Vitamine
Mikronährstoff-Mehrbedarf (Vitalstoffe) in der Stillphase

Vitamin A 

Der Säugling ist in seiner Vitamin A-Versorgung ausschließlich auf die Mutter angewiesen. Da sich die Leberspeicher des Kindes nur in der Zeit der Schwangerschaft auffüllen lassen, hängen sie von der Zufuhr der Mutter ab. Nehmen Frauen während der Schwangerschaft zu wenig Vitamin A auf, kann eine ausreichende Versorgung des Neugeborenen aufgrund geringer Vitamin A-Speicher nicht gewährleistet werden. Die Leberspeicher des Neugeborenen reichen nur für wenige Tage und sind zum Beispiel nach Infekten, die den Vitamin A-Verbrauch steigern oder bei Aufnahmestörungen schnell entleert. Deshalb ist es wichtig, dass die Mutter auch während der Stillzeit auf eine ausreichende Vitamin A-Zufuhr achtet.
Die Höhe der Vitamin-A-Konzentration in der Milch hängt ebenfalls von der Ernährung der Mutter ab. Haben Frauen während der Schwangerschaft ausreichend Vitamin A aufgenommen, ist der Vitamin A-Gehalt in der Muttermilch für Reifgeborene sichergestellt und eine zusätzliche Supplementierung des Neugeborenen ist nicht nötig.

Bei gestillten Frühgeborenen ist eine Supplementierung mit 200-1000 µg Vitamin A pro Tag zu empfehlen
, weil die Plasmakonzentration von der aktiven Vitamin A-Form Retinol sowie von dem Retinol bindenden Protein – RBP – im Nabelschnurblut erniedrigt ist. Substitutionen mit Vitamin A erhöhen beim Säugling die Vitamin A-Plasmakonzentration und beugen chronischen Lungenerkrankungen vor [1.2.]. Nicht mit Muttermilch ernährte Neugeborene sollten als Prophylaxe einen Carotinoid-Komplex von 1-2 Milligramm erhalten [4.2.].
Die Werte dürfen jedoch nicht überschritten werden, da Überdosierungen – über 100.000 µg – zu Erbrechen führen können und den Hirndruck – intrakranieller Druck – des Säuglings erhöhen können.

Funktion des Vitamin A

  • Notwendig für die Erhaltung der Haut, der Zellmembranen und des Skelettgewebes [1.2.]
  • Spielt eine wichtige Rolle bei der Spermatogenese (Samenzellbildung), Androgen- und Östrogensynthese [1.2.]
  • Schlüsselkomponente für den Sehvorgang und das Farbensehen [1.2.]
  • Wachstum und Organbildung werden von Retinoiden kontrolliert, die aus Vitamin A gebildet werden [1.2.]
  • Antioxidativer Schutz [4.1.]
  • Aufrechterhaltung der Immunfunktion [4.1.]
  • Eisentransport [4.1.]
  • Erythropoese (Bildung der roten Blutkörperchen/Erythrozyten) [4.1.]
  • Myelinsynthese im Nervensystem [4.1.]

Enthalten in tierischen Nahrungsmitteln – Leber, Butter, Käse, gekochte Eier, pasteurisierte Milch, Hering

Vitamin D

Der Bedarf an Vitamin D ist beim Säugling besonders gesteigert, wenn die Mutter in der Schwangerschaft zu wenig über die Nahrung aufgenommen hat und damit zu geringe Reserven besitzt. Da Vitamin D bei Lichteinstrahlung im menschlichen Körper synthetisiert werden kann, ist der Bedarf des Kindes ebenfalls erhöht, wenn sich Frauen während der Schwangerschaft kaum der Sonne ausgesetzt haben und der Gehalt in der Muttermilch dementsprechend niedrig ist.

Zudem weisen Neugeborene in den ersten Lebensmonaten eine geringe UV-B-Exposition auf, was den Bedarf zusätzlich steigert [4.2.].
Der Vitamin D-Anteil im Plasma des Neugeborenen ist aufgrund des geringen Gehalts Vitamin D bindender Proteine stets niedriger als der Vitamin D-Plasmaspiegel der Mutter. Ist infolge dessen der Vitamin D-Blutspiegel der Mutter nach der Geburt zu niedrig, sind Säuglinge extrem mangelgefährdet.
Außerdem sind in der Muttermilch nur geringfügige Konzentrationen des Vitamins vorzufinden – meist 0,1-0,2 µg , was eine Substitution des Neugeborenen mit etwa 10 µg Vitamin D notwendig macht. Mit Hilfe von Supplementierungen kann einer manifeste Rachitis oder Osteomalazie vorgebeugt werden.
Die industriell hergestellte Säuglingsmilch wird ebenfalls mit 10 µg Vitamin D angereichert. Da Vitamin D aus Milchfertignahrung jedoch vom Neugeborenen schlechter resorbiert werden kann, werden zusätzlich 12,5 µg oral verabreicht.
Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden, weisen einen höheren Vitamin D-Bedarf auf als Reifgeborene. Frühgeborene benötigen unter anderem zur Osteoporoseprävention etwa 800-1600 IE [1.2.].

Gründe für einen gesteigerten Bedarf bei Frühgeborenen im Vergleich zu Reifgeborenen:

  • Stärkeres Wachstum
  • Besitzen einen geringeren Vitamin D-Speicher
  • Der biologische Transformationsweg von Vitamin D ist noch nicht voll ausgereift
  • Mangel an Gallensäure und eine geringe Fettaufnahme begrenzen die intestinale Vitamin D-Aufnahme [4.2.]

Funktion des Vitamin D

  • Voraussetzung für einen funktionierenden Knochenstoffwechsel
  • Beeinflusst die Calcium- und Phosphoraufnahme
  • Reguliert den Calcium- und Phosphat-Haushalt
  • Insulinausschüttung
  • Zellwachstum
  • Aufrechterhaltung des Immunsystems

Enthalten in tierischen Nahrungsmitteln – Ei, Fleisch, Fisch, Käse, Butter, Milch [4.1.]

Vitamin D-Supplemente dürfen beim Säugling auf keinen Fall überdosiert werden, da Herzfehler, Hirnschädigungen, Lungenerkrankungen sowie Gedeihstörungen die Folge sein können [1.2.].

Vitamin E  

Neugeborene weisen nur sehr geringe Vitamin E-Speicher auf. Der Grund dafür ist der niedrige Vitamin E-Transport von der Plazenta zum Fetus. Besonders bei Frühgeborenen ist der Vitamin E-Plasmaspiegel zum Zeitpunkt der Geburt niedrig. Je früher ein Kind zur Welt kommt, desto niedriger sind seine Vitamin E-Werte [4.1.].
Über die Muttermilch können die nur geringfügigen Vitamin E-Spiegel innerhalb weniger Wochen wieder aufgefüllt werden. Eine Vitamin E- Supplementierung ist damit bei Neugeborenen nicht nötig, da der Vitamin E-Gehalt der Muttermilch – bei ausreichenden Reserven der Mutter – für die Versorgung des Säuglings ausreicht.
Werden Säuglinge jedoch nicht gestillt und mit selbst gefertigten Kuhmilchmischungen ernährt, muss eine Substitution von etwa 2 bis 3 Milligramm alpha-Tocopheroläquivalenten pro Tag erfolgen, um das Neugeborene vor Mangelsymptomen zu bewahren [4.1.].

Funktion des Vitamin E

  • Als essentielles Antioxidans für ungesättigte Fettsäuren schützt es Lipidmembranen vor der Schädigung durch Sauerstoffradikale
  • Verhindert Vermehrung Freier Radikale, indem es deren Kettenreaktionen unterbricht
  • Schützt Cholesterol vor Oxidation und beugt so Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung) vor
  • Unterbindung der Oxidation von Phospholipiden und von Arachidonsäure in der Zellmembran – Vorbeugung rheumatischer Erkrankungen
  • Steigert die Produktion von zellulären und humoralen Abwehrstoffen, sodass die Immunfunktion verbessert wird
  • Steigert die Resistenz gegen Bakterien

Enthalten in pflanzlichen Ölen, Weizenkeimöl, Erdnüssen, Vollkornprodukten, Blattgemüse [4.1.]

Zur Tumorprävention kann Vitamin E gemeinsam mit dem antioxidativ wirksamen Vitamin C und Beta-Carotin substituiert werden. Um den Effekt zu verstärken, ist der Zusatz weiterer Antioxidantien zu empfehlen [4.1.].

Vitamin K 

Aufgrund der unzureichenden Vitamin K-Übernahme von der Mutter sowie der fehlenden Vitamin K-Produktion im bakteriell noch unbesiedelten kindlichen Darm, haben Neugeborene einen niedrigen Vitamin K- Plasmaspiegel. Durch die geringe Vitamin K- Konzentration ist die Synthese der Gerinnungsfaktoren deutlich vermindert. In Folge dessen finden sich bei Neugeborenen geringe Konzentrationen von Plasmaproteinen der Blutgerinnung – erniedrigte Prothrombinwerte, die bis zum dritten Tag nach der Geburt auf 20-40 % der Erwachsenennorm absinken. Zudem weisen Säuglinge eine verlängerte Prothrombinzeit – 19-22 Sekunden, normal 13 Sekunden – auf.
Aus diesem Grund haben Babys häufig eine hohe Blutungsneigung, die neben Magen-Darm-Blutungen auch zu Hirnblutungen führen kann [1.2.].
Eine Vitamin K-Gabe an die Mutter über einen Venenzugang – parenteral – vor der Geburt bringt keine Vorteile, da unreife Kinder die fehlenden Gerinnungsfaktoren in nur minimalen Mengen synthetisieren können. Die parenterale Gabe an die Mutter kann sogar die bereits erhöhte Bilirubinkonzentration im Blut des Neugeborenen (Hyperbilirubinämie) verstärken und Gelbsucht zur Folge haben [3]. Gegen eine orale Substitution in der letzten Schwangerschaftswoche ist hingegen nichts einzuwenden.
Vitamin K-Substitutionen an Säuglinge sind überaus hilfreich, da auf diese Weise die Synthese der Gerinnungsfaktoren und damit die Prothrombinwerte erhöht werden können sowie eine Verlängerung der Prothrombinzeit verhindert werden kann.
Alle Neugeborenen sollten als Prophylaxe bereits am ersten Lebenstag 0,5-1 Milligramm wasserlösliches Vitamin K intramuskulär oder oral erhalten, wobei die Dosierung solange wöchentlich gegeben werden sollte, bis eine volle orale Ernährung erreicht ist [1.2.]. Bei Frühgeborenen sowie bei Säuglingen mit gestörter Vitamin K-Aufnahme – bei Mukoviszidose, chronischem Durchfall und Hepatitis – ist ebenfalls eine parenterale Gabe zu empfehlen.
Die Muttermilch enthält nur 1-2 µg Vitamin K, wodurch gestillte Säuglinge täglich mit 2-3 µg pro Kilogramm Körpergewicht substituiert werden.
Nicht supplementierte Neugeborene sind einer erhöhten Gefahr für blutende Erkrankungen – hämorrhagische Erkrankungen – mit verstärktem Sterblichkeitsrisiko ausgesetzt. Insbesondere kann es bei Frühgeborenen zu Hirnblutungen kommen [4.2.].

Funktion des Vitamin K

  • Beteiligung an der Synthese von Gerinnungsfaktoren
  • Wichtige Funktion im Knochensystem – steuert die Aktivität der knochenbildenden Zellen – Osteoblasten – somit unerlässlich für die Gesundheit der Knochen

Enthalten in erster Linie in pflanzlichen Nahrungsmitteln – Spinat, Brokkoli, Kopfsalat, Rosenkohl, Blumenkohl; mittlerer Gehalt in Fleisch, Innereien und Obst; wenig Vitamin K in Milch und Käse [4.1.]

Vitamin B-Komplex inklusive Biotin und Folsäure

Meist wird bei guter Versorgung der Mutter mit den B-Vitaminen bei mit Muttermilch ernährten Früh- und Reifgeborenen kein Mangel beschrieben [1.2.]. Unter normalen Umständen enthält die Muttermilch somit ausreichende Mengen an Vitamin B1, B2, B3, B5, B12 sowie Biotin. Der Bedarf der Mutter dieser B-Vitamine sowie Biotin ist während der Stillzeit zwar erhöht, aber übersteigt nicht den in der Schwangerschaft. Eine Substitution erscheint weder bei der Mutter noch bei gestillten Früh- sowie Reifgeborenen angebracht [1.2.]. Auch bei Neugeborenen, die mit angereicherter Milchfertignahrung ernährt werden, ist eine Supplementierung nicht notwendig.

Wichtig ist, dass die B-Vitamine in Kombination ausreichend zugeführt werden, da jedes B-Vitamin nur im Verbund mit den anderen seine jeweilige Wirkung entfalten kann [4.1.]

Täglicher Bedarf der Mutter während der Stillzeit:

  • Vitamin B1 – 1,5-1,7 mg
  • Vitamin B2 – 1,6-2,2 mg
  • Vitamin B3 – 17-20 mg
  • Vitamin B5 – 2,5-5,0 mg
  • Vitamin B12  – 4,0 µg
  • Folsäure – 600 µg
  • Biotin – 20-30 µg [4.1.]

Nehmen Frauen jedoch während der Schwangerschaft zu geringe Mengen der Vitamine auf, kommt es neben dem Mangel der Mutter auch zur Unterversorgung des Säuglings [4.2.].

Da Vitamin B1 hitzeempfindlich ist, kann es schnell bei der Zubereitung von Milchfertignahrung verloren gehen. Mit abgekochter Milch ernährte Kinder sollten daher zur Vorsorge mit 1-2 Milligramm Vitamin B1 substituiert werden.

Vitamin B2
ist dagegen überaus lichtempfindlich. Werden Säuglinge zur Senkung einer Hyperbilirubinämie in Form einer Phototherapie behandelt, kann es schnell zu einem leichten Riboflavin-Mangel kommen. Vitamin B2 kann den ultravioletten Strahlen nicht standhalten. Wenn die Mutter ausreichend Vitamin B2 über die Nahrung aufgenommen hat, kann auch der Säugling gut versorgt werden und eine Substitution des Kindes mit Riboflavin ist nicht nötig. Marginale Mängel des Neugeborenen können so durch den Vitamin B2-Gehalt in der Muttermilch behoben werden [4.2.].

Vitamin B6
Die Vitamin B6-Versorgung mit Muttermilch ernährter Säuglinge hängt von der Vitamin B6-Zufuhr der Mutter ab. Achten Frauen bereits in der Schwangerschaft auf eine hohe Vitamin B6-Aufnahme, ist die Pyridoxin-Konzentration in der Muttermilch ausreichend, wobei der Gehalt der Muttermilch unter normalen Umständen von 47 µg pro dl am zweiten und dritten Stilltag auf 23 µg pro dl während des ersten Laktationsmonats absinkt.
Vitamin B6 wird bei gestillten Frühgeborenen besser im Körper gespeichert als bei denen, die mit Milchfertignahrung ernährt werden. Das liegt an der höheren Bioverfügbarkeit von Vitamin B6 aus Muttermilch [2]. Nicht gestillte Säuglinge haben aufgrund der geringeren Bioverfügbarkeit aus Milchfertignahrung einen dementsprechend höheren Bedarf.
Der Pyridoxin- Bedarf bei Frühgeborenen ist sehr unterschiedlich, da dieser von der jeweiligen Eiweißzufuhr abhängt. Je höher die Proteinaufnahme, desto mehr steigt auch der Vitamin B6- Bedarf da das Vitamin als Coenzym im Aminosäurestoffwechsel mitwirkt. Empfehlenswert ist für frühgeborene Kinder eine tägliche Vitamin B6-Zufuhr von 100-300 µg.
Eine unzureichende Pyridoxin-Aufnahme der Mutter geht mit einer geringen Plasma-Vitamin B6-Konzentration des Säuglings einher, da die Konzentration in der Muttermilch sinkt. Ist ein Kind mangelgefährdet, erscheint eine großzügige Substitution zwischen 10 und 27 Milligramm pro Tag als überaus sinnvoll [1.2.].

Hinweis!
Zur Substitution sollte kein Vitamin B6-Monopräparat benutzt werden, da die Vitamine der B-Gruppe nur im Verbund wirken [4.1.].

Funktion des Vitamin B6

  • Coenzym im Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel von mehr als 60 Enzymen
  • Gewährleistet zelluläre und humorale Immunabwehr
  • Glykogenese
  • Hämoglobinsynthese

Vorkommen besonders in Weizenkeimen, Fisch, Fleisch, Leber, Eigelb, Nüssen, Vollkornprodukten, Reis, Bohnen und Avocado [4.1.]

Vitamin B12
Vernachlässigen Frauen innerhalb der Schwangerschaft nicht ihre Vitamin B12- Zufuhr, ist die Serumkonzentration des Neugeborenen in der Regel 2-3-mal höher als die der Mutter. Frauen mit vegetarischer Ernährungsweise oder mit einem Mangel an Intrinsic-Faktor, welcher für die Aufnahme von Vitamin B12 unerlässlich ist, weisen hingegen ohne Supplementierung erhebliche Vitamin B12- Mängel auf. Eine Vitamin B12- Gabe ist unter solchen Umständen dringend notwendig, um nicht die Gesundheit des Kindes in Gefahr zu bringen [4.2.].

Folsäureauch Vitamin B9 genannt
Da Folsäure ein überaus hitzelabiles und lichtempfindliches Vitamin ist, geht es schnell bei der Speisenlagerung oder -zubereitung in hohen Mengen verloren. Daher kann es rasch zu einem Mangel bei der Mutter kommen. Besonders mangelgefährdet sind junge stillende Frauen zwischen 18 und 24 Jahren, weil sie zu wenig Folsäure über die Nahrung aufnehmen. Durch folglich unzureichende Mengen in der Muttermilch kann das Neugeborene nicht optimal versorgt werden. Eine Folsäure-Substitution ist dringend notwendig, wobei reifgeborene Säuglinge etwa 100-200 µg erhalten sollten.

Insbesondere wird bei Frühgeborenen ein erhöhter Bedarf aufgrund der geringfügigen körpereigenen Reserven und des raschen Wachstums nach der Geburt festgestellt. Aufgrund dessen werden frühgeborene Kinder mit maximal 65 µg Folsäure pro Tag substituiert.
Kann Milchersatznahrung aus technischen Gründen nicht mit 40 µg pro dl angereichert werden, sollten nicht mit Muttermilch ernährte Neugeborene ebenfalls mit etwa 65 µg Folsäure supplementiert werden [1.2.]. Ein reifgeborener und voll gestillter Säugling braucht nicht substituiert zu werden, da dieser mit 750 Milliliter Muttermilch pro Tag etwa 60 µg Folat aufnimmt [1.2.].
Mit einer ausreichenden Folsäurezufuhr kann beim heranwachsenden Kind eine optimale Zellvermehrung und die Geweberegeneration gewährleistet sowie der normale Bestand an Blutzellen aufrechterhalten werden [4.1.].
Unter normalen Umständen steigt der Folsäure-Gehalt der Muttermilch von 0,5-1 µg pro dl im Laufe des ersten Monats nach der Geburt auf 2-4 µg pro dl und bis zum dritten Monat auf 5-10 µ pro dl. Da Folsäure in Milch proteingebunden an Beta-Lactoglobin vorliegt, kann Vitamin B9 aus Muttermilch im Gegensatz zu Milchfertignahrung am besten vom Säugling resorbiert werden [1.1.].

Funktion der Folsäure

  • DNA-Synthese [4.1.]
  • Proteinbiosynthese [4.1.]
  • Homocysteinabbau [4.1.]
  • Bildung der Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Aminosäuren und Nukleinsäuren [1.2.]
  • Essentiell für die Zellteilung und -bildung, Fortpflanzung und Wachstum [1.2].
  • Bedeutung im Nervenstoffwechsel [1.2.]

Vorkommen in Blattgemüse, Spargel, Tomaten, Gurken, Getreide, Rinder- und Schweineleber, Hühnereigelb und Walnüssen – Folate aus tierischen Produkten werden häufig besser resorbiert als Folate aus pflanzlichen Produkten [4.1.]

Vitamin C

Weil Vitamin C hitzelabil ist und leicht in wässrigen Lösungen oxidiert, kann eine optimale Vitamin C-Zufuhr über die Nahrung meist nicht gewährleistet werden. Die Vitamin C-Konzentration ist demzufolge bei vielen stillenden Frauen sowie in deren Muttermilch zu gering, was eine Substitution von etwa 100-200 Milligramm erforderlich macht.

Die Vitamin C-Reserven des Frühgeborenen sind relativ hoch, wodurch ein Mangel in Form von Skorbut selten auftritt [1.2.].
Werden Frühgeborene nicht mit Muttermilch, sondern mit kaseinreicher Milchfertignahrung ernährt, weisen sie aufgrund der verminderten Aktivität des Enzyms Tyrosinaminotransferase erhöhte Werte von Tyrosin und Phenylalanin sowie deren Metaboliten in Plasma und Urin auf. In diesem Fall sollten Frühgeborene eine tägliche Supplementierung von 50-100 Milligramm Vitamin C erhalten.
Es ist ebenfalls ratsam, gestillte Neugeborene prophylaktisch zu substituieren – täglich etwa 20 Milligramm Vitamin C –, da durch Pasteurisieren der Muttermilch bis zu 90 % des Vitamin C verloren gehen. Ohne jegliche Behandlung weist Muttermilch circa 4 Milligramm Vitamin C auf.

Funktion des Vitamin C

  • Starkes Reduktionsmittel
  • Beteiligt am Elektronentransport von Hydoxylierungsreaktionen
  • Cofaktor bei der Carnitinsynthese
  • Antioxidativer Schutz, Inaktivierung von Sauerstoffradikalen, verhindert Lipidperoxidation
  • Entgiftung giftiger Stoffwechselprodukte und Medikamente
  • Verhindert die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen
  • Wichtig für die Kollagenbiosynthese
  • Überführung von Folsäure in die aktive Form (Tetrahydrofolsäure)
  • Regeneriert Vitamin E bei Radikalbelastung, erhöht die Eisenaufnahme
  • Verbessert die Fähigkeit der Muskeln, Fett zwecks Energiegewinnung zu verbrennen
  • Unerlässlich für die biologische Aktivität von Hormonen des Nervensystems, wie TRH, CRH, Gastrin oder Bombesin
  • Immunregulierend

Besonders hoch ist der Vitamin C-Gehalt in frisch gepflücktem Obst und Gemüse – Hagebutten, Sanddornsaft, Johannesbeeren, Paprika, Brokkoli, Kiwi, Erdbeeren, Apfelsinen, Rot- und Weißkohl [4.1.]

Bei hohen Vitamin C-Defiziten muss Carnitin zusätzlich substituiert werden [4.1.].


Tabelle – Bedarf an Vitaminen

Vitalstoff (Mikronährstoffe)
Mangelerscheinungen – Auswirkungen auf die Mutter Mangelerscheinungen – Auswirkungen auf den Säugling
Vitamin A
  • Hohe Proteinzufuhr erhöht den Bedarf
  • Fertilitätsstörungen
  • Anämie (Blutarmut)

Erhöhtes Risiko für
  • Lungen-, Blasen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Magen- und Darmtumoren
  • Verringerten Geruchssinn, Tastsinn, Hörstörungen
  • Trockene, raue, juckende Haut mit Ausschlägen
  • Verminderte Produktion von Antikörpern und geschwächtes Immunsystem [4.1.]
Überdosierungen führen zu
  • Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel
  • Zwischenblutungen
  • Verminderter Knochendichte mit erhöhtem Frakturrisiko [4.1.]
  • Verringerung der Vitamin A-Leberreserven
  • Müdigkeit, Appetitverlust
  • Erhöhte Gefahr für Nierensteinbildung
  • Trockene, raue, juckende Haut mit Ausschlägen
  • Wachstumsstörungen der Röhrenknochen
  • Herabgesetzte Geruchsempfindlichkeit
  • Erhöhter Hirndruck, Hydrocephalus (Wasserkopf; krankhafte Erweiterung der liquorgefüllten Flüssigkeitsräume (Hirnventrikel) des Gehirns) [4.1.]

Überdosierungen bei Zufuhr von über 1 Million IE pro Tag führen zu Fehlbildungen unterschiedlicher Ausprägungen, wie
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
  • Fehlbildungen des Schädels und Gesichts, des Herzens, des zentralen Nervensystems, der Extremitäten, des Gastrointestinal- und Urogenitaltraktes, im Bereich des Hörorgans
  • Verdickung der Hirnrinde und der langen Röhrenknochen
  • Störungen in der Entwicklung des Skelettsystems, Wachstumsverzögerungen, Knochenschmerzen
  • Mangel an Cholin und Vitamin E kann die toxische Wirkung der Vitamin A-Überdosierung verstärken [1.2.]
  • Hirndrucksymptomatik
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Appetitverlust
  • Austrocknung der Haut [4.1.]
Vitamin D Verlust von Mineralstoffen aus den Knochen – Wirbelsäule, Becken, Extremitäten – führt zu
  • Hypocalcämie (Calciummangel)
  • Knochenschmerzen und Spontanfrakturen – Osteomalazie
  • Deformierungen
  • Muskelschwäche, besonders an Hüfte und Becken
  • Erhöhtes Risiko einer späteren Osteoporose
  • Verlust des Gehörs, Ohrensausen
  • Gestörtes Immunsystem mit wiederholten Infektionen
  • Erhöhtes Risiko für Dickdarm- und Brustkrebs (Kolon und Mammakarzinom)[4.1.]
  • Verminderte Mineralisierung in den Knochen
  • Hypocalcämie (Calciummangel)
  • Beeinträchtigung der Entwicklung von Knochen und Zähnen
  • Knochenverbiegungen, Störungen im Längenwachstum der Knochen – Ausbildung einer Rachitis

Überdosierungen führen zu
  • Einem Herzfehler mit Fehlbildung in Form einer Verengung der Aortenklappe – Supravalvuläre Aortenstenose
  • Hirnschädigung mit Verzögerung der intellektuellen Entwicklung [1.2.]
Vitamin E
  • Mangelnder Schutz gegen radikalische Angriffe und Lipidperoxidation
  • Vermindert die Immunreaktion
  • Zerfall von Herzmuskelzellen
  • Schrumpfung sowie Schwächung der Muskeln
  • Neurologische Störungen
  • Verringerte Zahl und Lebenszeit der roten Blutkörperchen [4.1.]
  • Verkürzte Lebensdauer der Eryothozyten (rote Blutkörperchen)
  • Anämie (Blutarmut)
  • Beeinträchtigung der Blutgefäße führt zu Blutungen
  • Störungen in der neuromuskulären Informationsübertragung
  • Erkrankung der Netzhaut, Sehstörungen – Neugeborenenretinopathie
  • Chronische Lungenerkrankung, Atemnot – bronchopulmonale Dysplasie
  • Hirnblutungen [1.2.]
Vitamin K Blutgerinnungsstörungen, die zu
  • Einblutungen in Gewebe und Organe
  • Blutungen aus Körperöffnungen
  • Kleinen Blutmengen im Stuhl führen können

Verminderte Aktivität der Osteoblasten führt zu
  • Vermehrter Calciumausscheidung über den Harn
  • Schweren Knochendeformierungen [4.1.]
  • Verminderte Synthese von Gerinnungsfaktoren
  • Erniedrigte Prothrombinwerte – Absinken auf 20-40 % der Erwachsenennorm
  • Verlängerte Prothrombinzeit – 19-22 Sekunden, normal 13 Sekunden
  • Blutgerinnungsstörungen [1.2.]
  • Hohe Blutungsneigung
  • Magen-Darm-Blutungen
  • Hirnblutungen
  • Blutaustritt aus Körperöffnungen und Nabel [4.1.]
Vitamin B6
  • Schlaflosigkeit, nervöse Störungen, Sensibilitätsstörungen
  • Eingeschränkte Reaktion der weißen Blutkörperchen auf Entzündungen
  • Verminderte Produktion von Antikörpern
  • Beeinträchtigung der zellulären und humoralen Immunabwehr
  • Muskelzuckungen, Krämpfe
  • Verwirrungszustände, Kopfschmerzen
  • Übelkeit [4.1.]
  • Erbrechen
  • Wachstumsstillstand
  • Schwindel
  • Anämie (Blutarmut)
  • Gesteigerte Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit
  • Krampfanfälle aufgrund einer verminderten Synthese von Gamma- Aminobuttersäure im wachsenden Gehirn
  • Hautentzündungen (Dermatitis)
  • Reduzierung der DNA-Synthese – eingeschränkte Replikation – und der Zellteilung
  • Oxidative Schäden führen zum Basenumbau in der DNA – Cytosin zu Uracil
  • Diese Mutation kann durch das Fehlen von Vitamin B6 nicht rückgängig gemacht werden – Uracil paart sich mit Adenin
  • Informationsübergabe des Gens wird unterdrückt
  • Störungen der Proteinbiosynthese und der Zellteilung
  • Störungen der Gehirnreifung [1.2.]
Folsäure Schleimhautveränderungen im Mund, Darm und Urogenitaltrakt führen zu
  • Verdauungsstörungen – Durchfall
  • reduzierter Aufnahme von Nähr- und Vitalstoffen (Makro- und Mikronährstoffe)
  • Gewichtsverlust
  • Blutbildstörungen
  • Anämie (Blutarmut) – führt zu schneller Ermüdbarkeit, Kurzatmigkeit, verminderter Konzentrationsfähigkeit, allgemeiner Schwäche

Gestörte Bildung von weißen Blutkörperchen führt zur
  • Verminderung der Immunreaktion auf Infektionen
  • Verminderter Antikörperbildung
  • Gefahr von Blutungen durch verminderte Produktion von Blutplättchen (Thrombozyten)

Erhöhte Homocysteinwerte erhöhen das Risiko für
  • Atherosklerose
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)

Neurologische und psychiatrische Störungen, wie
  • Gedächtnisschwäche
  • Depressionen
  • Aggressivität
  • Reizbarkeit [4.1.]
Störungen in der DNA-Synthese – eingeschränkte Replikation – und verminderte Zellvermehrung erhöhen das Risiko für
  • Missbildungen, Entwicklungsstörungen
  • Wachstumsverzögerung
  • Ausreifungsstörungen des Zentralnervensystems
  • Knochenmarksveränderung
  • Mangel an weißen Blutkörperchen sowie an Blutplättchen
  • Blutarmut
  • Verletzungen der Dünndarmschleimhaut
  • Störungen der Proteinbiosynthese und der Zellteilung [1.2.]
Vitamin C
  • Schwäche der Blutgefäße führt zu
  • Abnormalen Blutungen
  • Schleimhautblutungen
  • Einblutungen in die Muskulatur verbunden mit Schwäche in stark beanspruchten Muskeln
  • Entzündetem sowie blutendem Zahnfleisch (Gingivitis)
  • Gelenksteife und -schmerzen
  • Schlechte Wundheilung

  • Carnitindefizit führt zu
  • Erschöpfungserscheinungen, Müdigkeit, Gleichgültigkeit, Reizbarkeit, Depressionen
  • Erhöhtes Schlafbedürfnis, verminderte Leistungsfähigkeit
  • Abwehrschwäche mit erhöhter Infektionsgefahr
  • Verminderter Oxidationsschutz erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfall (Apoplex) [4.1.]
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Immer wieder auftretende Infekte der Atemwege, der Harnblase sowie der Tuba auditiva, die über die Paukenhöhle des Mittelohrs mit dem Nasenrachenraum verbunden ist

Erhöhtes Risiko für Vitamin C-Mangelerkrankung – Möller-Barlow-Krankheit im Säuglingsalter mit Symptomen wie
  • Große Blutergüsse (Hämatome)
  • Pathologische Knochenbrüche verbunden mit starken Schmerzen
  • Zusammenzucken nach jeder leichtesten Berührung – „Hampelmann-Phänomen“
  • Stillstand des Wachstums [4.1.]

Literatur

  1. Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Kapitel 1 - 26, 3-209 (1.1.), 45, 278-284 (1.2.); Georg Thieme Verlag; Stuttgart/New York 2002
  2. Kasper H: Ernährungsmedizin und Diätetik. Kapitel 15, 419-422; Urban & Fischer Verlag; München/Jena 2000
  3. Niestroj I: Praxis der Orthomolekularen Medizin. Kapitel 10, 199-206; Hippokrates Verlag GmbH; Stuttgart 2000
  4. Schmidt E, Schmidt N: Leitfaden Mikronährstoffe. Kapitel 2, 96-228 (4.1.), 3, 370-400 (4.2.); Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004
     
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