Weitere Therapie
Schwindel (Vertigo)

Die Therapie des Schwindels erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache.

Eine Einweisung in die Notaufnahme ist erforderlich, wenn der Schwindel:

  • Ausdruck einer bedrohlichen, akut behandlungsbedürftigen Erkrankung sein könnte.
  • eine bedrohliche Folgekomplikation (z. B. Sturz) nach sich ziehen könnte oder bereits verursacht hat.

Eine stationäre Therapie ist erforderlich wenn:

  • eine akut behandlungsbedürftige Erkrankung als Ursache des Schwindels vorliegt und sich deren Therapie nicht ambulant durchführen oder überwachen lässt
  • wenn potentiell ernsthafte Erkrankungen in der Notaufnahme nicht endgültig ausgeschlossen werden können und die weitere Diagnostik zeitnah erfolgen muss
  • bei älteren Patienten durch eine schwindelbedingte Einschränkung/Erkrankung
    • eine hohe Sturzgefahr vorliegt und damit das Risiko für weitere Folgekomplikationen besteht
    • die häusliche Versorgung bei alleinstehenden Patienten nicht mehr gewährleistet ist und sozialmedizinische Maßnahmen eingeleitet werden müssen

Bei Vorliegen eines Sturzes bzw. einer Sturzgefahr s. u. "Sturzneigung/Prävention".

Allgemeine Maßnahmen

  • Bettruhe sollte maximal ein bis zwei Tage bei akuten Auftreten des Drehschwindels eingehalten werden. Danach sollte sich der Patient mobilisieren.
  • Überprüfung der Sehstärke (wg. Möglichkeit der falsch angepassten Brille)
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum)
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g Alkohol pro Tag; Frauen: max. 12 g Alkohol pro Tag)
  • Normalgewicht anstreben!
    Bestimmung des BMI (Body-Mass-Index, Körpermassen-Index) bzw. der Körperzusammensetzung mittels der elektrischen Impedanzanalyse und ggf. Teilnahme an einem ärztlich betreuten Abnehmprogramm bzw. Programm für Untergewichtige
  • Überprüfung der Dauermedikation wg. möglicher Auswirkung auf die vorhandene Krankheit
  • Vermeidung psychosozialer Belastungen:
    • Psychische Belastungen
    • Stress
  • Vermeidung von Umweltbelastungen:
    • Explosionstrauma, Knalltrauma

Trainingsmethoden

Übungen zur Blickstabilisation lindern Schwindel.

Bei Schwindel kann man eine Reihe von Methoden erlernen, um die Schwindelattacken zu minimieren. Zu diesen Methoden zählt unter anderem das Epley-Manöver.
Bei diesem Manöver liegt der Betroffene auf dem Rücken und überstreckt den Kopf. Der Kopf ist gleichzeitig zur betroffenen Seite geneigt. Nach 30 Sekunden wird der Kopf auf die andere Seite gedreht. Nach weiteren 30 Sekunden legt sich der Patient auf die gesunde Seite. Die Stirn wird auf der Liege abgelegt. Nach weiteren 30 Sekunden setzt sich der Patient auf.

Der benigne (gutartige) paroxysmale ("anfallsartig auftretende") Lagerungsschwindel (BPLS) ist eine häufige Ursache für Attackenschwindel. Die Behandlung erfolgt mit dem passenden Befreiungsmanöver (z. B. Rollmanöver und Guffoni-Manöver bei horizontalen BPLS) in Abhängigkeit von dem betroffenen Bogengang (posteriorer, horizontaler) und ist bei richtiger Durchführung sehr erfolgreich. 

Medikamentöse Therapie

Der Einsatz von Antivertiginosa (Arzneimittel zur Behandlung von Schwindel) kann bei unklarem Schwindel mit ausgeprägter Symptomatik (z. B. Nausea/Übelkeit) erwogen werden. Zum Einsatz kommen:

  • Cinnarizin (Antihistaminikum und Calciumkanalblocker der Diphenylmethylpiperazingruppe) mit Dimenhydrinat (Antihistaminikum) sowie die Monotherapie mit Betahistin (Antivertiginosa, Antiemetika/Medikamente, die Übelkeit und Brechreiz unterdrücken; Betahistin ist zugelassen für Morbus Menière)
    Anwendungsdauer: nur wenige Tage

    Beachte:
     Die durch Training (s. o.) stimulierbaren Kompensationenmechanismen, die zu einer Adaptation des Schwindels führen, werden ohne Antivertiginosa besser erreicht.

Für die nachfolgende Schwindelformen finden Sie die medikamentöse Therapie unter Störungen der Vestibularfunktion/Medikamentöse Therapie:

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)
  • Bilaterale Vestibulopathie (BV)
  • Morbus Menière
  • Neuritis vestibularis
  • Vestibuläre Migräne
  • Vestibularisparoxysmie

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen  

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkrankung. Das bedeutet u. a.:
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte)
  • Weitere spezielle Ernährungsempfehlungen in Abhängigkeit von der Ursache des Vertigo (Schwindel).
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns

Sportmedizin

  • Der Patient sollte sich bewegen, um zentrale Mechanismen, die der Körper gegen den Schwindel hat, zu aktivieren – ggf. leichtes Ausdauertraining (Cardiotraining) 
  • Erstellung eines Fitnessplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck) in Abhängigkeit von der Ursache des Schwindels.
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Aktivierende Physiotherapie mit Gang- und Gleichgewichtsübungen (als länger andauernde Therapie) – bei vielen Form des chronischen Schwindels

Psychotherapie

  • Ggf. Stressmanagement
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de

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Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
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