Körperliche Untersuchung
Schwindel (Vertigo)

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Haut, Schleimhäute und Augen [Nystagmus – unwillkürliche, aber schnelle rhythmische Augenbewegungen; wird auch im Anfall bei einem Morbus Menière gesehen]
      • Gangbild bzw. Untersuchung von Gang und Balance: [Gangataxie (Gangstörungen)]
        • frei gewählte Gehgeschwindigkeit
        • Geh- und Zähltest
        • Aufsteh- und Gehtest ("Timed Up and Go"-Test)
  • HNO-ärztliche Untersuchung 
    • Nystagmusprüfung:
      • Spontannystagmus – Hinweis auf vestibuläre Störung.
      • Einstell-Nystagmus bei extremer Blickeinstellung: wenn erschöpflich, dann physiologisch; ansonsten Hinweis auf vestibuläre Störung.
      • Blickrichtungsnystagmus: sakkadierende Bewegung, Hinweis auf zerebelläre Störung.
    • Schneller Kopfdrehtest/Kopfimpulstest (horizontal) als Auslöser für Schwindel/Nystagmus: Neuritis vestibularis und Vestibulopathien [bei der Verdachtsdiagnose "Neuritis vestibularis“" kann ein unauffälliger Test ein Hinweis auf einen (seltenen) zerebellären Infarkt sein]
    • Schneller Kopfdrehtest/Kopfimpulstest (horizontal) als Auslöser für Schwindel/Nystagmus und anschließend Nystagmus-Unterdrückung durch Kopfnicken (Kopfschüttel- und -neigungstest):
      • gelingt die Unterdrückung des Nystagmus nicht durch Kopfnicken → zentrale Schwindelursache (sehr wahrscheinlich) [1]
    • Lagerungsversuch nach Dix-Hallpike bei Lagerungsschwindel (BPPV)
  • Neurologische Untersuchung 
    • Refexstatus
    • Sensibilität an Beinen (+ Stimmgabel)
    • Finger-Nase- und Knie-Hacken-Versuch (zerebral/Gehirn betreffend, zerebellär/Kleinhirn)
    • Vorhalteversuch (Ausschluss latenter Paresen)
    • Romberg-Stehversuch (Synonyme: Romberg-Test; Romberg-Versuch) (zerebellär, spinal, vestibulär) − Der Romberg-Stehversuch dient als klinischer Test der Untersuchung einer Ataxie (vestibulär, spinal (Rückenmark) oder zerebellär (Kleinhirn)) und kann helfen, zwischen einer spinalen und einer zerebellären Ataxie zu differenzieren.
      Zur Durchführung wird der Patient gebeten, sich mit dicht nebeneinander stehenden Füßen und vorgestreckten Armen hinzustellen und die Augenlider zu schließen.
      Ein positiver Befund (= positives Romberg-Zeichen) bezeichnet eine Verschlechterung der Koordination durch den Schluss der Augenlider. Als Zeichen der Verschlechterung ist ein zunehmendes Schwanken zu erwarten, welches für eine spinale Ataxie spräche.
      Bei einem negativen Befund liegt eine unveränderte Koordination nach Augenschluss vor.
      • Kann der Patient auch mit geöffneten Augen ein Schwanken nur unvollständig oder gar nicht kontrollieren, spricht dies für eine zerebelläre Ataxie.
      • Eine Fallneigung in eine Richtung nach Augenschluss spräche für eine Schädigung des jeweiligen Vestibularorgans.
    • Diadochokinese (zerebellär)
  • Orthopädische Untersuchung [wg. Differentialdiagnose: Funktionsstörungen der Halswirbelsäule]
  • Psychiatrische Untersuchung [wg. Differentialdiagnosen:
    • Agoraphobie – Angst vor weiten Plätzen
    • Alkoholabusus (starker Alkoholkonsum)
    • Depression
    • Drogenkonsum]
  • Gesundheitscheck

Krankheiten und deren typische Schwindelformen

Krankheiten Schwindelformen
Bilaterale Vestibulopathie (BV; beidseitige Schädigung des Gleichgewichtsorgans; 17,1 %), phobischer Schwankschwindel (15 %) Dauerschwankschwindel
Neuritis vestibularis (8,3 %), zentrale Hirnstammläsion Dauerdrehschwindel
Paroxysmaler Lagerungsschwindel (häufigste vestibuläre Schwindelerkrankung.) Drehschwindel bei Kopf-/Körperlageänderung
Vestibularisparoxysmie (neurovaskuläres Kompressionssyndrom des achten Hirnnerven; 3,7 %) Häufige, kurzdauernde Schwindelattacken
Vestibuläre Migräne (Schwindel ist dabei Teilsymptom der Migräne; 11,4 %), M. Menière (10,1 %) Spontane, wiederholte Schwindelattacken

 In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.

Literatur

  1. Zuma e Maia FC et al.: Head-shaking tilt suppression: a clinical test to discern central from peripheral causes of vertigo. J Neurol (2017). doi: 10.1007/s00415-017-8524-x.
     
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