Weitere Vitalstoffe (Mikronährstoffe)
Mikronährstoff-Mehrbedarf (Vitalstoffe) in der Stillphase

Vitaminoide sind essentielle Nahrungsbestandteile mit vitaminähnlichen Wirkungen, aber ohne Coenzymfunktion. Der Körper kann diese Stoffe selbst herstellen, jedoch ist die Eigensynthesemenge vor allem in der Stillzeit nicht ausreichend für die Bedarfsdeckung. Deshalb ist die Zufuhr über die Nahrung oder in Form von Supplementierung von entscheidender Bedeutung.

Während der Stillzeit wird insbesondere L-Carnitin, Coenzym Q10 (Ubichinon) vermehrt verbraucht und gleichzeitig jedoch zu wenig aufgenommen. Kommt es zum Mangel dieser Vitaminoide, wird die Plasmakonzentration der Mutter zu Gunsten des Kindes aufgrund der Muttermilchproduktion stark reduziert.

L-Carnitin

Funktion des L-Carnitins

  • Unerlässlich für den Fettsäuretransport und für die Energiegewinnung aus dem Abbau von Fettsäuren – mitochondriale Fettsäureoxidation
  • Beteiligt an der Wirkung des Schilddrüsenhormons Thyroxin, welches Stoffwechselvorgänge und innere Verbrennungsvorgänge durch vermehrte Sauerstoffaufnahme in die Zellen steigert
  • Gute Carnitin-Lieferanten sind Fleisch und Milch, in pflanzlichen Nahrungsmitteln kaum vorhanden – Vegetarier sind mangelgefährdet [1]

L-Carnitin wird in den Zellen von Leber und Nieren aus den Aminosäuren Lysin und Methionin synthetisiert. Für die Eigensynthese werden zudem Vitamin B3, B6, C sowie Eisen benötigt. Diese Vitalstoffe (Mikronährstoffe) müssen daher in ausreichenden Mengen vorhanden sein, um die Bildung von L-Carnitin zu gewährleisten [1].

Da das Herz, die Muskeln, Leber und Nieren hauptsächlich ihren Energiebedarf aus Fetten decken, sind sie besonders auf Carnitin angewiesen. Bei Carnitin-Mangel können die Funktionen von Herz, Muskeln, Leber und Nieren beeinträchtigt werden, woraus Energiebereitstellungsprobleme resultieren [1]

Coenzym Q10

Funktion des Coenzym Q10 (Ubichinon)

  • Energielieferant – aufgrund der ringförmigen Chinonstruktur kann Coenzym Q10 Elektronen aufnehmen und abgeben, wodurch es eine Schlüsselrolle bei dem biochemischen Prozess der Energiebildung unter Sauerstoffverbrauch – Atmungskettenphosporylierung – in den Mitochondrien einnimmt – bei diesem wichtigen Vorgang kann das Vitaminoid nicht ersetzt werden
  • Beteiligt an der Synthese des ATP, dem Hauptenergieträger der Zelle
  • Membranstabilisierung
  • Wichtiges fettlösliches Antioxidans, da es in den Mitochondrien – wo Freie Radikale als instabile Reaktionsprodukte aus der Zellatmung entstehen –, vorliegt und so Fette vor Oxidation sowie vor Schäden durch Freie Radikale schützt
  • Unterstützt die Wirkung von Vitamin E als Radikalfänger im Fettgewebe, indem es seine Regeneration beschleunigt
  • Hauptsächlich zu finden in Fleisch, Fisch – Sardinen, Makrelen –, Brokkoli, grünen Bohnen, Kohl, Spinat, Knoblauch und in einigen Ölen – Oliven-, Soja-, Mais- und Weizenkeimöl –; in Vollkornprodukten sind hohe Mengen an Coenzym Q9 enthalten, das in der Leber in die für Menschen verwertbare Form umgewandelt werden kann [1]

Coenzyme Q sind chemische Verbindungen aus Sauerstoff-, Wasserstoff- und Kohlenstoffatomen, die eine sogenannte ringförmige Chinonstruktur bilden. Sie sind in allen Zellen vertreten – Mensch, Tier, Pflanze, Bakterien – und werden deshalb als Ubichinone bezeichnet. Für den Menschen ist nur das Coenzym Q10 relevant, wobei in der Natur die Coenzyme Q1 bis Q10 vorkommen.

Um im Körper synthetisiert werden zu können, werden die Aminosäuren Phenylalanin, Tyrosin und Methionin sowie die Vitamine B3, B5, B6, B9 und B12 benötigt. Damit die stillende Mutter und das Neugeborene mit Coenzym Q10 ausreichend versorgt sind, muss die Mutter Ubichinon erhöht über die Nahrung und die für dessen Eigensynthese nötigen Aminosäuren sowie Vitamine vermehrt aufnehmen [1]. Der Säugling ist in seiner Versorgung auf die Mutter angewiesen, da er noch nicht in der Lage ist, genügend Ubichinon selbst zu synthetisieren.
Die höchsten Ubichinonkonzentrationen sind in den Mitochondrien von Herz und Leber zu finden, da diese Organe den höchsten Energiebedarf haben. Auch die Nieren und die Bauchspeicheldrüse weisen hohe Coenzym Q10-Konzentrationen auf [1].

Befindet sich eine Frau in der Stillzeit, die über 40 Jahre alt ist, ist diese besonders mangelgefährdet. Der Grund dafür ist, dass mit zunehmendem Alter die Q10-Konzentrationen aufgrund einer verminderten Eigensynthese, ungenügender Nahrungszufuhr oder eines erhöhten Verbrauchs durch oxidativen Stress in verschiedenen Organen abnimmt. Beispielsweise weisen 40-Jährige 32 % weniger Ubichinon im Herzmuskel auf als 20-jährige Personen [1]. Bei einer Coenzym Q10-Abnahme von 25 % treten bereits Funktionsstörungen der jeweiligen Organe auf. Bei Defiziten über 75 % kommt es zu lebensbedrohlichen Störungen [1].

Der antioxidative Schutz während der Stillzeit kann neben der Gabe von Coenzym Q10 durch erhöhte Aufnahme der Antioxidantien Beta-Carotin, Selen, Vitamin E, C, Gamma-Linolensäure sowie Fettsäuren erheblich verbessert werden.
Die Resorption von Q10 kann durch eine gleichzeitige Zufuhr von sekundären Pflanzenstoffen (Flavonoide) erhöht werden [1].

Tabelle – Bedarf an L-Carnitin und Coenzym Q10

Vitaminoide Mangelerscheinungen – Auswirkungen auf die Mutter Mangelerscheinungen – Auswirkungen auf den Säugling
L- Carnitin
  • Allgemeine Leistungsschwäche, chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)
  • Erkrankung des Herzmuskels, Herzinsuffizienz  (Herzschwäche)
  • Hohe Infektanfälligkeit
  • Insulinresistenz, niedriger Blutzucker (Hypoglykämie)
  • Verminderte ATP-Produktion
  • Muskelschwäche, -krämpfe und -schmerzen
  • Blutarmut (Anämie)
  • Leberschäden
  • Fettanhäufung in den Organen [1]
  • Gedeih- und Wachstumsstörungen
  • Hohe Infektanfälligkeit
  • Neigung zu krampfartig auftretenden Schmerzen in der Bauchregion
  • Erniedrigter Blutdruck (Hypotonie)
  • Leberschäden
  • Fettanhäufung in den Organen
  • Niedriger Blutzucker (Hypoglykämie)
  • Muskelschwäche, -krämpfe und -schmerzen [1]
Coenzym Q10 (Ubichinon)
  • Verschlechterung der Energiebilanz energiereicher Organe wie Herz, Leber und Nieren
  • Erhebliche Störungen des
  • Aeroben Stoffwechsels, da es als wichtiger Bestandteil der Atmungskettenphosporylierung fehlt
  • Beeinträchtigung der ATP-Bildung in Zellen mit einem hohen Energieumsatz
  • Energiebereitstellungsprobleme
  • Verminderte Mitochondrienfunktion sowie verminderte Muskelkraft
Erhöhter oxidativer Stress
führt zu
  • Verminderten Immunreaktionen
  • Entzündungen, insbesondere der Mundschleimhaut (Gingivitis) – Zahnfleischerkrankungen, hohes Parodontitisrisiko
  • Schädigung der DNA in den Mitochondrien
  • Beeinträchtigung der ATP-Bildung in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, wodurch weniger Insulin produziert wird
  • Erhöhtem Risiko für Diabetes mellitus
  • Vermehrter Bildung von Metastasen (Tochtergeschwülste) mit erhöhtem Risiko für Tumorerkrankungen, insbesondere Brustkrebs  (Mammakarzinom)
  • Ungenügendem Hautschutz, vermehrter Faltenbildung
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Hohe Cholesterinwerte [9.1.]
  • Verschlechterung der Energiebilanz energiereicher Organe, wie Herz, Leber und Nieren
  • Beeinträchtigung der ATP-Bildung in Zellen mit einem hohen Energieumsatz
  • Verminderte Mitochondrienfunktion
  • Verminderte Immunreaktion
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Hohe Cholesterinwerte
    (Hypercholesterinämie) [1]

Literatur

  1. Schmidt E, Schmidt N: Leitfaden Mikronährstoffe. Kapitel 2, 96-228; Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004
     
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