikation Vestibulärer Erkrankungen (ICVD) [1; adaptiert nach 2]

Ebene 1
Symptome und klinische Zeichen
Vertigo  diffuser  Unsicherheit Oszillopsien
             Schwindel         

Nystagmus OTR       VOR-Ausfall              .......
Ebene 2
Syndrome
akutes
vestibuläres
Syndrom
episodisches
vestibuläres
Syndrom
chronisches
vestibuläres
Syndrom
Ebene 3
Erkrankungen
primär als vestibuläre Krankheit klassifizierte Störungen
Vestibuläre Symptome anderweitig klassifizierter Krankheiten
Ebene 4
Krankheitsmechanismen
genetisch
.......
entzündlich
.......
traumatisch
.......

Legende

  • OTR: "ocular tilt reaction" (Vertikaldivergenz der Augen)
  • VOR: vestibulookulärer Reflex: Bei Kopfdrehungen werden die Augen mit gleicher Geschwindigkeit in die entgegengesetzte Richtung bewegt, sodass ein Objekt weiterhin fixiert werden kann. Dieser Hirnstammreflex ermöglicht damit auch im Falle einer plötzlichen Kopfbewegung eine stabile visuelle Wahrnehmung.

Die oben dargestellte Klassifikation liegt der Empfehlung zugrunde, der Symptomqualität weniger Bedeutung beizumessen. Zur Diagnosestellung wird hier die Methode TITRATE – „timing, triggers and targeted examination“ – empfohlen: timing (zeitlicher Verlauf), triggers (Auslöser), targeted examination (gezielte Untersuchung).

Akutes vestibuläres Syndrom: akut beginnender, anhaltender, starker drehender oder diffuser Schwindel und/oder ein Ungleichgewicht mit mindestens eintägiger Dauer. Des Weiteren Hinweise auf neu aufgetretene und anhaltende Störungen des vestibulären Systems (z. B. Nystagmus (schnelle unwillkürliche Pupillenbewegungen), Gleichgewichtsstörungen, Erbrechen). Typische Krankheiten sind Neuritis vestibularis (anhaltender Drehschwindel), Herpes zoster oticus (Variante des Herpes zoster/Gürtelrose), Labyrinthitis (Entzündung des Innenohres) und Intoxikationen (Vergiftungen; z. B. Carbamazepin-Überdosierung).

Episodisches vestibuläres Syndrom: wiederkehrende Anfälle von drehendem oder diffusem Schwindel und/oder Ungleichgewicht mit einer Dauer von Sekunden, Minuten oder Stunden mit vollständigem Stillstand der Symptome zwischen den Anfällen. Des Weiteren Hinweise von zeitweisen vestibulären Störungen (z. B. Nystagmus, Übelkeit, Stürze). Typische Krankheiten sind Morbus Menière, vestibuläre Migräne, gutartiger Lagerungsschwindel, Vestibularisparoxysmie (wiederkehrende, kurz anhaltende Schwindelattacken), orthostatischer Schwindel (nach schnellem Aufstehen), transitorische ischämische Attacke (TIA), Panikattacken.

Chronisches vestibuläres Syndrom: chronischer, drehender oder diffuser Schwindel und/oder Ungleichgewicht. Des Weiteren Hinweise von anhaltenden vestibulären Störungen wie Nystagmus, Oszillopsien (Sehstörung, bei der der Betroffene mit den Augen fixierte Objekte als zitternd oder schwankend wahrnimmt), Gangunsicherheiten. Typische Krankheiten sind einseitiger oder beidseitiger Vestibularisausfall, Defektzustände nach Apoplex (Schlaganfall), zerebelläre Ataxien (kleinhirnbedingte Gangstörungen).

Hinweis: Die genannten typischen Krankheiten sind Bestandteil des Themas "Störung der Vestibularfunktion" oder auch zum Teil einzelne Krankheitsthemen (z. B. Morbus Menière).

Vestibuläre Symptome: Dabei werden 4 Symptome unterschieden: 

  1. Schwindel als Illusion einer Bewegung1, die nicht wirklich erfolgt, oder als eine wirkliche Bewegung, die verzerrt erlebt wird.
  2. Diffuser Schwindel („dizziness“)1: Gefühl einer gestörten räumlichen Wahrnehmung, jedoch ohne Bewegungsillusion.
  3. Visuovestibuläre Symptome sind: Oszillopsien (Sehstörung, bei der die Betroffenen mit den Augen fixierte Objekte als zitternd oder schwankend wahrnehmen); Verschwommensehen bei Kopfbewegungen; externer Schwindel als Illusion, dass sich die Umgebung dreht. 
  4. Posturale Symptome2: Gefühl von Ungleichgewicht, gerichtet (z. B. Lateropulsion/Neigung zum Seitwärtssinken oder -fallen nach links) oder ungerichtet, sowie durch Störungen des Gleichgewichts bedingte Beinahe-Stürze und Stürze.

1Die Schwindel werden weiter unterteilt in „spontan auftretend“ oder „ausgelöst“ durch Kopfbewegung, Lagerung, Orthostase (aufrechte Körperhaltung), visuelle Reize, Valsalva-Phänomen (Schwindel nach Pressatmung), Geräusche oder sonstige Trigger.
2Die posturale Kontrolle bezeichnet die Fähigkeit des menschlichen Körpers, unter dem Einfluss der Schwerkraft eine aufrechte Körperposition beizubehalten.

Literatur

  1. Bárány Society initiative for the establishment of the International Classification of Vestibular Disorders (ICVD) Journal of Vestibular Research 2014
  2. Bisdorff AR, Staab JP, Newman-Toker DE: Overview of the international classification of vestibular disorders. Neurol Clin 2015 Aug; 33 (3): 541-50, vii. doi: 10.1016/j.ncl.2015.04.010.
     
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