Phasenkontrastmikroskopie

Bei der Phasenkontrastmikroskopie handelt es sich um ein unverzichtbares diagnostisches Verfahren der Gynäkologie, welches die Untersuchung vitaler Zellen im Cervixschleim (Gebärmutterhalsschleim) und im Vaginalsekret (Scheidenflüssigkeit) entscheidend erleichtert. Zudem ermöglicht dieses Verfahren auch eine Beurteilung von Spermien (Samenzellen). 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Diagnostik der Scheidenflora – bei der Untersuchung der Vaginalflora (Scheidenflora) sind folgende Untersuchungen per Phasenkontrastmikroskopie möglich: Beispielsweise kann die Diagnose einer fehlenden Bakterienbesiedlung oder einer normalen Döderleinflora (Milchsäurebakterien) mit oder ohne Zytolyse (Zellzerstörung) mit Hilfe dieses diagnostischen Verfahrens gestellt werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Bakterien im Präparat zu erkennen und diese in die Gruppen der unbeweglichen und beweglichen Bakterien einzuteilen. Außerdem lassen sich auch Flagellaten wie zum Beispiel Trichomonas vaginalis, die der Gruppe der Parasiten angehören, durch das Phasenkontrastmikroskop im Regelfall sicher nachweisen. Des Weiteren sind Mykosen (Pilzerkrankungen) in der Phasenkontrastmikroskopie sicher zu erkennen, sodass mit Hilfe der Phasenkontrastmikroskopie die Diagnosestellung einer Soor-Mykose möglich ist. Auf Grund dieser diagnostischen Möglichkeiten ist der Nachweis einer infektiösen zervikalen Sterilitätsursache im Regelfall möglich.
  • Entzündungsmarker – durch die Phasenkontrastmikroskopie lassen sich Anzahl und Art der Leukozyten (Leukozytenmorphologie) feststellen.
  • Zyklusphasenbestimmung – Zur Bestimmung der Zyklusphasen des Menstruationszyklus dient die Vaginalzytologie. Bei diesem Untersuchungsschritt werden superfiziale (oberflächliche) Zellen der Vagina (Scheide) mikroskopisch begutachtet. Die Zellbeurteilung gibt Auskunft über die aktuelle Zyklusphase der Frau.
    Der weibliche Zyklus wird in zwei Phasen eingeteilt, wobei die erste Phase als Follikelphase (Eireifungsphase) und die zweite Zyklusphase als Corpus-luteum-Phase (Gelbkörperphase)
    bezeichnet wird. Es ist jedoch anzumerken, dass die Zyklusphasenbestimmung mittels Phasenkontrastmikroskopie inzwischen weitestgehend durch die Hormondiagnostik ersetzt worden ist, die ein hohes Maß an Diagnosesicherheit gewährleistet.
  • Sims-Huhner-Test – dieses Testverfahren, welches auch als Postkoital-Test bezeichnet  wird, dient der Feststellung, ob Spermien (Samenzellen) den Cervixschleim (Gebärmutterhalsschleim) durchdringen können, um den Ort der Befruchtung zu erreichen.
  • Beurteilung von Spermien – neben der Beurteilung der Fähigkeit der Spermien, den Cervixschleim zu penetrieren (durchdringen), können durch die Phasenkontrastmikroskopie des Weiteren die Anzahl der Spermien, deren Beweglichkeit und Morphologie (das Aussehen) untersucht werden.
  • Abstrichuntersuchung – bei Verdacht, beispielsweise auf eine Mykose (Pilzerkrankung), besteht die Möglichkeit einen Abstrich von der Vagina (Scheide) oder der Vulva (die Gesamtheit der äußeren primären Geschlechtsorgane einer Frau. Sie besteht aus den Schamlippen und dem Kitzler) oder eventuell von der Analregion zu entnehmen und mikroskopisch zu evaluieren.

Vorbereitung der Phasenkontrastmikrospie am Beispiel der Beurteilung des vorliegenden Vaginalsekrets:

  • Zu Beginn der Beurteilung des Vaginalsekrets durch ein Phasenkontrastmikroskop muss die Herstellung von zwei geeigneten Nativpräparaten (frisches, unfixiertes, meist ungefärbtes Präparat von Körperflüssigkeiten, Geweben oder Organinhalten zum mikroskopischen Nachweis lebender Erreger) erfolgen.
  • Es erfolgt die Zugabe von Kalilauge (KOH) und Kochsalz zum Vaginalsekret. Nach erfolgter Mischung wird das kombinierte Sekret auf einen Objekträger aufgebracht und mit einem Deckglas zugedeckt. Anschließend kann die phasenkontrastmikroskopische Beurteilung erfolgen.

Das Verfahren

Das Prinzip der Phasenkontrastmikroskopie beruht auf der Beeinflussung der Lichtstrahlen in dem Strahlengang des Mikroskops, wodurch eine kontrastreiche Darstellung ungefärbter Zellen erreicht werden kann.

Aufbau und Funktion des Phasenkontrastmikroskops:

  • Für die Funktion des Phasenkontrastmikroskops sind insbesondere die ringförmige Blende, der Kondensator, die ringförmige Phasenplatte und das Objektiv von wichtiger Bedeutung. Durch den Einschub der ringförmigen Blende in den Kondensator und der Phasenplatte in das Objektiv wird eine Trennung von nicht gebeugten und gebeugten Lichtstrahlen hervorgerufen. Die so erzeugte Verzögerung der Wellenlänge der gebeugten Lichtstrahlen ruft eine Phasendifferenz hervor, die optisch die strukturellen Details des zu untersuchenden mikroskopischen Objektes dunkler als das Umgebungsmedium erscheinen lassen. Physikalisch betrachtet wird durch die Phasenplättchen eine Umwandlung der Phasen- beziehungsweise Gangdifferenzen in Amplitudenunterschiede vorgenommen. Als Resultat dieser Amplitudenunterschiede erscheint die Abbildung des Objekts im Mikroskop durch gegenseitiges Auslöschen oder Verstärken der direkten, durch das Objekt gelangenden und am Objekt gebeugten Lichtstrahlen.
  • Ein Nachteil dieses Prinzips ist somit die Tatsache, dass ideale Phasenpräparate nicht die Regel darstellen, da den Phaseneffekten meist Amplitudeneffekte überlagert sind.
  • Auf Grund des Prinzips der Abbildung der Strukturen durch Amplitudenunterschiede werden die vorhandenen Zellstrukturen in Abhängigkeit von der eigenen optischen Dichte als abgestufte Grautöne dargestellt. Zur Verbesserung der Wiedergabe der Strukturen ist die Verwendung dünner Präparate und Phasenplättchen angezeigt. Abhängig von der Beschaffenheit der verschiedenen Phasenplättchen können sowohl positive als auch negative Phasenkontraste erreicht werden, was zur Folge hat, dass die zu untersuchenden Objekte entweder dunkler oder heller als die Umgebung dargestellt werden.
  • Bei der Phasenkontrastmikroskopie ist es außerdem wichtig zu beachten, dass durch die Lichteinwirkung und zusätzliche Schädigungen an den vitalen Zellen relativ schnell Nekrosen (Absterben der Zellen) entstehen können. Als Resultat dieser raschen Nekroseentstehung muss die Beurteilung der Präparate innerhalb von ein bis zwei Stunden erfolgen, um die Aussagekraft der diagnostischen Maßnahme zu erhalten. Somit erfordert diese zeitliche Begrenzung der Beurteilung von Vitalpräparaten in der Regel eine Dokumentation mittels Mikrophotographie oder gegebenenfalls durch die Ausführung einer Mikrokinematographie. Eine Mikrofotografie ist die Fotografie eines mikroskopischen Bildes, welches mit einer an einem Mikroskop angeschlossenen Kamera aufgenommen wurde. Durch die Mikrokinematographie besteht die Möglichkeit, Objekte unter mikroskopischer Betrachtung in bewegten Bildern festzuhalten.

Vorteile der Phasenkontrastmikroskopie:

  • Sofortdiagnostik – zeitsparend und kostengünstig in der Durchführung
  • relativ einfach durchführbar und daher rasch lehr- und lernbar
  • abhängig von der Erfahrung des Untersuchers mit relativ guter Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Verfahrens erkannt wird, d. h. ein positiver Befund auftritt) und Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, durch das Verfahren auch als gesund erkannt werden) behaftet
  • die Diagnostik ist ohne Fremdhilfe (d. h. ohne Fremdlabor) durchführbar

Literatur

  1. Gingelmaier A, Friese K: Entzündliche Erkrankungen der Vulva und Vagina. Der Gynäkologe. 2005. 38:135-150. doi:10.1007/s00129-004-1647-z
  2. Nauth  F: Gynäkologische Zytodiagnostik. Georg Thieme Verlag 2002
  3. Hahn  H: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Verlag 2008
  4. Lauper U, Wight E, Haller U: Gynäkologische Infekte in der Praxis. Praxis (Bern 1994). 1999 Apr 1;88(14):633-8.
  5. Heim K, Pinzger G: Phasenkontrastmikroskopie in der gynäkologischen Praxis. Gynäkologische Geburtsrundschau. 1992. 32:129-130

     
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